Mittelerdstrich-Gehnäher

Kampf um abschibung Afrika
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In Malabo will Ceiba nix mer von mir wissen. Die autoridaden in São Tomé haben sie gezwungen, mich mitzunemen, aba nu is schluss. Wenn ich zurück nach Douala fligen will, muss ich eben blechen. Natüralich haben sie recht, un es trifft sie keine schuld, andrerseits hab ich 500 euro an einem einzigen tag verpulvert un möchte nich noch mer verpulvern, ausserdeem haben sie reichlich platz im flugzeug. Es wird trotzdeem nix nützen, die machen nich mit, also müsst ich in die stadt, ein internetcafee finden, Shazza bitten, mir wider geld zu schicken, aber um das geld abzuheben brauch ich meinen pass. Ich erklär dem recht arroganten comisario dass ich meinen pass brauch. Er fragt mich, wiso er wissen soll, wo mein pass is. Ja, wenn er ihn nich hat, dann der policía der mich un den pass zu ihm gebracht hat, aber er kann oder will sich nich erinnern welcher policia dás war. Un so such ich im ganzen airport nach dem policía, der meinen pass abgenommen hat, obwol ich mich gar nich so gut an sein gesicht erinner. Bis ich in a policía-büro frage, in dem mir mitgeteilt wird, dass mein pass da is, aba der bulle kann ihn mir nich einfach so aushändigen, er braucht die erlaubnis dazu, un weiss offensichtlich nich richtig, wer dis erlaubnis erteilen kann.

Un ich komm immer wida, bis a junger policei-chef sich meine story anhört un mich beruigt: wenn Ceiba mich von Douala bis nach Sao Tomé geflogen hat, un die mich nich reingelassen han, dann muss Ceiba mich wida bis nach Douala fligen, mit oder one bezalung. Dás se ich auch so. Nach einer oder mereren stunden verzweifelter wartezeit informa man mich, dass Ceiba sich weigert, weil ich nur den hinflug bezalt hab, also muss ich den rükflug zalen. Na gut, ich kann dás billete nich zalen, also werd ich hir en diser wartehalle verhungern, verrotten un dann können si überlegen wi si meine leiche loswerden. Sao Tomé hat 15 minuten gebraucht um mich mit Ceiba rauszuekeln, un jedes land kann a besucher one visa zurück schicken, mit der gleichen aerlinea mit der er gekommen is, aber ausgerechnet Guinea Ecuatorial kann es nich? Der policía schaut mich an: “Hmm... stimmt!” Un tatsächlich kommt a bulle später vorbei un flüstert mir zu, es wird schon was gen. Nur, der flug soll um 8 ur abends starten, es is curz vor 8 un ich se kein zeichen dass man mich abholen un zum fliger bringen will. Dann wird es 8 ur, ich sitz auf kolen, eigentlich ste ich nur noch un ge im kreis. Die policiasten versuchen mich zu beruigen, der fliger get erst um 9, ein andrer meint um 10. Auf der tafel in der sicherheitszone stet 20 ur, auf der andren in der eingangshalle stet 22 ur. Von der einen tafel verschwindet der flug dann, un ich glaub, ich werd doch noch eine nacht oder merere im aerport verbringen müssen. Nu, curz vor 10 kommt a policía un bringt mich tatsächlich zur richtigen wartehalle, der flug wird aufgerufen, ich comme als letzter der schlange dran, gleich werd ich meinen pass un boarding card krigen, ich se si schon in seiner hand, un dann – stopp! Nich nur ich werd zurück gepfiffen sondan alle passagere. Der pilot meint, bei dem scheisswetter fliegt er nich. Wenn es die africaner nich versaun, dann tut es dás wetter. Un wenn nich dás wetter, dann ich. Ich bereite mich auf a lange wartezeit vor – vileicht doch erst morgen frü? Als hätt ich nich genug gewartet. Doch dann, kaum sind 10 minuten vergangen, werd ich im policía-bus mit gitter zum flugzeug gebracht. Alles einsteigen, un los gets. Ja moment mal, war da nich schlechtes wetter? Hat sich dás sauwetter so blitzartig normalisad, oder hat man dem piloten nahegelegt, er soll fligen, sonst fliegt er? Oder hat man ihn einfach gewexelt? Scheisse mann, ich mit meiner flugangst, durch schlechtes wetter mit a verrufenen aerlinea? Ich kann aba nix mer ändern. Zur beruigung schau ich mir gerne dás routinierte gesicht von stewardessen an, aber der steward scheint noch nervöser als ich zu sein. Nach 5 minuten fliegt dás ding los, un es wird a höllenflug. Es schaukelt wi auf a kaputten achterban, es blitzt un donnert, es is nacht. Der steward sitzt geduckt da vorn un hofft dás beste. Ich schreibe noch a kurzen abschidsbrif an Shazza mit meinem schlechtschreibenden kulli. Der flug dauerte nur a halbe stunde, aba es war die längste halbe stunde meines lebens. Wir sind trotzdem angekommen, alle han beim aufsetzen geklatscht. Insgesamt war der tag a totale bancarota, 500 verpulverte euros, 7 starts un 4 länder an einem einzigen tag, fast die ganze zeit kaum a cigarette geraucht, un trotzdem bin ich von a groszen glücksgefül überströmt. Ich bin noch am leben.

19:33 02.11.2012
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Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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