Staat und Symbol

Netzschau Stimmen aus dem Netz: "Die Nation hat ihren eigenen Kult: das Vaterland. Sie setzt dem internationalen Recht innerhalb ihrer Grenzen ein eigenes Recht entgegen. Ein moderner Nationalstaat hat, so Mauss, Grenzen und Kolonien."
Staat und Symbol
Foto: Saul Loeb/AFP/Getty Images

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Tatbestände und Fiktionen

"Ich fühle mich sehr privilegiert, dass mein Essay über Baudrillards erstaunliches Buch Amerika gemeinsam mit Gerry Coulters Essay über Amerika 2009 im International Journal of Baudrillard Studies (IJBS), Ausgabe 6/1, erschienen ist. Ich habe Gerrys Essay noch einmal gelesen. Ganz gewiss ist dieser Text äußerst hilfreich beim Nachdenken über das gegenwärtige Phänomen Donald Trump, um die Emanation Trumps als 'sozialer Tatbestand' (Marcel Mauss) im kulturellen Zusammenhang dessen zu sehen, was Gerry die 'ungeheure Fiktion' nennt: (die Vereinigten Staaten von) Amerika." Alan Shapiro

Der eigene Kult

"In seinem Aufsatz aus dem Jahr 1920 definiert Marcel Mauss die Nation als eine sozial integrierte Gesellschaft mit zentraler Machtbefugnis, stabil und beständig, innerhalb klarer Grenzen. Sie ist gekennzeichnet von wirtschaftlicher und politischer – also militärischer, administrativer und juridischer – Einheit. Sie hat eine eigene moralische und materielle Kultur und Ästhetik und beinah auch immer eine gemeinsame Sprache. Sie hat auch eine eigene Mentalität. Mauss beobachtet, dass in einer modernen Nation alles dazu beiträgt, die Angehörigen dieser Nation zu individualisieren und gleichzeitig zu uniformisieren. Ein moderner Nationalstaat ist demnach homogen und seinen Bürgern wird Ebenbürtigkeit zugeschrieben. Auf symbolischer Ebene wird er durch seine Fahne repräsentiert. Die Nation hat ihren eigenen Kult: das Vaterland. Sie setzt dem internationalen Recht innerhalb ihrer Grenzen ein eigenes Recht entgegen. Ein moderner Nationalstaat hat, so Mauss, Grenzen und Kolonien." Psychoanalysis Today

Struktur und Identität

"Beide – die individuelle Identität einer Person und die kollektive Identität einer Gemeinschaft – weisen allerdings eine ähnliche Struktur auf: Sie verbinden die äußerste Selbstsicherheit mit weitgehender Intransparenz. Das heißt: Wir sind absolut sicher, dass wir existieren, aber wir sind unfähig, eine erschöpfende Beschreibung unserer eigenen Identität als Person oder etwa unserer Identität als Nation, Familie oder ethnischer Gruppe zu geben. Jeder Versuch zu einer solchen Beschreibung kann als unvollständig und verzerrt zurückgewiesen werden." Bundeszentrale für politische Bildung

Muss das sein?

"Wieder einmal deutet sich die unheimliche Konjunktur einer kollektiven Identität an. Das Wort 'Volk' ist in vieler Munde. Muss das sein?" der Freitag

14:41 09.11.2017

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Eckpfeiler

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Biographie Der französische Soziologe und Ethnologe Marcel Mauss lehrte am Collège de France und gilt als Vaterfigur der französischen Anthropologie. Sein international bekanntestes Werk ist "Die Gabe"
Diskursbildend

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Einblicke Marcel Mauss prägte nach dem Ersten Weltkrieg nachhaltig die französische Soziologie und inspirierte mit seinem Werk unterschiedliche, auch gegenwärtig relevante sozial- und kulturwissenschaftliche Theorien