Kampfeslustig

Biographie Der Karikaturist und Journalist Stéphane Charbonnier übernahm 2009 die Herausgeberschaft des Magazins mit der Absicht, Charlie Hebdo wieder den alten subversiven Geist einzuhauchen
Kampfeslustig
Foto: Fred Dufour/AFP/GettyImages

Stéphane Charbonnier (* 21. August 1967 in Conflans-Sainte-Honorine; † 7. Januar 2015 in Paris; Pseudonym Charb) war ein französischer Comiczeichner, politischer Karikaturist und Journalist. Von 2009 bis zu seiner Ermordung war er der Herausgeber der Satirezeitung Charlie Hebdo und ihr Sprachrohr. Er wurde 1967 in Conflans-Sainte-Honorine geboren. Sein Vater war Techniker bei der PTT, seine Mutter Sekretärin bei einem Gerichtsvollzieher, später bei einer nationalen Bildungseinrichtung. Er besuchte das Collège des Louvrais in der Gemeinde Pontoise nordwestlich von Paris und zeichnete dort während des Unterrichts erste Karikaturen und Bilder der Lehrer und Mitschüler sowie Selbstporträts. Auch veröffentlichte er erste Karikaturen in der Schülerzeitung. Charbonnier schulte sich dabei durch die Lektüre der Klassiker der bande dessinée. Seine Kindheit beschrieb er als langweilig: "Ich habe ein wenig gelacht, aber nicht viel. Ich war ein wenig sauer, aber nicht viel. Mir fehlte es an nichts und mich erfreute nichts." Konflikte gab es weniger mit den Eltern als mit seinem Großvater, einem frühen Anhänger des rechtsradikalen Front National. Sein Großvater sei zwar "kein Rassist, aber ein Großmaul gewesen, der gemeinsame Mahlzeiten wegen der sozialistischen Vorlieben des Vaters in Schlägereien verwandelte".

Nach der Schulzeit begann Charbonnier eine Ausbildung, brach diese jedoch ab, um für Regionalzeitungen zu arbeiten und sich mit Illustrationen für Kinoprogramme durchzuschlagen. Während des Golfkriegs 1991 wechselte er schließlich zum Satiremagazin La Grosse Bertha und lernte dort Philippe Val kennen, der sein Mentor wurde. Charbonnier arbeitete für diverse Zeitungen und Zeitschriften, darunter waren L’Écho des savanes, Télérama, Fluide glacial und L’Humanité. 2006 war er auch für Charlie Hebdo tätig, als Val die Mohammed-Karikaturen nachdrucken ließ, die zuvor in der rechtskonservativen dänischen Jyllands-Posten erschienen waren. Charlie Hebdo erstritt sich vor Gericht das Recht, sich über jedwede religiöse Figur lustig machen zu können. Nach dem Weggang von Philippe Val im Mai 2009 übernahm Charbonnier die Leitung mit der Absicht, Charlie Hebdo wieder den alten subversiven Geist einzuhauchen.

Charbonnier wurde am 7. Januar 2015 durch zwei französische islamistische Terroristen erschossen. Bei dem Anschlag auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo‎‎ starben auch die Zeichner Jean Cabut, Bernard Verlhac, Philippe Honoré und Georges Wolinski, der Mitbegründer von Attac Frankreich und Mitinhaber der Zeitschrift Bernard Maris, die Kolumnistin Elsa Cayat, der Lektor Mustapha Ourrad, der Journalist Michel Renaud und der Wartungstechniker Fréderic Boisseau sowie die beiden Polizisten Franck Brinsolaro und Ahmed Merabet.

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Teile dieses Textes basieren auf dem Artikel Stéphane Charbonnier aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).

13:21 30.07.2015

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