Wechselwirkungen

Einblicke In gewisser Weise kann man die Machtergreifung der Nazis und den Zweiten Weltkrieg als Folgen des politischen Klimas sehen, den das Ende des Ersten mit erzeugte. Versuch einer Sammlung
Wechselwirkungen
Foto: Keystone/Getty Images

Grundlegender Wandel

"Der Erste Weltkrieg ist die Zäsur des 20. Jahrhunderts: Er zerstörte alle naiven Fortschrittshoffnungen und offenbarte die Zerstörungspotentiale der industriellen Moderne. Diese 'Urkatastrophe' des 20. Jahrhunderts erfasste alle Bereiche von Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur – und prägte den weiteren Verlauf der neueren Geschichte maßgeblich. Die europäische Landkarte wurde umgestaltet, die regierenden Monarchien in Rußland, Österreich-Ungarn und Deutschland wurden revolutionär umgestürzt, die sozialen Verhältnisse und kulturellen Orientierungen wandelten sich grundlegendend." Bundeszentrale für politische Bildung

Zeitgeist

"Im August 1914 nun hatten die jungen Männer 'ihren' Krieg. Sie konnten ihren Fronteinsatz kaum abwarten. Waren sie einem kollektiven Wahn anheimgefallen? Mitnichten. Sie waren Opfer geworden eines perfiden Systems der mentalen Militarisierung, das besonders in Preußen mit dem Regierungsantritt Wilhelms II. für die männliche Jugend eingeführt worden war. Es handelte sich um eine Politisierung des 'gesinnungsbildenden' Unterrichts in den Fächern Deutsch und Geschichte, besonders in den Höheren Schulen." Zeit Online

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Spurensuche

"Eines der brennenden Bücher war 'Schlump'. (...) Der Autor, schon damals unbekannt, weil er die Autorschaft aus Angst vor dem Nazi-Regime verleugnete, geriet endgültig in Vergessenheit. Und das wäre auch so geblieben, hätte der Journalist Volker Weidermann nicht 2008 in seinem 'Buch der verbrannten Bücher' die Lebensgeschichten jener vergessenen Autoren nachgezeichnet. Nur ein kurzer Abschnitt war dabei Schlump gewidmet, denn trotz sorgfältiger Recherche war es Weidermann nicht gelungen, die Identität des Autors zu lüften, zu erfahren 'wie es wirklich weiterging'. Wer war der Autor von 'Schlump'?" KiWi-Blog

Bestens verborgen

"Autor des 'Schlump' war demnach Hans Herbert Grimm, ein Französischlehrer aus dem thüringischen Altenburg. Seine Identität als Autor des pazifistischen Erfolgsromans hatte der Kleinstädter nach außen hin bestens verborgen und sein letztes persönliches Exemplar des Buches die Nazi-Jahre hindurch in seinem Wohnhaus in Altenburg eingemauert. In diesem lebt heute Grimms Schwiegertochter, die sich bei Weidermann gemeldet hatte. Erstmals gab sie Auskunft über einen Mann, über den in seiner Familie vor allem geschwiegen wurde." Mitteldeutsche Zeitung

Anders ähnlich

"1928 ist der Antikriegsroman 'Schlump' von Hans Herbert Grimm zum ersten Mal erschienen. Erst 85 Jahre später ist er jetzt in einer Neuauflage des Verlags Kiepenheuer und Witsch (KiWi) wieder im Handel. Am Welttag des Buches, 23. April, wird Reinhold Joppich, Vertriebs- und Verkaufsleiter des Verlags, mit Remarque-Experte Tilman Westfalen in Osnabrück über die Antikriegsromane von Remarque und Grimm diskutieren. Gewisse Parallelen gebe es zwar, ein direkter Vergleich mit 'Im Westen nicht Neues' sei aber schwierig, meint Joppich im Interview." Neue Osnabrücker Zeitung

02:07 17.04.2014

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