Falsche Beständigkeit

Netzschau Rezensionen und Texte zum Thema aus dem Netz: "Wippermanns Buch geht den hartnäckigen und weit in die europäische Geschichte reichenden Vorurteilen auf den Grund."
Falsche Beständigkeit
Foto: Adam Berry/Getty Images

Notwendige Bewusstseinsarbeit

"Anerkennenswert und notwendig ist die Kritik des Autors an der 'Zigeunerforschung', vornehmlich der deutschen. Es bedarf des Mutes, der Überzeugtheit von der Kompetenz des Forschers zu seiner Thematik und der Hoffnung, dass Rassismen und andere -ismen überwunden werden können; und dass es in der wissenschaftlichen Forschung gelingen möge, Tragiken, Irrwege und Sackgassen bei den theoretischen Begründungen und den praktischen Ausführungen von menschenfeindlichem Denken und Handeln künftig zu vermeiden. Sein Aufruf, zu einer interdisziplinären, wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu kommen, wie auch zu einem gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein, ist angesichts der Notwendigkeit, individuell und kollektiv, lokal und gleichzeitig global zu denken und zu handeln, richtig und wichtig; 'denn über kein anderes europäisches Volk wissen die übrigen europäischen Völker so wenig und gleichzeitig so viel Falsches und Vorurteilhaftes'." Socialnet.de

Gemeinsames Feindbild

"Im Gespräch mit Catarina Felixmüller, NDR 90,3, stellt der Historiker Wolfgang Wippermann sein neuestes Buch vor. In 'Niemand ist ein Zigeuner' geht er den hartnäckigen und weit in die europäische Geschichte reichenden Vorurteilen auf den Grund. Dabei differenziert er religiöse, soziale, romantisierende und rassistische Motive, die zusammen eine eigenständige Ideologie bilden: den Antiziganismus. Für Wippermann steht fest: Dieser entsteht nicht etwa im Bodensatz der Gesellschaft oder hat sich historisch erledigt, diese Ideologie ist nach wie vor politisch gewollt: Sie dient der Abgrenzung vom vermeintlich Fremden und der Legitimation von Herrschaft. Auf das Feindbild Sinti und Roma können sich offenbar alle europäischen Gesellschaften gleichermaßen einigen." KörberForum

Stereotype

"Sinti und Roma gehören immer noch zu den diskriminierten Minderheiten in Deutschland und Europa. Egal ob Politik oder Medien, antiziganistische Stereotype finden sich überall. Ein Gespräch mit Silvio Peritore vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma über Erinnerungskultur, Medien und rassistische Politik." Publikative.org

Umstrittenes Thema

"Anders als der Antisemitismus ist der Antiziganismus noch nicht intensiv erforscht worden. Dabei weisen beide Ideologien viele Ähnlichkeiten auf. Und sowohl an Juden als auch an Sinti und Roma ist während des Nationalsozialismus ein intendierter und rassistisch motivierter Völkermord begangen worden. Doch die Vergleichbarkeit der Ideologien und des Völkermordes ist in Forschung und Öffentlichkeit umstritten." iz3w.org

Lange Tradition

"Liest man die in der frühen Neuzeit erlassenen europäischen 'Zigeunergesetze' und die aus nahezu allen Teilen Europas überlieferten Berichte über die 'Zigeunerjagden', so fragt man sich, wie die Roma überleben konnten. Dabei gilt es zu bedenken, dass die frühneuzeitlichen Staaten nicht über die Mittel und Institutionen verfügten, um die 'Zigeunergesetze' konsequent umzusetzen. Das staatliche Gewaltmonopol war begrenzt. Das nutzten die Roma, indem sie sich ihrer Verfolgung durch Flucht entzogen oder sich zur Wehr setzten." Le Monde Diplomatique

13:07 16.04.2015

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Lange Tradition

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Leseprobe "Diese Ideologie bzw. dieses 'falsche Bewusstsein' des Antiziganismus ist aber tief in der Mentalität der Mehrheitsgesellschaft verwurzelt und von Generation zu Generation tradiert worden."
Innen und Außen

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Biographie Zentrale Forschungsthemen des Historikers Wolfgang Wippermann sind die Ideologiegeschichte sowie das gesellschaftliche Verhalten gegenüber Randgruppen
Stetig aktuell

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Einblicke Auch in unserer vermeintlich so aufgeklärten Gegenwart ist die Problematik der Sinti und Roma noch immer ein heißes Eisen, das immer wieder europaweit für Konflikte und Diskussionen sorgt