Weites Feld

Zum Festival 56 Veranstaltungen, 17 Uraufführungen, über 77 Stunden neue Musik, Jazz, Pop, Weltmusik, sowie alles dazwischen und darüber hinaus sorgen für exzellente Klangerfahrungen
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Foto: electronic ID

ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln findet 2018 bereits zum achten Mal statt. Vom 28. April bis 11. Mai bringt das Festival unter dem Titel »Metamorphosen – Variationen« frische musikalische Impulse und hochkarätige Künstler in die Stadt. 56 Veranstaltungen, 17 Uraufführungen, über 77 Stunden neue Musik, Jazz, Pop, Weltmusik, alles dazwischen und darüber hinaus sorgen für exzellente Klangerfahrungen.

Im Fokus des Festivals steht insbesondere der Kölner Komponist Bernd Alois Zimmermann anlässlich seines 100. Geburtstages. Die charakteristischen Kompositionstechniken Zimmermanns wie etwa die Bearbeitung, die Variation, die Verwandlung oder Metamorphose – kurz die Veränderung der Form und das Prozesshafte bilden die thematische Klammer für die Auswahl der Komponisten und Werke 2018.

Auch 2018 werden die beliebten Festival-Formate ACHT BRÜCKEN Lunch »eine musikalische Kostprobe zur Mittagszeit« und ACHT BRÜCKEN Lounge »Jazz am Abend« realisiert. Unverzichtbar ist auch der ACHT BRÜCKEN Freihafen »ein ganzer Tag Musik bei freiem Eintritt«, bei dem die Persönlichkeit Bernd Alois Zimmermann mit Vorträgen, Filmen und Musik erlebbar wird.

In den frühen 1950er Jahren komponierte Zimmermann – der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre – viel für das Radio. Zum Festivalauftakt spielt das WDR Funkhausorchester eine Auswahl dieser Werke und Bearbeitungen und bringt u. a. die Offenbachsche Operette »Die Zaubergeige« in der Orchestrierung Zimmermanns zur Uraufführung (28.4. Kölner Philharmonie).

Das sicher bekannteste Werk Zimmermanns, »Die Soldaten«, wird gleich in zwei Variationen zu hören sein: die Opernfassung in einer Produktion der Oper Köln (Premiere 29.4. StaatenHaus 1) inszeniert von Carlus Padrissa (La Fura dels Baus) und die Vokalsinfonie in der Interpretation des WDR Sinfonieorchesters (5.5. Kölner Philharmonie).

Das Orchester und Studierende der Hochschule für Musik und Tanz Köln – die Hochschule, an der Zimmermann zuerst selbst studierte und später lehrte – präsentieren bei ACHT BRÜCKEN eine große Auswahl an Zimmermann Werken. Neben rein instrumentalen Aufführungen wie dem Blasmusikzyklus »Rheinische Kirmestänze« oder dem Orchesterwerk »Photoptosis« (1.5. Kölner Philharmonie, ACHT BRÜCKEN Freihafen) öffnen tänzerische Aktionen in »Sonate für Viola solo« (1.5. Kölner Philharmonie, ACHT BRÜCKEN Freihafen) und »Tratto« (5.5. Lagerstätte für mobile Hochwasserschutzelemente) eine zusätzliche Dimension zur Musik.

Zimmermanns Tendenz zum Mehrdimensionalen und Multimedialen ist gebündelt zu erleben im Konzert »Metamorphose« mit dem Ensemble Musikfabrik: Musik des Komponisten für Film und Puppenspiel wird dort erweitert durch simultane Filmvorführung und Tanz (1.5. Funkhaus Wallrafplatz, ACHT BRÜCKEN Freihafen).

Streichquartette von Bernd Alois Zimmermann, Györgi Ligeti und Helmut Lachenmann interpretiert das renommierte Pariser Quartett Quatour Diotima (5.5. Funkhaus Wallrafplatz).

Wie Bernd Alois Zimmermann war auch Johannes Schöllhorn Professor an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Das Frankfurter Ensemble Modern bringt nun Werke beider Komponisten zur Aufführung. Darunter auch Zimmermanns »Konfigurationen«, einmal im Original, einmal in der Bearbeitung durch Schöllhorn (6.5. Funkhaus Wallrafplatz).

»Musique pour les soupers du Roi Ubu« nannte Zimmermann das Werk, in dem er die Technik des Collagierens und Zitierens auf die Spitze trieb. Das Gürzenich-Orchester Köln umrahmt seine geniale Parodie mit Musik des ebenfalls darin zitierten Richard Wagner sowie einer Uraufführung des Zimmermann-Schülers York Höller (6.5, 7.5 und 8.5. Kölner Philharmonie).

Todessehnsucht und Hoffnung auf Erlösung vom Leid – diese Themen verbinden alle drei Kompositionen, die das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und der Chor des Bach-Vereins Köln zur Aufführung bringen. Nach Johann Sebastian Bach und Gustav Mahler erklingt Zimmermanns letztes Werk »Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne« (10.5. Kölner Philharmonie).

Metamorphosen – Variationen

Inspiriert von Bernd Alois Zimmermanns »Requiem für einen jungen Dichter« verfasst Antonio De Luca für ACHT BRÜCKEN »KINKS OF VIOLENCE«, ein »Lingual für Live- Elektronik, Tonband, Pfeifenorgel, Sänger und kleines Ensemble« (30.4. Kunst-Station Sankt Peter).

Variationen und Bearbeitungen der Musik von Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart durch Helmut Lachenmann, Stefano Gervasoni, Salvatore Sciarrino und Jörg Widmann bilden den Programmschwerpunkt im Konzert mit dem Freiburger ensemble recherche (2.5. Kunst-Station Sankt Peter).

Am 2. Mai stellt Florentin Ginot den Kontrabass auf das Podium der Kölner Philharmonie und entlockt seinem Instrument u. a. Werke von Helmut Lachenmann, Georges Aperghis und György Kurtág in ihren Neufassungen für Kontrabass solo.

Dem Schlagzeug ist der Abend des 3. Mai in der Kölner Philharmonie gewidmet. Dirk Rothbrust und Christian Dierstein realisieren jeweils Karlheinz Stockhausens »Zyklus Nr.9« – eines der ersten Schlagzeug-Solostücke der neuen Musik – und das neue Werk »Solos for percussion« von Rebecca Saunders.

Die Uraufführungen der Finalwerke des ACHT BRÜCKEN Kompositionswettbewerbs realisiert das Ensemble MAM.manufaktur für aktuelle Musik am 4.5. in der Kunst-Station Sankt Peter.

Steve Reichs Kompositionen leisten einen besonderen Beitrag zum Festival-Motto »Variationen«: Sie basieren auf der Wiederholung rhythmisch-melodischer Muster und deren Veränderung. Zu hören sind sie in einer Interpretation durch das Ensemble Modern am 6.5. in der Kölner Philharmonie.

Mit Calefax und den Neuen Vocalsolisten gehen fünf Singstimmen und fünf Blasinstrumente unter dem Titel »Morphing Relations« in wechselseitige Interferenz und Überblendung, Über- und Untermalung (9.5. Kunst-Station Sankt Peter).

Relation und Formveränderung sind auch beim Duo Mixtura und Udo Moll der thematische Schwerpunkt, wenn Akkordeon und Schalmei auf Live-Elektronik treffen (10.5. Museum Schnütgen).
Den krönenden Festivalabschluss bildet das Zusammentreffen zweier Kölner Spitzenklangkörper. Unter dem Titel »Orgia« wird die Metamorphose des Klangs erforscht, wenn das Barockorchester Concerto Köln und das Ensemble Musikfabrik die für das Festival komponierten Werke von Héctor Parra und Martin Matalon uraufführen (11. Mai Kölner Philharmonie).

Zu diesem Konzert findet ein Wettbewerb für Musikkritiken statt. Informationen und Teilnahmebedingungen dazu finden Sie unter achtbruecken.de/kritikergesucht.

ON@ACHT BRÜCKEN

ON@ACHT BRÜCKEN – das Netzwerk neue Musik mit der freien Szene Kölns – bringt sich dieses Jahr mit vier Konzerten ein. Den Auftakt bildet electronic ID, ein Bandprojekt aus Kölner und Essener Musikstudenten, das inter- und multimedial arbeitet und dabei Gattungsgrenzen ironisch überspielt. Einen kreativen Dialog zwischen Tradition und Avantgarde führt das Kommas Ensemble mit Werken von Bernd Alois Zimmermann über Klaus Huber bis hin zu einem neuen Werk von Francisco C. Goldschmidt. Das Duo Crossover Bagdad Köln lässt die Saiten von Djoze, Viloine und Viola schwingen und verbindet europäische Harmonik mit den Skalen arabischer Folklore (alle 30.4. Funkhaus Wallrafplatz).

Zum Abschluss der Reihe seziert und reanimiert das Ensemble Garage Musik der Popcharts und haucht ihr mittels Elektronik und Video neues Leben ein (3.5. Studio 672).

Jazz – Pop – World

Die beliebte Jazz-Festivalreihe ACHT BRÜCKEN Lounge erfährt in diesem Jahr eine Erneuerung: die neue Spielstätte für Kölner Künstler ist der klub domhof. Performt wird dort während des Festivals fast täglich ab 22 Uhr, in Spitzenqualität und bei freiem Eintritt.

»Eine Big Band, wie es sie noch nie gegeben hat«, befand die Süddeutsche Zeitung nach einem Konzert der Monika Roscher Big Band. Am 4.5. zeigt die Big Band ihr Können im Stadtgarten und gibt im Anschluss die Bühne frei für zwei Gäste aus den USA: Bassist Owen Biddle und Drummer Zach Danziger mit ihrer audiovisuellen Edit Bunker-Show.

Zwei ausgesprochene Kronjuwelen der Kölner Jazz-Szene teilen sich am 8.5. die Volksbühne am Rudolfplatz: Frederik Kösters Quartett Die Verwandlung und Underkarl mit Sebastian Gramss, Rudi Mahall, Lömsch Lehmann, Frank Wingold und Dirk-Peter Kölsch.

Einen Brückenschlag von lateinamerikanischer Folklore zu deutschem Traditionsliedgut mit jeder Menge Latin Beats, Jazz-Sound und afro-amerikanischen Grooves bietet das Projekt Volksmusik international - re|visited des Schlagzeugers Roland Peil und seinem zehnköpfigen Ensemble (1.5. Kölner Philharmonie, ACHT BRÜCKEN Freihafen).

Etwas ruhiger aber nicht weniger spannend wird es, wenn Wolfgang Voigt am 9.5. sein Musikprojekt GAS in der Kölner Philharmonie aufführt. Das audiovisuelle Klangkunstwerk wirkt seit über 20 Jahren weit über die Elektronikszene hinaus und wird nun in einer überarbeiteten Version erstmals seit 10 Jahren in Köln zu hören und zu sehen sein.

ACHT BRÜCKEN Education

Gleich zwei Schulprojekte sind bei ACHT BRÜCKEN mit ihrer Abschlusspräsentation auf der Bühne zu erleben: das Schultanzprojekt »Imagination« (8.5. Hochschule für Musik und Tanz Köln) und Response 2018 mit dem Thema »Verwandlungen« (7.5 Comedia).
Das »ohrenauf!«-Schulkonzert des Gürzenich-Orchester Köln – speziell für die Klassen 7 bis 10 – widmet sich Bernd Alois Zimmermanns »Musique pour les soupers du Roi Ubu« (4.5. Kölner Philharmonie).

Für Schulklassen der Jahrgangsstufen 1 bis 4, die selbst aktiv werden möchten, besteht noch bis zum 23.2.2018 die Möglichkeit, sich für das Projekt »Musikdetektive« anzumelden (achtbruecken.de/education).
»Abrakalala - eine musikalistigeniale Zauberreise« ist ein Konzert der beliebten Kinder- Konzertreihe »PhilharmonieVeedel« für Familien mit Kindern im Alter von 3 - 6 Jahren. Im Rahmen von ACHT BRÜCKEN werden auch dort der diesjährige Porträtkomponist und das Thema »Metamorphosen – Variationen« musikalisch eingebunden (28.4., 29.4., 4.-7.5. versch. Bürgerzentren in Köln). Das gesamte Programm zu ACHT BRÜCKEN Education finden Sie unter achtbruecken.de/education.

ACHT BRÜCKEN Lunch

Wie jedes Jahr gibt es ein großes Angebot an kostenlosen Veranstaltungen, darunter der beliebte ACHT BRÜCKEN Lunch, der fast täglich zur Mittagszeit Auszüge aus Abendveranstaltungen, ganze Konzerte, Filme, Vorträge und in diesem Jahr sogar Raum für eine gemeinsame Meditation anbietet. Die Einzeltermine zu ACHT BRÜCKEN Lunch finden Sie unter achtbruecken.de/lunch.

ACHT BRÜCKEN Freihafen

Eine feste Institution des Festivals ist der ACHT BRÜCKEN Freihafen. Von 11:00 morgens bis zum späten Abend lässt sich am 1. Mai bei freiem Eintritt die Musik von heute im perfekten akustischen Umfeld erkunden. Ein Film und eine Lesung ergänzen das Programm, das Sie in der gesonderten Broschüre oder unter achtbruecken.de/freihafen einsehen können.

13:41 13.04.2018

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