Im Mittelpunkt

Biographie Die Werke des gebürtigen Südafrikaners stellten schon immer die Menschlichkeit thematisch in den Mittelpunkt. Dafür wurde ihm unter anderem der Nobelpreis für Literatur zuerkannt
Im Mittelpunkt
Foto: Verlag/Jerry Bauer

John Maxwell Coetzee wurde am 9. Februar 1940 in Kapstadt geboren. Er hat niederländische Wurzeln, wuchs jedoch in einer englischsprachigen Familie auf. Dennoch war er seit seiner Kindheit auch mit Afrikaans vertraut. Seine Mutter Vera Coetzee war Grundschullehrerin, sein Vater Zacharias ein Jurist, der während des Zweiten Weltkriegs auf Seiten den Alliierten in Nordafrika gekämpft hatte. Bis 1948 war er als Rechtsanwalt bei der Stadtverwaltung in Kapstadt angestellt, verlor jedoch dann diesen Posten aufgrund seiner apartheidkritischen Haltung, woraufhin die Familie für drei Jahre auf einer Farm in Worcester lebte.

J. M. Coetzee studierte an der Universität Kapstadt Englisch (BA Honours 1960) und absolvierte parallel dazu ein zweites Hauptstudium in Mathematik (BA Honours 1961). Danach war er in England zunächst für IBM und dann für International Computers Limited in Bracknell, Berkshire als Programmierer tätig, eine Zeit, die er im zweiten Band seiner romanhaften Memoiren (Youth. Scenes from Provincial Life II, 2002) schildert. Mit einer Arbeit über Ford Madox Ford erwarb er 1963 den M.A.-Grad in Englisch der Universität Kapstadt.

1974 veröffentlichte Coetzee sein erstes literarisches Werk, Dusklands, bestehend aus The Vietnam Project und The Narrative of Jacobus Coetzee. Die Zusammenstellung der beiden an sich unabhängig erzählten Teile verweist auf Parallelen zwischen den US-Amerikanern in Vietnam heute und der niederländischen Besiedlung Südafrikas im 18. Jahrhundert. Seine Werke nehmen oft sehr deutlich Bezug auf die sozialen und politischen Missstände und Probleme seines Landes und stellen die Menschlichkeit auf einem hohen ästhetischen Niveau in den Mittelpunkt. Einzelschicksale werden allegorisch für alle Menschen dargestellt. Coetzee ist Vegetarier und Schutzpatron der australischen Tierrechtsorganisation Voiceless. Explizit wird die Tierrechtsthematik in den Romanen Elizabeth Costello und Schande behandelt.

1980 erhielt Coetzee den Central News Agency Literary Award, den höchsten südafrikanischen Literaturpreis, für Warten auf die Barbaren. 1983 wurde er für Leben und Zeit des Michael K. mit dem Booker Prize, 1987 mit dem Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft und 1999 für Schande erneut mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Er wurde des Weiteren mit dem Lannan Award for Fiction, The Irish Times International Fiction Prize, dem Jerusalem Prize und dem Commonwealth Literary Award ausgezeichnet und zum Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres ernannt. 2003 erhielt Coetzee den Nobelpreis für Literatur.

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Teile dieses Textes basieren auf dem Artikel J. M. Coetzee aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).

12:19 24.10.2013

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