Dunkle Zahlen

Netzschau Links zum Thema aus dem Netz: "Bruno Blau registrierte am 1. Oktober 1941 nur noch 163 696 Juden in Deutschland. Innerhalb von drei Wochen gelangten etwa 10 000 deutsche Juden in die ihnen fremde Umgebung eines überfüllten polnischen Ghettos."
Dunkle Zahlen

Foto: Hulton Archive/Getty Images

Formen der Verfolgung

"Der Rechtsanwalt Bruno Blau, der ehedem in Berlin das 'Büro für Statistik der Juden' geleitet hatte und später in der Prager Emigration verhaftet worden war, kam 1942 in das Krankenhaus. Er berichtete später: 'Die Gestapo hatte im Jüdischen Krankenhaus ziemlich alle Reste der noch in Berlin zurückgebliebenen Juden konzentriert; ausgenommen waren lediglich die in Mischehe Lebenden, die sich nicht in Haft befanden und noch ihre Wohnungen in verschiedenen Gegenden der Stadt hatten. Es gab zum Schluß in Berlin noch etwa 160 Juden, die unverheiratet oder mit einem jüdischen Gatten verheiratet waren, während sich im Krankenhaus und dem Sammellager zusammen etwa 800 Personen befanden'." Spiegel Online

Zahlen der Verschleppung

"Bruno Blau, lange Jahre Herausgeber der 'Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden', registrierte am 1. Oktober 1941 nur noch 163 696 Juden in Deutschland. Die Massendeportationen von Juden aus dem 'Deutschen Reich' (ohne Österreich und dem Protektorat Böhmen und Mähren) begannen am 18. Oktober 1941 mit einem Transport aus Berlin, der über 1 000 Menschen in das Ghetto nach Litzmannstadt (Lódz) brachte. Innerhalb von drei Wochen, bis zum 3. November 1941, gelangten in zehn Transporten etwa 10 000 deutsche Juden in die ihnen fremde Umgebung eines überfüllten polnischen Ghettos. Weitere etwa 5 000 Juden wurden ins weißrussische Minsk, ca. 4 000 nach Kowno (Kauen) in Litauen, und mehr als 9 000 Juden ins Ghetto der lettischen Hauptstadt Riga verschleppt." Bundesarchiv.de

Im Fokus

"Auch sammelt er weiteres statistisches Material zur Judenfrage, aus dem in Prag 1938 das Manuskript 'Die Juden in der Tschechoslowakei' entsteht. 1942 wird er von der Gestapo verhaftet, erkrankt schwer und wird am 22. Oktober 1942 auf Anordnung der Gestapo als Häftling auf die Polizeistation des jüdischen Krankenhauses in Berlin verbracht, von wo er am 11. Mai 1945 entlassen wird. Während dieser Zeit sammelt er statistisches Material über die antijüdische Gesetzgebung. Durch vermutlich eine falsche Diagnose der Ärzte (Wirbelsäulentumor und Transportunfähgikeit) bleibt Blau von der Deportation verschont. Nach Kriegsende ist er Leiter einer Wiedergutmachungsstelle in Berlin und betreibt seine Auswanderung nach USA." Institut für Zeitgeschichte

In alle Winde

"Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten zwang zahlreiche Jüdinnen und Juden zur Flucht ins Ausland. Während in den ersten Jahren nach Hitlers Machtergreifung die Mehrheit nach Westeuropa emigrierte, retteten sich die Flüchtlinge mit der zunehmenden Ausweitung des nationalsozialistischen Einflussbereiches (später) besonders nach Palästina, in die USA und nach Südamerika. Diese Karte zeigt die wichtigsten Exilländer für jüdische Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich." Bundeszentrale für politische Bildung

12:28 20.12.2018

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Gegen das Vergessen

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Im Fokus

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Biographien Der Historiker Christoph Bothe war Mitarbeiter im Forschungsprojekt 'Bruno Blau und die Statistik des Judentums'. Thomas Brechenmacher ist Professor für Neuere Geschichte und Deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Potsdam
Mittel und Methodik

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Einblicke Bruno Blau gehörte im Berlin vor und zwischen den Kriegen zu den Pionieren einer statistischen Wissenschaft des Judentums und war lange Jahre Herausgeber der 'Zeitschrift für Demographie und Statistik des Judentums'. Versuch einer Sammlung