Tanz auf dem Vulkan

Zum Stück In „Kasimir und Karoline“ trifft Konsum und Vergnügungssucht auf Perspektivlosigkeit und Abstiegsängste. Es ist eine glitzernde und gleichzeitig entzauberte Welt, die Ödön von Horváth in seinem 1932 entstandenen Volksstück entwirft
Tanz auf dem Vulkan

Foto: Theater Konstanz

Oans, zwoa, gsuffa! Willkommen auf der Wiesn! Hier treffen Groß und Klein zusammen, um den Alltag zu vergessen und sich zu amüsieren. Nur einer hat keine Freude - Kasimir. Gestern hat er seine Stelle verloren und heute soll er lustig sein? Dass seine Verlobte Karoline ihn verlässt ist nur verständlich, denn Sie will hoch hinaus. Sie will feiern - trotz Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und heraufdämmernder Nazidiktatur. Konsum und Vergnügungssucht trifft auf Perspektivlosigkeit und Abstiegsängste.

Neben der Bestialität der menschlichen Beziehungen verlieren selbst die ausgestellten Jahrmarktsabnormitäten ihre Unheimlichkeit. Es ist eine glitzernde und gleichzeitig entzauberte Welt, die Ödön von Horváth in seinem 1932 entstandenen Volksstück entwirft. Brutale Gemütlichkeit trifft auf sentimentale Wiesnlieder, Gläser zerbrechen, Nasen und bald alle gesellschaftlichen Träume.

Die Achterbahnfahrt wird hier zur perfekten Metapher einer politisch-wirtschaftlichen Zeitenwende, in der die Menschen im freien Fall einer ungewissen Zukunft entgegentaumeln. Längst zählt Kasimir und Karoline zu den berühmtesten deutschsprachigen Klassikern - eine gesellschaftliche Zustandsbeschreibung, die auch heute nicht an Aktualität verloren hat.

15:55 04.10.2019

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