Abstand und Einsicht

Netzschau Rezensionen aus dem Netz: "Die Aufarbeitung der Zeit der Militärdiktatur und der Rolle der Kirche ist noch eine unerledigte Aufgabe. Nun scheint etwas Bewegung in die Sache zu kommen."
Abstand und Einsicht
Foto: AFP/Getty Images

Bewusste Anspielung

"Am 3. Oktober ist in Italien das Buch 'La Lista di Bergoglio' ('Bergoglios Liste' Untertitel: Die von Franziskus während der Diktatur Geretteten – Die nie erzählte Geschichte) erschienen. Autor ist der italienische Journalist Nello Scavo. Er hat den Titel ganz bewusst in Anspielung auf 'Schindlers Liste' gewählt. Der Autor des Buches hat mit Menschen gesprochen, die Pater Bergoglio während der Zeit der Militärdiktatur zunächst als Provinzial (1973-1979) dann als Rektor der Theologischen Fakultät von San Miguel (ab 1980) versteckt oder außer Landes gebracht hat." ZDF Papstgeflüster

Genutzte Verbindungen

"Scavo berichtet in dem Buch über Bergoglios Hilfen für Regimegegner. 'Es wurden sicherlich mehr als 100 Personen von ihm gerettet', betonte der Journalist bei der damaligen Präsentation in Rom. Rund 20 Zeugenaussagen werden wiedergegeben. Nach Scavos Recherchen knüpfte Bergoglio ein Netz zur Unterstützung Verfolgter. Mittelpunkt war demnach das Jesuiten-Kolleg Maximo di San Miguel, wo Bergoglio Menschen versteckte und sie vor Mitbrüdern als Seminaristen ausgab. Seine Verbindungen habe er auch genutzt, um Menschen zur Flucht ins Ausland zu verhelfen." Blickpunkt Lateinamerika

Schwierige Recherche

"Scavo verweist darauf, dass es außerordentlich schwierig gewesen sei, die Betreffenden ausfindig zu machen und sie zu handfesten Aussagen zu bewegen. Hinweise auf Kollaboration Bergoglios mit der Diktatur habe er indes nicht finden können, beteuert er mehrfach. Ergänzt werden die Schilderungen und Bekenntnisse der Zeugen und die Erkenntnisse über das Engagement Bergoglios zugunsten der Verfolgten durch eine Darstellung der Vorgänge während der Militärherrschaft, insbesondere der Spaltung der katholischen Kirche." FAZ.net

Vom Urteilen

"In diesem Buch werden viele Fälle erwähnt, bei denen Bergoglio hilfreich tätig war. Also darf man nicht immer so tun, als ob wir jetzt kommen und darüber urteilen könnten, ob sich jemand während der Militärdiktatur die Finger schmutzig gemacht hat oder nicht. Nein, der Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel sagt: Jorge Mario Bergoglio war auch als junger Jesuitenprovinzial kein Kollaborateur, kein Komplize der Militärdiktatur." Pro Konzil

Erweitertes Bild

"Anhand von unveröffentlichten Dokumenten und Zeugenberichten zeichnet der Buchautor, der italienische Journalist Nello Scavo, nach, wie Jorge Mario Bergoglio als damaliger Provinzial des Jesuitenordens in Argentinien zahlreiche Menschen vor einer der schrecklichsten Militärdiktaturen des südamerikanischen Kontinentes rettete. Im Interview mit Radio Vatikan berichtet Scavo, was für ein Bergoglio aus den Akten und Zeugenberichten zu ihm sprach." Radio Vatikan

Wandlungen

"Buchtipps: Papst Franziskus – Vom Reaktionär zum Revolutionär und Bergoglios Liste – Gespräch mit Silke Arning." SWR 1

12:22 14.08.2014

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