Schieflage

Einblicke Bedingt durch die Globalisierung und den Vormarsch neoliberaler Praktiken hat sich der Arbeitsmarkt in jüngster Vergangenheit fundamental gewandelt. Nicht unbedingt zum Besten
Schieflage
Foto: John MacDougall/AFP/Getty Images

Fundamentaler Wandel

"Die Arbeitswelt in Deutschland steht vor durchgreifenden Veränderungen. Der Staat fordert von den Bürgern mehr Eigenverantwortlichkeit, Unternehmen fordern von ihren Mitarbeitern nahezu unbegrenzte Mobilität und Flexibilität, moderne Technologien machen aus einer Industrie- eine Wissensgesellschaft. Gleichzeitig sind alte Institutionen, wie etwa Gewerkschaften, noch nicht ausreichend auf die entstehenden neuen Herausforderungen vorbereitet. Im Dreieck zwischen hoher Arbeitslosigkeit, Umbau der Sozialsysteme und Konjunkturflaute müssen sich die Mitglieder der Arbeitsgesellschaft noch neu positionieren. Dabei muss auch ein neues Gleichgewicht gefunden werden zwischen Arbeit und Freizeit und dem Wert der Arbeit der Einzelnen." Bundeszentrale für politische Bildung

Schöne neue Welt

"E-Mails um Mitternacht, Berge von Überstunden: Für immer mehr Menschen hört die Arbeit nie auf, hat Karrierecoach Martin Wehrle beobachtet. Der Frühkapitalismus kehrt zurück, und die Globalisierung ist die perfekte Ausrede." Spiegel Online

Schein und Sein

"Ähnlich sieht es auch in Deutschland aus, wo Kanzlerin Angela Merkel mit Verweis auf die Arbeitsmarktzahlen ihre Regierung über den grünen Klee lobt. Was Merkel dabei nie erwähnt, ist die Tatsache, dass derzeit fast ein Viertel aller Beschäftigten sieben Euro netto oder weniger in der Stunde verdient. Dass fünf Millionen MinijobberInnen (zwei Drittel davon sind Frauen) mit 450 Euro im Monat auskommen müssen. Dass der Staat pro Jahr über elf Milliarden Euro an Sozialhilfe ausgeben muss, weil der Lohn von Millionen unter dem Existenzminimum liegt." Woz.ch

Zeichen der Zeit

"Die meisten aber berichteten von sinkenden Löhnen und unsicheren Arbeitsverhältnissen; wenn sie diese nicht selbst erlebten, dann im Bekanntenkreis. Fast alle Mails kamen von hochqualifizierten Leuten: Studenten und Akademikern, zum Teil mit mehreren Berufsausbildungen und langer Auslandserfahrung. Manche waren trotz ihrer Qualifikationen arbeitslos, andere hangelten sich von einer befristeten Stelle zur nächsten, immer unter Druck und schlechter bezahlt als die fest angestellten Kollegen. 'Ich denke, der Knackpunkt liegt in der Moral der Arbeitgeber', schrieb eine Leserin. 'Die Luft wird dünner, die Gesellschaft rücksichtsloser.'" Zeit Online

Gegen den Druck

"Die Initiative 'Work Watch' wird von der Günter-Wallraff-Stiftung und der Organisation 'Arbeit und Leben in NRW' bezahlt und getragen. 'Arbeit und Leben' ist wiederum eine gemeinsame Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Landesverbands der Volkshochschulen. Ziel ist der Kampf gegen das 'Bossing', wie man neudeutsch den Abbau von Arbeitnehmerrechten mit unlauterem Arbeitgeber-Druck nennt." Kölner Stadt-Anzeiger

10:14 02.10.2014

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