Mechanismen

Leseprobe "Dieses Buch soll zu einem besseren Verständnis des Phänomens beitragen, indem es die Grundlagen, Funktionen, Effekte und die Geschichte verschwörungstheoretischen Denkens vorstellt."
Mechanismen
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Einleitung oder Was ist der Plan?

Am 31. August 2015 sprach Angela Merkel angesichts Tausender Flüchtlinge, die täglich nach Deutschland kamen, ihren berühmten Satz »Wir schaffen das«. Just an diesem Tag veröffentlichte das Magazin Compact einen Text der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman, der sich mit diesem Thema beschäftigte. Der etwa zehnseitige Aufsatz war bereits einige Tage zuvor unter dem Titel »Einwanderungs-Chaos: Was ist der Plan?« auf der Seite der Wissensmanufaktur erschienen, deren Medienbeirat Herman damals angehörte. Compact, das wie die Wissensmanufaktur zu den rechtspopulistischen Alternativmedien gehört, die in den letzten Jahren so viel Auftrieb erfahren haben, publizierte ihn unter dem Titel »Flüchtlings-Chaos: Ein merkwürdiger Plan«. Der Artikel ist in vielerlei Hinsicht das Gegenstück zu Merkels Aussage. Wo die Kanzlerin Optimismus verbreitete, sah Herman nichts weniger als den Untergang des Abendlandes unmittelbar bevorstehen. »Wir schaffen das nicht«, schreit es aus jedem ihrer Sätze.

»Europa«, so Herman, »wird geflutet mit Afrikanern und Orientalen. Unsere alte Kraft, unsere christliche Kultur, Glaube und Tradition, werden zerstört, die Identität der einzelnen Völker aufgeweicht und, Schritt für Schritt, abgeschafft.« Während sie hier für einen Moment das Bild einer Naturkatastrophe bemüht, dominiert insgesamt eine ganz andere Metaphorik: Für Herman ist die Flüchtlingskrise ein »Feldzug gegen Europa« und Deutschland entsprechend »ein Schlachtfeld«, ein »Kriegsgebiet […], welches nun von unzähligen Asylsuchenden, Stück für Stück, eingenommen wird«. Die Geflüchteten, angeblich »überwiegend junge, starke Männer«, sind für sie »der Sprengstoff«, der sich »zunehmend zur Waffe gegen die einheimische Bevölkerung« entwickelt.

Diese Bildlichkeit von Krieg und Invasion passt zum Argument, denn für Herman handelt es sich bei der Migrationskrise nicht nur um eine von Menschen gemachte, sondern um eine ganz bewusst herbeigeführte Katastrophe. Gleich im ersten Absatz betont sie, der eigentliche »Widersacher« sei »nicht in den Millionen fliehenden Migranten zu suchen«. Die Geflüchteten seien nur die sichtbaren Werkzeuge, denn: »[D]er Feind arbeitet in vielerlei subtiler Form an bislang für die meisten Leute unbekannten Nahtstellen.« Letztendlich verantwortlich, so Herman, sei »eine bestimmte Gruppe von Machtmenschen des globalen Finanzsystems […], die sich die Welt aus ihrem Kapitalsammelbecken heraus untertan machen will«. Sie erklärt allerdings an keiner Stelle, wie die Zerstörung des christlichen Europa, die sie prognostiziert, zur Agenda dieser »mächtigen Globalbestimmer« beitragen soll. Immer wieder betont sie jedoch, dass diese mysteriösen Strippenzieher die Politik und die Medien kontrollieren. Wiederholt kommt sie auf das »Brüsseler Marionettentheater«, die »eingesetzten Politikdarsteller« und »die gleichgeschalteten Massenmedien« zu sprechen, die, statt dem Volk zu dienen, »die Hirne der Menschen« verwirren, um »das Volk in den Untergang [zu] führen«.

Eva Hermans Ideen verbreiteten sich schnell in den alternativen Öffentlichkeiten des Internets, wo sie breite Zustimmung fanden, wie die Kommentare unter dem Essay zeigen. Da Herman bis zu ihren kontroversen Äußerungen zu Feminismus, Genderrollen und Nationalsozialismus einige Jahre zuvor eine beliebte Fernsehfigur gewesen war, griffen auch die »Mainstreammedien« das Thema auf. Ebenfalls am 31. August widmete zum Beispiel die Website des Stern ihren »umstrittenen Aussagen« einen Artikel. Fazit: Herman habe Angst, »dass unser Land durch die vielen Migranten zerstört werde«, und verbreite »allerlei Verschwörungstheorien«.

Im gegenwärtigen Kontext ist dieses Urteil ebenso erwartbar wie einleuchtend, schließlich sind Verschwörungstheorien in den letzten Jahren ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Nachdem sie lange Zeit ein Nischendasein gefristet hatten, sind sie seit einiger Zeit allgegenwärtig: Die USA haben die Anschläge des 11. September 2001 selbst durchgeführt; wir werden heimlich von einer Neuen Weltordnung kontrolliert, die uns über Chemtrails und Impfungen gefügig hält; die Ukrainekrise wurde von der Nato orchestriert; Barack Obama wurde wahlweise nicht in den USA geboren oder er ist – wie Angela Merkel und George W. Bush – Teil einer Elite außerirdischer Reptilien, die sich von unserer negativen Energie ernährt; die Mondlandung hat natürlich nie stattgefunden, und John F. Kennedy wurde von der CIA ermordet. Enthüllungen über vermeintliche Komplotte der USA, der EU, der Geheimdienste, der Juden, der Illuminaten und anderer Gruppen zirkulieren nicht mehr nur in Subkulturen, sondern erreichen inzwischen eine breite Öffentlichkeit.

Viele Beobachter kommen daher zu dem Schluss, Verschwörungstheorien seien heute salonfähiger als je zuvor und die Zahl derjenigen, die an sie glauben, habe sprunghaft zugenommen. Dies wiederum alarmiert diejenigen, die ihnen weiterhin skeptisch gegenüberstehen – und das ist noch immer der größere Teil der Bevölkerung und die überwältigende Mehrheit der Medienvertreter. Entsprechend ist der Begriff »Verschwörungstheorie« zu einem festen Bestandteil des alltäglichen gesellschaftlichen Diskurses geworden: Man begegnet dem Wort mittlerweile beinahe wöchentlich in den Abendnachrichten oder in der Zeitung. Eine Erklärung, warum eine bestimmte Idee als »Verschwörungstheorie« bezeichnet wird, gibt es in solchen Fällen allerdings nicht. Offensichtlich haben wir alle ein intuitives Verständnis davon, was eine Verschwörungstheorie ist. »Ich erkenne sie, wenn ich sie sehe«, hat ein amerikanischer Richter bekanntlich einmal über Pornografie gesagt, und genauso geht es den meisten von uns mit Verschwörungstheorien. Daher würde – außer denjenigen, die den Anschuldigungen zustimmen und die Bezeichnung »Verschwörungstheorie« daher als Diffamierung zurückweisen – wohl jeder Leser Hermans Text als Verschwörungstheorie einstufen.

Doch was genau macht Hermans Text zu einer Verschwörungstheorie? Und stimmt es, dass Verschwörungstheorien immer populärer und einflussreicher werden? Was hat das Internet damit zu tun? Seit wann gibt es überhaupt Verschwörungstheorien? Wie hängen Verschwörungstheorien und Populismus zusammen? Wer glaubt eigentlich an Verschwörungstheorien und warum? Sind Verschwörungstheorien gefährlich? Und was kann man gegen sie tun?

Antworten auf diese Fragen findet man deutlich schwerer als Verschwörungstheorien selbst. Es besteht ein eklatantes Missverhältnis zwischen der Aufgeregtheit, mit der das Thema derzeit diskutiert wird, und dem Wissen, das diese Diskussionen in den allermeisten Fällen informiert. Oft genug werden Ideen als Verschwörungstheorien bezeichnet, die keine sind. Impfgegner mögen falschliegen, aber nicht alle sind Verschwörungstheoretiker. Immer wieder werden verschiedene Typen von Verschwörungstheorien in einen Topf geworfen, unabhängig davon, ob sie sich gegen Eliten oder gegen Minderheiten richten, ob sie rassistisch sind oder nicht. Auch wird oft pauschal ein Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und Gewalt(bereitschaft) behauptet – ein Thema, dem der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zum Thema einen ganzen Abschnitt, aber nur zwei sehr spezifische Belege widmet.

In den letzten Jahren hat die Konfusion vor dem Hintergrund des erstarkenden Populismus in Europa und den USA weiter zugenommen. Insbesondere die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat die öffentliche Debatte über Verschwörungstheorien noch aufgeregter und unpräziser gemacht, weshalb zum Beispiel die Grenze zwischen Verschwörungstheorien und Fake News verschwimmt. Verschwörungstheorien können Fake News sein, also absichtlich verbreitete Fehlinformationen, die darauf angelegt sind, bestimmte Personen zu diskreditieren und/oder ein anderes Ziel zu erreichen. Allerdings sind nicht alle Verschwörungstheorien Fake News und umgekehrt. Viele Verschwörungstheoretiker sind genuin überzeugt, einem Komplott auf die Schliche gekommen zu sein; und nicht jede bewusst verbreitete Fehlinformation behauptet eine Verschwörung.

Doch nicht nur die unscharfe Begriffsverwendung ist ein Problem. Denjenigen, die sich mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen – und das gilt gleichermaßen für den wissenschaftlichen wie für den medialen Diskurs –, fehlt es oft an einem adäquaten Verständnis davon, wie Verschwörungstheorien entstehen, was sie für diejenigen, die an sie glauben, leisten und welche Folgen sie haben können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es bis heute nur eine einzige Studie zum Thema ins öffentliche Bewusstsein geschafft hat: Richard Hofstadters berühmter Aufsatz über den »paranoiden Stil in der amerikanischen Politik« von 1964. Selbst in den USA, wo seit den neunziger Jahren ein knappes Dutzend spannender Untersuchungen zum Thema erschienen ist, fiel und fällt den Medien angesichts von Donald Trumps täglichem Flirt mit dem Konspirationismus nichts anderes ein, als wieder und wieder Hofstadters Aufsatz zu bemühen.

Hofstadter, einer der angesehensten Historiker seiner Zeit, rückte einerseits den Glauben an Verschwörungstheorien in die Nähe klinischer Paranoia; andererseits behauptete er, in den USA habe immer nur eine Minderheit an den Rändern der Gesellschaft überall Verschwörungen gewittert. Die New York Times, die Washington Post, Salon.com, die New Republic und viele andere Medien benutzten im Verlauf des Wahlkampfs Hofstadters Begrifflichkeit, um Trump zu charakterisieren, und tun dies teilweise bis heute. Selbst Hillary Clinton bezog sich auf Hofstadter, als sie einmal ungewöhnlich direkt auf Trumps Gedankenwelt einging. Bei einem Wahlkampfaufritt in Reno, Nevada, im August 2016 warf sie Trump vor, Vorurteile und Paranoia auszuschlachten, und sie rief gemäßigte Republikaner auf, sich der Übernahme ihrer Partei durch die radikalen Ränder zu widersetzen. Auch außerhalb der USA ist Hofstadters Text bis heute zweifellos die einussreichste Analyse von Verschwörungstheorien; deutsche Medien wie Die Zeit oder Die Welt bemühten sie ebenfalls, als es darum ging, das Phänomen Trump zu verstehen. Selbst der Politologe Christian Lammert, ein ausgewiesener Amerika-Experte, verwies in einer Analyse von Trumps Verhalten noch im März 2017 auf Hofstadter.

Dabei gilt der Text in der Forschung mittlerweile als überholt. Hofstadter erkennt zwar vieles richtig, seine Pathologisierung von Verschwörungstheoretikern als paranoid ist jedoch hochproblematisch. Angesichts der Tatsache, dass laut neuesten empirischen Studien die Hälfte der Amerikaner und ein geringerer, aber nicht unwesentlicher Teil der Deutschen an mindestens eine Verschwörungstheorie glauben, ist sie überdies völlig sinnlos. Auch andere Aspekte von Hofstadters Argument haben sich als falsch herausgestellt. Um zu verstehen, was Verschwörungstheorien sind und wie sie funktionieren, helfen uns also weder unsere Intuition noch diejenige Studie, die bis heute das öffentliche Verständnis des Themas bestimmt.

Insofern ist der Titel dieses Buches – »Nichts ist, wie es scheint« – doppeldeutig, und wenn dies technisch möglich wäre, müssten die ihn rahmenden Anführungszeichen immer für einen Moment da sein und dann für einen Augenblick verschwinden. Denn »Nichts ist, wie es scheint« ist zum einen, wie ich im ersten Kapitel zeige, eines der Grundprinzipien konspirationistischen Denkens. Wo andere Zufall und Chaos sehen, entdecken Verschwörungstheoretiker einen perden Plan. Zum anderen aber bezieht sich der Titel auch auf die Mythen, die über Verschwörungstheorien im mitunter sehr aufgeregten medialen, aber eben auch im wissenschaftlichen Diskurs in Umlauf sind.

Mit diesen Mythen will dieses Buch aufräumen. Es soll zu einem besseren Verständnis des Phänomens beitragen, indem es die Grundlagen, Funktionen, Effekte und die Geschichte verschwörungstheoretischen Denkens vorstellt. Der Fluchtpunkt der Argumentation sind natürlich die aktuellen Entwicklungen, insbesondere die Verbindungen von Verschwörungstheorien zur populistischen Rhetorik sowie ihre Verbreitung durch das Internet und die Wirkung, die sie auf diesem Weg entfalten. Allerdings ist die Gegenwart nur vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung verständlich, schließlich ist die Geschichte der Verschwörungstheorien immer auch die Geschichte der sich wandelnden Öffentlichkeiten, in denen diese Theorien zirkulieren, und der medialen Gegebenheiten, die diese Zirkulation bedingen. Will man verstehen, wie das Internet – wo sich Gegenöffentlichkeiten so viel leichter formieren als außerhalb des virtuellen Raums und wo Verschwörungstheorien jederzeit aktualisiert werden können – die Formen und Funktionen konspirationistischer Verdächtigung beeinusst, muss man wissen, wie es vorher war, welchen Einuss also andere mediale Regimes in früheren Zeiten hatten.

Vor allem aber hat sich der Status von Verschwörungstheorien im öffentlichen Diskurs im Lauf der Zeit radikal gewandelt, und er verändert sich derzeit erneut. Auch wenn es sich bisweilen so anfühlen mag, leben wir nicht im goldenen Zeitalter der Verschwörungstheorien. Der Konspirationismus ist derzeit nicht populärer und einussreicher als jemals zuvor. Im Gegenteil: Über Verschwörungstheorien wird momentan so viel geredet, weil sie noch immer stigmatisiertes Wissen sind, dessen Prämissen von vielen äußerst skeptisch gesehen werden. Und genau das war in der Vergangenheit anders. Bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren Verschwörungstheorien in der westlichen Welt eine vollkommen legitime Wissensform, deren Grundannahmen nicht hinterfragt wurden. Entsprechend normal war es, an Verschwörungstheorien zu glauben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann in den USA und in Europa ein komplexer Prozess der Delegitimierung von verschwörungstheoretischem Wissen, der konspirationistische Ideen aus dem öffentlichen Diskurs in Subkulturen verbannte.

Die aktuelle »Renaissance« von Verschwörungstheorien hängt einerseits mit dem Erstarken populistischer Bewegungen zusammen, weil es strukturelle Parallelen zwischen populistischen und konspirationistischen Argumentationsweisen gibt; andererseits spielt das Internet eine entscheidende Rolle, weil es Verschwörungstheorien, die nie völlig verschwunden waren, wieder sichtbarer macht und weil es in nicht unerheblichem Maße zu einer Fragmentierung der Öffentlichkeit beiträgt. Was wir im Moment erleben, ist eine Situation, in der Verschwörungstheorien in manchen Teilöffentlichkeiten, insbesondere in derjenigen, die wir weiterhin als Mainstream bezeichnen, noch immer stigmatisiert sind; in anderen Teilöffentlichkeiten sind sie mittlerweile hingegen wieder als legitimes Wissen akzeptiert. Es ist das Aufeinanderprallen dieser Öffentlichkeiten und ihrer unterschiedlichen Wahrheitsbegriffe, das die derzeitige Debatte über Verschwörungstheorien bedingt. Denn während die einen sich (wieder) vor Verschwörungen fürchten, sorgen sich die anderen (noch immer) um die fatalen Auswirkungen von Verschwörungstheorien. Insofern könnte man von einer dritten Phase in der Geschichte der Verschwörungstheorien sprechen.

Dieses Argument entwickle ich in sechs Kapiteln, die dabei so angelegt sind, dass sie auch einzeln oder in einer anderen Reihenfolge gelesen werden können. Im ersten Kapitel diskutiere ich verschiedene Denitionen und Typologien von Verschwörungstheorien. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Tatsache, dass der Begriff nicht nur neutral beschreibend, sondern zumindest im Alltagsdiskurs immer auch wertend ist. Das zweite Kapitel behandelt die Beweisführung von Verschwörungstheorien. Wie argumentieren diejenigen, die an sie glauben, und wie erzählen sie von den vermeintlichen Komplotten? Die unterschiedlichen Funktionen von Verschwörungstheorien für Individuen und Gruppen analysiere ich im dritten Kapitel, in dem es auch um die Frage geht, wer tendenziell eher an solche Theorien glaubt als andere. Das vierte Kapitel skizziert die historische Entwicklung von Verschwörungstheorien von der Antike bis in die Gegenwart. Es endet mit einer Diskussion des Verhältnisses von Verschwörungstheorien und Populismus. Das fünfte Kapitel ist dem Einuss des Internets auf die Sichtbarkeit, den Status, aber auch die Rhetorik und Argumentation von Verschwörungstheorien gewidmet. Der Schlussteil schließlich erörtert, ob und wann Verschwörungstheorien gefährlich sind, und greift die derzeit kontrovers diskutierte Frage auf, was man gegen sie tun kann.

Da ich ein deutscher Amerikanist bin, stammen meine Beispiele vor allem aus Deutschland und den USA; die Analyse beschränkt sich aber nicht auf diese zwei Kulturen. Zudem betrachte ich Verschwörungstheorien aus der Perspektive des qualitativ arbeitenden Literatur-und Kulturwissenschaftlers. Vieles, was ich im Folgenden darlege, ist quer über die wissenschaftlichen Disziplinen hinweg Konsens; an einigen Punkten jedoch scheiden sich die Geister, und eine quantitativ arbeitende Psychologin käme hier zu deutlich anderen Schlüssen. Zudem werde ich an verschiedenen Stellen Fragen aufwerfen, die derzeit keine Disziplin zu beantworten vermag, weil es in diesen Bereichen kaum oder keine Forschung gibt. Insofern markiert mein Buch, wenn überhaupt, lediglich das Ende des Anfangs der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien. Was für Verschwörungstheoretiker gilt, trifft in gleichem Maße auf Verschwörungstheorieforscher zu: Es gibt immer mehr zu erfahren.

12:13 08.03.2018

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Biographie Michael Butter ist Professor für Amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen und leitet ein europäisches Forschungsprojekt zum Thema Verschwörungstheorien
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