Bluthund für Guttenberg gesucht

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Es ist kaum mehr auszuhalten. Jetzt zitiert die Main-Presse einen Studenten, der den "jungen Professor" angreift. Nicht etwa den umstrittenen Minister, der das Bundesverteidigungsministerium noch immer innehat, und seine Uni bundesweit in die Schlagzeilen bringt. Der Aufdecker (selbst "Summa Cum Laude" dekoriert und in der Generation des Freiherrn) als Rezensent von Guttenbergs Werk wird Zielscheibe von einem anonymen Studenten aus Bayreuth.

Ein anderer Jurastudent nimmt sogar den inzwischen pensionierten Bayreuther Professor Häberle in Schutz: „Ihm gegenüber sind die Vorwürfe anmaßend, die der junge Professor Fischer-Lescano erhebt.“

Und Christian Schmidt (CSU) pathologisch nibelungentreu:

Guttenbergs Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) hat die Plagiatsvorwürfe gegen seinen Chef als "ungehörig" zurückgewiesen. "Da steckt eine Kampagne dahinter", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Nein, unser Land heisst nicht Italien, und trotzdem müssen wir so etwas in der Presse lesen. Alle Funktionäre, ob Regierung oder Opposition wissen genau, dass Guttenberg abtreten muss, dass er - lassen wir diese überkorrekten Vorverurteilungrücksichten - kaum Chancen haben wird seinen Doktortitel zu behalten. Merkel - so hört man - lobt seinen unglücklichen Auftritt vom Freitag, ziemlich scheinheilig.

Realitisch wird die Lage Guttenbergs vom Kritik-Herausgeber Peter Derleder formuliert. Das war vor Guttenbergs Behauptungen der Abstrusität und dem Ausprechen der sicheren Erwartung seinen Doktortitel nach Abschluss des Verfahrens führen zu dürfen:

Obwohl es sich hier um ein wissenschaftliches Vergehen handelt, glaube ich, dass die Bundesregierung und die CSU Karl-Theodor zu Guttenberg vergeben werden, wenn er reuig ist.

Diesem Protokoll ist der Minister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht gefolgt. Nun lassen es Medienvertreter und Politiker verschiedener Fraktionen an Deutlichkeit mangeln. Sie wollen nicht der Bluthund Guttenbergs sein, glauben, dass ein Absägen des populären Ministers ihnen nicht gut bekommt. Sie unterstützen ihn und den Glauben von bildungsfernen Anhängern an eine Dolchstosslegende. Andere lassen den Minister die Skandalzone verbreitern. Warum gibt es niemanden, der Klartext redet und die Würde des Amtes rettet? Angela Merkel wurde auf diese Weise übrigens einmal Kanzler.

Wir werden sehen, ob die Vernunft nach der Wahlniederlage in Hamburg sich durchsetzt. Ansonsten werden die interessierten Leute weiter bohren. Die Schleimspur, die unser Guttenberg in seinem Vorwort für Professor Häberle, einige der wenigen Stellen, die wohl aus seiner Feder stammen, dürfte längst zum Kairos des Bayreuther Promotionswesens geworden sein.

Eine weitere 'legendär' zu nennenden Rezension der FAZ des Vorworts gewinnt da neue Leser und die Öffentlichkeit vertieft sich in die Hochstapeleien des größten Bundeswehrreformers aller Zeiten.

Nach wie vor bedarf es eines preussischen Bluthundes. Die Hilflosigkeiten von Journalisten statt der Kritik "Blender" von "Lichtgestalt" zu sprechen sind zu subtil und peinlich. Irgendwer muss nun seinem Minister zum Rücktritt überreden bevor die ganzen Institutionen in Flammen stehen und bildungsferne Unterstützerhorden das klassische Ethos des deutschen Bildungswesens und die - als Retroimage vom Minister verkörperten - konservativen Werte in den Abgrund treten.

21:51 20.02.2011
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Geschrieben von

zelotti

Mensch denkt. Gott lenkt. Ich versuche beides. Geht aber nicht gleichzeitig.
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