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Biographien Es kommt selten vor, dass ein Roman und ein theoretisches Werk wie ein Echo einander antworten – bei den jüngsten Werken von Édouard Louis und Geoffroy de Lagasneries ist dies jedoch der Fall
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Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Édouard Louis, 1992 als Eddy Bellegueule geboren, entstammt einfachen, schwierigen Verhältnissen und wuchs in der kleinen Ortschaft Hallencourt in der Picardie auf. Schon als Kind erfuhr er aufgrund seiner Homosexualität immer wieder Diskriminierung, Mobbing und Gewalt, was ihn schließlich dazu brachte, nach Amiens, später nach Paris zu ziehen. Dort studiert er an der École normale supérieure Soziologie und beschäftigte sich eingehend mit dem Werk des Soziologen Pierre Bourdieu, über den er auch ein Buch geschrieben hat.

In seinem literarischen Erstlingswerk En finir avec Eddy Bellegueule beschreibt Louis die Probleme eines jugendlichen Außenseiters mit homosexuellem Hintergrund in der französischen Provinz. Die Versuche von Anpassung und das Scheitern dieser Versuche, die ihn letztlich zur Flucht in die Stadt zwingen, werden darin ausführlich dargestellt. Der Roman hat autobiographische Bezüge; er wurde in Frankreich bisher rund 200.000 Mal verkauft.

In dem Roman Im Herzen der Gewalt schildert er eine Vergewaltigung durch einen Mann, den er in einer Nacht kennenlernte, den anschließenden Mordversuch durch den Vergewaltiger und das eigene Bewusstsein, dadurch selbst kurzzeitig zum xenophoben Menschen zu werden.

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Geoffroy de Lagasnerie (geboren 1981) ist ein französischer Philosoph und Soziologe. Er beschäftigt sich vor allem mit Sozialphilosophie und Politischer Philosophie, Epistemologie und Kritischer Theorie sowie mit Kultursoziologie, mit einem besonderen Schwerpunkt bei Pierre Bourdieu und Michel Foucault.

Geoffroy de Lagasnerie studierte an der École normale supérieure de Cachan und an der École des Hautes Études en Sciences Sociales. Seit 2013 ist er Professor für Philosophie an der École Nationale Supérieure d’Arts in Cergy.

Im Juli 2014 veröffentlichte er in der Zeitung Libération zusammen mit dem Schriftsteller und Soziologen Édouard Louis einen Aufruf gegen die Teilnahme Marcel Gauchets am Rendez-vous de l’Histoire de Blois, der großes Aufsehen in der französischen Öffentlichkeit erregte und viel diskutiert wurde.

Im September 2015 veröffentlichte de Lagasnerie wiederum zusammen mit Édouard Louis ein „Manifest für eine intellektuelle und politische Gegenoffensive“ in der Zeitung Le Monde, das sich gegen den neuen Rechtsruck in Frankreich und Europa wendete und ebenfalls viel Aufsehen erregte und wenig später auch in der Los Angeles Review of Books veröffentlicht wurde.

2015 wurde er vom Magazin Les Inrockuptibles zu den wichtigsten innovativsten 100 Personen des französischen kulturellen Lebens gezählt.

13:20 06.10.2017

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