Mit Herzblut

Einblicke Nacherzählungen traditioneller Stoffe sind oft problematisch. Chris Adrian scheint es jedoch zu gelingen, mit Kenntnis und Hingabe eine Hommage zu erschaffen, keine Kopie
Mit Herzblut
Foto: David McNew/Getty Images

Schmerz und Sinnesfreude

"Titania ist von Schmerz zerfressen, seit ihr Sohn an Leukämie starb. Denn anders als sie selbst und die anderen Wesen ihres Elfenkönigreichs war der Junge nicht mit der Gnade (oder dem Fluch) der Unsterblichkeit gesegnet. Wenn das Kind stirbt, sind die Eltern hilflos. Autor Chris Adrian - selbst Arzt in einer Kinderkrebsklinik - verpackt die Tragödie in eine sinnenfroh erzählte Geschichte." >> NDR Kultur

Literarische Schnitzeljagd

"Fasziniert folgt man den Pfaden, auf die uns Chris Adrian in seinem Roman lockt. Die große Nacht ist in berückend schöner Prosa geschrieben; hier ist einer am Werk, der alle Facetten beherrscht. So entsteht das schillernd vielfarbige Bild einer märchenhaften Welt inmitten der lasziv-libertären West-Coast-Metropole San Francisco. Wer Spaß an einer literarischen Schnitzeljagd hat, findet hier reichlich 'Spielmaterial': bei Dr. Blork und Dr. Beadle, den behandelnden Ärzten in der Kinderkrebsstation; oder jenen fünf Obdachlosen, die just in dieser 'großen Nacht' im Park sind, um ein Musical einzustudieren – bei Shakespeare sind es Handwerker, die ein Theaterstück proben." >> Bookmarks

Surrealismus und Blowjobelfen

"Oberon und Titania in Hollywood, kleine Jungs, die entführt werden, Blowjobelfen - willkommen in einer modernen Version von Shakespeares 'Sommernachtstraum'. Chris Adrian hat ein Abenteuer über Liebe und Verlust, Angst und Erinnerung geschaffen, surrealistisch an der Grenze zum Wahnsinn." >> Deutschlandradio Kultur

In hohem Maße zu bewundern

"Der amerikanische Arzt Chris Adrian ist für seine Fantasien in 'Die große Nacht' in hohem Maße zu bewundern. Man darf nur nicht den Fehler machen, alle 450 Seiten zu lesen.
Geschätzte 150 gehören überblättert. Weg damit. Ohne Pardon.
Dann bleibt inmitten von San Francisco in einem Park die Feenwelt übrig, und es machen Elfen das Theater, manche klein wie Fingerhüte. Manche groß wie Straßenlaternen. Haut wie Birkenrinde. Vögel im Haar. Eng aufgewickelte Fäden als Körper. Gefiedertes Pony. Mit Toilette aus Jade und Pilzkathe­drale. (...) Ein neu erzählter Shakespeare’scher Sommernachtstraum wird das, aber ein trauriger." >> Kurier.at

Im allergrößten Gegensatz

"Doch selbst Oberon und Titania sind getrennt und vom Kummer zerrüttet. Jener Junge, der in Shakespeares Stück Anlass für einen sinnenfrohen Ehekrach ist, ist bei Chris Adrian gestorben, auf einer Krebsstation in San Francisco, die dem Elfenwald so fern wie irgend möglich ist. Und hier, im allergrößten Gegensatz, erlebt der Roman seinen allergrößten Moment: In einer langen Rückschau (einer von vielen) zeigt er das unsterbliche Königspaar am Krankenbett ihres sterblichen Kindes." >> Welt Online

17:40 27.06.2012

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