Nachhaltigkeit

Biographie John Maynard Keynes zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftstheoretikern des 20. Jahrhunderts. Seine Ideen haben bis heute Einfluss auf Ökonomie und Politik
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Foto: Gordon Anthony/Getty Images

John Maynard Keynes (1883–1946), englischer Nationalökonom und einer der bedeutendsten Wirtschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts, Namensgeber des "Keynesianismus".

Mit seinem Hauptwerk Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (1936) löste er die Keynes'sche Revolution aus und legte den Grundstein zu einer Neuausrichtung der Wirtschaftstheorie.

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Zur Neuübersetzung

Hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit Nachfrageschwäche in den europäischen Krisenländern, die Sorgen vieler Menschen vor den Folgen der Globalisierung für ihre Arbeitsplätze, eine wachsende Konzentration von Einkommen und Vermögen in den Händen Weniger, Investitionsschwäche und kaputtgesparte Volkswirtschaften: Es ist geradezu unheimlich, wie aktuell »Die allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes« von John Maynard Keynes heute wirkt.

80 Jahre nach seinem Erscheinen in Deutschland bringt der Verlag Duncker & Humblot Keynes' Opus magnum in einer Neuübersetzung von Nicola Liebert heraus, die in zeitgemäßer Sprache und einem gut lesbaren Stil abgefasst ist und die mit den in der ursprünglichen Übersetzung zahlreich vorhandenen Unklarheiten Schluss macht.

Da war bislang statt von Bargeld (cash) von »Kasse« die Rede, ein Kapitalgeber oder Rentier ging als »Rentner« durch, Land wurde »nationalisiert« statt verstaatlicht, und die Münchner Räterepublik firmierte als »Sowjet-Kabinett Bayerns«. In vielen Fällen war die bisherige Übersetzung jedoch nicht nur etwas merkwürdig und streckenweise mühsam zu lesen, sondern leider auch sinnentstellend – etwa, wenn das banking system allzu wörtlich mit Bankensystem übersetzt wurde, obwohl eindeutig nur von der Zentralbank die Rede ist. Oder wenn »das bestehende System bei der Bestimmung der Menge (...) der tatsächlichen Beschäftigung zusammengebrochen« ist. Nicht nur, dass Keynes selbstverständlich nie einen Systemzusammenbruch konstatiert hat. Es ging ihm darüber hinaus auch um keine Mengenbestimmung, sondern um die Schaffung von Beschäftigung.

Für (angehende) Wirtschaftswissenschaftler ebenso wie für die interessierte Öffentlichkeit liegt damit erstmals eine Fassung vor, in der sich leicht nachlesen lässt, warum Haushaltsdisziplin nicht immer die beste Politik ist und warum es stattdessen besser wäre, in den Wohnungsbau und die Infrastruktur zu investieren; warum eine Niedriglohnpolitik und anhaltende Außenhandelsüberschüsse langfristig schädlich sind, welche Probleme die klassische Geldmengentheorie aufwirft oder auch wie wichtig eine Umverteilung von Einkommen und Vermögen durch eine geeignete Steuerpolitik wäre.

Die in den vergangenen Jahrzehnten zumindest im deutschsprachigen Raum stark vernachlässigte Auseinandersetzung mit Keynes' Analysen dürfte durch die nun vorliegende Neuübersetzung der »allgemeinen Theorie« endlich wieder zu ihrem Recht kommen.

Nicola Liebert

05:53 22.12.2016

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