Intention (er)wirkt Radikalität - Occupy

Gerechtigkeit Die Vorstellung von Gut und Böse spaltet die Welt. Doch was ist gut und wer glaubt nur es zu sein ?
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Radikal sein um des radikalen Willen ? Nein, danke. Radikalität ist ja nicht selbstzweck. Und wenn sie es ist, so ist sie sinnlos und rein destruktiv.

Radikal sein um des eignen Beweggrundes, des Selbstzweckes willen finden wir genug. Der radikale Politiker welcher um des eigenen Selbstzweckes der Macht, willen einen Minister schasst. Der Bankier um der Rendite willen. Der Mensch um des eignen Wollens wille(n). Geld/Macht/Ruhm/Ansehen, ja es ist der Wille dieses (oftmals) angeschossen taumelnde tollwütige blinde Tier.

Alle macht dem Volke ! In einer echten Demokratie ist dies nicht radikal; wohl aber wenn dies das Volk seinem König, aus heiser brennender Kehle, entgegenschleudert. Ja dies ist selbstzweck, der Selbstzweck des Wunsches eines besseren Ganzen ? Es soll Menschen gegeben habe welche trotz sozialer und materieller Verluste die französische Revolution unterstützten. Arische Menschen gegen das dritte Reich. Menschen die viel gaben und geben, um der anderen Dasein. Die Geschichte der Menschheit ist durch Sie geprägt !?

Diese Radikalität, welche bricht was sie brechen muss, wegen des Anderen Willen - ist nicht konstruiert. Sie entsteht wenn sich die Idee des besseren Ganzen gegen den Selbstzweck behaupten muss.

Occupy und die Identifikation der 99 Prozent, im globalen Kontext, ist eine wichtige Aussage. Die Problematik besteht darin das selbst ALG II Empfänger/Aufstocker in Deutschland wohl eher zu den oberen 30% der Weltbevölkerung gehören, wenn man Mietzahlungen und Krankenkassenbeiträge berücksichtigt. Mit Sicherheit trifft dies zu wenn man die zur Verfügung stehende Infrastruktur berücksichtigt welche täglich in Anspruch genommen wird.

Wir haben eine Schuldenkriese. Schulden und das Leben über den Verhältnissen sind ein großes Thema auch in den Mittel- und Oberschichten und werden, in einem weithin bestehenden gesellschaftlichen Kontext gleichermaßen, als problematisch gesehen und erlebt. Wenn Rechnungen nicht bezahlt werden können oder die Zinsen/die Tilgung der Schulden keinen Raum zum leben lassen.

Die eigentliche Schuld unserer Existenz besteht nicht aus einer monetären Schuld, einer Geldschuld welche aus einem gedruckten Papier ohne Bezug eines konkreten Gegenwertes besteht, da Banken Geld 1:10 verleihen und die Währungsbanken Geld, im wahrsten Sinn des Wortes, drucken, sondern aus einer Schuld die untilgbar ist: Die Menschheit verbraucht nicht mehr allein den Raum welche ihr das Ökosystem Erde bieten kann, sondern sie zerstört die Substanz des Lebens. Seit nun mehr als 20 Jahren verbrauchen wir mehr als die Welt und alle ihre Geschöpfe der Menschheit zur Verfügung stellen können. Dies ist die eigentliche Krise des Kapitalismus ! Wie viel Wachstum und wie lange soll der Mensch der Welt, den Lebewesen und Ökosystemen denn noch abpressen um, mit dem bestehenden Mittel des Mehrwertes, eine bessere Welt für alle "Menschen" zu schaffen ?

Es ist möglich ! Aber nur in einer Weise wie der Süchtige die Sucht besiegt: durch selbstauferlegte Beschränkung. Ist es dies was Occupy mit der Identifikation der 99% erreichen wollte ? Oder war doch nur der Mehrwert für den Einzelnen, der Selbstzweck, der Beweggrund der Akteure ?

Was wir brauchen ist Gleichberechtigung, nicht im Sinne der Emanzipation wo die Benachteiligte(n) das Recht erhält/erhalten sich wie die Bevorzugten, in einem von Bevorzugten geschaffenen, angepassten und dominierten System, hier Kapitalismus, zu verhalten. Die Welt und die Menschheit benötigt Gleichberechtigung, ohne Unterscheidung von Rasse, Geschlecht, Herkunft oder materieller Ausstattung, welche auf dem System basiert welches uns hat werden lassen, uns erschaffen hat: Dem System-Erde. Dieses System hat Grenzen und jedes System welches in diesem existiert hat dadurch Grenzen. Nur der Süchtige sieht nicht wie er sich und seine "Umwelt" kontinuierlich schädigt und nur die Einsicht, zu einem Zeitpunkt vor der Zerstörung des Selbst, kann ihn retten.

Wir haben uns, in einem langen kulturellen Entwicklungskampf, von dem Höhlenbewohner dessen Horizont sein Jagdgebiet war und in dem nur die eigene Stärke das Überleben des Selbst und der eigenen Überzeugung sicherte, zu Menschen entwickelt deren Horizont die Erde sein kann (ist?) und haben nicht nur der eigenen Sippe Rechte zugestanden, sondern jedem Menschen Menschenrechte.

Doch was sind diese Menschenrechte wert, wenn unser Menschenrecht und unser Selbstzweck, bedeuten die Meere leer zu fischen und diejenigen, welchen nun die Lebensgrundlage fehlt, mit Waffengewalt in Schach zu halten damit unsere Schiffe sicher fahren ? Die Entwicklung des Menschen in seinem Paradies der Erde (und das ist sie, denn ohne sie wären wir alle nichts oder tatsächlich nur unbelebter (Sternen-)Staub) ist gestaltet durch die Erweiterung des Sichtfeldes, des Horizonts, dessen was das Individuum (oder zumindest eine Mehrheit der Individuen) wahrnimmt erstens und zweitens von der Entwicklung des Geistes in dem Sinne, dass er Teilen des Ganzen eine echte Daseinsberechtigung, auf der Basis der Notwendigkeit des Daseins als Teil des Ganzen zum Wohle des Ganzen, einräumt.

Das dritte Reich wurde getragen von Menschen die zu ihrem Selbstzweck handelten. Getriebene von ihrem Selbstzweck, ihrer seelischen und zum Teil auch körperlichen Nöten, Hunger und Armut.

Hunger und Armut der meisten deutschen und der meisten Menschen in den entwickelten Ländern in Form der Notwendigkeit des Daseins sind gestillt. Was uns als Bevölkerung und Individuen in den "entwickelten Ländern" meist treibt ist nur noch die seelische Not. Die Suche nach Anerkennung unseres Daseins durch Status, Macht, Geld, materielle Güter und Bequemlichkeit.

Wir haben genug Nahrungsmittel für alle, aber nicht unbegrenzt viele. Wir können, im Rahmen dessen was uns das natürliche Ökosystem Erde bietet, genügend Produkte herstellen welche der ganzen Menschheit mehr dienen, als stetig neue Autos und Multimediahandys als Statussymbole.

Der Umkehrschluss ist dass das Elend dieser Welt auch von uns geschaffen wird, da wir die Ressourcen verbrauchen welche der Natur abgerungen werden (können).Unser Egoismus/Selbstzweck/Narzissmus welcher niemals gestillt werden kann, da er nicht heilen kann was ihn antreibt, bedingt somit das Elend der Welt. Unser Reichtum bedingt euer Elend, so wie der Nationalsozialismus die Juden, um der projizierten eigenen Bedürftigkeit (eines Herrschaftsanspruchs, des Glaubens an die eigene Überlegenheit, des Besseren aus reinem Selbstzweck) willen, ins Elend stürzte und alle gestürzt hätte und teilweise schon hatte.

Dies ist keine Anschuldigung sondern eine Feststellung. Sie soll nur ein Verständnis schaffen für die Umstände unserer Situation in der sich die Menschheit und der ganze Rest des Planeten befindet.

Einst hatten Erb-Monarchien die Zepter des Handelns in der Hand, bis sich das Volk dagegen erhob. Die Erb-Monarchen unserer heutigen Zeit sind jene welche in den Ländern der ersten Welt geboren wurden und werden oder in der Lage sind wie wir zu leben. Wie die Herrscher einst verbrauchen wir den Mehrwert einer viel größeren Gruppe.

Die Frage ist die ob wir unsere Situation erkennen und wir bereit sind einige unserer Vorteile aufzugeben.

Die Frage ist ob sich der einzelne Mensch dazu entscheidet das Richtige zu tun.

Die Frage ist ob diese Menschen eine Mehrheit bilden können.

Auf dem Planeten sind jene welche von einer solchen Veränderung profitieren würden in der Mehrheit ! Sind Sie bereit dies anzuerkennen und dementsprechend zu handeln wenn sich die Möglichkeit bietet ? Oder sind Sie ob ihrer "Bedürftigkeit" an materiellen Gütern und der damit verbundenen glückseligen Verheißungen blind ?

Willkommen zu Occupy-D, zum scheitern verurteilt !?

Natürlich ist Occupy nicht die einzige Möglichkeit aber es könnte eine sein um der eigenen Überzeugung, der Notwendigkeit des Wandels, zu folgen.

Welche Alternativen gibt es denn noch langfristig ? Zerstörte Ökosysteme aber immer mal wieder ein neues Auto/Handy/etc. ? Gewaltsam unterdrückte Menschen welche arm gehalten werden für unseren ausgearteten Konsum ? Beides zusammen ? Wollen Sie von einem wütenden Mob überrannt werden, wie einst so mancher Repräsentant einer verhassten Obrigkeit ? Wie lange glauben Sie denn noch dass Sie die/der Gute sind (als Bewohner eines Staatsgebietes welcher durch die Politik seines Landes repräsentiert wird) oder wie lange glauben Sie diese Vorstellung aufrecht erhalten zu können ?

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung !

15:13 26.11.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

zwischendenstühlen

Ein Leben zwischen den Stuehlen.. Was ist richtig, was ist falsch ? Sind wir alle Menschen oder ist jeder nur für sich Mensch ?
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