Nischendasein?

Zum Kongress "Die Lyrik gehört zu den gegenwärtigsten Kunstformen unserer Zeit. Sie ist klug und divers wie lange nicht mehr. Das zeigt sich über alle Generationen hinweg. Dennoch scheint dies abseits einer größeren Öffentlichkeit vorzugehen."
Nischendasein?
Sonja Vandenrath und Bernd Busch

Foto: Alexander Paul Englert

Fokus Lyrik

Festivalkongress zur Gegenwartslyrik vom 7. bis 10. März 2019 in Frankfurt am Main

Die Lyrik gehört zu den gegenwärtigsten Kunstformen unserer Zeit. Sie ist klug und divers wie lange nicht mehr. Das zeigt sich über alle Generationen hinweg. Dennoch scheint dies abseits einer größeren Öffentlichkeit vorzugehen. Entsprechend prekär ist die ökonomische Situation vieler Dichterinnen und Dichter sowie der Lyrikverlage. Der Festivalkongress Fokus Lyrik in Frankfurt am Main zieht nach zehn Jahren Lyrikboom Bilanz und bietet Akteuren erstmals ein Forum zum Austausch und zur Vernetzung. 126 Mitwirkende sowie zahlreiche Gäste aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nehmen teil. In 18 Podien werden Fragen der Produktion, Förderung und Rezeption von Lyrik diskutiert. In den Gesprächen mit Lyrikerinnen und Lyrikern und Repräsentanten aus Verlagen, Universitäten, Medien und Fördereinrichtungen sollen Ideen und Konzepte für die Zukunft entwickelt werden. Ein künstlerisches Rahmenprogramm bietet zudem hochkarätige Lesungen und Performances. Das Programm wird von zwei wichtigen Vertretern der deutschsprachigen Lyrik, Monika Rinck und Tristan Marquardt, kuratiert. Veranstalter sind das Kulturamt der Stadt Frankfurt und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Fokus Lyrik wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Umfassende Lagebesprechung der Dichtung

„In der Lyrik verdichtet sich die Sprache auf einzigartige Weise, die oft an Musik grenzt. Diese Ver-schmelzung zu erfahren, ermöglicht das Glück der Poesie auf kleinem Raum, was gerade in so schnell getakteten Zeiten wie diesen von Bedeutung ist. Dass nun von Frankfurt aus, der Stadt der Bankentower und des harten Businesstalks, Impulse für ein neues Verständnis über die Stellung und den Wert der Poesie in der Gesellschaft ausgehen, ist ein starkes Signal“, so die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, Dr. Ina Hartwig.

Friederike Tappe-Hornbostel, Leiterin Kommunikation der Kulturstiftung des Bundes, ergänzt: „Eine solche umfassende Lagebesprechung der Lyrik sucht ihresgleichen. Die zeitgenössische Lyrik gehört zum Bemerkenswertesten, zum Aufregendsten und Avanciertesten, was die Künste im deutschsprachigen Raum zu bieten haben. Der Festivalkongress, den die Kulturstiftung des Bundes maßgeblich fördert, bietet der Lyrikszene Gelegenheit, deutlich wahrnehmbar ihren berechtigten Anspruch zu artikulieren, dass die Lyrik nicht länger als arme oder introvertierte Verwandte der Belletristik behandelt werden darf. Es geht um eine ihrer künstlerischen Bedeutung angemessene Würdigung der Kunstform Lyrik und ihrer Akteure in Kultur, Bildung und Politik.“

Die Festivalleiterin Dr. Sonja Vandenrath unterstreicht: „Die Wahrnehmung der Gegenwartslyrik chan-giert zwischen Euphorie und Krise. Der Glücksfall der deutschsprachigen Literatur und die Niederungen der finanziellen Ebene: das sind die beiden Narrative, die den Lyrikdiskurs bestimmen. Der Festivalkongress Fokus Lyrik fragt danach, wie diese Kluft geschlossen werden könnte. In Panels und auf Podien werden tagsüber zentrale Aspekte des Lyrikbetriebs auch im europäischen Kontext diskutiert. Täglich erwartet das Publikum zudem ein hochkarätiges Rahmenprogramm, das Räume vom MMK bis zum Mousonturm bespielt. Ein solches Feuerwerk an Ideen und Veranstaltungen rund um das Gedicht hat es in Frankfurt noch nicht gegeben.“

„Den lebendigen, kreativen Szenen aktueller Dichtkunst gelingt es nur selten, ihrem Nischendasein und den damit verbundenen prekären Existenzbedingungen zu entkommen. Das muss sich ändern und der von Fokus Lyrik eröffnete Austausch kann hierzu beitragen“, so Dr. Bernd Busch, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

12:05 22.02.2019

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