Das größte Paradoxon

Leseprobe "Der Krieg war nie ein Freund des Bestatters. Krieg ist Massenmord, aber trotzdem, und das ist vielleicht das größte Paradoxon der Geschichte, ist er eigentlich des Bestatters ärgster Feind."
Das größte Paradoxon

Einleitung

Des Bestatters Freund

Mit dreiundzwanzig wäre ich um ein Haar gefallen. In einer Schlacht. Es war am 26. September 1983, abends, gegen halb zehn. Ich saß in einem möblierten Zimmer im englischen Cambridge über eine gute alte Schreibmaschine gebeugt und tippte das erste Kapitel meiner Doktorarbeit in Archäologie. Ich war eben von vier Monaten Geländearbeit in den griechischen Inseln zurückgekehrt. Die Arbeit lief wie am Schnürchen. Ich war verliebt. Das Leben war schön. Ich hatte keine Ahnung, dass 2000 Meilen östlich von Cambridge Stanislaw Petrow überlegte, ob er mich töten sollte oder nicht. Petrow war der stellvertretende Chef für Gefechtsalgorithmen im Serpuchow-15-Bunker, dem Nervenzentrum des sowjetischen Frühwarnsystems. Er war ein methodischer Mensch, Ingenieur, er schrieb Software; und – zum Glück für mich – neigte er nicht zur Panik. Aber als kurz nach Mitternacht (Moskauer Zeit) die Sirene losheulte, fuhr sogar Petrow auf.

Auf der riesigen Karte der nördlichen Hemisphäre, die eine ganze Wand der Überwachungszentrale einnahm, begann eine rote Lampe zu blinken. Das bedeutete, dass in Montana eine Rakete gestartet war. Über der Karte erwachte eine Reihe roter Lettern zum Leben, die zusammen das schlimmste Wort ergaben, das Petrow kannte: Abschuss. Computer prüften ihre Daten, prüften sie noch einmal. Wieder blinkten die roten Lichter auf, diesmal mit größerer Gewissheit: Abschuss – Verlässlichkeit: hoch. In gewisser Hinsicht hatte Petrow diesen Tag erwartet.

Nur sechs Monate zuvor hatte Ronald Reagan Mütterchen Russland als Reich des Bösen gebrandmarkt. Er hatte gedroht, die Amerikaner würden einen weltraumgestützten Raketenabwehrschild aufbauen, der dem Gleichgewicht des Schreckens ein Ende gemacht hätte, das nun seit fast vierzig Jahren den Frieden aufrechterhielt. Und dann hatte er angekündigt, die Aufstellung neuer Raketen zu beschleunigen, die gerade mal fünf Minuten nach Moskau brauchten. Gleich darauf hatte sich, als wollte man sich über die Verwundbarkeit der Sowjetunion lustig machen, eine südkoreanische Verkehrsmaschine in den sibirischen Luftraum verflogen und war dort zwei Stunden lang – angeblich orientierungslos – herumgekreuzt. Es dauerte mehrere Stunden, bis die Luftwaffe sie endlich fand. Sie war bereits wieder auf dem Weg in neutralen Luftraum gewesen, als ein sowjetischer Abfangjäger sie abgeschossen und dabei alle Passagiere getötet hatte – mit einem amerikanischen Kongressabgeordneten an Bord. Jetzt, sagte der Bildschirm, hatten die Imperialisten zum finalen Schlag ausgeholt. Und dennoch …

Petrow wusste, der Beginn eines dritten Weltkriegs sollte anders aussehen. Zu einem amerikanischen Erstschlag gehörte das Dröhnen von tausend Minuteman-Raketen über dem Nordpol, die ein Inferno aus Feuer und Strahlung signalisierten: ein großangelegter, frenetischer Versuch, die sowjetischen Raketen noch in ihren Silos zu zerstören, um Moskau jeder Reaktionsmöglichkeit zu berauben. Der Abschuss einer einzelnen Rakete war schierer Wahnsinn. Petrows Aufgabe bestand darin, dem Protokoll folgend, sämtliche vorgeschriebenen Funktionsprüfungen abzuspulen. Nur dass dafür keine Zeit mehr war. Er musste selbst zu einer Entscheidung kommen – einer Entscheidung über das Ende der Welt. Er griff zum Telefon. »Ich habe eine Meldung zu machen«, sagte er dem diensthabenden Offizier am anderen Ende der Leitung. Er versuchte sachlich zu bleiben. »Es handelt sich um einen falschen Alarm.« Der Offizier vom Dienst stellte keine Fragen, verriet keinerlei Nervosität. »Alles klar.« Einen Augenblick später waren die Sirenen abgeschaltet. Petrows Stab atmete auf. Der stellvertretende Chef hatte die Lage richtig erkannt; es war alles okay. Die Techniker machten sich an ihre vorgegebenen Routinen und klopften die Schaltkreise systematisch auf Störungen ab.

Abschuss. Das rote Wort war wieder da. Ein zweites Licht erschien auf der Karte; eine weitere Rakete war unterwegs. Und dann leuchtete ein drittes Lämpchen auf. Und noch eines und noch eines – bis die ganze Karte in Flammen zu stehen schien. Jetzt übernahmen die Algorithmen, die Petrow selbst mitentwickelt hatte. Einen Augenblick lang blieb das Display über der Karte dunkel. Dann erwachte es mit einer neuen Warnung wieder zum Leben. Es kündigte die Apokalypse an. Raketenangriff. Der größte Supercomputer der Sowjetunion schickte die Nachricht automatisch den Befehlsweg hinauf. Jetzt zählte jede Sekunde. Gleich sähe der Generalstab sich vor die wichtigste Entscheidung aller Zeiten gestellt.

***

Ihr interessiert euch vielleicht nicht sehr für den Krieg, soll Leo Trotzki gesagt haben, aber der Krieg interessiert sich sehr für euch. Cambridge war – ist es heute noch – eine verschlafene Universitätsstadt, fernab aller Zentren der Macht. 1983 jedoch war es von Fliegerhorsten der Luftwaffe umgeben, die auf Moskaus Abschussliste durchaus hoch oben zu finden waren. Hätte der sowjetische Generalstab sich auf Petrows Algorithmen verlassen, ich wäre binnen einer Viertelstunde tot gewesen, verdampft in einem Feuerball, heißer als die Oberfläche der Sonne. Das King’s College mitsamt seinem Chor, die neben Stechkähnen grasenden Kühe, die Wissenschaftler, die sich am High Table im Talar den Portwein reichten – alles wäre im nächsten Augenblick verschwunden gewesen, radioaktiver Staub.

Hätten die Sowjets nur die Raketen abgeschossen, die auf militärische Ziele gerichtet waren (Strategen sprechen in diesem Fall von einem Counterforce-Schlag), und hätten die Vereinigten Staaten entsprechend darauf reagiert, ich wäre einer von grob geschätzt einhundert Millionen Menschen gewesen, die da in die Luft geflogen wären, verbrannt, vergiftet, und das nur am ersten Tag eines Kriegs. Aber wahrscheinlich wäre es ohnehin ganz anders gekommen. Nur drei Monate vor Petrows Stunde der Wahrheit hatte man am amerikanischen Strategic Concepts Development Center anhand eines Planspiels herauszufinden versucht, wie wohl die ersten Phasen eines nuklearen Schlagabtauschs aussehen könnten.

Wie sich herausgestellt hatte, war keiner der Beteiligten in der Lage gewesen, die Grenze zu ziehen und es bei Counterforce-Schlägen zu belassen; jedes der durchgespielten Szenarien war zu Countervalue-Angriffen eskaliert, bei denen neben Raketensilos auch Städte Ziel sind. Und in diesem Fall hätte sich die Zahl der Todesopfer am ersten Tag auf etwa eine halbe Milliarde erhöht; etwa eine weitere halbe Milliarde wäre in den folgenden Wochen und Monaten durch radioaktiven Niederschlag, Hunger und weitere Kampfhandlungen umgekommen. In der realen Welt aber zog Stanislaw Petrow an jenem 26. September eine Grenze.

Wie er später gestand, hatte er solche Angst, dass ihm schier die Beine versagten, und dennoch vertraute er seinem Instinkt mehr als seinen Algorithmen. Er sagte dem Offizier vom Dienst, dass es sich auch diesmal um einen Fehlalarm handelte. Man verhinderte, dass die Meldung den Befehlsweg bis nach ganz oben ging. Zwanzigtausend sowjetische Gefechtsköpfe blieben in ihren Silos; eine Milliarde Menschen erlebten den nächsten Tag. Petrows Belohnung dafür, die Welt zu retten, bestand nicht etwa in einer Schatulle voll Orden. Er bekam eine offizielle Rüge dafür, schlampige Berichte abgeliefert und gegen das Protokoll verstoßen zu haben (es wäre Sache des Generalstabs gewesen, über die Zerstörung des Planeten zu entscheiden, nicht die seine). Man schob ihn auf ein Abstellgleis, gab ihm einen weniger kritischen Job. Dort ging er dann vorzeitig in den Ruhestand, erlitt einen Nervenzusammenbruch und rutschte in bittere Armut ab, als er nach dem Zerfall der Sowjetunion keine Altersversorgung mehr bekam.

Eine Welt wie diese – in der Armageddon am seidenen Faden schludriger Technik und den Bauchentscheidungen von Computerprogrammierern mittleren Alters zu hängen scheint – ist zweifelsohne dem Wahnsinn verfallen. So mancher konnte sich später, nach Bekanntwerden des Vorfalls, dieses Eindrucks schlicht nicht erwehren. Innerhalb des von den USA dominierten Bündnisses, wo dies den Menschen möglich war, gingen Millionen gegen Atomwaffen auf die Straße, protestierten gegen die Aggressivität ihrer jeweiligen Regierung und wählten Politiker, die eine einseitige Abrüstung versprachen. Auf sowjetischer Seite, wo die Menschen diese Freiheiten nicht hatten, bezogen einige Dissidenten heftiger als gewöhnlich Stellung – und sahen sich an die Geheimpolizei verraten.

Aber bewegt hat das alles kaum etwas. Westliche Führer sahen sich mit noch größeren Mehrheiten in die Ämter gewählt und kauften komplexere Waffensysteme denn je; die Sowjetführung stellte mehr Raketen auf. 1986 brach das weltweite Arsenal an Atomsprengköpfen mit über 70000 alle Rekorde, und die Kernschmelze von Tschernobyl im selben Jahr gab der Welt einen winzigen Vorgeschmack von dem, was ihr bevorstehen könnte. Die Menschen riefen nach Antworten, und die Jungen zu beiden Seiten des Eisernen Vorhangs wandten sich von den alternden, kompromittierten Politikern ab und lauteren Stimmen zu.

Als Sprachrohr einer neuen, auf die der Babyboomer folgenden Generation griff Bruce Springsteen den größten Protestsong der Vietnamära – Edwin Starrs Motown-Klassiker War! – auf und landete mit einer explosiven Coverversion in den Top Ten: "War! Huh, good God. What is it good for? Absolutely nothing. Say it, say it, say it … Oooh, War! I despise Because it means destruction Of innocent lives. War means tears To thousands of mothers’ eyes When their sons go to fight And lose their lives … War! It ain’t nothing but a heartbreaker. War! Friend only to the undertaker …"

Frieden für unsere Zeit

In diesem Buch möchte ich widersprechen. Wenigstens bis zu einem gewissen Punkt. Der Krieg, so werde ich unterstellen, war nie ein Freund des Bestatters. Krieg ist Massenmord, aber trotzdem, und das ist vielleicht das größte Paradoxon der Geschichte, ist er eigentlich des Bestatters ärgster Feind. Ganz im Gegensatz zur Aussage des Songs war Krieg sehr wohl zu was gut: Er hat die Menschheit – auf lange Sicht – sicherer und reicher gemacht. Krieg ist die Hölle; nur dass die Alternativen – wieder auf lange Sicht betrachtet – schlimmer gewesen wären. Da man diese Behauptung kaum wird unwidersprochen hinnehmen können, lassen Sie mich erklären.

Die These, die ich hier aufstellen möchte, umfasst vier Punkte. Dem ersten zufolge haben Kriege zu zahlenmäßig größeren Gesellschaften höherer Ordnung geführt und diese zu einem verminderten Risiko, dass eines ihrer Mitglieder eines gewaltsamen Todes stirbt. Diese Beobachtung stützt sich auf eine der großen Erkenntnisse von Archäologie und Anthropologie der letzten hundert Jahre, laut der die typische Gemeinschaft der Steinzeit winzig war. Hauptsächlich der Herausforderungen bei der Nahrungssuche wegen lebten die Menschen in Horden von einigen wenigen Dutzend, in Dörfern von einigen wenigen Hundert oder (wirklich sehr selten) in Städten von einigen Tausend. Diese Gemeinschaften bedurften keiner großen inneren Organisation und begegneten Fremden grundsätzlich wenn schon nicht mit Feindseligkeit, so doch mit Argwohn.

Im Allgemeinen regelten die Menschen ihre Differenzen friedlich, aber falls sich jemand für eine gewalttätige Lösung entschied, unterlag er weniger Zwängen als der Bürger eines modernen Staats. Wenn getötet wurde, dann selten im großen Stil, sondern eher im Verlauf einer Racheaktion oder unablässiger Raubzüge, obzwar es durchaus hin und wieder vorkam, dass eine ganze Horde oder ein Dorf massakriert oder durch Gewalt so schwer angeschlagen wurde, dass Krankheit und Hunger der Gemeinschaft den Rest gaben. Aufgrund der geringen Größe der Populationen freilich forderte auch diese Gewalt im kleinen Stil durch ihre Beständigkeit einen erschreckenden Zoll. Schätzungen zufolge kamen in Steinzeitgesellschaften zwischen zehn und zwanzig Prozent aller Menschen durch die Hand ihrer Mitmenschen um. Das 20. Jahrhundert steht dazu im scharfen Kontrast. Es erlebte zwei Weltkriege, eine Reihe von Völkermorden sowie zahlreiche staatlich inszenierte Hungerkatastrophen; insgesamt kam die schwindelerregende Zahl von hundert bis 200 Millionen Menschen um. Durch die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki kamen mehr als 150 000 Menschen ums Leben – und damit wahrscheinlich mehr, als es um 50000 v.Chr. auf der ganzen Welt gab. 1945 jedoch lebten 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde, und im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden, grob geschätzt, zehn Milliarden Leben gelebt; das bedeutet, dass die hundert bis 200 Millionen kriegsbedingten Toten nur ein bzw. zwei Prozent der Bevölkerung des Planeten ausmachten.

Damit war für einen Menschen aus dem industrialisierten 20. Jahrhundert die Wahrscheinlichkeit, durch einen gewaltsamen Tod (oder die Folgen von Gewalt) ums Leben zu kommen, zehnmal geringer als für einen aus der Steinzeit. Diese Statistik mag überraschen, aber die Erklärung dafür überrascht noch weit mehr. Was die Welt um so vieles sicherer gemacht hat, war nichts anderes als der Krieg. Das kam dadurch, wie ich in den Kapiteln 1 bis 5 zu zeigen versuche, dass vor etwa 10 000 Jahren, erst in einigen Teilen der Welt, dann nach und nach auf dem ganzen Planeten, die Sieger von Kriegen die Besiegten größeren Gesellschaften einzuverleiben begannen. Diese größeren Gesellschaften wiederum konnten nur funktionieren, wenn ihre Herrscher stärkere Staaten entwickelten, und mit das Erste, wofür diese Staaten sorgen mussten, wollten sie an der Macht bleiben, war die Unterdrückung der Gewalt innerhalb der Gesellschaft. Kaum einer der Männer (und aus Gründen, auf die ich in Kapitel 6 zurückkommen werde, waren es fast durch die Bank Männer), die diesen Regierungen vorstanden, hat, wenn überhaupt, eine Friedenspolitik aus der Güte seines Herzens verfolgt.

Dass sie so hart gegen das Töten vorgingen, lag einfach daran, dass man mit artigen Untertanen weniger Scherereien hatte als mit mordlüsternen. Unbeabsichtigte Nebenwirkung davon war der Rückgang gewaltsamer Todesfälle zwischen der Steinzeit und dem 20. Jahrhundert um neunzig Prozent. Schön war dieser Prozess nicht. Von den Römern in Britannien bis hin zu den Briten in Indien konnte die Befriedung nicht weniger brutal ausfallen als die Barbarei, die sie ausrottete. Ebenso wenig wie sie völlig glatt verlief: Kurzzeitig schoss hier und da die Zahl gewaltsamer Tötungen zurück auf Steinzeitniveau. Zwischen 1914 und 1918 zum Beispiel ging nahezu einer von sechs Serben an Gewalt, Krankheit oder Hunger zugrunde. Und natürlich waren nicht alle Regierungen tüchtig, wenn es um die Befriedung ging. So chaotisch Demokratien auch sein mögen, sie verschlingen selten ihre Kinder; totalitäre Systeme erledigen, was zu erledigen ist, neigen aber dabei zum Blutvergießen, und das nicht zu knapp. Und dennoch, bei allen Spielarten, Vorbehalten und Ausnahmen sorgte auf lange Sicht – auf 10000 Jahre – der Krieg für Staaten und Staaten für Frieden.

Meine zweite Behauptung ist, dass Krieg zwar die denkbar schlimmste Methode zur Schaffung größerer, friedfertigerer Gesellschaften ist, aber andererseits so ziemlich die einzige, auf die der Mensch gekommen ist. Hätte sich ein Römisches Reich schaffen lassen, ohne dabei Millionen von Galliern und Griechen zu töten, hätte man die Vereinigten Staaten aufbauen können, ohne Millionen amerikanischer Ureinwohner zu töten – hätten sich in diesen wie in zahllosen anderen Fällen die Konflikte durch Verhandlungen lösen lassen anstatt durch Gewalt, dann wäre die Menschheit in den Genuss der Vorteile größerer Gesellschaften gekommen, ohne einen so horrenden Preis dafür zu bezahlen. Aber so kam es nun einmal nicht. Es ist ein deprimierender Gedanke, aber die Beweislage scheint auch in diesem Fall klar. Menschen geben ihre Freiheit selten auf, auch nicht ihr Recht, einander zu töten oder zu berauben, es sei denn, man zwingt sie dazu; und praktisch das Einzige, was stark genug ist, um das zu bewerkstelligen, war bislang die Niederlage im Krieg oder die unmittelbare Angst davor. Falls ich damit recht habe, dass Staatsgebilde uns sicherer gemacht haben und der Krieg bislang so ziemlich unsere einzige Methode zur Bildung solcher Gebilde ist, bleibt uns kein anderer Schluss als der, dass der Krieg denn doch zu etwas gut gewesen ist.

Meine dritte Schlussfolgerung jedoch geht noch weiter. So wie sie den Menschen ein sichereres Leben beschert haben, so haben die vom Krieg geschaffenen größeren Gesellschaften uns auch – und auch das wieder auf lange Sicht – reicher gemacht. Frieden schuf die Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum und steigende Lebensstandards, so chaotisch und holprig der Prozess auch gewesen sein mag. Die Sieger von Kriegen plündern, vergewaltigen, verkaufen nicht selten Tausende von Überlebenden in die Sklaverei oder rauben ihnen das Land; die Verlierer mögen auf Generationen hinaus verarmt bleiben. Das ist eine hässliche, ja schreckliche Geschichte. Und dennoch, im Lauf der Zeit – nach Jahrzehnten oder vielleicht erst nach Jahrhunderten – steht in der so geschaffenen größeren Gesellschaft jeder, die Nachkommen der Sieger wie die der Besiegten, besser da. Das Langzeitmuster ist auch hier unverkennbar. Durch die Schaffung größerer Gesellschaften, stärkerer Staaten und größerer Sicherheit hat der Krieg die Welt bereichert.

Nehmen wir diese drei Behauptungen zusammen, bleibt uns wohl nur ein möglicher Schluss: Der Krieg hat die Menschheit sicherer und reicher gemacht. Der Krieg hat größere Gesellschaften geschaffen, die von stärkeren Staaten regiert wurden, die Frieden schufen und damit die Voraussetzungen für Prosperität. Vor 10 000 Jahren gab es auf der Erde nur etwa sechs Millionen Menschen. Sie lebten durchschnittlich dreißig Jahre und von – umgerechnet – weniger als zwei amerikanischen Dollar pro Tag. Heute sind wir mehr als tausendmal so viele (sieben Milliarden, um genau zu sein), leben zweimal so lang (der weltweite Durchschnitt liegt bei 67 Jahren) und verdienen mehr als ein Dutzend Mal so viel (der Weltdurchschnitt beträgt 25 Dollar pro Tag). Diese Statistiken dürften kaum all die Millionen trösten, die erschossen, erstochen, erschlagen, gehängt, verbrannt, ausgehungert oder sonst wie zu Tode gebracht wurden; wir anderen jedoch verdanken unsere Annehmlichkeiten ihrem Verlust.

Der Krieg ist also doch zu etwas gut gewesen – und das in einem Maße, das mich in meinem vierten Punkt behaupten lässt, dass der Krieg sich heute selbst um sein Geschäft bringt. Über Tausende von Jahren hinweg schuf der Krieg (auf lange Sicht) Frieden, sorgte die Zerstörung für Wohlstand. In unserer Zeit jedoch führt die Menschheit ihre Kriege so gut – unsere Waffen sind so destruktiv geworden, unsere Organisationen so effizient –, dass der Krieg Kriege dieser Art unmöglich zu machen beginnt.

Wären die Ereignisse in der Nacht vom 26. September 1983 anders verlaufen, wäre Petrow in Panik geraten, hätte der Generalstab den Knopf gedrückt, wären während der folgenden Wochen eine Milliarde von uns einen elenden Tod gestorben, die Zahl gewaltsamer Todesfälle des 20. Jahrhunderts wäre schlagartig wieder auf Steinzeitniveau hochgeschnellt. Und wäre das toxische Vermächtnis all dieser Gefechtsköpfe so schrecklich ausgefallen, wie einige Wissenschaftler befürchteten, gäbe es mittlerweile womöglich überhaupt keine Menschen mehr. Das Gute an alledem ist nicht nur, dass es dazu nicht kam, sondern darüber hinaus offen gesagt auch der Grad an Unwahrscheinlichkeit, dass es je dazu kommen sollte.

Wir Menschen haben ein bemerkenswertes Geschick dabei bewiesen, uns den Veränderungen unserer Umgebung anzupassen. Wir haben in der Vergangenheit zahllose Kriege geführt, weil es sich lohnte; aber seit die Erträge aus der Gewalt zurückgehen, haben wir Mittel und Wege gefunden, unsere Probleme zu lösen, ohne Armageddon heraufzubeschwören. Garantien freilich gibt es natürlich keine, aber wie ich im letzten Kapitel dieses Buches behaupten werde, besteht durchaus Grund zur Hoffnung. Das 21. Jahrhundert wird ganz erstaunliche Veränderungen unserer Umwelt erleben, und das schließt den Stellenwert der Gewalt im menschlichen Leben mit ein. Der uralte Traum einer Welt ohne Krieg könnte womöglich doch noch in Erfüllung gehen – wie diese Welt aussehen wird, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt.

Die unverblümte Präsentation dieser Punkte hat wahrscheinlich eine ganze Reihe von Alarmglocken ausgelöst. Was, so mögen Sie sich fragen, verstehe ich unter »Kriegen«, und wie kann ich wissen, wie viele Menschen in ihnen gestorben sind? Was ist für mich eine »Gesellschaft«, und wie sollte ich sagen können, wann sie größer wird? Und, wenn wir schon dabei sind: Was macht einen »Staat« aus und wie messen wir, wie stark er im Einzelfall ist? Es sind dies alles gute Fragen, und ich werde sie im Verlauf meiner Geschichte zu beantworten versuchen. Meine zentrale These – dass der Krieg die Welt sicherer gemacht hat – wird wahrscheinlich am ehesten für Stirnrunzeln sorgen. Aber wenn sich das paradox anhört, dann liegt das daran, dass alles am Krieg paradox ist.

Der Stratege Edward Luttwak bringt das Problem sehr schön auf den Punkt. In unserem Alltagsleben, so bemerkt er, »regiert eine widerspruchsfreie lineare Logik, der nichts weiter zugrunde liegt als der gesunde Menschenverstand. Im Reich der Strategie, in dem menschliche Beziehungen durch tatsächliche oder mögliche bewaffnete Konflikte bestimmt werden, ist aber eine andere Logik am Werk, die regelmäßig gegen die gewöhnliche lineare Logik verstößt.« Luttwak kommt zu dem Schluss, dass der Krieg »paradoxes Verhalten belohnt und linear-logisches Handeln bestraft, was zu ironischen … Ergebnissen führt«. Im Krieg geht das Paradoxon bis zur letzten Konsequenz. Nach Basil Liddell Hart, einem der Begründer moderner Panzertaktik, bedeutet Krieg immer, »dass Böses getan wird in der Hoffnung, es möge dabei etwas Gutes herauskommen«. Aus dem Krieg entsteht Frieden; aus dem Verlust Gewinn. Krieg führt uns hinter den Spiegel, in eine verdrehte Welt, wo nichts ganz das ist, was es zu sein scheint.

Mein Argument in diesem Buch ist das des kleineren Übels, eine der klassischen Formen des Paradoxons. Es ist kein Problem, all das aufzuzählen, was schlecht am Krieg ist, und das Töten steht auf dieser Liste ganz obenan; und dennoch bleibt der Krieg das kleinere Übel, weil die Geschichte zeigt, dass er nicht so schlimm ist wie seine Alternative: Gewalt auf Steinzeitlevel als Normalzustand, und das Tag für Tag. Der offensichtliche Einwand gegen die Argumentation des kleineren Übels ist der, dass ihre Bilanz eher durchwachsen ist. Ideologen sind ganz vernarrt in sie: Reihenweise haben Extremisten ihren Anhängern versichert, sie bräuchten nur diese Hexen zu verbrennen, diese Juden zu vergasen, diese Tutsi zu massakrieren, und schon hätten sie eine reine, vollkommene Welt.

Und dennoch lassen diese abscheulichen Behauptungen sich auch umdrehen. Wenn Sie als Zeitreisender zurückgehen und Hitler in seiner Wiege strangulieren könnten – würden Sie es tun? Wenn man sich den Gedanken des kleineren Übels zu eigen macht, könnten einige Tote jetzt viele Tote später verhindern. Die Doktrin des kleineren Übels birgt unbequeme Entscheidungen. Moralphilosophen interessieren sich besonders für die Haken und Ösen dieser Doktrin. »Stellen Sie sich vor«, habe ich einen Kollegen von der Philosophischen Fakultät meiner Universität einem vollen Hörsaal sagen hören, »Sie haben einen Terroristen gefangen. Er hat eine Bombe gelegt, will Ihnen aber nicht sagen, wo. Wenn Sie ihn foltern, sagt er es Ihnen vielleicht, und Sie retten Dutzende von Leben. Würden Sie ihm die Fingernägel herausreißen? « Die Studenten zögerten, da setzte der Philosoph noch eins drauf. »Ihre Familie«, sagte er, »wird unter den Toten sein. Wird Sie das zur Zange greifen lassen? Oder – noch eins drauf – wenn er immer noch nicht redet: Würden Sie seine Familie foltern?«

Diese unbequemen Fragen werfen gravierende Probleme auf. In der wirklichen Welt aber haben wir uns ständig für das kleinere Übel zu entscheiden. Derlei Entscheidungen können schmerzlich sein, und erst in den jüngsten Jahren lernen die Psychologen, was diese Dilemmata bei uns anrichten. Würde ein Experimentator Sie festschnallen, in einen Kernspintomografen schieben und Ihnen dann ethisch problematische Fragen stellen, Ihr Gehirn würde auf bestürzende Art reagieren. Ginge es dabei um die unerquickliche Szene der Folterung eines Terroristen, dann würde auf den Monitoren des Geräts Ihr Orbitalcortex aufleuchten, weil Areale, in denen Sie unbehagliche Gedanken verarbeiten, verstärkt mit Blut versorgt würden; berechneten Sie jedoch die Zahl von Leben, die Sie retten könnten, würden andere Schaltkreise aktiviert, und der dorso-laterale Teil Ihres Cortex wäre erhellt. Sie würden diese gegensätzlichen emotionalen und intellektuellen Impulse als intensives inneres Ringen erfahren, was denn auch Ihren anterioren cingulären Cortex aufleuchten ließ. Unangenehm, wie uns Argumente für das kleinere Übel von Natur aus sind, kann dieses Buch sich als durchaus beunruhigende Lektüre erweisen. Immerhin handelt es sich beim Krieg um Massenmord; wer möchte behaupten, dass daraus etwas Gutes kommen könnte? Nun, einer wie ich, so würde ich antworten, der von den Ergebnissen seiner eigenen Forschung überrascht war.

Hätte mir noch vor zehn Jahren einer gesagt, dass ich eines Tages dieses Buch schreiben würde, ich hätte ihm wohl kaum geglaubt. Aber ich habe gelernt, dass die Beweise aus der Geschichte (sowie aus Archäologie und Anthropologie) unzweideutig sind: 10000 Jahre Krieg haben größere Gemeinschaften höherer Ordnung geschaffen, die das Risiko, eines gewaltsamen Todes zu sterben, gemindert haben. So unbequem diese Tatsache ist, auf lange Sicht hat der Krieg die Welt sicherer und reicher gemacht.

Ich bin beileibe nicht der Erste, dem das aufgefallen ist. Schon vor über siebzig Jahren hat der deutsche Soziologie Norbert Elias in einer hochtheoretischen zweibändigen Abhandlung mit dem Titel Über den Prozess der Zivilisation das Argument vorgebracht, Europa sei in den fünf Jahrhunderten vor seiner Zeit ein weit friedlicherer Ort geworden. Seit dem Mittelalter, so behauptet er, hätte der typisch männliche Vertreter der europäischen Oberschicht (der für den Löwenanteil der Brutalität verantwortlich gewesen war) dem Einsatz von körperlicher Gewalt nach und nach abgeschworen und das allgemeine Maß an Gewalttätigkeit sich beträchtlich gesenkt. Die Belege, auf die Elias verweist, waren seit langem schon für jeden zu sehen. Wie viele andere auch bin ich selbst sogar über den einen oder anderen gestolpert, als ich mich 1974 an der Highschool im Englischunterricht zur Beschäftigung mit Shakespeare gezwungen sah. Was mir auffiel, war mitnichten die Schönheit der Sprache des »Barden«, sondern wie empfindlich seine Charaktere durch die Bank waren. Beim geringsten Anlass schwoll ihnen der Kamm, und im nächsten Augenblick stachen sie aufeinander ein.

Selbstverständlich gab es solche Leute auch im England der 1970er Jahre, aber die landeten größtenteils im Gefängnis – ganz im Gegenteil zu Shakespeares Raufbolden, die eher dafür gelobt als getadelt wurden, erst zuzustechen und dann Fragen zu stellen. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass unsere Welt friedfertiger ist, als es die vergangenen Jahrhunderte waren? Das, wie Shakespeare sagte, ist die Frage, und Elias’ Antwort darauf lautet, dass selbst in den 1590er Jahren, als Shakespeare Romeo und Julia schrieb, seine mordlustigen Montagues und Capulets bereits Anachronismen gewesen seien. Zurückhaltung ersetzte die Raserei als die Emotion, die den Ehrenmann definiert.

Es ist dies die Art These, die Schlagzeilen hätte machen sollen, aber Timing – wie Verleger ihren Autoren gern sagen – ist alles. Und Elias’ Timing war schlicht tragisch. Über den Prozess der Zivilisation erschien 1939, dem Jahr, in dem die Europäer zu einer sechsjährigen Gewaltorgie anhoben, die über fünfzig Millionen von ihnen das Leben kostete (darunter Elias’ eigene Mutter, die in Auschwitz umkam). Und 1945 herrschte nicht die richtige Stimmung für die These, Europa sei zivilisierter und friedfertiger denn je. Bestätigt sah Elias sich denn erst in den 1980er Jahren, als er längst im Ruhestand war. Zu dem Zeitpunkt hatten Sozialhistoriker nach Jahrzehnten mühsamer Forschung in staubigen Gerichtsarchiven Statistiken zusammengestellt, die Elias recht geben. Um 1250 durfte einer von hundert Westeuropäern damit rechnen, ermordet zu werden; zu Shakespeares Zeit war es nur noch einer in dreihundert und 1950 einer in dreitausend. Und es waren, wie Elias betonte, die oberen Schichten, die den Weg wiesen, was das friedfertige Miteinander anging. In den 1990er Jahren schürzte sich der Knoten weiter.

In seinem Werk War Before Civilization, das auf seine Art nicht weniger bemerkenswert ist als das von Elias, führt der Anthropologe Lawrence Keeley reihenweise Statistiken zum Beweis dafür an, dass die im 20. Jahrhundert noch verbliebenen Steinzeitgesellschaften in schockierendem Maße gewalttätig waren. Fehden und Raubzüge kosteten einem von zehn oder gar einem von fünf Menschen das Leben. Wenn Keeley recht hätte, hieße das, Steinzeitgesellschaften waren zehn- bzw. zwanzigmal so gewalttätig wie das gewiss turbulente europäische Mittelalter und 300- bzw. 600-mal so übel wie Europa in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Es ist schwierig, die Sterblichkeit durch Gewalteinwirkung in prähistorischen Steinzeitgesellschaften zu beziffern, aber als Keeley sich die Belege für Mord, Massaker und allgemeine Gewalt der Vorzeit ansah, nahmen unsere frühen Vorfahren sich mindestens ebenso gewalttätig aus wie die von Anthropologen beschriebenen Gruppen ihrer eigenen Zeit.

Das stumme Zeugnis steinerner Pfeilspitzen zwischen Rippenknochen, durch stumpfe Gewalt zertrümmerter Schädel und üppiger Waffenbeigaben in Gräbern weist den Zivilisationsprozess als noch langwieriger und langsamer aus, als selbst Elias erkannt hatte. Noch nicht einmal die Weltkriege, so erkannte Keeley, hatten das 20. Jahrhundert so gefährlich gemacht wie die Steinzeit, und ein drittes Lebenswerk wissenschaftlicher Forschung hat sein Argument nun bestätigt.

Gestalt anzunehmen begann dieses 1960 mit der Veröffentlichung eines weiteren bemerkenswerten (wenn auch schier unlesbaren) Buchs Statistics of Deadly Quarrels von Lewis Fry Richardson, einem exzentrischen Mathematiker, Pazifisten und Meteorologen (Letzteres, bis ihm klar wurde, wie sehr er damit der Luftwaffe half). Richardson verbrachte die letzten zwanzig Jahre seines Lebens mit der Suche nach statistischen Mustern hinter dem augenscheinlichen Chaos des Tötens. Anhand eines Korpus von dreihundert zwischen 1820 und 1949 geführten Kriegen, darunter Blutbäder wie der Amerikanische Bürgerkrieg, Europas Kolonialfeldzüge und die beiden Weltkriege, stellte er – zu seiner offenkundigen Überraschung – fest: »Die Verluste an Menschenleben bei Streitigkeiten mit tödlichem Ausgang in der Größenordnung vom Mord bis zum Weltkrieg machten in diesem Zeitraum etwa 1,6 Prozent aller Todesfälle aus.«

Selbst wenn wir also die Kriege der modernen Welt mit ihrer Mordrate aufaddieren, sieht es ganz so aus, als sei zwischen 1820 und 1949 nur eine von 62,5 Personen eines gewaltsamen Todes gestorben – etwa ein Zehntel der Rate bei den Jägern und Sammlern der Steinzeit. Und das ist noch nicht alles. »Die Zunahme der Weltbevölkerung zwischen 1820 und 1949«, so stellte Richardson fest, »wird allem Anschein nach nicht von einer entsprechenden Zunahme sowohl der Häufigkeit von Kriegen als auch der durch sie verursachten Verluste an Leben begleitet, wie man hätte annehmen müssen, wäre die Kriegslust konstant geblieben.« Was impliziert, dass die »Menschheit seit 1820 n. Chr. weniger kriegerisch geworden« ist.

Über fünfzig Jahre nach Richardsons Buch hat sich der Aufbau von Datenbanken über den Tod zu einer kleinen akademischen Industrie ausgewachsen. Die neuen Versionen sind sowohl ausgeklügelter als Richardsons als auch ehrgeiziger; sie reichen zurück bis 1500 und über 2000 hinaus. Wie alle akademischen Industrien wimmelt es auch in dieser von Kontroversen, und selbst beim bestdokumentierten Krieg der Geschichte, der Besetzung Afghanistans unter Amerikas Führung seit 2001, gibt es zahlreiche Zählweisen, wie viele Menschen nun tatsächlich dabei umgekommen sind. Aber bei all diesen Problemen bleiben die wesentlichen Erkenntnisse von Richardsons Arbeit unangetastet. Die Zahl der Menschen, die getötet wurden, ist gestiegen, aber die Bevölkerung ist weit schneller gewachsen.

Das Ergebnis davon ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass einer von uns eines gewaltsamen Todes sterben wird, ist um eine Größenordnung gesunken. Seinen Schlussstein erhielt das neue Denkgebäude im Jahr 2006 mit der Veröffentlichung von Azar Gats monumentalem Werk War in Human Civilisation. Aus einer erstaunlichen Bandbreite an Forschungsgebieten (und, so ist anzunehmen, vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrung als Major bei den israelischen Streitkräften) trug Gat neue Erkenntnisse zu einer faszinierenden Gesamtschau zusammen, die dokumentiert, wie die Menschheit im Laufe der Jahrtausende ihre Gewalttätigkeit gezähmt hat. Niemand kann heute ernsthaft über Krieg nachdenken, ohne sich mit Gats Überlegungen zu befassen, und alle, die sein Buch gelesen haben, werden seinen Einfluss auf jeder Seite meines eigenen Buchs spüren. Bei der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg hat sich ein intellektueller Gezeitenwechsel vollzogen. Nur eine Generation vor der unseren war die Hypothese abnehmender Gewalt lediglich die wilde Spekulation eines alternden Soziologen, die noch nicht einmal von Shakespeare verwirrte Schulkinder zu interessieren brauchte. Heute erfährt sie so breiten Rückhalt, dass die Wissenschaft ihr ganze Bücher widmet.

Im Oktober 2011, als ich die erste Version dieser Einleitung schrieb, erschienen innerhalb eines Monats gleich zwei große Werke über den Rückgang der Gewalt: Winning the War on War des Politwissenschaftlers Joshua Goldstein und Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit des Psychologen Steven Pinker. Ein Jahr später widmete der weit über seinen akademischen Tellerrand hinaus blickende Evolutionsbiologe Jared Diamond den größten Abschnitt seines Buches Vermächtnis. Was wir von traditionellen Gesellschaften lernen können demselben Thema. Der Krieg der Argumente tobt weiter, aber im Kernpunkt – dass die Sterblichkeit durch Gewalteinwirkung zurückgegangen sei – geht man zunehmend konform. Das heißt, bis wir uns fragen, weshalb die Gewalt zurückgegangen ist.

Leviathan

Bei dieser Frage sind die Gräben tief, die Debatten hitzig und sehr, sehr alt. Genau genommen gehen sie zurück in die 1640er Jahre, in denen die meisten Menschen den Eindruck hatten, dass die Gewalt im Zu- und nicht im Abnehmen begriffen war. Der Blutzoll dieser Dekade in Europa und Asien war es, der den Philosophen Thomas Hobbes dazu veranlasste, die Kardinalfrage zu stellen. Hobbes selbst war aus England nach Paris geflohen, als klar wurde, dass seine Heimat mit Riesenschritten auf den Bürgerkrieg zueilte, und das folgende Gemetzel, dem 100 000 seiner Landsleute zum Opfer fielen, brachte ihn zu einer wichtigen Überzeugung: Sich selbst überlassen, wird der Mensch vor nichts – auch nicht vor Gewalt – zurückschrecken, um zu bekommen, was er will.

Wenn so viele sterben mussten wie nach dem Zusammenbruch von Englands Zentralstaat, so fragte sich Hobbes, um wie viel schlimmer mussten die Zustände in prähistorischer Zeit gewesen sein, bevor der Mensch Staat und Regierung erfand? Er beantwortete die Frage im Leviathan, einem der klassischen Werke der politischen Philosophie. Vor der Erfindung des Staats, so Hobbes’ Folgerung, musste das Leben ein ständiger Krieg aller gegen alle gewesen sein. In einem solchen Zustand, so seine berühmte Überlegung, »gibt es keinen Platz für Fleiß, denn seine Früchte sind ungewiß, und folglich keine Kultivierung des Bodens, keine Schiffahrt oder Nutzung der Waren, die auf dem Seeweg importiert werden mögen, kein zweckdienliches Bauen, keine Werkzeuge zur Bewegung von Dingen, deren Transport viel Kraft erfordert, keine Kenntnis über das Antlitz der Erde, keine Zeitrechnung, keine Künste, keine Bildung, keine Gesellschaft und, was das allerschlimmste ist, es herrscht ständige Furcht und die Gefahr eines gewaltsamen Todes; und das Leben des Menschen ist einsam, armselig, widerwärtig, vertiert und kurz.« Hobbes’ Ansicht nach wären allenthalben Mord, Armut und Unwissenheit an der Tagesordnung, gäbe es keinen starken Staat – einen Staat, so furchteinflößend, so sein Postulat, wie Leviathan, das an Godzilla gemah nende Ungeheuer.

Einen solchen Staat kann ein König alleine regieren oder ein Gremium von Entscheidungsträgern; im einen wie im anderen Fall muss der Leviathan seine Untertanen derart einschüchtern, dass sie in der Unterwerfung unter seine Gesetze gegenüber dem Rauben und Morden untereinander das kleinere Übel sehen. Wie aber haben die ungebärdigen Menschen es zuwege gebracht, diesen Leviathan zu schaffen und so Gewalt und Anarchie zu entfliehen? In den 1640er Jahren gab es kaum so etwas wie Anthropologie und noch weniger Archäologie, um die Diskussion zu beseelen, aber das hielt Hobbes nicht davon ab, eine feste Meinung zu vertreten. »Wilde Völker in Amerika«, so sagte er, illustrierten seine These, aber ansonsten verlor Hobbes kaum ein Wort über konkrete Beispiele. Im Großen und Ganzen war er eher an Spekulationen als an Tatsachen interessiert (selbst in seinen zahlreichen Schriften zur Physik ignorierte Hobbes weitgehend die Belege von Zeitgenossen wie Isaac Newton und Robert Boyle). »Diese souveräne Macht«, so argumentierte Hobbes, »wird auf zweierlei Art erlangt.

Zum ersten durch natürliche Gewalt, wie wenn ein Mann seine Kinder veranlasst, sich und ihre Kinder seiner Herrschaft zu unterwerfen, da er sie vernichten kann, wenn sie sich weigern; oder wenn er durch Krieg seine Feinde seinem Willen unterwirft, indem er ihnen unter dieser Bedingung das Leben schenkt. Zum anderen, wenn die Menschen miteinander vereinbaren, sich einem Menschen oder einer Versammlung von Menschen freiwillig zu unterwerfen, im Vertrauen darauf, dass er sie gegen alle anderen beschützt. «

Den gewalttätigen Weg zum Leviathan bezeichnete Hobbes als »Gemeinwesen durch Aneignung«, den friedlichen Weg als »Gemeinwesen durch Einsetzung«. Welchen Weg man auch einschlage, so schloss Hobbes, was uns sicher und reich mache, das sei alleine der Staat. Was für helle Aufregung sorgte. Leviathan wurmte die Pariser, die Hobbes immerhin Unterschlupf gewährt hatten, derart, dass er wieder nach England fliehen musste, wo er sich von stürmischer Kritik empfangen sah. Wenn man in den 1660er Jahren eine Idee als »hobbistisch« bezeichnete, so implizierte man damit, dass ein anständiger Mensch sich mit so etwas erst gar nicht befasste. 1666 bewahrte nur die Intervention des jüngst wieder eingesetzten Königs Karl II. Hobbes vor einem Prozess wegen Ketzerei. Nicht genug, dass man ihn losgeworden war, machten Pariser Intellektuelle sich daran, seine deprimierenden Behauptungen zu widerlegen. Von den 1690er Jahren an verkündete ein französischer Denker nach dem an deren, dass der Engländer alles verkehrt herum sah, und 75 Jahre, nachdem Hobbes unter der Erde und damit wehrlos war, brachte der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau die Kritik an ihm auf den Punkt.

Der Staat, so Rousseaus Schluss, könne die Antwort nicht sein, da der Naturzustand des Menschen ein Zustand »ohne Krieg und ohne Verbindung« sei, »ohne seines gleichen zu bedürfen, und ohne Begierde, ihnen Uebels zuzufügen«. Leviathan habe nicht unseren kriegerischen Geist gezähmt, er habe vielmehr unsere Einfachheit korrumpiert. Rousseau war allem Anschein nach ein noch unbequemerer Zeitgenosse als Hobbes. Er musste aus der französischen Schweiz in die deutsche fliehen, nur um dort sein Haus von einem Mob mit Steinen beworfen zu sehen. Als Nächstes floh er nach England, wo es ihm nicht gefiel, bevor er sich wieder nach Paris zurück schlich, obwohl er offiziell aus Frankreich verbannt worden war. Aber trotz seiner stürmischen Lebensumstände setzte Rousseau dem Hobbesschen Gebäude doch gewaltig zu. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts brachte sein Optimismus hinsichtlich des Guten im Menschen viele Leser dazu, Hobbes als Reaktionär abzutun, gegen Ende des 19. erholte Hobbes’ Ruf sich dann wieder, als Darwins evolutionäre Ideen seine Vision vom Menschen als des Menschen Wolf wieder realistischer aussehen ließ. Aber im 20. Jahrhundert fiel er von neuem in Ungnade.

Aus Gründen, auf die wir in Kapitel 1 zurückkommen werden, beherrschte der Idealismus von Edwin Starrs War! die Bühne. In den 1980er Jahren war Hobbes’ sittenstrenge Vision von einem starken Staat als Macht, die Gutes schafft, obsolet geworden. Hobbes’ Kritiker deckten das gesamte ideologische Sektrum ab. »Die Staatsführung «, versicherte Ronald Reagan den Amerikanern in seiner ersten Antrittsrede, »ist nicht die Lösung für unser Problem, sie ist das Problem.« Aber Reagans große Angst – ein aufgeblähter Staat könnte die Freiheit des Einzelnen einschränken – zeigt auch, wie weit uns die moderne Debatte darüber, ob nun eine große oder eine schlanke Regierung besser sei, von den Schrecken entfernt hat, die Hobbes Sorgen bereitet haben. Den Menschen aller vergangenen Zeitalter wären unsere gegenwärtigen Diskussionen sinnlos vorgekommen. Für sie hätte die Alternative allenfalls gelautet: eine winzig kleine Regierung oder gar keine. Eine winzig kleine hätte zumindest ein gewisses Maß an Recht und Ordnung geheißen, gar keine das Fehlen von beidem. Reagan scherzte einmal, die zehn erschreckendsten Worte der englischen Sprache lauteten: »Hi, ich komme vom Staat und ich will Ihnen helfen«, aber in Wirklichkeit sind die zehn schrecklichsten Worte: »Es gibt keinen Staat, und ich bin gekommen, Sie umzubringen«. Und ich nehme an, dem würde auch Reagan selber zugestimmt haben. Bei anderer Gelegenheit sagte er: »Jemand aus der Legislative hat mir vorgeworfen, meine Einstellung zu Law and Order entstamme dem 19. Jahrhundert. Das ist völlig falsch. Meine Haltung entstammt dem 18. Jahrhundert. … Die Gründerväter haben klar gesagt, dass die Sicherheit gesetzestreuer Bürger eine der ersten Sorgen des Staates zu sein hat.«

In den dreißig Jahren seit seiner Präsidentschaft ist die Gelehrtenmeinung sogar noch weiter gegangen, zurück zu Hobbes und dem, was wir in Bezug auf Gesetz und Ordnung nur als Attitüde des 17. Jahrhunderts bezeichnen können. Die meisten der jüngsten Bucherscheinungen, die einen Rückgang der Gewalt vermelden, berufen sich wohlwollend auf Hobbes. »Hobbes war der Wahrheit sehr viel näher«, schreibt Gat in seinem Buch War in Human Civilisation, »als der Rousseausche Garten Eden.« Allerdings scheint kaum einer seiner neuen Fürsprecher so recht warm werden zu wollen mit seiner düsteren These, dass allein die Staatsmacht es sei, was uns sicher und wohlhabend macht. Keeley, der Anthropologe, zieht Hobbes zwar eindeutig Rousseau vor, meint aber: »Ist Rousseaus primitives Goldenes Zeitalter imaginär, so ist Hobbes’ fortwährende Keilerei schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.« Steinzeitvölker führen nicht wirklich ständig Krieg gegen alle anderen, so Keeleys Fazit, und das Erstarken des Staats hat nicht weniger Leid als Frieden gebracht. Elias, der Soziologe, schlug einen anderen Weg ein. Er erwähnt in seinem Werk Über den Prozess der Zivilisation Hobbes nicht eigentlich, obwohl er die Vermutung des Philosophen teilte, dass der Staat maßgeblich an der Zügelung der Gewalt beteiligt war. Aber wo für Hobbes der Leviathan der aktiv Handelnde gewesen war, der seine Untertanen einschüchterte, stellt Elias die Untertanen ans Ruder, indem er meint, ihnen sei einfach der Geschmack an der physischen Gewalt abhanden gekommen – zivilisierte Umgangsformen passten eben besser in die elegante höfische Welt.

Und im Gegensatz zu Hobbes’ Vermutung, die große Befriedung habe in der fernen Vergangenheit stattgefunden, setzt Elias sie in den Jahren nach 1500 an. Pinker, der Psychologe, stellte sich in seinem Buch Das unbeschriebene Blatt 2002 ziemlich unverblümt auf den Standpunkt, dass Hobbes recht hatte und Rousseau unrecht. In seinem jüngsten Werk Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit macht er allerdings einen kleinen Rückzieher und verwässert die These vom Leviathan. Die Geschichte des Rückgangs der Ge walt, so seine Argumentation, sei nicht alleine die Geschichte Leviathans; sie berichte vielmehr über »sechs Trends, fünf innere Dämonen, vier bessere Engel und fünf historische Kräfte«.

Um sie richtig zu verstehen, so Pinker, müssten wir die Geschichte in mehrere Phasen aufteilen – in einen Zivilisationsprozess, eine humanitäre Revolution, einen langen Frieden und einen neuen Frieden – und erkennen, dass jede ihre eigenen Ursachen hat, von denen einige über Jahrtausende zurückgehen, während andere erst seit 1945 (oder gar 1989) am Wirken sind. Noch weiter geht Goldstein, der Politologe. Zu den wesentlichen Veränderungen, so meint er, sei es durch die Bank nach dem Zweiten Weltkrieg gekommen, und um sie zu verstehen, müssten wir Hobbes gar noch überholen. Der größte Schlag gegen die Gewalt, so Goldstein, sei nämlich nicht das Erstarken des Staats gewesen (wie Hobbes postuliert hatte), sondern das Aufkommen des Überstaats in der Form der Vereinten Nationen. Ganz offensichtlich sind die Fachleute sich also ganz und gar nicht einig über die Rolle von Krieg und Staat dabei, die Welt sicherer und reicher zu machen. Ein solches Maß an Uneinigkeit bedeutet meiner Erfahrung nach für gewöhnlich, dass wir die Frage falsch angegangen sind, was grundsätzlich zu bruchstückhaften und widersprüchlichen Antworten führt. Wir brauchen eine andere Perspektive.

War Pig

In gewisser Hinsicht bin ich der Letzte, von dem eine neue Perspektive über den Krieg zu erwarten ist. Von meinem »Zusammenstoß« mit Petrow mal abgesehen, habe ich weder im Krieg gekämpft noch ein derartiges Blutvergießen aus der Nähe gesehen. Am nächsten kam ich derlei 2001 in Tel Aviv, als ein Selbstmordattentäter einige hundert Meter von meiner Unterkunft entfernt sich in einer Diskothek in die Luft sprengte und dabei 21 junge Leute verstümmelte. Ich meine die Explosion gehört zu haben, obwohl ich mir nicht sicher sein kann; ich saß in der Hotelbar, in der Teenager mit etwas mehr Glück als ihre Altersgenossen ihren Highschool-Abschluss feierten. Ich habe aber die Sirenen der Krankenwagen gehört. Ebenso wenig komme ich aus einer Familie, die sich beim Militär ausgezeichnet hätte. Meine Eltern, beide 1929 in England geboren, waren zu jung für den Zweiten Weltkrieg, und als Bergarbeiter musste mein Vater auch nicht nach Korea. Die Grube hatte kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs seinen eigenen Vater das Leben gekostet, während der Vater meiner Mutter als Stahlarbeiter nicht für das Schlachtfeld in Frage kam. (Außerdem war er Kommunist – ein Problem, das sich jedoch mit dem Einfall der Deutschen in die Sowjetunion praktisch gab.)

Onkel Fred, eigentlich ein Onkel meiner Mutter, diente mit Montgomery in Nordafrika, musste aber nicht ein einziges Mal schießen, noch hat er auch nur einen Deutschen gesehen. Seinen Erzählungen nach hieß Krieg, in einen Laster zu springen und in der Wüste hinter einem unsichtbaren Feind herzujagen, bevor man sich im nächsten Laster vom Feind zum Ausgangspunkt zurückjagen ließ. Gefährlich sei es nur einmal geworden, sagte er gern, als er in einem Sandsturm seine falschen Zähne verlor. Statt meinem Land zu dienen, vergeudete ich meine Jugend in Rockbands; ich wäre zu gerne die britische Version von Bruce Springsteen geworden. Zugegeben, ich war etwas weniger auf dem Peace & Love-Trip als viele andere Teenager in den 1970er Jahren, aber meine unklaren Instinkte hielten es im Großen und Ganzen mit War!. Es überrascht denn auch nicht weiter, dass der erste Gitarrenpart, den ich je beherrschte, der donnernde Riff von Black Sabbaths ausladendem "War Pigs" mit dem unsterblichen klobigen Reimpaar am Anfang war: "Generals gathered in their masses Just like witches at black masses."

Nachdem ich einige kurzweilige, aber nicht eben lukrative Jahre Songs heruntergehauen hatte, die sich verdächtig nach War Pigs anhörten, musste ich feststellen, dass mir die Rolle des Historikers und Archäologen mehr lag als die des Heavy-Metal-Gitarristen. Die Väter der Geschichtsschreibung, Herodot und Thukydides im vorchristlichen Griechenland und Sima Qian im alten China, hatten den Krieg zu ihrem zentralen Thema gemacht; und nach dem Programm des History Channel oder den Buchständern der Flughäfen nach zu urteilen, möchte man fast meinen, Historiker hätten seither nichts anderes im Sinn. Tatsache ist jedoch, dass professionelle Historiker und Archäologen – aus Gründen, auf die ich in Kapitel 1 eingehen werde – in den vergangenen fünfzig Jahren dem Krieg konsequent den Rücken zugewandt haben. Während meiner ersten zwanzig Jahre als Archäologe (ich habe 1986 promoviert) folgte ich größtenteils der Tradition meiner Branche.

Erst während der Arbeit an meinem Buch Wer regiert die Welt? Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden bekam ich endlich ein Gespür dafür, wozu der Krieg tatsächlich gut gewesen war. Meine Frau, die normalerweise lieber zu zeitgenössischer Fiction als zu Geschichtsbüchern greift, hatte jedes meiner Kapitel bereits im Entwurf gelesen, aber als ich ihr schließlich einen besonders großen Packen gab, gestand sie: »Na ja … gefallen hat’s mir schon …, aber so viel Krieg!« Bis zu dem Augenblick war mir gar nicht aufgefallen, dass sich mein Buch in dem Maß um den Krieg drehte. Ich hatte eigentlich gedacht, mich diesbezüglich eher zurückgehalten zu haben. Aber nachdem Kathy mich darauf hingewiesen hatte, sah ich, dass sie recht hatte. Es ging immer wieder um Krieg. Ich begann mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen: Sollte ich die Kriege herausnehmen? Sollte ich lang und breit erklären, warum man die ganze Geschichte über ständig Krieg geführt hat? Oder hatte ich das Ganze einfach falsch angefasst? Schließlich wurde mir klar, dass es so sein musste; so und nicht anders, da Krieg nun mal von zentraler Bedeutung für die Geschichte ist.

Und als ich das Buch fertig hatte, war ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Kriege für unsere Zukunft von nicht weniger zentraler Bedeutung sein werden als für unsere Vergangenheit. Weit davon entfernt, zu viel über den Krieg zu schreiben, hatte ich kaum an der Oberfläche gekratzt. Und in dem Augenblick wurde mir klar, dass es in meinem nächsten Buch um den Krieg gehen musste. Fast auf der Stelle bekam ich kalte Füße. »Oh! eine Feuermuse«, wünschte Shakespeare sich, als es darum ging, über den Krieg zu schreiben, und ich verstand bald, was er meinte. Wenn selbst er daran verzweifelte, »solch großen Vorwurf« auf sein unwürdiges Gerüst zu bringen, was konnte ich mir dann erhoffen? Mit das Problem dabei ist die schiere Menge von Gedanken und Schrifttum über den Krieg. Millionen von Büchern, Essays, Gedichten, Stücken und Songs wurden über den Krieg geschrieben. Laut Keeley gab es Mitte der 1990er Jahre bereits weit über 50 000 Bücher allein über den Amerikanischen Bürgerkrieg. Unmöglich für einen Einzelnen, dieser Flut Herr zu werden. Ich persönlich jedoch habe den Eindruck, dass sich dieser gewaltige Strom von Worten letztlich in nur vier unterschiedliche Denkweisen den Krieg betreffend einteilen lässt. Die erste und in den letzten Jahren verbreitetste ist der persönliche Ansatz, wie ich es nennen würde. Er beschwört die individuelle Erfahrung des Kriegs – wie es ist, in der Gefechtslinie zu stehen, Vergewaltigung und Folter durchzumachen, um gefallene Kameraden zu trauern, mit seinen Wunden zu leben oder sich einfach nur als Opfer all der kleinen Entbehrungen des Lebens hinter den Linien zu sehen. Die besten Beispiele dieser Sparte, ob in Form von Artikeln, Lyrik, Songs, Tagebüchern, Romanen, Filmen oder Anekdoten, kommen unmittelbar aus dem Bauch.

Der persönliche Ansatz versucht uns zu vermitteln, wie sich der Krieg anfühlt, und in dieser Hinsicht habe ich, wie bereits erwähnt, den Stimmen derer, die die Gewalt tatsächlich erfahren haben, nichts hinzuzufügen. Der persönliche Ansatz vermittelt uns aber auch nicht alles, was wir womöglich über den Krieg wissen wollen, und vermag letztlich nur einen Teil der Frage zu beantworten, wozu ein Krieg gut sein soll. Es geht beim Krieg um mehr als um die bloße Erfahrung, ihn durchgestanden zu haben, und diese Lücke füllt der zweite breite Ansatz, die Militärgeschichte, wie ich das einmal grob nennen will. Die Grenzen zwischen persönlichem Bericht und Militärgeschichte müssen nicht scharf gezogen sein. Wenigstens seit 1976, als John Keegans bahnbrechendes Buch Das Antlitz des Krieges erschien, ist eines der großen Themen der Militärgeschichte die individuelle Erfahrung der Soldaten vergangener Kriege. Aber Militärhistoriker erzählen auch größere Geschichten ganzer Schlachten, Feldzüge und Konflikte. Der Pulverdampf des Krieges ist notorisch dicht, und kein Einzelner hat je alles mitbekommen, was dahinter vorgeht, oder sämtliche Implikationen dessen verstanden, was passiert ist. Zur Lösung dieses Problems studieren Historiker Gefechtsberichte von Offizieren und offizielle Statistiken, sie besuchen Schlachtfelder und ziehen über die persönlichen Erfahrungen von Soldaten und Zivilisten hinaus zahllose weitere Quellen heran, um sich einen Eindruck zu verschaffen, der den des Einzelnen übersteigt. Der militärhistorische Ansatz vermengt sich grundsätzlich mit einer dritten Betrachtungsweise des Kriegs, die wir als technische Studien bezeichnen könnten.

Seit Tausenden von Jahren abstrahieren Berufssoldaten, Diplomaten und Strategen aus der Kriegspraxis allgemeine Prinzipien – für gewöhnlich unter Heranziehung sowohl eigener Erfahrungen als auch ihres Studiums der Geschichte. Man versucht so zu klären, wann zur Lösung von Streitigkeiten der Einsatz von Gewalt angezeigt ist und wie sie sich am effektivsten einsetzen lässt. Der technische Ansatz steht dem persönlichen praktisch diametral gegenüber: Während der persönliche Ansatz die Gewalt von unten nach oben betrachtet und im Allgemeinen keinen Sinn darin zu sehen vermag, blickt der technische Ansatz aus der Vogelperspektive herab und sieht sehr wohl den Sinn hinter ihr. Der vierte Ansatz dagegen führt uns noch weiter vom persönlichen Erleben weg, insofern er den Krieg als Teil eines breiteren Musters der Evolution unter die Lupe nimmt. Biologen wissen seit langem schon, dass Gewalt nur ein Werkzeug unter vielen ist, das den Lebewesen im Ringen um Ressourcen und Fortpflanzung zur Verfügung steht. Die offensichtliche Implikation, so der Schluss zahlreicher Archäologen, Anthropologen, Historiker und Politwissenschaftler, ist die, dass menschliche Gewalt sich nur erklären lässt, wenn man ihre evolutionären Funktionen durchschaut. Durch den Vergleich menschlicher Verhaltensmuster mit denen anderer Spezies erhoffen sie sich, die Logik hinter dem Krieg zu identifizieren.

Niemandem ist es bislang gelungen, alle vier Betrachtungsweisen des Krieges zu meistern. Nachdem ich nun mehrere Jahre Bücher zum Thema gelesen und mit einschlägigen Profis gesprochen habe, bin ich mir der Lücken in meiner persönlichen Erfahrung schmerzlich bewusst. Aber davon einmal abgesehen, möchte ich doch annehmen, dass mir dreißig Jahre in staubigen Bibliotheken und noch staubigeren Ausgrabungsstätten wenigstens eine gewisse Basis für den Versuch vermittelt haben, diese vier Ansätze unter einen Hut zu bringen und den Sinn des Kriegs zu erklären. Sie werden selbst urteilen müssen, ob ich damit recht habe, aber so wie ich es sehe, erkennen wir den Sinn des Kriegs am besten von einer langfristigen globalen Perspektive aus, von der es sich dann auf Schlüsselelemente einzoomen lässt. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Betrachtung des Krieges sich nicht von der eines jeden anderen Objekts von gewaltigen Dimensionen unterscheidet: Steht man zu nahe dran, kann man vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen; steht man zu weit weg, verschwindet der Wald hinter dem Horizont. Der größte Teil sowohl der persönlichen als auch der militärhistorischen Betrachtungen hat meiner Ansicht nach vom Krieg nicht genug Abstand, während die meisten evolutionären Abhandlungen und viele technische Studien zu weit entfernt von ihm sind. Dieses Vor-und-Zurück der Perspektive zeigt uns deutlich, wie sehr Langzeitentwicklungen sich von der zeitlich begrenzten Aktion unterscheiden, die sie bedingt.

»Auf lange Sicht«, so bemerkte der Ökonom John Maynard Keynes in einem berühmten Bonmot, »sind wir alle tot.« Auf kurze Sicht – will sagen: mit einem auf die Zeitspanne gerichteten Blick, in der wir tatsächlich leben – macht der Krieg uns nur noch schneller tot; und dennoch ist die Gesamtwirkung von 10000 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen die, dass der Mensch heute länger lebt. Das Thema ist voller Paradoxa. Keynes hat einen Gutteil seines beruflichen Lebens darauf verwendet, Großbritanniens Beitrag zu den Weltkriegen zu finanzieren, schrieb aber 1917 einem Freund: »Ich arbeite für eine Regierung, die ich verachte, zu einem Ende, das ich für kriminell halte.«

Er verstand, vielleicht besser als irgendwer, dass viele Staaten tatsächlich kriminell sind; und dennoch bleibt das Paradoxon bestehen: Die Gesamtwirkung aller Leviathane der letzten 10 000 Jahre hat darin bestanden, Staaten zu schaffen, die immer friedlicher und wohlhabender geworden sind. Wir könnten nun mit einem Undwas-ist-mit-Hitler-Einwand kommen (Stalin, Idi Amin, Mao, suchen Sie sich einen aus). Das nationalsozialistische Regime war verabscheuenswürdig; es war nicht weniger – wenn nicht gar mehr – am Tod seiner Bürger als an deren Schutz interessiert. Wie also sollte jemand behaupten wollen, die Gesamtwirkung des Staats habe uns sicherer und reicher gemacht? Ein Hitler, so ist man versucht zu sagen, sticht einen Hobbes allemal.

Aber dieses Und-was-ist-mit-Hitler birgt wiederum ein ganz eigenes Problem. Hobbes’ Argument ist nicht das einzige, das augenscheinlich von Hitler ausgehebelt wird. Wie ich bereits erwähnt habe, hatte es jahrzehntelang den Anschein, als hätte Hitler auch Elias widerlegt – bis klar wurde, dass dem eben doch nicht so war. Zwischen 1933 und 1945 hat der nationalsozialistische Leviathan seine Jungen verschlungen und die Sterblichkeit durch Gewalteinwirkung in horrende Höhen getrieben, aber wenn wir unsere Perspektive auch nur geringfügig erweitern, dann sehen wir natürlich, dass im Sommer 1945 auch dieses Ungeheuer von anderen Leviathanen besiegt wurde; und der Abwärtstrend bei der gewaltbedingten Sterblichkeitsrate setzte sich fort. Ich werde auf die Und-was-ist-mit-Hitler-Frage in Kapitel 5 genauer eingehen, für den Augenblick will ich nur festhalten, dass der Grund dafür, dass die Hitler-Karte Hobbes nicht sticht, schlicht und einfach darin besteht, dass das Herausgreifen besonders extremer Fälle von abscheulichen – oder tugendhaften – Herrschern eine breiter angelegte Theorie über den Nutzen des Kriegs einfach nicht widerlegen kann. Tatsache ist, dass keine zwei Staaten gleich sind (ja, im Lichte der unrühmlichen Geschichte politischer Kehrtwendungen stellen wir fest, dass sich noch nicht einmal ein und derselbe Staat allzu lange gleich bleibt).

Leviathans Wirkung lässt sich nur dann erkennen, wenn wir uns den Staat – wie den Krieg – über einen möglichst langen Zeitraum ansehen. Tabelle 1, von dem Historiker Niall Ferguson entworfen, ist ein praktisches Hilfsmittel für einschlägige Überlegungen. Die Tabelle sei »nicht als festes Raster, sondern eher als ›Baukasten‹ zu verstehen«, erklärt Ferguson18; jede Gesellschaft wähle eine oder mehrere Möglichkeiten aus jeder Spalte, die sie nach Belieben mische und kombiniere. Es gibt Zehntausende möglicher Kombinationen. Deutschland unter Hitler zum Beispiel wurde als Tyrannei geführt. Zu seinen Planzielen gehörten Sicherheit, Rohstoffe, Schätze und vor allem Land (der berüchtigte »Lebensraum«). Das öffentliche Gut ist weniger offensichtlich, beinhaltete aber wahrscheinlich Gesundheit. Seine Herrschaft war hauptsächlich militärischer Art, sein Wirtschaftssystem das einer – wenn auch schlechten – Planwirtschaft; wesentlicher Nutznießer war eine herrschende Elite, der Charakter seiner Gesellschaft entschieden völkermörderisch. Es gibt nicht zwei Gesellschaften, deren Wahl in allen Punkten gleich ausfällt. Zweitausend Jahre vor Hitler zum Beispiel wurde die Römische Republik von einer Aristokratie regiert, der in erster Linie an der Aushebung von diensttauglichen Männern für militärische Zwecke gelegen war. Die beiden öffentlichen Güter, die sie bot, waren wahrscheinlich Handel und Recht; sie herrschte hauptsächlich durch Delegation an lokale Eliten, nutzte dem größten Teil ihrer Bürger und verwandelte ihren Sozialcharakter im Lauf der Zeit von hierarchisch bis assimilierend.

Geschichtsfans können eine Menge Spaß daraus ziehen, die verschiedensten Gesellschaften in Fergusons »Baukasten« einzuordnen, aber auch hier gibt es noch etwas Wichtigeres zu bedenken. Während der 5 000 Jahre, für die wir schriftliche Belege haben, funktionierten einige Staaten mehr nach dem Muster von Hobbes’ Leviathan, andere mehr nach dem von Hitlers Drittem Reich; aber der allumfassende Trend, so ein Argument dieses Buches, neigt mehr Hobbes’ Ende des Spektrums zu, und genau das ist der Grund, weshalb die Rate der Sterblichkeit durch Gewalteinwirkung derart gesunken ist. Um dieses Muster zu erkennen, muss man freilich weit genug zurücktreten vom Detail und einen Blick auf das werfen, was da über einen größeren Zeitraum hinweg tatsächlich passiert ist, anstatt sich anzusehen, was laut Theoretikern und selbsternannten Größen gewesen sei (oder hätte sein sollen). Alles in allem verfolgen Regierungen das, was sie für ihre besonderen Interessen halten, und keine Handlungsvorlagen, die ihnen von Philosophen unterbreitet werden. Als Hitler und Stalin 1939 einen Pakt unterzeichneten, der den Bund von Faschismus und Kommunismus proklamierte, waren Europas linke Kreise in hellem Aufruhr. Damit gehörten alle »Ismen« der Vergangenheit an, meinte ein Witzbold im britischen Außenministerium.

Die Wahrheit aber lautet, dass »Ismen« seit jeher von vorneherein zum Scheitern verurteilt waren. Die unerbittlich paradoxe Logik der Strategie hat alles andere immer überboten. Entsprechend richte ich in diesem Buch den Blick lieber auf gewöhnliche Menschen – Arbeiter, Soldaten, Manager – anstatt auf Denker oder Ideologen. Wir werden sehen, dass all die großen Ideen, für die Männer und Frauen ihr Leben gegeben oder ihrerseits Unschuldige niedergemetzelt haben, sich gerade mal als Schaum auf den Kronen von Wellen erweisen, hinter denen tiefere – biologische wie geografische – Kräfte stehen. Nur vor dem Hintergrund dieser Einsicht können wir sehen, was uns der Krieg gebracht hat – und inwiefern sich das ändern wird. Der Angriffsplan Die ersten fünf Kapitel dieses Buches erzählen die Geschichte des Krieges, angefangen von der gewalttätigen, ärmlichen Welt prähistorischer Jäger- und Sammlerhorden bis hin zu Stanislaw Petrows Zeit. Es ist keine wohlgeordnete Geschichte, was Geschichte nie ist, wenn man ins Detail geht, aber sie enthüllt uns dennoch einen massiven Trend. Unter gewissen Umständen – auf die ich in den Kapiteln 1 und 2 eingehen werde – kann Krieg eine produktive Kraft sein in dem Sinne, dass er für die Entstehung von Leviathanen sorgt, die den Menschen sicherer und reicher machen. Unter anderen Umständen – die ich im Kapitel 3 unter die Lupe nehme – kann er ausgesprochen kontraproduktiv werden, insofern er größere, reichere und sicherere Gesellschaften wieder in kleinere, ärmere und gewalttätigere Gesellschaften zerschlägt. Aber es gibt darüber hinaus auch noch Umstände – siehe dazu die Kapitel 4 und 5 –, in denen er produktiver denn je wirken kann, wenn er nämlich nicht nur Leviathane hervorbringt, sondern die Welt wie Kolosse beschreitende Globocops, die das Leben auf eine Art und Weise ändern, hinter der man in früheren Zeiten noch Hexerei hätte vermuten wollen – die aber auch über genügend Zerstörungspotenzial verfügen, um das Leben auf der Erde völlig auszulöschen.

In Kapitel 6 breche ich den Bericht ab, um – durch ihre Einbettung in einen breiteren evolutionären Kontext – Sinn in meine Geschichte zu bringen, bevor ich mich dann in Kapitel 7 noch einmal umwende, um zu fragen, was uns das alles darüber zu sagen vermag, welche Richtung die Welt im 21. Jahrhundert einschlagen wird. Die Antwort, so mein Argument, ist so beängstigend wie erhebend – beängstigend deshalb, weil die nächsten vierzig Jahre die gefährlichsten unserer Geschichte werden; erhebend, weil wir Grund zur Annahme haben, dass wir diese Jahre nicht nur überleben, sondern über sie triumphieren. Die lange Geschichte des Krieges erreicht dann einen ebenso außergewöhnlichen wie unvermuteten Höhepunkt.

12:57 14.11.2013

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