Nordscharfweisskrautland

Land des lächelns Asien, Nordkorea
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Ich wollte eigentlich ein par fotos aus meim kompiuter hochladen, krig es beim besten willen nich hin. Wenn jemand weiss, wie ma das macht, bitte bescheid geben...

Im flug nach Pyongyang in Norde Korea mit einer nich mer ganz neuen ruski Ilyushin bekommt man eine schöne zeitschrift über das land, kann vile bunte fotos sen und einiges über Kim Il Sung lesen, wenn ma koriano kann. Durch die imigration get es schnell, vil schneller als durch die imigration der USA, das land der freiheit. Dann aber muss ma beim zoll sein händy abgeben, laptop muss ma nich mer abgeben - immerhin. Aus den lautsprechors tönt revolutionsmusik, an den wänden hängen bilder von Kim Il Sung und Kim Jong Il. Ich komm raus, suche die leuti vom koriano reisebüro KTCI, ein typ hat ein brasiliano trikot an. Brasiliano trikots gibt es ja wie sand am mer in der welt, aber in Norde Korea frag ich vorsichtshalber mal nach, tatsächlich sind er und sein begleito brasilis. Sie arbeiten in der botschaft, wir gen draussen eine rauchen, ratschen ein bisschen, und ach, ich muss meine gruppe finden! Ich find sie, nur stell ich später fest, das es die falsche is. Ich find dann die richtige, wo ma schon verzweifelt nach mir sucht. Bevor wir in den bus einsteigen, fragt der reisefüro, ob alle ein visum ham, ich frag ob er wirklich glaubt das jemand durch disen flughafen one visum reinkommt. Dann stellt ma fest, das zwei passagiris, unter andrem ich, auf der falschen liste gelandet sind, da wir mit dem zug zurück faren, also dürfen die händys nich am flughafen bleiben. Wir müssen zurück und die händis holen, die natürlich in der obhut unserer aufpasser bleiben.

Die fart in die stadt get durch freundliche grüne wisen, und wenn es städtisch wird, sind es wie erwartet nich mer ganz frische plattenbauten. Im bordfernseor lächeln und tanzen bauras nach revolutionsmusik mit ser hohen weiblichen stimmen. Die straszen sind breit, die männer ham dunkelbraune einheitskleidu, meistens sind es soldatis, zu fusz oder mit dem farrad. Die autos sind meistens Mercedes, aber es sind nich vile. Es gibt keine staus, das problem ham die nordkoris vorzüglich gelöst. Die menschis sind im allgemeinen schlank, manchmal schon fast zweidimensional, offensichtlich hat die regiru auch das probleem des übergewichts gelöst. Der erste halt is am Arc du Triomphe von Pyongyang, der gröszer is als der von Paris. Klar. Es wird fleissig fotografiert, nur ich fotografir nich, meine einzige fotografirmöglichkeit is mit dem händi, und das hab ich gerade nich. Hir darf fotografiert werden, ansonsten am besten immer die reisefüris fragen.

Das hotel Yanggakdo stet auf einer flussinsel, es is ein groszes und modernes hotel. Meine gruppe bleibt im 38. stockwerk, und essen tun wir im drerestaurant im 42. stock. Davor werden unsere pässe abgenommen. Das essen is nich so gut wie ich es von Süde Korea oder von den koriano restaurants im ausland kenn, is aber passabel. Nur das berümte kimchi, das scharfe weisskraut, is scharf – in Süde Korea is zimlich alles scharf. Als dessert krigen wir apfelscheiben, und das wird die ganze zeit so sein. Es wird ein running gäg, das ma fragt wann der schoko-pudding kommt. Das bir, das mit dem essen kommt, is inklusive, aber danach wird es schwer, neues zu bestellen, sie verkaufen es nur ungern. Dafür is es billig, ein euro für eine grosze flasche is ja ein zivilisierter preis. Das schöne is das ma hir in restaurants noch rauchen kann, das is noch ein freies land. Irgendwann sagt mir einer der gruppenteilnemer, das das feuerzeug, das ich in der lobbi gekauft hab, auf dem tisch von aleine brennt. Ich blase das feuer aus, das feuerzeug is mir dann beleidigt und funktioniert nich mer. Die reisegruppe is eer atypisch, es sind fast alles einzelgangis die schon zimlich vil gereist sind, und es werden vile witze gemacht. Natürlich nich über Norde Korea, sondern über hasen und bären. Die gruppe besteet aus 1 braso-beier (ich), 2 wessis, 2 ösis und 13 ossis.

Das programm is eng geplant, so kommt ma nich auf dumme gedanken. Nach dem früstück get es gleich los zu eim risenpark, zimlich zentral. Bevor man aussteigt, erklärt unser füro, wie wichtig das kolektiv in Korea is (ma nennt das land hir einfach Korea, der süden is nur ein von den amerikis besetzter teil), und das auch wir als reisegruppe ein gutes kolektiv hergeben sollten, z.b. indeem wir zusammenhalten und nich jedi in eine andre richtung läuft. Wir ham noch ein aufpasso, der Mister Li heisst. Es is jedenfalls eine eigenartige situation, Kim is der hirto der zeigt wo's langgeet, wir stellen auf schaf um und Mister Li is der schafihund der die herde zusammenhält. Wir kommen zu den statuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il, vom son gibt es noch keine statuen. Wir müssen vorher zwei grosze blumensträusse kaufen, einer von der gruppe deponiert die sträusse vor den statuen, natürlich sollen wir uns auch schön bücken als zeichen des respekts. Wir sind selbstverständlich nich aleine da, jede menge koris tun das gleiche, meistens in gruppen: soldatis, jungpioniris und/oder wie sie alle heissen. Kim (unser füro, nich der füro der koris) erzält das die 20-meter-hohen statuen nich leicht zu baun waren, da lachende gesichter zu gestalten eine ser schwirige aufgabe für bildhauer is, trotzdeem ham es die koris in nur 4 monaten geschafft.

Dann get man im park spazieren, überall am rande des weges machen leute picknick, grillen und tanzen. Das essen, das ma da sit, schaut besser aus als das essen das wir krigen. Ma wiss nich ob es sich da um potenkinische dörfer handelt, ma neigt dazu daran zu glauben, weil man mit eim gewissen bild des landes vorbelastet daher kommt, das nich unbedingt stimmen muss, und die augen bestätigen gerne die vorurteile die ma mit sich rumträgt. Jedenfalls verschwinden wir irgendwann hinter einer kurve, ich ge mal kurz zurück und schau, sie ham aufgehört zu tanzen. Vermutlich sind sie müde geworden.

Das schöne hir is dass man keine iphone-autisten und internet-junkies sit. Ein bisschen eine reise in die junge vergangenheit aber auch in die zukunft: wir besichtigen noch einige monumente und kommen an der groszen pyramide vorbei, 330 meter hoch. Kim sagt es is ein hotel, später erzält ein mitglid der gruppe, es sollte ein hotel werden, aber der investor is abgesprungen, und inzwischen wären die kosten für die renovirung zu hoch. Nach aussen schaut es fertig aus, aber innen wird noch einiges felen. Hab gehört, ein egyptischer konzern, der die telefonie im land auf vordermann bringen soll, will es fertig machen. Es is jedenfalls ein mordsding, eine in den himmel ragende rakete, ich find es fantastisch, ich hab so was noch nie geseen. Science-fiction pur. Ein idealeren ort für eine verfilmung des buches von Aldous Huxley, Die Schöne Neue Welt, als dise stadt kann ich mir kaum vorstellen.



09:21 16.01.2013
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Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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