Setting und Diskurs

Zum Festival Auf insgesamt acht Bühnen im Theater an der Parkaue, den Sophienesælen, dem Theater Strahl und im Grips Theater im Podewil werden die herausragenden Inszenierungen für Kinder und Jugendliche gezeigt
Setting und Diskurs
"Der kleine Angsthase"

Foto: David Baltzer

In der 15. Ausgabe des Augenblick mal! Festivals werden im Mai 2019 fünf Kinder- und fünf Jugendtheaterstücke zu sehen sein, sowie drei internationale Inszenierungen aus Ungarn, Polen und Russland. Der Kartenvorverkauf beginnt am 25. Februar 2019 im Theater an der Parkaue. Auf insgesamt acht Bühnen im Theater an der Parkaue, den Sophienesælen, dem Theater Strahl und im Grips Theater im Podewil werden die herausragenden Inszenierungen für Kinder und Jugendliche gezeigt. Das Festivalzentrum befindet sich im Theater an der Parkaue und bietet Raum für das Rahmenprogramm, bei dem interessierte Besucher wie Fachpublikum sich in unterschiedlichen Settings über die Inszenierungen und inhaltliche Diskurse austauschen können.

Kindertheater

Jetzt bestimme ich“ von der barner 16 / Meine Damen und Herren in Kooperation mit Kampnagel ist eine von drei Inszenierungen, die zur Eröffnung parallel gezeigt werden. Sie basiert auf dem Bilderbuch von Juli Zeh und Dunja Schnabel und erprobt mit viel Witz und einem inklusiven Ensemble unterschiedliche Formen der Mitbestimmung. Das Berliner Theater o.N. präsentiert in den „Klang-Stücken“ zwei sehr unterschiedliche Arbeiten für Kinder ab zwei Jahren, die Musik mit performativen Elementen verbinden. Die ebenso trashige wie humorvolle Inszenierung des Bilderbuchs „Der kleine Angsthase“ vom D´haus Junges Schauspiel aus Düsseldorf beweist eindrücklich, dass Theater für Kinder ab vier Jahren politisch sein kann. Für die gleiche Altersgruppe entwickelte das Theater Oberhausen mit „Nachts“ ein assoziationsreiches Spiel darüber, was zum Ausklang des Tages passiert, wenn es dunkel ist. Für die Inszenierung von „Helden“ vom Düsseldorfer FFT stehen Kinder selbst auf der Bühne. Gemeinsam mit den Performern von subbotnik widmen sie sich in ihrem Musiktheater dem griechischen Heldentum.

Jugendtheater

Zur Eröffnung zeigt das Festival mit „Waisen“ und „Mädchen wie die“ auch zwei der fünf sehr politischen Jugendtheaterstücke. „Mädchen wie die“ vom Jungen Schauspiel Hannover wurde mit einem inklusiven Ensemble erarbeitet. Mit Gebärden und leichter Sprache geht es in der Inszenierung um Cybermobbing. „Waisen“ vom Jungen Theater Bremen in Kooperation mit dem Moks, ist ein Kammerspiel feiner Schauspielkunst, das sich um Fragen nach Schuld, Verantwortung und Zivilcourage dreht und offenbart wie schnell Moral und Hilfsbereitschaft über Bord geworfen werden, sobald eigene Interessen im Vordergrund stehen. Die Puppentheaterproduktion des israelischen Regisseurs Ariel Doron „Besuchszeit vorbei“ vom tjg theater junge generation Dresden macht die Willkür und Zwangsläufigkeit des Tötens in Exekutionen und Hinrichtungen mit Puppen in einer aufwühlenden Inszenierung nachfühlbar. Das Citizen KANE Kollektiv hat für „Girls Boys Love Cash“ am Jungen Ensemble Stuttgart über Prostitution recherchiert und hinterfragt Geschlechterbilder, Pornografie und Kapitalismus. Wegen technischer Umsetzungsprobleme kann Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ von der Schauburg München leider nicht in Berlin gezeigt werden.

Internationale Gastspiele

Das Festival des Theaters für Junges Publikum präsentiert auch 2019 wieder internationale Gastspiele, die für die bevorstehende Ausgabe aus Ungarn, Russland und Polen kommen.

Die polnische Inszenierung „Wrog.Instrukcja obsługi/Feindliche Gebrauchsanleitung“ basiert auf dem Buch „The Enemy“ von Davide Cali und Serge Bloch und nimmt die Entstehung von Feindbildern unter die Lupe. Das Staatliche Dramatische Theater Stary Dom aus Nowosibirsk reist mit der Inszenierung „Soziopat/Hamlet“ nach Berlin, die eine bekannte Geschichte in neuer Version erzählt und dazu nicht nur auf Shakespeares Hamlet zurückgreift, sondern sich auch von den isländischen Chroniken des 12. Jahrhunderts und von Cyrill Serebrennikovs Film „Posing a Sacrifice“ inspirieren lässt. Die ungarische Inszenierung „Peer Gynt“ konzentriert sich auf die Aspekte des Theaterklassikers, die aus der Perspektive von Jugendlichen relevant sind. Das Ensemble befragt die Geschichte danach, was es bedeutet vor ungelösten Problemen davonzulaufen.

15:12 08.02.2019

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