Von der Willkür

Einblicke In gewisser Weise ist das US-Militärgefängnis Guantanamo auf Kuba ein rechtsfreier Raum, über den niemand Kontrolle hat außer die US-Streitkräfte selbst. Versuch einer Sammlung zum Thema
Von der Willkür
Foto: Petty Officer 1st class Shane T. McCoy/U.S. Navy/Getty Images

Rechtloser Raum

"Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 rief US-Präsident George W. Bush den Krieg gegen den Terror aus. Für Terrorverdächtige richtete seine Regierung auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay im Süden Kubas ein Gefangenenlager ein. Seit Anfang 2002 werden dort vor allem mutmaßliche Taliban- und Qaida -Mitglieder festgehalten, denen die Rechte als Kriegsgefangene verwehrt blieben. Durch Berichte über Misshandlungen, Erniedrigungen und Folter von Häftlingen wurde Guantanamo zum Synonym für die willkürliche und unmenschliche Behandlung von Gefangenen." Spiegel Online

System Guantanamo

"Im 'Krieg gegen den Terror' hat die US-Regierung ein ganzes System von Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus entwickelt, das außerhalb des Rechtsstaats angesiedelt ist." Bundeszentrale für politische Bildung

Willkür im Detail

"Im US-Militärgefängnis Guantanamo herrschte ein Willkürsystem: Unschuldige wurden eingesperrt, Misshandlungen und psychische Probleme in Kauf genommen. Dies zeigen mehr als 700 Geheimakten, die jetzt durch Wikileaks bekannt geworden sind. Zugleich erfährt die Welt Details über 14 prominente Terroristen - und Bin Ladens Flucht nach 9/11." Süddeutsche.de

Schein und Sein

"Wie es den 500 Häftlingen in Guantánamo so geht? Hervorragend, wenn man der US-Regierung glauben darf. Kürzlich übersandte das US-Außenamt dem UN-Anti-Folter-Komitee einen Bericht über den Alltag im Lager. Die 'feindlichen Kämpfer', wie die Gefangenen von den USA genannt werden, wohnten in 'klimatisierten Schlafsälen', abends gäbe es 'die Möglichkeit zur Erholung an der frischen Luft – bei Brettspiel und Fußball'. Verstümmelte bekämen Prothesen, Analphabeten würde in Schulklassen das Lesen und Schreiben gelehrt – damit sie auch 'mit ihren Familien und Freunden kommunizieren können'. Und wer das nicht wollte, darf mit Vernehmungsbeamten auch den Film schauen." Zeit Online

Eine bizarre Reise

"Reporterin Katja Schlesinger war vier Tage in Guantánamo Bay. Dort hinzukommen, war einfacher als sie dachte. Eine E-Mail ans Militär, einige Unterschriften unter Militärregeln, und schon konnte der Flug gebucht werden. Sie war die einzige Journalistin auf der Basis, und sie war ständig bewacht von Militärleuten. Eine gewöhnungsbedürftige Situation auf einer ganz und gar bizarren Reise." Deutschlandradio Kultur

Erlebnisse

"Vor genau zehn Jahren landete das erste Flugzeug mit Häftlingen in Guantanamo Bay. Seitdem wurden 779 Menschen ohne Anklage festgehalten, 171 von ihnen sind noch in Haft. Der Sudanese Sami al Hajj kam vor vier Jahren frei, nahm seine Arbeit bei Al Jazeera wieder auf und gründete das 'Guantanamo Justice Centre'. Mit ihm sprach Stephanie Doetzer." Qantara.de

01:05 22.01.2015

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