Zeit und Relevanz

Einblicke Die Humboldt Forum Highlights laden dazu ein, sich tiefer einzulassen auf das, was Menschen in ganz unterschiedlichen kulturellen Kontexten und in verschiedenen Epochen bewegt. Versuch einer Sammlung
Zeit und Relevanz
Gorilla

© Humboldt-Universität zu Berlin, Zoologische Lehrsammlung / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, digitale Reproduktion: Jester Blank GbR

Optische Sensation

"Alexander von Humboldt hat auf seiner großen Amerikareise nicht nur Pflanzen und Mineralien gesammelt – auch einige Kunstwerke brachte er mit nach Europa. In den Jahren 1803/04 bereiste er Mexiko und stieß dort auf ein Bild, das er selbst als 'Federgemälde' bezeichnete: das Federmosaik Nuestra Señora de la Salud de Pátzcuaro. Es ist eine Darstellung der Gottesmutter mit Attributen der Unbefleckten Empfängnis: eine gekrönte Madonna, ohne Kind, auf einer Mondsichel stehend. Gefertigt aus Tausenden winzigen Federteilchen hält das Mosaik für den Betrachter eine Überraschung, ja eine kleine optische Sensation bereit: Aus einem bestimmten Blickwinkel oder bei einem gewissen Lichteinfall beginnen im Hintergrund der Madonna die Brustfedern des Kolibris plötzlich metallisch-blau aufzuleuchten und zu schillern. Verändert man die Perspektive, ist der beeindruckende Effekt wieder verflogen." Der Tagesspiegel

Magische Wirkung

"Auf den Grund für die Federarbeiten angesprochen, erzählte mir Wolfgang Groh, er habe vor längerer Zeit in Berlin anlässlich einer Ausstellung zum geplanten Humboldt-Forum ein Bild einer Mondsichelmadonna gesehen und dieses Bild habe ihn zutiefst beeindruckt, denn das kleine Format strahlte in dem spärlich beleuchteten Raum und habe durch seine in Teilen metallisch anmutende Glätte und den daraus resultierenden Glanz eine magische Wirkung erzeugt. Bei genauerem Hinsehen erst sei ihm klar geworden, dass dieses von Alexander von Humboldt 1803 in Pátzcuaro erworbene Bild aus lauter kleinsten Federn gearbeitet war, die je nach Betrachtungswinkel eine unterschiedliche Farbwirkung hervorriefen. Besonders prächtig seien ihm die kleinen bläulichen, spiegelgleichen Federn des Hintergrundes erschienen. Wie er später bei seinen Recherchen erfahren habe, handelt es sich dabei um Brustfedern von Kolibris, die bei Lichteinfall metallisch glänzen. Er habe versucht, die Wirkung in einem Foto festzuhalten, einer Nahaufnahme, auf der man die kleinen irisierenden Federn trotz aller fotografischen Unzulänglichkeiten (leichter Unschärfe) gut erkennen kann." Wolfgang Groh

Kulturtechniken

"Das Humboldt Forum lädt zum Gespräch 'Federn, Lack & Breakdance' im Rahmen der Humboldt Forum Highlights in die Wandelhalle der Gemäldegalerie ein. Zur Veranstaltung begrüßt der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor der Gemäldegalerie, Michael Eissenhauer, die Schauspielerin und Journalistin Paula D. Koch moderiert. In der Veranstaltung geben Expertinnen und Experten anhand von zwei zukünftigen Humboldt Forum Highlights, der Federmadonna aus der Sammlung des Ethnologischen Museums (derzeit in der Gemäldegalerie) und des Koromandel-Lack-Schirms (derzeit im Kunstgewerbemuseum), Einblicke in frühere und heutige Austauschprozesse von Kulturtechniken." Staatliche Museen zu Berlin

Transformationen

"In a 16th-century triptych of the crucifixion at the Musée National de la Renaissance, north of Paris, Christ has wings. In fact the whole piece is made of feathers. The veil over the Virgin Mary is a brilliant blue, possibly from the lovely cotinga; the clothing on Saint John is bright green, either from a parrot or the quetzal; and the blood dripping from Christ’s wounds has hues of a red macaw or hummingbird. How feathers of Central American birds found their way into this biblical scene goes back to the Spanish conquest of the Aztec Empire in 1521, and the transformation of indigenous feather art into a colonial export from New Spain." Hyperallergic

16:41 07.12.2018

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