Heute und damals

Das Stück Ein Höhepunkt des diesjährigen Festivals ist das Gastspiel des israelischen Nationaltheaters, für das Shahar Pinkas Hans Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" für die Bühne adaptiert hat
Heute und damals
Foto: Gérard Allon

Gastspiel: “Jeder stirbt für sich allein” nach dem Roman von Hans Fallada, adaptiert für die Bühne von Shahar Pinkas, in der Regie von Ilan Ronen.

Im Rahmen des ID Festivals zeigt das Maxim Gorki Theater am 24. und 25. Oktober um jeweils 19:30 Uhr ein Gastspiel des israelischen Nationaltheaters. Der zweite Abend wird um 16:00 Uhr mit dem Symposium “Habimah in Berlin” eingeleitet, welches den historischen Kontext um den kurzen Aufenthalt des Theaters in Berlin beleuchtet.

Das Stück wird auf Hebräisch mit deutschen und englischen Übertiteln gezeigt.

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Der Roman “Jeder stirbt für sich allein” von Hans Fallada

Die Geschichte spielt in Berlin während des Zweiten Weltkriegs: Deutschland lebt unter dem Terror des Nationalsozialismus. Der Gestapo-Kommissar Escherich muss die Herkunft der mysteriösen Postkarten ermitteln, die zu Hunderten in der Stadt verteilt werden und die Deutschen zum Aufstand gegen Adolf Hitler und den Nationalsozialismus aufrufen:  „Mutter! Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet. Mutter! Der Führer wird auch deine Söhne ermorden, er wird noch nicht aufhören, wenn er Trauer in jedes Haus gebracht hat.“ Der bedrohliche Obergruppenführer Prall setzt Escherich unter Druck, die Verfasser der Postkarten zu verhaften. Fast alle Postkarten werden von ihren Findern sofort bei der Gestapo abgeliefert, niemand möchte mit der Angelegenheit in Verbindung gebracht werden. Schließlich findet Escherich den Autor der Postkarten und seine Frau, Otto und Anna Quangel, ein einfaches Paar der Arbeiterklasse. Ihr Akt des zivilen Ungehorsams wurde durch den Tod ihres einzigen Sohnes im Krieg ausgelöst. Das Paar wird vor den Volksgerichtshof gestellt, wo der berüchtigte Roland Freisler herrscht. Die Quangels werden zum Tode verurteilt: Otto wird hingerichtet, Anna stirbt in ihrer Todeszelle bei einem Bombenangriff der Alliierten.

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Regie

Von 2005 bis 2016 war Ilan Ronen künstlerischer Leiter des Theaters, zuvor leitete er zwei weitere Theater – das Chan Theater in Jerusalem und das Cameri Theater in Tel Aviv. In den letzten zehn Jahren konzentrierte er sich auf die internationale Entwicklung des Habimahs, welches weltweit auf Tournee ging. Das bedeutendste Gastspiel fand 2012 beim International Shakespeare Festival statt, wo Ilan Ronen seine Inszenierung des »Kaufmann von Venedig« im Globe Theatre in London aufführte. Kürzlich führte er erfolgreich Regie bei »Endstation Sehnsucht«, »Der Geizige«, »Gefährliche Liebschaften« und »Jeder stirbt für sich allein«.

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Von: Shahar Pinkas

Regie: Ilan Ronen

Nach dem Roman von: Hans Fallada

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Besetzung

Otto Quangel: Norman Issa

Anna Quangel: Osnat Fishman

Kommissar Escherich: Tomer Sharon

Enno Kluge: Ami Smolarchik

Emil Borkhausen: Pini Kidron

Eva Kluge: Evgenia Dodina

Obergruppenführer Prall: Uri Hochman

Frau Rosenthal: Shulamit Adar

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Symposium

Habimah in Berlin

In dieser Spielzeit feiert das Habimah sein 100. Jubiläum. Nach der Gründung in Moskau verließ die Kompanie Russland 1926 und fand ein vorübergehendes Zuhause in Berlin bevor es 1931 nach Palästina weiterreiste. Das Symposium erkundet die Verbindung des Theaters mit Berlin und untersucht die historischen, kulturellen und sozialen Bedingungen, die es einem hebräischsprachigen Theater erlaubten, vor beinahe 100 Jahren zu florieren.

Gäste: Anat Feinberg (Heidelberg), Matthias Naumann (Berlin), Sebastian Schirrmeister (Hamburg). Ehrengast: Ilan Ronen. Moderation: Ofer Waldman

12:58 20.10.2017

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