Struktur und Untergang

Leseprobe "So nah an ihn heran, dass er ihm ins Ohr flüstern konnte: 'Der Tod bin ich, Erschütterer der Welten.' Er richtete sich auf, setzte erneut seine Waffe an, hielt auf den Hinterkopf und drückte ab."
Struktur und Untergang
Foto: Sean Gallup/Getty Images

Geometria est archetypus pulchritudinis mundi.

Johannes Kepler

Die mathematische Struktur, nämlich das rationale Zahlenverhältnis als Quelle der Harmonie – das war sicher eine der folgenschwersten Entdeckungen, die in der Geschichte der Menschheit überhaupt gemacht worden sind.

Werner Heisenberg

Nein, sondern so unbegreiflich es der gemeinen Vernunft erscheint: du – und ebenso jedes andere bewußte Wesen für sich genommen – bist alles in allem. Darum ist dieses dein Leben, das du lebst, auch nicht ein Stück nur des Weltgeschehens, sondern in einem bestimmten Sinn das ganze. Nur ist dieses Ganze nicht so beschaffen, daß es sich mit einem Blick überschauen läßt. – Das ist es bekanntlich, was die Brahmanen ausdrücken mit der heiligen, mystischen und doch eigentlich so einfachen und klaren Formel: Tat twam asi (das bist du).

Erwin Schrödinger

 

Teil I

2006

 

1.

Der ältere Herr war eine auffällige Erscheinung. Aufrecht wie ein Herrenreiter saß er auf seinem Hollandrad und die Rockschöße seines beigen Leinenanzugs flatterten im Wind. Mit der Hand hielt er den Strohhut fest. Seine Hosenbeine waren mit Metallklammern vor der Kette geschützt. Um die Schulter trug er ein bauchiges Futteral, in dem sich ein Fernglas befinden mochte. Er ließ dem Rad bergab freien Lauf und bog in den weitläufigen Biergarten der Ottenrainer Schlossbrauerei ein. Gelenkig stieg er von dem federgepolsterten Ledersattel. Zunächst richtete er seinen Anzug, nahm die Klammern ab und zog die Hosenbeine glatt. Dann lupfte er den Strohhut, fuhr sich durchs Haar und reihte sich in die lange Schlange der an der Schänke Wartenden ein. Die Hitze drückte. Vom Hochstädter See her kommend suchten die Leute einen schattigen Platz im Biergarten. Eigentlich war Kaffeezeit, aber ein kühles Getränk tat wohler. Manche waren in Badehosen, T-Shirt und Plastiklatschen, andere in bunten Rennsporthäuten oder eben in sonntäglichem Chic, wie der Kreis von mager gewordenen alten Damen in pastellfarbenen Kleidern und bukettgeschmückten Hüten. Um die Kastanien und die massiven, im Boden verankerten Tische herum tobten schreiend und lachend Kinder. So fiel auch der ältere Herr nicht weiter auf, obwohl er doch ein Glas Dunkles trank, für das der Kellner in die Wirtsstube hatte gehen müssen. Am Tisch zog er einen rindsledernen Tabakbeutel aus seiner Jacketttasche, entnahm ihm eine Bruyèrepfeife und stopfte sie. Rauchend studierte er die Landkarte und zwirbelte dabei seine buschigen Augenbrauen. Nachdem er seine weitere Route geprüft hatte, faltete er die Karte wieder sorgfältig zusammen und steckte sie in das Futteral zurück. Mit wohlwollendem Interesse widmete er sich anschließend dem bunten Treiben um ihn herum.

Etwa eine halbe Stunde später verließ er auf seinem Rad Ottenrain und fuhr die sanft geschwungene Straße zum Wald hin. Hinter den Weizenfeldern zweigte ein Schotterweg ab. Ein Schild mit der verwitterten Aufschrift Moosrain wies auf ein Holzhaus hin, das an den Waldrand geschmiegt lag. Er sprang aus dem Sattel, schob das Rad und legte dabei seine Hand auf die Glocke, um ihr Anschlagen auf dem holprigen Untergrund zu dämpfen. In einiger Entfernung vom Haus stellte der Besucher sein Fahrrad am Wegesrand ab. Er hatte es bereits gewendet, sodass er nur wieder aufsteigen musste, um zur Straße zurückzufahren. Ruhigen Schritts näherte er sich dem Haus, kurz davor hielt er inne. Er stemmte die Hände in die Hüften und nahm das sich ihm bietende Bild so aufmerksam zur Kenntnis wie zuvor die Landkarte. Die Bepflanzung vor allem fiel ihm ins Auge. Ging man geradewegs auf den Eingang zu, zeigten sich Haus und Garten von einem kompakten Bewuchs umgeben. Kam man von der Seite, sah man, dass die Bambusbuschen nicht auf einer Linie, sondern parallel gegeneinander versetzt standen und vielfach Einlass boten. Der Garten war karg und streng. Bäume mit vielfingrigem Geäst in filigraner Struktur hatte man auf Miniaturmaß heruntergeschnitten. Das satte Grün des Rasens wirkte wie eine dicht gewebte Moosfläche und wölbte sich zu sanften Buckeln auf. Ein scharfer Rand trennte das Grün von einer im Sonnenlicht fast weiß schimmernden Sandfläche, in der wie zufällig verstreut Steinbrocken lagen. Ein gebeugter alter Mann stand mittendrin und zog mit einer Harke Linien in einer Anordnung um die Steine herum, als stünden Felsen in strömendem Wasser, das sich an ihnen brach.

Vom Wipfel einer Buche flog ein Bussard auf. Mit kräftigen Flügelschlägen arbeitete er sich in den strahlend blauen Himmel empor. Dort breitete er seine Schwingen aus, ließ sich von den warmen Winden tragen und kreiste über dem Gelände. Der Besucher verfolgte aufmerksam den Flug des Raubvogels. Dann blickte er wieder auf das Haus, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Er zögerte und tastete die Seitentaschen seines Jacketts ab. Endlich streifte er Lederhandschuhe über, die er dort aufbewahrt hielt. Damit hatte er seine Entschlossenheit wiedergewonnen. Er öffnete das Futteral, holte eine Pistole hervor, anschließend einen Schalldämpfer und schraubte ihn ohne Hast auf den Lauf. Er entsicherte die Waffe und betrat den Garten durch einen Einlass im Bambusgesträuch. Der alte Mann blieb in seine Arbeit vertieft und nahm den Ankömmling nicht wahr. Mit einem Rechen zog er den Sand glatt und zerteilte ihn anschließend mit der Harke in Strömungslinien. Schließlich hielt er doch inne und stützte sich auf den Stiel der Harke. Er trug eine Art Kaftan und einen an den Rändern ausfransenden Strohhut. In seiner Bewegungslosigkeit wirkte er wie eine Vogelscheuche, die man dort in die Mitte gestellt hatte.

– Bertold?

Der Alte wandte sich langsam um. Obwohl seine Augen ausreichend beschattet waren, legte er die Hand an die Krempe seines Huts, um den Gast zu mustern. Unschlüssig blieb er auf seine Harke gelehnt stehen, bis ihn der andere heranwinkte. In einer seltsam anmutenden Choreografie, bei der er sich von dem Ankömmling zunächst einmal abwenden musste, um auf ihn zuzugehen, folgte er dem ausladenden Wellenkamm, den er zuvor in den Sand geharkt hatte. Schließlich stand er vor ihm und nahm ihn in Augenschein. Der Fremde schien Wert darauf zu legen, erkannt zu werden, jedenfalls zog er seinen Hut vom Kopf, um sein Gesicht im Licht zu zeigen.

– Bertold, fragte er nochmals.

Der Angesprochene wiegte den Kopf, als gäbe es Zweifel, dann nickte er. In stummer Erinnerung lief eine lange Geschichte ab. Aber auch nach dieser Vergegenwärtigung hatte er nichts mit ihm abzugelten. Erst jetzt bemerkte er die Waffe, die sein Gegenüber in der Hand hielt. Einen Moment lang flackerte Erschrecken in seinen Augen auf. Gleich darauf hatte er sich wieder unter Kontrolle, und von seiner gleichmütigen Miene war keine innere Bewegung mehr abzulesen. Er faltete die Hände und verbeugte sich wie einer, der in Demut sein Schicksal annahm. Dann drehte er sich um und kehrte ohne Hast zu der zuletzt bearbeiteten Stelle zurück. Er nahm seine Arbeit wieder auf und wies dem anderen wie zuvor den Rücken. Als habe er Scheu, die Sandfläche zu betreten, blieb der Besucher am Rand in einer Entfernung von etwa fünf Metern stehen. Er hob die Waffe und zielte. Die Kugel traf den Nacken. Der Getroffene schwankte, wollte nach hinten zurückweichen, um nicht in seine Wellenzeichnung zu fallen. Schließlich kippte er doch kopfüber nach vorne. Das aus der Wunde strömende Blut sickerte in den Sand. In der Ferne bellte ein Hund. Der Besucher atmete tief durch und lauschte wie in ein Gebet versunken den Geräuschen der Natur. Das an- und abschwellende Zirpen der Grillen, das Tschilpen von Finken, Schreie von Krähen und dann das Brummen einer metallisch blaugrün schimmernden Schmeißfliege, die den Kopf des im Sand Liegenden umkreiste. Schließlich ging er näher an den Getroffenen heran und beugte sich über ihn. Er hörte ein Stöhnen, in das sich undeutlich Worte zu mischen schienen, und drehte ihn auf den Rücken.

2.

Der Sterbende schlug die Augen auf und begegnete noch einmal dem Blick seines Mörders. Dann glitt sein Kopf zur Seite und die zunehmend undeutlicher werdende Wahrnehmung verlor sich in der feinkörnigen, hellen Fläche seines Gartens wie in einer weit gestreckten Wüste. Alles darin war flüchtige Gestaltung, in der er zu Wellen aufgeworfene Dünen erkannte, die sich bis zum Horizont hin wanden. Auf ihrem Kamm zeichneten Wind und Hitze sich verwirbelnde, schlängelnde Erscheinungen. Auf der dem Wind abgewandten Flanke floss der Sand in lang gezogenen Rinnsalen herunter. Er öffnete seinen Mund, und da er es nicht mehr zustande brachte, dachte ein Lächeln. In bildhafter Klarheit zog ein letztes Mal seine große Entdeckung herauf. Am Anfang stand ein Prinzip unbekannter Herkunft, einheitlich stark in seiner Art, ohne Schwäche und Makel, reine Kraft, die sich entfaltete. Er durchlebte alle Phasen ihres Wirkens, bis am Ende der Impuls in seinen Formungen verschwunden war und von einer Hülle umkleidet wurde wie Samen von einer Fruchtkapsel. Endlich, dabei aber unbegrenzt – von diesem Gegensatz hatte er sich nie eine andere Vorstellung bilden können als die einer rotierenden Kugel, auf deren Oberfläche die Holzlokomotive seiner Kindheit ebenso Platz fand wie die Armspange des Achilles, aber auch das Lachen Alexander des Großen beim Anblick von Amun-Re und der Abwurf von Little Boy über Hiroshima. Und natürlich auch sein Tod, der jetzt wie flutendes Licht auf ihn herabkam.

– Wenn der Schein von tausend Sonnen plötzlich am Himmel hervorbräche, wäre es gleich dem Glanze dieses Herrlichen ... In ihm war alles aufgehoben, das Ende, aber auch jeder Anfang. Er begegnete dem Unergründlichen.

– Wer bist du, Fürchterlichgestaltiger? Dann brach der Totgeweihte ab.

3.

Sein Widersacher ging so nah an ihn heran, dass er ihm ins Ohr flüstern konnte.

– Der Tod bin ich, Erschütterer der Welten. Er richtete sich auf, setzte erneut seine Waffe an, hielt auf den Hinterkopf und drückte ab. Ein Zucken fuhr durch den Leib. Ohne den Blick von dem starr werdenden Körper abzuwenden, schraubte er den Schalldämpfer vom Lauf der Pistole, wickelte sie in ein Tuch und verstaute sie in dem Futteral. Schließlich ging er zum Haus. Die Tür stand offen. Drinnen verschaffte er sich einen groben Überblick. Kurz danach ahnte er schon, dass er nichts finden würde. Die Einrichtung war karg, hier lebte ein Eremit. Durch die offene Tür sah er den Toten im Sand. Er lag reglos und doch so, als würde er ihn beobachten. Schubladen und Schränke waren unverschlossen. Ohne Hast suchte er das Mobiliar ab. Er prüfte Matratzen, Kissen und Teppiche, er visitierte Taschen, Dosen und Schachteln. Dann setzte er eine Brille auf, an deren Gestell eine Doppellupe geklippt war, kroch auf allen vieren durch die Räume und durchforschte Bohlen und Holz- verschalungen. Er klopfte und horchte, um dem Haus Hohlräume abzulauschen, eine lange Nadel, die er bei sich hatte, setzte er wie eine Sonde ein, um Dahinterliegendes zu ergründen. Schließlich fügte er sich der Erkenntnis, dass seine Hoffnungen vergeblich gewesen waren. Er trat aus dem Haus. Auf dem Hinterkopf des Toten hatten sich Schmeißfliegen niedergelassen. Aus der Entfernung sah ihr Gewimmel wie eine blaugrüne Membran aus, die sich hob und senkte. Sorgenvoll blickte er nach oben. Eine Schar Krähen kreiste krächzend über dem Haus, zerstob dann und ließ sich in den nahen Bäumen nieder. Kurz entschlossen packte er den am Haus lehnenden Spaten und begrub den Toten im Sand. Er glättete den aufgeworfenen Haufen und zeichnete mit der Schaufelspitze zwei übereinanderliegende Dreiecke. Die Sonne war hinter den Bäumen verschwunden.

4.

Führungen durch Schloss Ottenrain brauchte an einem Badesonntag wie heute niemand, es sei denn mein Chef, der Hausherr.

– Vielleicht gibt es ein Gewitter, meinte Leo. Und dann haben wir volles Haus. Ich warf einen Blick auf den wolkenlosen Himmel und zuckte die Achseln.

– Möglich, erwiderte ich, um ihn nicht vollends zu enttäuschen. Bei Regen war die Gaststube unten in der Wirtschaft stets brechend voll, wer keinen Platz mehr fand, drängte herauf und machte, um trocken zu bleiben, eine Führung. Aber danach sah es leider nicht aus. Trotzdem ging ich regelmäßig zum Kassenhäuschen am Eingang hinunter, setzte mich hinein und wartete. Für eine Führung sollten wenigstens zehn Personen zusammenkommen. Gegen Mittag spazierten vier alte Damen den Schlossberg herauf. Ihre Liebe zum Adel trotzte jedem Wetter. Auf dem grob gepflasterten Vorplatz hakten sie sich paarweise unter. Am Eingang löste sich eine aus der Gruppe und kam zur Kasse. Durch das ovale Sprechfensterchen lächelte sie zu mir herein.

– Vier Erwachsene, sagte sie unter dem Gekicher ihrer Gefährtinnen. Mit Führung. Sicher hatten sie das Schild bemerkt, demzufolge nur größere Gruppen durch das Schloss geführt werden konnten. In ihrer angeregten Stimmung machten sie aus ihrem Alter ein Privileg, das ihnen gestattete, Hindernisse zu übersehen. Und ich brachte es nicht übers Herz, sie wegzuschicken. Ich verschloss das Kassenhäuschen und ging voraus.

– Und wenn wir ihm begegnen, wie sprechen wir ihn an?

– Sagen Sie einfach Herr Baron zu ihm. Sein korrekter Name ist Leopold Freiherr von Rothenberg. Die Damen lachten höflich, und ich schleuste sie durch die Räume. Dass Leos Großvater eine Bartholdy-Wildenhain geehelicht hatte, wussten sie aus einschlägiger Lektüre. Vor allem das Schlafzimmer mit Himmelbett, die atlasblaue Wäsche und der Wandschrank der Baronin entzückten sie. Beseelt spazierten sie anschließend zur Schlosswirtschaft hinunter. Bis in den Nachmittag hinein war Langeweile. Ich verlegte meinen Platz nach draußen in den Hof. Aus dem mit massiven Steinen umfassten Brunnen drang auch im Sommer von tief unten eine angenehme Kühle herauf, dazu spendete der alte Lindenbaum ausreichend Schatten. Ich hatte dort einen runden Tisch aufgestellt und eine Tischdecke aufgelegt. Richard Eulmann, mein Vorgänger, pflegte mich sonntags zu besuchen. Er wohnte in einem am Waldrand gelegenen Haus außerhalb von Ottenrain, das früher einmal als Jagdhütte gedient hatte. Am Sonntagnachmittag unternahm er regelmäßig einen längeren Spaziergang, der ihn zu mir führte. Wir tranken dann Tee zusammen. Von diesem Platz aus hatte ich alles im Blick, konnte ungestört rauchen und meine Gedanken schweifen lassen, allerdings wäre mir mehr Betrieb lieber gewesen. Wenigstens so viel, dass wir meine Personalkosten wieder hereinbekamen. Es deprimierte mich, wenn Leo mit seinen schütteren blonden Haaren, je nach Jahreszeit in Leinen oder abgewetztem Cord aus seinem Herrenhaus geschlurft kam. Seinen hängenden Schultern sah ich an, was das Thema war: Geld! Freilich hatten wir Einnahmen aus Forstwirtschaft und Verpachtung, aber ein so weitläufiges, jahrhundertealtes Gemäuer war ein riesiges Sparschwein. Es musste dauernd gefüttert werden.

Warum sollten auch beim Entwurf und Bau eines solchen Schlosses immer nur Meister ihres Fachs unterwegs gewesen sein? Unser Barockschloss verfügte über einen Konzertsaal, der für nahezu zweihundert Personen ausgelegt war. Rechnete man allerdings Bestuhlung und alle sonstigen benötigten Anlagen hinzu, so würde bei einer Auslastung von etwa achtzig Besuchern der Boden durchbrechen. Mit anderen Worten: Wir hatten eine perfekte Lokalität für Konzerte, konnten sie aber nicht nutzen. Es sei denn, wir hätten den Boden komplett erneuert. Und dazu brauchte man Geld. Bei unserer regelmäßigen kleinen Lagebesprechung, die wir meist freitags abhielten, hatte Leo wieder einmal gefragt, ob nicht die Gutsverwaltung Ideen hätte, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Mit Gutsverwaltung war ich gemeint. An Titeln mangelte es in einer adeligen Umgebung nie, aber genauso gut konnte er fragen, ob der Gärtner oder der Nachtwächter einen zündenden Einfall zu präsentieren habe. Auch damit wäre ich gemeint gewesen. Ich machte alles, was so anfiel.

– Hast du schon mal über Merchandising nachgedacht? Leo legte bei seiner Frage den Kopf schief.

– Kaffeetassen? T-Shirts? Er zuckte die Achseln.

– Was eben so geht. Ich wünschte mir in solchen Momenten, wenigstens einer von uns wäre der mit allen Wassern gewaschene Verkäufer.

– Weißt du, Leo, um Merchandising zu machen, müsste man eine Marke haben, die die Leute interessiert. Wer kennt schon Schloss Ottenrain? Ein schmerzvoller Zug ging über Leos Gesicht.

– Wir haben jetzt die Medaillons, die Postkarten und die Schneekugeln im Verkauf. Es würde mich wundern, wenn wir die Produktionskosten schon wieder drin hätten. Leos Augen wurden wässrig.

– Bringt nichts, wie? Ich nickte. Dann tranken wir unseren Kaffee aus, redeten noch über diese oder jene Ausbesserungsarbeit.

– Du machst das schon! Leo klopfte mir zum Abschied auf die Schulter.

– Klar, sagte ich, ich mach das schon!

– Noch was! Leo wandte sich in der Tür noch einmal um.

– Vor der Mauer da unten beim Wassergraben wuchert das Unkraut. Könnte man da nicht mal mit der Sense ran? Ich musterte ihn besorgt. Aber seine Miene blieb arglos. Das Unkraut, von dem Leo sprach, war meine kleine Hanfplantage. Silver Haze, ideal platziert und inzwischen schon so reif, dass die Pflanzen intensiv rochen. Allerdings wagte sich kaum einer zum Wassergraben hinunter.

– Ich sehe zu, was sich machen lässt. Leo nickte mir zu und verschwand.

11:40 24.01.2013

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