Verpflichtung und Moral

Leseprobe "Es ist zu vermuten, dass die Mächtigen dieser Welt die kritische Auseinandersetzung deshalb scheuen, weil dann innerhalb kurzer Zeit die Systemfrage gestellt werden würde. Wir fühlen uns aber verpflichtet, zu fragen, und wir wollen Antworten."
Verpflichtung und Moral

Foto: Kenzo Tribouillard/AFP/Getty Images

1 Vorwort

Seit der Veröffentlichung unserer Schrift EXODUS, in der wir das kapitalistische Ausbeutungssystem in seiner ganzen Rücksichtslosigkeit beschrieben haben, sind mehr als drei Jahre vergangen. Das weltweite Desaster hat sich seitdem noch weiter verschärft: Flüchtlingskrise, Klimakrise, Hungerkrise, Arbeitslosigkeit, Terror durch Anschläge … Die zunehmenden bewaffneten Konflikte und Kriege, deren Ursachen überwiegend Kämpfe um Ressourcen sind, erweisen sich als deutliche Anzeichen eines sich beschleunigenden Untergangs des Weltwirtschaftssystems. Die Verteilungskämpfe des Großkapitals nehmen immer bedrohlichere Formen an. Bodendegradation, Insektensterben, Übernutzung der Weltmeere und Klimaveränderungen sind die Folgen.

Besonders zu leiden haben weltweit die Schwächsten in den Gesellschaften und die ungeschützte Natur. Täglich verhungern mehr als 30.000 Menschen, davon ca. 24.000 Kinder. Die selektive Berichterstattung unserer Leitmedien informiert nicht über diesen täglichen Massenmord und auch nicht über die Gründe der Übernutzung unserer Lebenswelt. Das SPD-Urgestein und Herausgeber der NachDenkSeiten Albrecht Müller wirft den Medien vor, zu Sprachrohren der Mächtigen verkommen zu sein und Unterstützung zu leisten, wenn es etwa um die Legitimation von Sozialabbau geht. Andere Medienkritiker werfen der Presse sogar Propaganda vor und verweisen auf eine Darstellung, die kein Problem damit hat, entgegen journalistischer Standards mit Lügen den Weg in eine Politik zu ebnen, für die Kriege und das Anstacheln von Feindseligkeiten selbstverständlich geworden sind.

Die mangelhafte Berichterstattung erklärt sich durch die offensichtliche Verstrickung von Leitmedien, Politik und Wirtschaft. Die drängendsten Themen unserer Zeit wie die sich verschlimmernde Schere zwischen Arm und Reich, Hunger, Entwurzelung und Ausgrenzung in einer demoralisierten Welt werden dagegen weder von der Politik noch von der Freien Presse thematisiert. Man stelle sich nur vor, unsere Leitmedien würden jeden Tag über das Elend der Verhungernden berichten und ständig aktuelle Bilder veröffentlichen. Was würden wohl die Politiker dazu sagen? Welche Antworten hätten sie auf die drängendsten Fragen?

  • Weshalb müssen unzählige Menschen an Nahrungsmangel sterben und warum ist jeder achte Mensch auf unserem Planeten, also fast eine Milliarde Menschen chronisch unterernährt?
  • Warum kann der Einzelne sich und seine Familie nicht durch seine Arbeit ernähren?
  • Warum haben so viele Menschen keine Arbeit?
  • Weshalb überlässt man es der Freien Marktwirtschaft, die Menschen in Arbeitsprozesse einzugliedern oder sie auszusortieren?
  • Welche Gründe gibt es für diese Mängel und warum ändern wir das nicht?

Es ist zu vermuten, dass die Mächtigen dieser Welt prinzipiell die kritische Auseinandersetzung deshalb scheuen, weil dann innerhalb kurzer Zeit die Systemfrage gestellt werden würde oder der Druck der Bevölkerungen so stark wäre, dass die aktuelle Ordnung gefährdet würde.

Wir fühlen uns aber verpflichtet, zu fragen, und wir wollen Antworten! Haben etwa die furchtbaren Berichte aus aller Welt über Hunger, Krieg, Flucht, Vertreibung und Überbevölkerung eine gemeinsame Ursache?

Unserer Meinung nach sind die hauptsächlichen Gründe, die die negativen Entwicklungen innerhalb der Gesellschaften ermöglichten und immer noch ermöglichen, das Eigentums- und Kriegsvölkerrecht. Gegen Ende 2017 lebten ca. 7,6 Milliarden Menschen auf unserer Erde. Bei allen Unterschieden der Völker und Individuen ist ihnen eines gemeinsam: Zum Existieren benötigt jeder Mensch Trinkwasser, Unterkunft und Nahrung. Der Zugang zu diesen existenziellen Lebensvoraussetzungen ist durch die Geografie, die kulturelle Zugehörigkeit sowie die politische und wirtschaftliche Struktur geprägt. Es gibt hunderte Millionen Menschen, die in den modernen Industriestaaten im absoluten Überfluss leben, im krassen Gegensatz dazu vegetieren Tausende Familien in Südostasien auf Müllbergen dahin. Sie wohnen auf Abfällen und ernähren sich mit ihren Kindern von dem, was andere wegwerfen.

Das Wachstum der Menschheit und damit eine drohende Überbevölkerung (Studien sprechen von bis zu 13 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2100) wurde bisher von der Völkergemeinschaft nicht thematisiert. Die Nahrungsproblematik der Menschen wird sich weiter verschärfen und steht in engem Zusammenhang mit dem erbarmungslosen Antreiben des weltweiten Raubtierkapitalismus.

  • Durch Nahrungsmangel verhungern jedes Jahr Hunderte Millionen Menschen, vor allem Kinder. Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen?
  • Wer ist für diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit, für den tagtäglich stattfindenden Massenmord verantwortlich?
  • Welche Rolle übernimmt dabei das weltweite Recht auf Eigentum? Welche Rolle spielt das Kriegsvölkerrecht?
  • Welche unheilvollen Wechselbeziehungen gibt es?
  • Ist das Eigentumsrecht der Nationen, das jeden Bürger bindet, die Ursache für Ungerechtigkeiten, für Kriege um Land und Ressourcen, für Hunger und Vertreibung?

Wir beabsichtigen, mit dieser Schrift die Hintergründe und Wechselbeziehungen der genannten Punkte aufzudecken. Unsere Intention ist es, die Wahrheit über die Gründe der zunehmenden Konflikte und Umbrüche zu verbreiten. Damit wollen wir die Initiativen zum unvermeidlichen Umbau des weltweiten Wirtschafts- und Politiksystems unterstützen und forcieren. Darüber hinaus werden wir den genannten Fragen nachgehen und über das Wesen des Hungers und des Nahrungsmangels aufklären sowie vor allem die systemischen Zusammenhänge verdeutlichen.

Im Ergebnis werden wir die Ursachen identifizieren und die Verantwortlichen der weltweiten Tragödien benennen. Wir werden aber auch Wege aufzeigen, die es der Menschheit ermöglichen, für jeden Einzelnen ein selbstbestimmtes Leben ohne Hunger und Leid zu erreichen. Ein Leben, das sich der Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz und aller Lebewesen bewusst ist. Das ist eng verbunden mit den Fragen Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Warum sind wir hier auf Erden? und Wie sollen wir leben, um unseren Daseinszweck zu erfüllen?

GFG
Gemeinschaft für Frieden und Gerechtigkeit

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2 Ernährung als Grundlage des Lebens

"Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."

Mahatma Gandhi

Wenn wir über Nahrung als Lebensgrundlage für den Menschen nachdenken, kommen uns pflanzliche sowie tierische Nahrungsmittel und Trinkwasser in den Sinn. Dass uns nur ein weltweit intakter Lebenskreislauf diese Grundlage ermöglicht, erscheint im täglichen Lebensdrang eher sekundär. Um ein besseres Verständnis für den Lebenskreislauf, vom Werden und Vergehen allen Lebens zu bekommen, sei uns eine kleine Exkursion in die Naturwissenschaft des Lebens, die Biologie gestattet.

Die nachfolgenden allgemeinen Erkenntnisse treten durch unsere tägliche Lebensweise, die der Kapitalismus von den reichsten bis zu den ärmsten Menschen bewirkt, fast ausnahmslos in den Hintergrund.

2.1 Lebensraum – Mutterboden und Meere

Der Boden ist Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Aus der Sicht des Menschen kommen ihm grundlegende Funktionen zu. Als Standort für höhere Pflanzen bildet er die Bedingung für pflanzliche Primärproduktion durch Fotosynthese und schafft den Ausgangspunkt für die Nahrungskette. Er ist damit Lebensgrundlage für alle Lebewesen auf der Erde und unverzichtbare Basis der Ernährung. Darüber hinaus erfüllt der Boden Funktionen, die für die Existenz menschlicher Gesellschaften essenziell sind, z. B. bei der Trinkwasserversorgung. Schließlich verdeutlichen auch Bezeichnungen wie Mutterboden oder Mutter Erde die existenzielle Bedeutung des Bodens und fordern einen entsprechend respektvollen Umgang mit diesem Leben spendenden Medium.

Da der Boden eine wesentliche Grundlage für menschliches Leben und gesellschaftliche Entwicklung darstellt, gefährdet die weltweit fortschreitende Bodenzerstörung die Existenz menschlicher Individuen und Gesellschaften. Deshalb bedarf es intensiver und nachhaltig wirksamer Schutzmaßnahmen.

Die Weltmeere bilden die Voraussetzung jeglicher Existenz und sind die wichtigste Ressource. Sie sind der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind von den Weltmeeren bedeckt. Auf dem Festland bildet der Mutterboden die Lebensgrundlage, in den Meeren ist es das Plankton, pflanzliche und tierische Kleinstlebewesen, deren Biomasse ca. 98 Prozent der gesamten Meereslebewesen ausmacht. Das Plankton ist als Nahrungsquelle von enormer Bedeutung für das Leben im Meer. Phytoplankton, Algen und Cyanobakterien nehmen im Wasser gelöste Nährstoffe auf, wachsen und pflanzen sich fort. Dadurch wird im Meer die Biomasse produziert, von der sich Zooplanktonorganismen wie Kleinkrebse und Fischlarven ernähren. Das Zooplankton wiederum wird von Fischen und ihren Larven gefressen. Das Plankton spielt somit in den biochemischen Kreisläufen der Ozeane eine große Rolle.

2.2 Erdatmosphäre und Magnetfeld

Vom Weltraum aus betrachtet erscheint die Erde blau mit eingesprengten weißen Feldern, den Wolken. Die schützende Atmosphäre ist hauchdünn im Vergleich zum Durchmesser der Erde. Die blaue Farbe entsteht durch die die Erde umhüllende Gasschicht, die Luft. In der Lufthülle wird das kurzwelligere blaue Sonnenlicht stark in alle Richtungen gestreut, während das langwelligere rote Licht weitgehend die Atmosphäre durchdringen kann. Diese ist für die Existenz von Leben auf der Erde von entscheidender Bedeutung, denn in ihr spielen sich die physikalischen Prozesse ab, die u. a. das Wettergeschehen bestimmen. Darüber hinaus ist sie Teil lebenswichtiger Kreisläufe.

Die Atmosphäre hat unter anderem die nachfolgenden lebenswichtigen Funktionen:

  • Sie schützt die Lebewesen vor schädlicher bzw. tödlicher Strahlung aus dem Weltraum (Filter für UV- und Röntgenstrahlung der Sonne).

  • Lebensnotwendiges Sonnenlicht wird zu den Oberflächen der Kontinente und Ozeane durchgelassen (Energiequelle).

  • Schnelle Auskühlung und Überhitzung wird verhindert (z. B. Wärmeausgleich zwischen Tag und Tag).

  • Es wird eine durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde von ca. +15 °C gegenüber sonst ca. -18 °C, ermöglicht.

  • Energie wird (als fühlbare Wärme der Luft und latente Wärme des Wasserdampfs) aus Bereichen in Äquatornähe zu mittleren und höheren Breiten transportiert.

  • Die Atmosphäre ermöglicht den Transport und die Verteilung von Wasserdampf durch die dynamischen Prozesse der allgemeinen Zirkulation, wodurch die Niederschlagsverteilung bestimmt wird.

  • Die Atmosphäre bildet den Hauptspeicher für Stickstoff.

Das Magnetfeld der Erde wirkt wie ein Schutzschild gegen kosmische Strahlung. Würde es schwächer werden, wären die Erde und seine Bewohner der hochenergetischen Strahlung (Röntgen- und Gammastrahlen) aus dem All, verursacht überwiegend durch Son- neneruptionen, ausgeliefert. Ähnlich wie hoch dosierte Röntgen- strahlung schädigt kosmische Strahlung die Zellen. Das Erdmagnet- feld ist also die Bedingung dafür, dass auf unserem Planeten Leben entstehen konnte.


2.3 Fotosynthese

Die Fotosynthese ist Grundlage allen irdischen Lebens. Ob in Parks und Gärten, Wiesen und Wäldern, Ozeanen, Flüssen, Bächen und Tümpeln, im Häusermeer der Großstadt oder in der Steinwüste des Hochgebirges: Pflanzen begegnen uns überall. Lebensnotwendig sind sie als Nahrungs- und Sauerstofflieferanten, und zwar für Mensch und Tier, denn ohne Pflanzen und ihre grünen Blätter wäre auf der Erde kein Leben möglich.

Was macht Pflanzen so unentbehrlich?

Es ist ihre Fähigkeit, die Sonnenenergie für den Aufbau von energiereichen Kohlenhydraten zu nutzen, die ihren Stoffwechsel in Gang halten. Und da die Pflanzen am Beginn der Nahrungskette stehen, profitieren alle anderen Lebewesen ebenfalls von dieser unerschöpflichen Energiequelle.

Auch den bei dem Prozess der Fotosynthese frei werdenden Sauerstoff benötigen Mensch und Tier, um die mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe verfügbar zu machen.

Wie dienen Pflanzen als Sauerstofflieferanten?

Um ihren Organismus aufrechterhalten zu können, brauchen Mensch und Tier bestimmte Stoffe. Durch regelmäßige Nahrungsaufnahme nehmen wir Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße und Vitamine auf und generieren somit Energie. Außerdem ist es notwendig, dass unser Körper regelmäßig mit Sauerstoff versorgt wird. Durch die Atmung nimmt er Sauerstoff aus der Luft auf und gibt Kohlendioxid ab. Ohne Sauerstoff könnten wir nicht überleben. Alle arbeitenden Systeme in unserem Körper würden ausfallen und unser Herz würde aufhören zu schlagen.

Um Sauerstoff zu produzieren, brauchen Pflanzen Licht, denn das ist die Voraussetzung dafür, dass sie die für ihr Wachstum benötigten Stoffe aufbauen können. Dieser Vorgang wird als Fotosynthese (wörtlich etwa Aufbau durch Licht) bezeichnet. Nur grüne Pflanzen können Fotosynthese betreiben, weil nur ihre Zellen den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll enthalten. Mit seiner Hilfe wird aus Wasser (das aus dem Boden entnommen wird) und Kohlendioxid (das aus der Luft in das Blattgewebe gelangt) unter Anwesenheit von Sonnenlicht energiereicher Traubenzucker (Glucose) hergestellt; dabei werden Wasser und Sauerstoff freigesetzt, der an die Luft abgegeben wird.

Damit ist die Fotosynthese von entscheidender Bedeutung für den Erhalt des Sauerstoffanteils in der Erdatmosphäre. Glucose wiederum wird in andere Stoffe wie beispielsweise Stärke umgewandelt, die als Speicherstoff zum Aufbau des Pflanzenkörpers und für dessen Lebensvorgänge benötigt wird.

Wie dient die Fotosynthese als Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier?

Pflanzen sind in der Lage, aus anorganischen Stoffen jene organischen Stoffe herzustellen, die sie zum Leben brauchen, sie werden deshalb auch als autotroph (sich selbst ernährend) bezeichnet. Tiere und Menschen dagegen müssen organische Substanzen, also Pflanzen oder Tiere, mit der Nahrung aufnehmen, um ihren Stoffwechsel in Gang zu halten. Sie sind heterotroph (sich von anderen ernährend) und damit von der Stoffproduktion der grünen Pflanzen abhängig:
Indem wir Pflanzen z. B. in Form von Gemüse essen, nehmen wir Kohlenhydrate auf, aus denen wir Energie für unseren Bau- und Betriebsstoffwechsel gewinnen. Die von den Pflanzen produzierten energiereichen Verbindungen verbrennen wir in einem Prozess, der als Zellatmung (Dissimilation) bezeichnet wird. Diese Verbrennung kann nur durch die Aufnahme von Sauerstoff erfolgen.

Wie hat die Fotosynthese die Erde für Mensch und Tier bewohnbar gemacht?

Blaualgen, auch Cyanobakterien genannt, entwickelten vor etwa vier Milliarden Jahren die autotrophe Lebensweise. Der bei der Fotosynthese freigesetzte Sauerstoff wurde von im Meerwasser gelösten Eisenverbindungen gebunden und gelangte nicht in die Atmosphäre. Eine Verbrennung von Kohlenhydraten und eine direkte Rückverwandlung in Kohlendioxid waren damals nicht möglich, da es zu dieser Zeit kaum Sauerstoff in der Luft gab. Es wurde also ständig Kohlendioxid verbraucht, aber nicht erneuert. Dies hatte zur Folge, dass der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre abnahm und die Erde sich abkühlte. Das Wasser verdampfte daher nicht in den Weltraum.

Erst nachdem sich die Blaualgen vor circa 2,3 Milliarden Jahren auch auf dem Land verbreiteten, konnte der von ihnen freigesetzte Sauerstoff in die Atmosphäre gelangen. Vor 1,5 Milliarden Jahren erreichte der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre ein Niveau von einem Prozent und ermöglichte somit die direkte Verbrennung von Kohlenhydraten. Dies ermöglichte die Entstehung neuer größerer Mikroorganismen mit einem Zellkern.

Vor etwa 600 Millionen Jahren ermöglichte die zunehmende Sauerstoffkonzentration schließlich die Existenz vielzelliger Lebewesen.

Der heutige Sauerstoffgehalt der Atmosphäre (21 %) beruht allein auf der Sauerstofffreisetzung der Pflanzen, ohne die ein Leben für Tiere und Menschen auf der Erde unmöglich wäre.

2.4 Ökologische Kreisläufe

Das Leben über einen Zeitraum von ca. 3,5 Milliarden Jahren unterliegt hochkomplexen biochemischen Prozessen. Die vielfältigen Formen der Nahrungsaufnahme zum Lebenserhalt, die Stoffwechselprozesse, die Fähigkeit zur erfolgreichen Fortpflanzung haben über Abermillionen Generationen in der Tier-und Pflanzenwelt zu der heutigen Biodiversität, der Artenvielfalt beigetragen. Die Anzahl der Spezies ist nicht genau bekannt, wird aber von Wissenschaftlern auf bis zu 100 Millionen geschätzt. Die Säugetierarten machen davon weniger als ein Prozent aus.

All diese Lebewesen existieren in einem verbundenen System. Diese sogenannten Ökosysteme sind offene Systeme mit Zu- und Abfuhr von Energie und Stoffen. Alle Individuen sind darin über Nahrungsketten miteinander verknüpft. Über diese werden die Nährstoffe und die Energie weitergegeben. Die Nährstoffe fließen dabei im Kreis bzw. werden wieder in den Kreislauf gebracht.

Die Energie dagegen wird durchgesetzt. Bei ihrer Weitergabe durch die Lebewesen geht ständig Energie als Wärme verloren. Diese muss durch Sonnenenergie ersetzt werden. In Ökosystemen ergänzen sich die Lebewesen als Produzenten, Konsumenten und Destruenten (Zersetzter).

Produzenten sind alle Grünpflanzen. Sie binden durch die Fotosynthese etwa ein Prozent der einfallenden Sonnenenergie in Molekülen als Energievorrat und Baustoffe. Konsumenten sind Lebewesen, die energetisch von den Produzenten abhängen. Sie verwerten durch Nahrungsaufnahme direkt als Pflanzenfresser oder indirekt als Fleischfresser ein bis zehn Prozent der durch die Produzenten gebundenen Sonnenenergie.

Innerhalb von Nahrungsketten wird Energie stufenweise an die Konsumenten weitergegeben. Tote organische Rückstände (Pflanzenreste, Kadaver, Exkremente) der Produzenten und Konsumenten werden durch Destruenten zu anorganischen Stoffen (z. B. Kohlendioxid, Wasser, Stickstoffsalze) abgebaut und damit dem Nährstoffkreislauf des Ökosystems wieder zur Verfügung gestellt. Destruenten sind die Bodenorganismen (Bakterien, Pilze und Kleinsttiere). Da an den Nährstoffkreisläufen in Ökosystemen sowohl belebte als auch unbelebte Komponenten beteiligt sind, werden sie auch als biogeochemische Stoffkreisläufe bezeichnet. Diese bestehen aus mehreren Teilkreisläufen, z. B. einem Kreislauf im Wasser, in der Luft, im Boden oder in einem Lebewesen.

Wir wollen mit diesem kleinen Streifzug die allgemein bekannten Zusammenhänge des Lebenszyklus unserer Erde bewusst machen. Vergegenwärtigen wir uns, dass das heutige globale Ökosystem mit seiner Artenvielfalt das Ergebnis eines Evolutionsprozesses ist, den unser Planet seit Hunderten Millionen Jahren ermöglicht hat.

Seit Beginn der sogenannten Industriellen Revolution hat der Einfluss der Menschheit auf dieses fragile Erdsystem verheerende klimatische, ökologische und ökonomische Folgen. Vergegenwärtigen wir uns auch, dass diese Einflussnahme erst vor ca. 250 Jahren begann und dass wir in diesem Zeitraum das größte Artensterben in der Geschichte unseres Planeten verursacht haben.

Die Folgen menschlichen Einwirkens auf nahezu sämtliche ökologische Lebensprozesse sind dramatisch. In dieser Epoche hat sich die Menschheit innerhalb von 200 Jahren auf zurzeit etwa 7,7 Milliarden mehr als versiebenfacht. Der in dieser Ära entstandene Kapitalismus und sein Wirtschaften führten zu einem exzessiven Verbrauch der Ressourcen, zu einem aberwitzigen Überfluss in den Industrieländern bei gleichzeitiger Verarmung, Perspektivlosigkeit sowie Hunger und frühem Tod von Hunderten Millionen Menschen.

Den Fragen bezüglich der physiologischen Zusammenhänge des Nahrungsnetzes, wie sich die Menschen ernährten und ernähren, über die heutige Qualität der Nahrung und unter welchen Bedingungen die Menschen sich Nahrung beschaffen, gehen wir im folgenden Kapitel nach. Außerdem soll die umfassende Beeinträchtigung der ökologischen Kreisläufe bei der Produktion der Nahrungsmittel durch die Lebensmittelindustrie verdeutlicht werden.

3 Nahrung und Nahrungsbeschaffung

Der Mensch ist ein besonderer Hominid. Er geht auf zwei Beinen und hat im Verhältnis zu seiner Größe und seinem Gewicht ein einzigartiges Gehirn, was Größe und Komplexität betrifft. Mit dieser Ausstattung hat er jeden Winkel unserer Welt erobert. Anthropologen versuchen seit Langem zu verstehen, weshalb sich die Linie der Hominiden so grundlegend von der der sonstigen Primaten abhebt. Zunehmend sind die Wissenschaftler davon überzeugt, dass die Nahrung während der menschlichen Evolution einen beträchtlichen Einfluss ausübte. In der Vorzeit bewirkte die natürliche Selektion offenbar, dass unsere Vorfahren sich mit immer weniger Aufwand immer hochwertigere energiehaltige Nahrung beschaffen konnten. Ausschlaggebend dafür war die ständige Veränderung des Essbaren während ihrer Evolution. Der Mensch unterscheidet sich also hinsichtlich seiner Nahrung von allen anderen Primaten. Im Vergleich ist unsere Kost wesentlich gehaltvoller an Energie liefernden Nährstoffen, an Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten. Das gilt für die unterschiedlichsten Ernährungsgewohnheiten der weltweiten menschlichen Kulturen: für Bevölkerungen, die fast ausschließlich von Pflanzenkost leben, wie für solche mit überwiegendem Fleischkonsum.

Welche Gründe gibt es für diesen Sonderweg? Um eine Erklärung zu finden und entscheiden zu können, ob unsere heutigen Ernährungsgewohnheiten die Richtigen sind, ist die Abweichung des Speiseplans von dem der Menschen früherer Zeiten von besonderem Interesse.

[...]

12:19 11.07.2019

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