Puls und Zeit

Thema Anknüpfend an die Ursprünge des Theaters beschäftigen sich die präsentierten Arbeiten mit dem aktuellen Stand der Demokratie, ihrer Gefährdung, ihrer verdrängten Schuld und ihren Widersprüchlichkeiten
Puls und Zeit
"From here I will build everything" von Cédric Eeckhout
Foto: Rachel Lang

Die europäischen und westlichen Demokratien befinden sich in einem einschneidenden Umbruchprozess: Staatspleiten, stärkerer Einfluss von Wirtschaftsinteressen und Lobbyismus auf politische Entscheidungen, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Arbeitslosigkeit, Terrorismus, knappe Ressourcen, zurückkehrender Nationalismus und Rechtspopulismus bedrohen sozialen Frieden, Solidarität und offene Grenzen.

Vor dem Hintergrund dieses düsteren Panoramas versammelt das Festival Internationale Neue Dramatik 2017 unter dem Motto "Demokratie und Tragödie" Inszenierungen von international renommierten Theatermacher_innen. Seit der griechischen Antike sind Demokratie und Tragödie miteinander verbunden, denn hinter der attischen Demokratie stand die Erfahrung der Tragödie als politisches Bewusstsein und Beschreibung des Daseins. Die versammelte Öffentlichkeit sollte sich über die Darstellung all der Affekte und schuldhaften Verstrickungen, welche in der politischen Wirklichkeit verdrängt wurden, durch Mitleid und Erschrecken von ebenjenen reinigen.

Anknüpfend an diese Ursprünge des Theaters beschäftigen sich die bei FIND 2017 präsentierten Arbeiten mit dem aktuellen Stand der Demokratie, ihrer Gefährdung, ihrer verdrängten Schuld und ihren Widersprüchlichkeiten. Sie befragen das gesellschaftliche und familiäre Erbe, unsere Konzepte von Gemeinschaft sowie den Platz des Individuums darin und denken auf der Bühne darüber nach, wie wir in Zukunft zusammenleben können.

Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter der Schaubühne, zum Motto des Festivals: "Als wir das Thema für FIND entwickelt haben, wollten wir etwas über den Zusammenhang der attischen Demokratie und ihrem Theater erzählen. In der Tragödie sollten die Bewohner des alten Athens durch die Katharsis von ihren Affekten gereinigt, vernunftorientierter die Fragen der Demokratie verhandeln. Durch die jüngsten politischen Ereignisse lässt sich unser Motto leider darauf verkürzen, dass sich unsere westlichen Demokratien immer mehr zu Tragödien entwickeln."

10:32 24.03.2017

Event der Woche: Weitere Artikel


Im Wandel

Im Wandel

Zum Festival Bereits seit 1999/2000 gehört das FIND fest zur Schaubühne. Zunächst stellte es Theatertexte junger Autoren aus einem bestimmten Kulturraum vor und erfand sich 2011 als großes Gastspiel-Festival neu
Weites Feld

Weites Feld

Programm Ergänzend zu den aufgeführten Stücken bietet das Festival unter anderem Publikumsgespräche und Diskussionen sowie einen Workshop für internationale Theaterstudierende
Austausch global

Austausch global

Netzschau Stimmen aus dem Netz: "Freunde der Schaubühne kennen das Festival sicherlich schon, schließlich findet es schon zum 17. Mal statt. Zehn Tage lang erhält Berlin Besuch der internationalen Theaterszene."