RE: Wie wollen wir arbeiten? | 24.06.2014 | 17:14

Natürlich bist Du Journalist, menno! Und hier sind Themen für die nächsten Texte: a) Springer unter Döpfner, macht andere Verlage für ein Leistungsschutzrecht mobil, beklagt die Übermacht Googles und hintenrum kaufen sie sich bei Suchmaschienen ein und sahnen bei den Einnahmen der Vermittler von Content ab. Geiles Geschäftsmodell. Ich will auch.

Und de Maizière hat heute seine Grundsatzrede zum Internet gehalten. Ich hatte keine Zeit mir das anzuhören, aber hier eine schöne Zusammenfassung bei Netzwelt:»Wenn de Maizière nicht alles regeln will, sollten wir das selbst in die Hand nehmen und unser Internet selbst gestalten, ...« Schreibst Du was? Komm schon, ich bekomme das nicht hin. :-))))

RE: Wie wollen wir arbeiten? | 24.06.2014 | 16:39

Auf die Gefahr hin, dass man uns für eine esoterische Sekte hält, hüstel, verlinke ich hier noch den New York Times Innovation Report; zentral ist da das Thema Leserschaft: »The leaked New York Times innovation report is one of the key documents of this media age ... an astonishing look inside the cultural change still needed in the shift to digital — even in one of the world’s greatest newsrooms.« Hier im Original.

RE: Wie wollen wir arbeiten? | 24.06.2014 | 15:45

Hallo. Bei der Analogie mit der »Zellteilung« stehe ich irgendwie auf dem Schlauch, sorry.

Aber mit der Analyse der »Exklusiv Geschichten« im Kommentar darunter stimme ich weitgehend überein. Ein Beispiel hierfür wäre sicherlich alles was mit den Anti-Terrormaßnahmen zu tun hat; Totalüberwachung der Bevölkerung etc. Aber das ist eben auch ein Thema, das nicht ausschließlich ein Land betrifft. Wie überhaupt Journalismus über nationale Grenzen hinweg agieren sollte, um der erweiterten Realität eines globalisierten Alltags gerecht zu werden.

Toll finde ich beispielsweise, wie einfach und weitreichend die Kommunikation durch digitale Technik geworden ist. Man könnte ja wirklich ein Einmannbüro betreiben; tolle Geschichten schreiben, layouten, mit selbstgeschlossenen Bildern veröffentlichen und gleichzeitig Rückkopplung mit den Lesern organisieren. Wäre ein Fulltime Job, aber aufregend. Das wäre vor 20 Jahren so nicht denkbar gewesen.

RE: Wie wollen wir arbeiten? | 20.06.2014 | 20:17

Lieber Columbus,

über die detaillierten Überlegungen habe ich mich sehr gefreut.

»Der Technikfreak mag über die Zahl des eingehenden Info- und Meinungsmalerials die er mit Digitaltechnik und Algorithmen aufarbeiten kann stolz sein (Martin Giesler, ZDF), aber die Inhalts-Manager-Software und die Auslese nach semantischen Relevanzmarkern erbringt eine eher unterdurchschnittliche Analyse.«

Stimmt. Wobei hier wahrscheinlich aber die technischen Verwertungsmöglichkeiten einzelner Meldungen eben wirklich interessant sind: Eine Meldung ergibt denn auch eine unüberschaubare Kette sekundärer Weieterverwertungsmöglichkeiten. Das ist schon nicht unspannend. Und alles vollautomatisch. Einmal Parameter eingegeben und ... läuft, läuft läuft. :-)))

»Sogar den bestfianzierten ö.-r. Nachrichtensystemen merkt man an, dass es an der Fähigkeit fehlt, die vorstrukturierten Meldungen aus der Welt der Agenturen, des Webs und der Regierungs- Presseerklärungen kritisch aufzubrechen. - Allzu oft bleibt es bei Übernahmen und Drumherum- Formulierungen, die die "Ware" nur schmackhafter macht.«

Das ist wahrscheinlich die zentrale Kritik an der offentlichrechtlichen Berichterstattung. Damit wäre dann auch das Phänomen der Bild irgendwie erklärt; sie machen das mit der Aufbereitung und emotionalen Vermittlung der Inhalte einfach besser. Kein Scherz.

Ich denke wirklich, dass es Bedarf für sowas wie themenmäßig fokussierte, kuratiert und kommentierte Nachrichtenmeldungen gibt. Orientierungshilfen für die jenigen, die wenig Zeit haben aber dennoch versuchen sich einen möglichst breiten Überblick zu verschaffen. Es wird ja immer wieder auch von der Rolle der Journalisten als Guides im Blätterdschungel, als Kuratoren der Nachrichten gesprochen.

Dank und Grüße.

RE: Wie wollen wir arbeiten? | 20.06.2014 | 18:26

Aaaaalso, ich glaube wir haben keine Zeit für Spielereien. Hihi. Haste das hier schon gesehen? Press Release - Secret Trade in Services Agreement (TISA) - Financial Services Annex. Hier, die Analyse zum nachlesen. SPON hat die Dokumente Deutschland betreffend online zum download gestellt. Es gibt auch ein Hammer Interview mit John Pilger ab 5:28' min; das US state department ist am hyperventilieren, hat Memos an Vertreter der Presse und Universitäten geschickt, es wird Studenten unter Androhung von rechtlichen Konsequenzen verboten die Wikileaksseiten anzuklicken. Das ist alles so irre. Schau es dir an.

RE: Das kälteste Gewerbe | 20.06.2014 | 16:15

Zum ftoj: Mit Marketing hatte das für mich tatsächlich wenig zu tun. Ich nahm es irgendwie eher als Erfahrungsaustausch und Ergebnisvergleich wahr. Und in keiner leitenden Position, egal in welchem Verlag, kommt man drum herum sich über das Geld dann und wann Gedanken zu machen. Leider. Tatsache ist einfach, seit 2000 befindet sich das gesamte journalistische Finanzierungsmodell im Umbruch. Mit den Printanzeigen brach eine tragende Säule weg und es fehlt nach wie vor an Geld. Deshalb fand ich beispielsweise auch den Vortrag von Holger Schmidt interessant, in dem er die Situation in Charts aufdröselte.

Martin Giesler fand ich aber auch gut, da er als einziger den technischen Aspekt so stark heraus arbeitete. Die Technik, die ja der Dreh- und Angelpunkt der Veränderungen und Entwicklungen im Journalismus ist. Genauso wie in der Werbung und im Marketing wird hier auf Big Data und Aggregatoren, auf Algorhithmen zurückgegriffen. Weil es effizient ist, einfach Sinn macht, wenn man darauf angewiesen ist schnell bestimmte Ergebnisse zu produzieren.

Nicht ganz uninteressant fand ich Peters. Muss allerdings gestehen sein Vortrag war für mich der, der, wenn überhaupt, von allen am meisten mit Marketing zu tun hatte. Dieses »wir sind so toll, bei uns funktioniert das so supergut, wir sind so innovativ, wir haben den Neuestentollstengrößten …« Yikes! Also, wenn ich Controlfreak-Chef wäre, würde ich das auch ganz toll finden. Aber für die Leute, die in Abhängigkeitsverhältnissen in solchen Newsrooms arbeiten ist das die Hölle, die er da skizzierte. Denn schon der Lärmpegel ist so hoch, dass man weder einen Gedanken in Ruhe zu ende bringen, noch an irgendetwas konzentriert arbeiten kann. Ich bekomme es da kaum hin zusammenhängende Sätze in meinem Emails zu schreiben. Weiss wirklich nicht, wie Leute in so einem Umfeld Texte schreiben können? Schreiben, wenn neben einem dauernd die Telefone klingeln, die Redakteure hinter dir mit den Grafikern über das Layout und die Bildideen sprechen und Du währenddessen dann noch gleichzeitig Arbeit delegieren, Teams organisieren und Leute briefen musst. Das führt dann regelmäßig dazu, dass man schon morgens um 7 im Büro ist, nur um die Pläne für die Abläufe zu erstellen, weil Du dich später einfach nicht mehr konzentrieren kannst. Und dann, weil alle Dinge liegen bleiben, für die man bei der Arbeit Ruhe braucht, geht man abends erst gegen 10 oder 11. Das macht man dann zwei, drei Jahre und danach ist deine Beziehung am Ende, Privatleben gibt's nicht und man ist so fertig, dass man den Beruf wechselt. Also, was er da erzählt würde ich sehr, sehr kritisch bewerten. :-P

RE: Das kälteste Gewerbe | 20.06.2014 | 16:02

sorry: sollte heissen ... stetigen ...

RE: Das kälteste Gewerbe | 19.06.2014 | 18:08

Superschöner Text. Toll auch der Einstieg in den Text, mit den Zeilen von Wir sind Helden. Echt sehr gern gelesen. :-)))

Ich muss jetzt darüber etwas nachdenken, weil die Perspektive interessant und anders ist. Beispielsweise nehme ich Verwertungs- und Vermarktungstrends in allen Lebensbereichen wahr. Nicht nur im Journalismus. Auch ganz stark in der Bildenden Kunst, meinem eigentlichen Zuhause. Schirrmacher hatte darüber ja in seinem letzten Buch geschrieben, im dem er ja den Homo oeconomicus, unseren stätigen Doppelgänger zum Thema machte. Also, ich glaube das ist ein viel größeres Problem, als nur eines des Journalismus. ...

RE: Wie wollen wir arbeiten? | 19.06.2014 | 17:41

Find ich klasse. Danke für den Link. Ich hätte es sonst übersehen. :-)))

RE: Wie wollen wir arbeiten? | 19.06.2014 | 17:40

Oi! Ich finde das sehr engagiert. Wir brauchen auch Leute unter 55, so, take it easy, mate. :-P