Kritik und Verfolgung

Biographie Zwar ist Najafi mit einem Rap-Song in den ungewünschten Fokus der Ajatollahs geraten, er selbst sieht sich jedoch eher als Dichter, Songwriter, Satiriker und Gesellschaftskritiker
Kritik und Verfolgung
Foto: Verlag/Shahriyar Ahadi

Shahin Najafi (persisch ‏شاهین نجفی‎, DMG Šāhīn Naǧafī; * 10. September 1980 in Bandar-e Anzali, Iran) ist ein iranischer Sänger/Songwriter, Rapper und Gitarrist mit derzeitigem Wohnsitz in Deutschland. 

Er wurde 1980 in Bandar-e Anzali in der iranischen Provinz Gilan geboren. Er studierte Soziologie an der Universität, erhielt jedoch keinen Abschluss. Während er zunächst als Dichter im Iran arbeitete, nahm er nebenher auch Unterricht in klassischer und Flamenco-Gitarre. Er begann auch eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Underground-Musik-Gruppen im Iran. Unter dem Druck der iranischen Regierung, seine politischen Botschaften aus seiner Musik zu entfernen, wanderte er 2005 nach Deutschland aus.

Am 7. Mai 2012 veröffentlichten Najafi und Majid Kazemi das Lied Naghi, das zahlreiche Verweise auf den zehnten Imam ʿAlī al-Hādī an-Naqī enthält. Inspirationen dazu erhielt er möglicherweise durch die seit 11. Mai 2011 bestehende satirische Facebook-Gruppe "Kampagne zur Erinnerung der Schiiten an Imam Naghi". Das Lied fleht Imam Naghi an "zurückzukehren" und spricht eine breite Palette iranischer sozialer, politischer und ökonomischer Übel an, darunter die ökonomischen Sanktionen, Korruption, politische Unterdrückung, Schönheits- und Sexwahn sowie die Ohnmacht der Intelligenz und Opposition im Ausland. Das Cover zeigt eine einer Kuppel (und damit einem islamischen Heiligengrab) ähnelnde weibliche Brust mit einer Regenbogenfahne der Lesben- und Schwulenbewegung auf der Spitze der Brustwarze, welche von Greifvögeln umflogen wird. Durch das Lied wurde die Bekanntheit der Facebook-Gruppe stark gesteigert.

Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenargentur Fars vom 9. Mai 2012 erkennt Großajatollah Scheich Lotfollah Safi Golpayegani (*1917) in dem Lied Blasphemie und eine Beleidigung des zehnten Imam und erließ eine Todes-Fatwa gegen Najafi. Es existiert auch eine Internet-Kampagne dazu. Dem persischsprachigen Dienst der BBC zufolge wurde die Fatwa allerdings bereits zwei Wochen vor der Veröffentlichung des Songs erlassen, ohne Shahin Najafi namentlich zu nennen.

Auch Najavi selbst sagt, dass dieser Mordaufruf eigentlich "undatiert" und gar nicht gegen ihn persönlich gerichtet war. Mittlerweile hätten es "Gruppen aus dem Umfeld des Regimes" aber dahin konkretisiert, dass sogar ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt worden sei. Gegen die Etikettierung als "iranischer Eminem" in deutschen Medien verwahrt sich der Musiker. Er sei zwar auch mit Rappern aufgetreten, aber musikalisch nicht auf dieses Musikgenre festgelegt. Als Satiriker mit Lust an der Provokation gegen Gedankenunfreiheit sieht er sich als "Gesellschaftskritiker" des Iran, der aber keiner politischen Gruppe angehört.

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Teile dieses Textes basieren auf dem Artikel Shahin Najafi aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).  

17:17 16.05.2013

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