Leberhosen und lederkäs

Bayern, München Das wilde Europa
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Da ich dise texte in mereren sprachen schreib, sind die deutshland-texte erst auf portugisisch geschriben und werden dann ins deutshe übersetzt. Also sind sie sozusagen für nichtdeutshis im ausland geschriben, nich für insider/inländer.

Hir in disem kapittel wirds bairisch, sozusagen a akademisches bairisch, das es gar nicht gibt. Ich versuch aa, die rechtschreibung meglichst hochdeutsch zu belassen, das heisst ich schreib 'besser' und 'lesen', und ned 'bessa' und 'lesn' – aa im hochdeutschen schreibt man ''besser' und 'lesen' und spricht es 'bessa' und 'lesn' aus. Ausserdem wird da dialekt progressiv eingfihrt, also bitte ned kritisiren, i móg nämli kei kritik – i mechat nur leserfreindli bleiben!

Nördlich der Alpen befindet sich a region die erstmal von neandertalern besiedelt wurde. Genetisch is von denen nicht viel übrig geblieben, ausser vielleicht bei manchen berühmten torwärtern der nationalmannschaft. Spater sind die homo sapiens gekommen, das waren aber völker von denen man sehr wenig weiss, weil sie ignorant waren und nicht schreiben haben könna, also haben sie weder bücher noh zeitungen noh google hinterlassen, damit man sich über sie informieren kann. Viel spater san die indo-europäer gekomma, zuerst amal die kelten, dann die römer, und zum schluss die germanen, vor allem die bajuwaren, die ursprünglich aus der Elbe gekomma san, was heisst, die bayern waren tschechische und säxische wirtschaftsflüchtlinge. Heut nennen sie ihr land Bayern, wie auch ihren reichsten und erfolgreichsten fussballverein. Wenn diser klub die meisterschaft gewinnt, feiern ihre fans, wenn er verliert, dann feiert der rest der republik. Weil sie für vil langeweile im deutschen fussball sorgen: sie gewinnen dauernd, wie vor a par jahren der Schumacher in der Formel 1, wobei manchmal eine andre mannschaft es grad schafft, mit am halben punkt vorsprung vor den bayern anzukomma. Im Mittelalder is Bayern zu am reich worn und ins Heilige Römische Reich integriert worn, ob sie's wollten oder ned. Des war aber kein richtiges land, sondern eer wie heit d EU: den reichen, fürstentümern, freistädten usw war nur gemeinsam, dass man sich nia einigen had kenna.

In da gegend, wo si heit Minga befindet, haben si im Mittelalder mönche angsidelt, und wenn man von da gegend gredet had, had man lateinisch 'forum apud munichen' gsagd, also bei den mönchen. Daraus wurde d stadt München, oder wia man auf bairisch sagd, Minga. Se war a unwichtigs dorf, bis man a brück über d Isar baut, de brück von da nachbarstadt Freising abfackelt had und so is d Salzstrasz durch Minga ganga und man had d maut von den salzhändlern abkassiren kenna. Nette leit, ge? Und so is Minga greszer und zur hauptstadt vo Bayern worn.

Bayern is a bissl wia Texas oder in Brasilien wia Rio Grande do Sul. Es liagd ganz im süden, de leid ren a männliche spróch und san separatisten. S motto vo de bayern is 'mir san mir'. Obwoi se aa blonde hom, san de wia in andren teilen vo Süddeitschland, Estreich und Schweiz vil säitener ois in Norddeitschland. Se ren a dialekt den s boarisch nennen. Zum beispil song s 'a oa' fir 'ein ei', oder wenn se d menge betonen woin, 'oa oa' (wiar im englischen 'an egg/one egg'). Des klingt scho fast afrikanisch, oder? Und fir 'ein mann' song s 'a mo'. Wennst grod deitsch lernst, wirst seng dass es ser schwiarig is, des 'ch'-laud vo 'ich' auszusprechen, in Süddeitschland miassast du des gor ned, du muasst einfach 'i' song. Aber de dialekte verschwinden in Deitschland und in da ganzen wäid, und es is in Bayern ned anders, aa wenn de süddeitschen dialekte vui langsamer verschwinden ois in Norddeitschland. Trotzdem, in Minga und andren boarischen groszstädten (oder wos' groszstädte nennen) hert ma de dialekte fast nimma, vor allem bei den jungen leid.

Host scho irgendwo in da wäid a deitsches oder boarisches lokal gseng? Da siagt ma fast immer a buidl von am mo mit a lederhosen, der bir trinkt. Dabei is das boarisch und ned deitsch – Restdeitschland had gar ned a traditionelle kleidung, oder koaner woass von ir. Und ja, de drinken vui bir, de ham s Oktoberfest erfunden, im 19. jarhundert. De zwoa greszte voiksfeste in da wäid san ned in New York, Paris oder Rom, sondern in Brasilien und in Deitshland – karneval in Rio und Oktoberfest in Minga.

De region war friher oane vo die ärmsten in Deitshland, jetz is' oane vo die reichsten, wenn ned de reichste. Hir sigt ma fast koane bettler, ois is ser sauber und organisiert, im gegensatz zu manchen andren städten in Deitshland. Das land is zimlich konservativ, seit de bayern wejn kenna, wejn s de CSU, aa wenn in Minga und andren groszstädten se weiter links wejn. Dass de leid koa humor ham, stimmt ned ganz, immerhin leistet sich Minga sogar an kabarettisten ois birgermoaster, und se ham sogar a museum, das eim humoristen gewidmet is, das Karl-Valentin-Museum. Wenn ma bedenkt, dass die stadt ungefär so grosz is wie Campinas, is es erstaunlich wie vui kuitur sie ozbiden had, warscheinlich mer ois manche stadt mit 10 milionen einwonern. Vo Campinas had kaum jemand in da wäid gehert, vo Minga zimlich jeder. Die stadt is wie a goldkäfig, dabei bleibt die tür offen, aber kaum einer wui raus. Nur das nachtleem is a bissl lam, aa wenn es sich in die letzte jaren verbessert had. Es is aa das einzige bundesland in Deitshland wo das raacha in da gastronomie komplett verboten is (im Sarland get es hin und her). Vor 2 jaren is das in eim volksentscheid beschlossen worden. 39% gingen zur abstimmung, 23% waren fir das totale raachverbod und 15% dagegen, wobei vile befürworter nich gwisst ham, fir was sie da stimmen, weil die antiraacher-propaganda den leid eingetrichtet hat, es get nich um teilverbod (85% der kneipen mit verbot) gegen totalverbod, sondern um verbod gegen kein verbod, also um den krig zwischen raachern und nichtraachern. Wenn alle raacher zur abstimmung gegangen wären, hätten sie eine gude chance, aber am dag vo de abstimmung gab es badewetter, vilen raachern sind solche verbode wursht und manche sind sogar dafir, weil sie dann weniger raachen oder iberhaupts nimma. Ich hab sogar eine aktion vor dem Minga Rathaus gestartet, wo die leid abgestimmt ham. Ich hab ein risen plakat auf dem rücken gehabt und unterschriften gesammelt fir das totale verbod von BH's, autos, fligern, alkohol und stülen, da dise dinge aa nach den ofiziellen statistiken deitlich schädlicher sind als das passivrauchen. Die stüle (das sitzen) zum beispil verursachen darmkrebs. Es had aber nix genutzt...

Vile leite im norden glauben dass Minga, weil es im süden is, ungefär so warm is wie Neapel. Die regel für die nördliche hemisfere mag lauten, je südlicher desto wärmer, in Europa widerum gilt auch die regel 'je westlicher desto wärmer', und Minga liegt nich im südwesten sondern im südosten. Ausserdem liegt es 500 m über dem meresspigel, und so hat es unter den landeshauptsttädten den kältesten winter Deutshlands, is auch insgesamt die kälteste und die verregneteste landeshauptstadt des landes.

In Bayern is die schönste landschaft die Alpen. In Füssen stet das Neuschwanstein-Schloss, sicher eines der meistfotografierten schlösser der welt. Es lont sich auch, in Minga den Olympiapark anzuschaun. Ma kann selbstverständlich jede menge schlösser und paläste anschaun, das kann man aber überall in Europa. Da stet auch das Hofbräuhaus, das im 16. jarhundert gebaut wurde. Ma könnte meinen, zum HOFbräuhaus gen vor allem vorneme leute, das kann man aber so nich sagen. Einmal hab ich meim brasiliano freund Ralf Rickli die stadt gezeigt und wir kamen am Hofbräuhaus vorbei. Ich sagte, das is ser berümt und ser typisch für München, so sind wir rein gegangen und mein freund meinte: “Ah so, jetz hab ich's verstanden – der typischste platz einer stadt is dort, wo's voller japanis is.” Es war tatsächlich voller japanis, junge japanis. Wir saszen da und irgendwann fingen die japanis an, zur tür zu gen, und sie hatten alle plötzlich ein dicken bauch unter der jacke. Sie wurden vom pförtner gestoppt, der schimpfend die reissverschlüsse irer jacken aufmachte und inen die maszkrüge weknam. Das wunderte mich, da ich die japanis als extreem erliche leute kannte. Irgendwann sagte dann eine junge japana, “eu nao falo alemao!”. Das heisst “ich spreche kein deutsch”. Auf portugalish, mit klarem brasilian akzent. Uns is klar geworden, aus welchem land die ganzen japanis kamen, und wir beschlossen, wenn wir gefragt werden, sagen wir dass wir griechen oder italiener sind.

13:03 23.12.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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