Auf dem Spielfeld

Biographie Als Staatsminister im Auswärtigen Amt und außenpolitischer Sprecher der grünen Fraktion steckte Ludger Volmer mittendrin in den Geschehnissen, die die rot-grüne Regierung prägten
Auf dem Spielfeld
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Ludger Volmer wurde am 17. Februar 1952 in Gelsenkirchen geboren. Nach dem Abitur 1971 am humanistischen Schalker Gymnasium absolvierte Volmer ein Studium der Sozialwissenschaften, der Pädagogik und der Philosophie in Bochum und Gießen, welches er 1978 an der Ruhr-Universität Bochum als Diplom-Sozialwissenschaftler abschloss. Er unterbrach das Studium für seinen Zivildienst im Krankenhaus. Nach dem Studium war er beruflich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität, in der Wohnumfeldplanung beim Kommunalverband Ruhrgebiet, in der Erwachsenenbildung bei der Volkshochschule Gelsenkirchen und in der empirischen Sozialforschung tätig. 1998 wurde er bei Wilhelm Bleek an der Ruhr-Universität Bochum mit der Arbeit "Die Grünen und die Außenpolitik - ein schwieriges Verhältnis" zum Dr. rer. soc. promoviert. 1978 veröffentlichte er (mit Karl-Heinz Lehnardt) das Buch Politik zwischen Kopf und Bauch, in dem er aus der Sicht eines 78ers das Selbstverständnis der 68er, Studentenbewegung und APO analysierte.

Volmer war seit 1969 in meist selbst mitgegründeten (Bürger-)Initiativen aktiv, etwa in der freiwilligen Sozialarbeit in Obdachlosensiedlungen. An der Universität gehörte er seit 1974 zu den Initiatoren der "undogmatisch-linken" Basisgruppen, die er in nahezu allen Uni-Gremien vertrat. In der Folge zählte er 1979 zu den Mitbegründern zunächst der Sonstigen Politischen Vereinigung SPV Die Grünen, dann der Partei Die Grünen. In den Zeiten der Spaltung der Partei in Fundis und Realos war er lange Zeit führender Repräsentant der gemäßigten Linken, gründete das "Linke Forum" und machte sich für die Integration der zerstrittenen Partei stark.

Am 10. April 1985 rückte Volmer wegen des damals bei den Grünen geltenden Rotationsprinzips in den Bundestag nach, dem er zunächst bis 1990 angehörte. Seine Fraktion entsandte ihn in den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Auswärtigen Ausschuss und Finanzausschuss.

Von 1991 bis 1994 war er Parteivorsitzender ("Sprecher des Bundesvorstandes"). Er organisierte den Wiedereinzug in den Bundestag 1994, aus dem die westdeutschen Grünen (anders als das ostdeutsche Gegenstück) 1990 ausgeschieden waren. Zu diesem Zweck managte er die Fusion mit Bündnis 90 – Bürgerrechtlern der ehemaligen DDR – und den ostdeutschen Grünen und wurde erster Vorsitzender der fusionierten Partei Bündnis 90/Die Grünen.

1994 zog Volmer erneut in den Deutschen Bundestag ein und konzentrierte sich auf den Auswärtigen Ausschuss. Er wurde Mitglied der deutschen Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung der OSZE. Dort gründete er die grün-alternative Gruppierung, deren Vorsitz er übernahm. Zudem wurde er stellvertretender Vorsitzender der deutsch-US-amerikanischen und der deutsch-russischen Parlamentariergruppe.

Nach der Bundestagswahl 1998 wurde er am 27. Oktober 1998 als Staatsminister im Auswärtigen Amt in die von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführte Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 2002 schied er am 22. Oktober 2002 wieder aus der Regierung aus.

Ende 2002 wurde er außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion.
Vollmer wandte sich in dieser Funktion von seinen früheren pazifistischen Positionen ab und befürwortete die deutsche Kriegsbeteiligung in Kosovo und Afghanistan im Rahmen des NATO-Militärbündnisses, für dessen Abschaffung er und seine Partei noch bis 1994 eingetreten waren. Eine deutsche Kriegsbeteiligung am Amerikanischen Krieg in Irak lehnte er wie die Bundesregierung ab.

Volmer ist heute als freiberuflicher Unternehmensberater im Bereich internationales Marketing und strategische Unternehmensentwicklung tätig. In diesem Zusammenhang ist er Mitgesellschafter einiger Beratungsunternehmen, u. a. der in Bad Honnef ansässigen Synthesis GmbH.

Seit 2006 ist er zudem Dozent an der Freien Universität Berlin. Er lehrt am Otto-Suhr-Institut Außen- und Sicherheitspolitik.

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Teile dieses Textes basieren auf dem Artikel Ludger Volmer aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).

15:07 05.09.2013

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