Wildes Spiel

Zum Stück "Autoritäten, Frontlinien und Befehle gelten für ihn nicht. Schweijk treibt sein wildes Spiel mit einer zwischen Lethargie und Chaos zerrissenen Welt, die den Einzelnen zu einer Nummer und die Menschenseele überflüssig werden lässt."
Wildes Spiel

Foto: Theater Konstanz

Jaroslav Hašeks weltberühmter, 1921 als Groschenheft verkaufter Schelmenroman zeigt Schweijks Odyssee durch die osteuropäischen Gebiete des Ersten Weltkriegs. Im Spiegel aktueller Kriegsszenarien erscheint dieser skurrile Antiheld als ein ersehnter Zeitgenosse, der die Verhältnisse mit geschwätziger Lebensbejahung und provozierendem Schwachsinn in Frage stellt.

Seit dem Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand befinden wir uns im Krieg. Schweijk weiß das und meldet sich provokant freiwillig zum Dienst, mit Krücken und Rollstuhl. Denn dieser Krieg muss sein: "Das wird ein Gemetzel." Dass Schweijk daraufhin verhaftet, in die Psychiatrie gesteckt, als Idiot ausgelacht und als Vaterlandsverräter beschimpft werden wird, fordert den Prager Wirtshausanarchisten nur noch mehr heraus.

Als Offiziersdiener an der Front gelingt ihm der große Coup: Autoritäten, Frontlinien und Befehle gelten für ihn nicht. Er lässt Militärchargen und Kriegsbürokraten im Feuerwerk seines bizarren Widerspruchsgeistes tanzen und reißt die nationale Hierarchie der österreich-ungarischen Vielvölkerarmee lachend nieder.

Schweijk treibt sein wildes Spiel mit einer zwischen Lethargie und Chaos zerrissenen Welt, die den Einzelnen zu einer Nummer und die Menschenseele überflüssig werden lässt.

13:34 01.03.2019

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Hoch gelobt

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Biographie Sapir Heller ist 1989 in Israel geboren, dort aufgewachsen und lebt seit 2008 in München. Sie studierte Schauspiel- und Musiktheaterregie an der "Hochschule für Musik und Theater" und war Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung
Zeit und Relevanz

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Vielversprechend

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