Risenkühe

Bootswanne Afrika
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Für Botswana brauch ich zwar kein visum, aber die schlange is lang und als ich endlich dran bin, kann der computer meinen biometrischen pass nich lesen. Man versucht es 10, 15 minuten in andren computern, man ruft den chef, faltet den pass mal so mal so rum, nix hilft. Scheisstechnik, man muss die daten manuell eingeben, stell dir vor.

Die endstation is eine tanke, da sten die taxifaris schon, die 30 euro für die fart in den Mokolodi Backpackers verlangen. Ich dachte, die herberge is ein par hundert meter weit, es soll aber 16 km weit wek sein – offensichtlich hab ich auf den maszstab auf dem google-stadtplan nich geachtet. Naja, wenn es so weit is, such ich in der innenstadt was andres, aber keiner kann mit der frage, wo die innenstadt is, was anfangen. Die straszen haben kaum beleuchtung, ich se nur ein bankgebäude und sonst nix. Am ende muss ich doch verhandeln und mit dem taxi zum Mokolodi faren.

Das Mokolodi hat hütten mit etagenbetten, ein par grosze, freundliche und faule hunde, hüner und ein pelziges kugelschwein – Henri, der suidafrikano wirt, nennt es auf english ‘vietnamese potbelly’ – da is der google-übersetzer überfordert. Alles ser gepfleegt hir. Die herberge is immerhin preiswert, nur möcht ich was essen und die näxte essmöglichkeit is weit, also lass ich es sein. Ausser mir als gast is nur ein ire da, der aber dann auch gleich zurück nach Ireland fliegt. Er weiss alles über die deutshis, sie sind organisiert und ser ernst. Ich wette mit ihm dass er noch nich in Deutshland war – iris in Deutshland sind meistens von der lebenslust der deutshis ser angetan. Die nacht wird kalt, so um die 10 grad. Apropos, ich schreibe Suidafrika wenn ich das land nenn, und Südafrika stet für das gesamte südliche Afrika, also auch für Botswana. So is Westafrika eine region, Südafrika auch, und Suidafrika ein land. Das kann man aussprechen wie die afrikaans-sprachigen es tun, also SÖIDAFRIKA, und wenn man damit probleme hat, wenigstens Suidafrika mit 'ui' wie im wort 'pfui'.

Ich wach auf und mach mich auf den weg in die stadt, komm an einem haus vorbei, wo ein wagen grade los färt, die tochter macht das tor zu, ich frag sie wo's zur stadt get und die nemen mich gleich mit zum Game City Shopping Mall. Die mutta is tochta eines americanischen missionars, die familie is hir geboren, die eltis sind leris und die tochta appetitlich. Im Game City Shopping Mall gibt es alles was das herz begeert, ich kann endlich früstücken und an geldautomaten mangelt es nich. Ich glaube, es gibt mer geldautomaten in disem land als menschis. Keine frage, sie erkennen meine karte, und rand wird auch fast überall angenommen. Alles nullo problemo, und die sprache der verkaufis is nich weniger höflich und freundlich als in jedem americanishe laden. How can i help you, sir? Vile schwarzas haben hir glatte hare. Es sind nich wenige in Afrika im allgemeinen, hir sind es noch mer. Früher haben die ein schrecklichen gel drauf gepappt, das hat übel ausgeseen, aber inzwischen scheint sich die technologie zimlich verbessert zu haben. Einmal hab ich über eine umfrage gelesen, bei der rauskam, dass weissas meistens unglücklich mit irer figur sind, die schwarzas dagegen meistens ser zufriden – abgeseen von den haren. Da geb ich inen recht, also hab ich nix dagegen dass sie sie glätten lassen, wenn es dann einigermaszen natürlich aussit.

Gaborone is eigentlich eine unstadt: von sverigis (also leute von Stockholm, Malmö, usw) geplant, um die hauptstadt zu sein, hat es ein regirungvirtel, das man als zentrum bezeichnen könnte und das bezeichnenderweise ‘The Mall’ heisst. Da is sogar eine strasze, “The Main Mall”, mit 2 supermärkten, ein oder zwei banken und ein par handyläden. Alles andre findet man in den shopping malls. Gaborone is die USifizirung ad absurdum gefürt: man könnte sagen, die stadt besteht aus ein dutzend verstreute shopping malls mit ein par häusern dazwischen. One auto kommt man fast nirgendwo hin, wer kein auto hat, muss ein taxi oder einen der seltenen busse nemen.

Überhaupt is alles ser americanish, ausser der kriminalität, die hir zimlich nidrig is. Man sit relativ vile weissis: entweder botswanis von british abstammung oder richtige englis, suidafrikis, jugis (serbis, krovatis, usw), zeitarbeitis und ein par versprengtis von überall. Botswana is fast anderthalb mal so grosz wie Deutshland, die bevölkerung widerum is nich gröszer als die von Hamburg. Es hat eine stabile demokratie, dazu gold, diamanten und vile touris, die hirher kommen, um wilde tire zu sen. Im nominellen prokopf-einkommen is das land obere zweite welt, im prokopf-einkommen nach kaufkraft untere erste welt, und im HDI untere zweite welt, der schnitt is mittlere zweite welt. Schon wider is da diser krasse unterschid zwischen wirtschaftskraft und sozialen werten, und auch hir hat es sicher mit der hohen AIDS-rate zu tun - um die 20% der bevölkerung. Man mag sich fragen, warum das südliche Afrika von AIDS so geplagt is, und die einzige vernünftige erklärung die ich gehört hab, hatte mit der gröszeren mobilität in der gegend zu tun – vile africos aus ärmeren ländern kommen hirher, um z.b. bei den minen zu arbeiten. Sie kommen oft allein. Trotzdem, so oder so gehört das land zu den top ten der afrikano länder. Bis vor wenigen jaren war es laut Transparency International weniger korrupt als Deutshland, aber Botswana hat da ein bisschen nachgelassen.

15:32 15.11.2012
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Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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