Krabbenland

Haun und stechen Afrika
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Am näxten morgen fahr ich zu den buschtaxis, die nach Tiko bzw. Limbe fahren. Ich bin der erste, der ankommt, die kontrolleure wollen 5 euro, mir erscheint das zimlich vil und ich handel es runter auf 3. Is wahrscheinlich immer noch zuvil, mir egal, ich hab dise verhandlungen satt. Die zeit geht vorbei, ein par passagire kommen hinzu, aber fahren tut das buschtaxi lange noch nich. Stunden später will der schaffner, der grade das gepäck auf dem dach des busses organisiert, dass ich ihm meinen rucksack geb, der vorne liegt. Nein, ich hab ein computer im rucksack und möcht es drinnen mitnehmen. Dann musst du für 2 sitze zahlen! Ich hab schon sowieso für 2 gezahlt, 3 euro. Nein, 2 sitze wären 4 euro! Gut, dann zahl ich noch ein euro drauf, werd aber wenigstens nich beschissen, und kann komfortabel reisen. Der kontrolleur will aber 6 euro, ich sage nein, ich kenn inzwischen die preise, und ich zahl 4 euro, aber keine 6. Und wenn nich, soll er mir das geld zurück geben, wer weiss wann dises ding endlich losfährt. Er geht zum schaffner, sie fangen ein streit an, irgendwann kommt der fahrer, der streit zwischen schaffner und kontrolleur eskaliert, sie tauschen sich schon faustschläge aus, mehrere kontrolleure und der fahrer kommen dazu, alle schrein umeinander, naja nach 5 stunden in der prallen sonne bei 40 grad – die hölle schlechthin - fahren wir los, gleich bleiben wir wider stehn, alle steigen aus und die hälfte will nich mehr einsteigen, es wird weiter gestritten, aber am ende fahren wir endgültig los, dann haben wir noch zwei stunden fahrt. Die strasze is pfenninggut, leider gibt es jede menge buckel. Kurz vor Limbe zahlen sie einem taxifahrer etwas geld, er soll mich nach Limbe bringen, der taxifahrer will dann mehr geld um mich zum hotel zu bringen, ich schrei nur noch umeinander, was soll der quatsch. Ich bin fertig, wirklich sehr fertig. Und plötzlich kommen wir im Miramare Hotel an, der von einem botanischen garten, einem plätscherdem flüsschen und dem mer umgeben is, wo bizarre eilande stehn, ein ölbohrturm – auch mal was - und ganz hinten die vulkanische insel von Guinea Ecuatorial. Im hotel is ein swimming pool, eine überdachte bar, alles wunderbar – sogar der preis is recht freundlich. Von der hölle ins paradies. Voller USano leras, missionaren, familien, auch fransis sind dabei – natürlich sind die fransis keine missionare. Insgesamt nich so mein ding aber immerhin seh ich mal wider weisse – meine augen haben sich schon so danach gesehnt! Und nich nur weisse sind hir, auch camerounano mittelclasse-familien sind dabei. Leider is das heute wahrlich nich mein tag, das paradies hat kein zimmer frei. Schön is dass man hir an der bar internet hat, also nütz ich es aus und versuch mal ein par dringende e-mails zu schicken. Leider fährt der computer überhaupt nich mehr hoch. Und ich muss zum Atlantic Beach Hotel ausweichen, der näxtmöglichen herberge. Die hat den charme eines ruinierten sozialistischen hotels, hat zwar ein pool aber da is kein wasser drin. Die klimaanlage geht zwar, aber wozu eine klimaanlage wenn man die fenster nich schliszen kann? Gibt es auf der welt eine idiotischere konstruktion als dise? Ach so ja, 10 minuten nach dem einchecken fällt ihnen ein, dass das wasser vermutlich erst am abend kommt. Sauber. Dafür is das hotel teurer als das Miramare.

Limbe is überwigend anglofon, wie der ganze westliche streifen von Cameroun. 20% der camerounis sind anglofon, 80% francofon, ansonsten werden 200 sprachen im land gesprochen. Im anglofonen Limbe siht man vile baptisten-, presbiterianerkirchen, offensichtlich kommen die USis gerne hirher zum missioniren. Es siht irgendwie wie eine ärmere gegend der USA aus, etwas begradigter, sauberer, protestantischer als der rest des landes.

Ich fahr nach Tiko und stell am boot fest, dass es keine passagire mitnimmt. Zurück fahr ich mit einem motorrad, das es fast bis zum zil – einer computerwerkstatt – schafft. Dass die kette sich in mehreren teilen auf dem boden fil, dafür konnte der biker nix – in Afrika fehlen manchmal die ersatzteile, oder sie sind zu teuer.

Was in Deutshland oder in vilen andren ländern ein par minuten zeit und ein par cent gekostet hätte – irgendwo kurz mal anrufen - hat mich hir 2 tage und 80 euro gekostet: die information, dass ich mit dem boot weder nach Guinea Ecuatorial noch nach Sao Tomé e Príncipe fahren kann.

Ich geh am näxten tag wider zum Miramare und frag ob sie ein zimmer frei haben. Ja, haben sie. Ich reservir und komm dann mit dem gepäck. Da sagen sie dass es leider keine einzelnzimmer gibt sondern nur doppelte, also muss ich für ein doppeltes zahlen. Der preis is dann nich besser als im Atlantic, dafür is alles schöner. Der Botanische Garten hat turmbäume, monumentalbäume und burgbäume, und natürlich auch ganz normale bäume. Die burgbäume sind risendinge die ein dutzend pflanzen oder mehr beherbergen, sie sind alleine schon praktisch ein botanischer garten. Und das schöne is, man is meistens ganz allein. Das einzige was das Hotel Miramare nich hat is ein strand, es is alles zimlich felsig hir. Da muss man deutlich weiter raus aus der stadt kommen um einen strand zu sehn.

Ich genisze ein par tage in der gegend, richtig urlaub vom reisen. Ich geh öfters mit einer belga aus, die in Kinshasa unterrichtet und hir mal urlaub macht. Aber ich muss weiter, das leben is kein picknick und die inseln da vorne rufen. Ich frage die hotelwirtin ob sie ein reisebüro in der stadt kennt. Ein was? Reisebüro, wo man z.b. flugtickets kaufen kann. Ah... da gibt es was in der nähe der bäkerei. Ich glaubs nich wirklich, aber ich finde tatsächlich ein reisebüro in der nähe der bäkerei. Sie sind zimlich erschrocken, dass da ein kunde kommt, und wissen nich richtig was sie mit meinen fragen anfangen sollen. Das büro hat erst vor einer woche aufgemacht, sagen sie. Ich fahr zurück nach Douala, und dismal geht es wirklich flott: ich steig in ein sammeltaxi ein, man fährt sofort los (hat nur ein passagir gefehlt, ich) und fährt durch bis nach Douala. So eine problemlose fahrt, unglaublich. In Douala geh ich sofort in ein reisebüro, der typ sagt, heute, donnerstag, geht ein fliger nach Malabo, und morgen früh einer nach Sao Tomé. Ansonsten am samstag, dann müsst ich bis montag warten, um weiter zu fligen – und villeicht darf ich den flughafen nich verlassen und villeicht darf man da nich rauchen... Aber es is 16 uhr und der fliger startet um 17 uhr, das is zimlich knapp, weil es aber Afrika is, fahr ich zum flughafen, gebe die 500 euro aus, die ich hab, und kauf ein ticket. Der typ am schalter is recht gemütlich, er denkt gar nich daran, sich zu beeilen, aber danach versteh ich auch warum: ich hätte vermutlich auch um 6 das ticket kaufen können und hätte den fliger immer noch erwischt. Das grosze manko is dass es mit der Ceiba is, die ecuatorialishe fluggesellschaft die in der EU verboten is. Der ex-chef soll milliarden veruntreut haben. Da wird meine flugangst natürlich nich besser, aber das propeller-flugzeug (ATR) übersteht den halbstündigen flug mit bravur.

15:40 23.10.2012
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Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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