Im Brennpunkt

Einblicke Der rassistischen Tendenzen und Ereignisse in einigen Regionen der Neuen Bundesländer in den ersten Jahren nach der Wende haben tiefe Spuren hinterlassen. Versuch einer Sammlung
Im Brennpunkt

Foto: Carsten Koall/Getty Images

Einer der letzten

"1981 kam Ibraimo Alberto über ein Regierungsabkommen aus seiner Heimat Mosambik in die DDR. Er sollte eine Fleischerausbildung machen - doch er wurde Profiboxer. Heute ist er Ausländerbauftragter der Stadt Schwedt - und einer der letzten Schwarzen dort." Deutsche Welle

Blicke und Schweigen

"Manchmal sind es die Blicke, manchmal das Schweigen. Zum Beispiel im Supermarkt am Platz der Befreiung, im Zentrum von Schwedt. Ibraimo Alberto reiht sich in die Schlange vor der Kasse ein. Vor ihm stehen ein Mann und sein Sohn, der Junge ist zehn, vielleicht zwölf. 'Schau mal Papa, ein Neger', sagt er nicht laut, aber hörbar, und zupft am Hemd seines Vaters. 'Ein richtiger Neger.' Der Vater dreht sich um, greift die Schultern des Jungen, schiebt ihn einen Meter vor, als wolle er seine Aufmerksamkeit woanders hin lenken." Berliner Zeitung

Finale Flucht

"Er war der einzige Schwarze in Schwedt und Ausländerbeauftragter der Stadt. Vor rund einem halben Jahr floh Ibraimo Alberto vor dem alltäglichen Rassismus nach Karlsruhe. Der Ex-Boxer pflegt jetzt einen Schwerkranken und versucht, mit seinen Erfahrungen im Osten Frieden zu schließen." Spiegel Online

Allein gelassen?

"Irmela Mensah-Schramm, eine Vertraute Albertos und selbst seit Jahren mit Projekten gegen Fremdenfeindlichkeit tätig, erhebt schwere Vorwürfe gegen Stadt, Landkreis und Land. 'Er wurde wirklich allein gelassen', behauptet die bundesweit bekannte Aktivistin für Menschenrechte. Die Stadt Schwedt habe es versäumt, Ibraimo Alberto den Rücken zu stärken. Angaben seines Anwaltes zufolge streitet Alberto derzeit gerichtlich mit dem Landkreis Uckermark um Ansprüche aus seiner Tätigkeit als Ausländerbeauftragter und Stadtverordneter." Tagesspiegel Online

Einer von vielen

"Der Marktplatz von Karlsruhe. Ibraimo Alberto steht am Straßenrand und beobachtet die Menschen, die in die Bahn einsteigen. Er hat die Hände hinter dem Rücken gefaltet, er lächelt, wirkt zufrieden. Hin und wieder hebt er den rechten Zeigefinger, deutet auf eine Frau mit dunkler Hautfarbe oder einen Jungen mit asiatischen Wurzeln, als könne er nicht glauben, was er da sehe. Im brandenburgischen Schwedt an der Grenze zu Polen war Alberto Jahre lang der einzige, der anders aussah. Wegen seiner Hautfarbe wurde er wie ein Fremder behandelt. In Karlsruhe ist er nun einer von vielen." Deutschlandfunk

11:23 24.04.2014

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