Reflexion der Gegenwart

Zum Stück Das "Dokumentar-Theater" von Karen Breece entsteht aus Interviews mit (Zeit-)Zeugen, die transkribiert und neu kontextualisiert werden. So schafft sie Reflexionsräume, die den Grenzbereich zwischen Kunst und Leben unscharf erscheinen lassen
Reflexion der Gegenwart
Karen Breeze (Regisseurin)

Foto: Berliner Ensemble/ Saskia Pavek

Warum radikalisieren sich junge Menschen? In Deutschland, aber auch weltweit, schüren die neue und die alte Rechte erneut Hass gegen Minderheiten und Fremde, predigen Gewalt und reden einer toxischen, kriegerischen Männlichkeit das Wort. Wer sind diese jungen Menschen und was wollen sie? Wird ihre Radikalisierung durch bestimmte familiäre Konstellationen begünstigt? Welche Rolle spielen die Mütter dabei, und welche die Väter? Wie gehen Mütter mit der Radikalisierung ihrer Kinder um?

Die für ihre Arbeit typische intensive Recherche wird Karen Breece zu neuen und alten Rechten führen, zu Neonazi-Aussteigerinnen und -Aussteigern und ihren Familien sowie u.a. zu Menschen, die sich in Aussteigewilligen-Programmen engagieren; genauso aber auch zu Familien, die Opfer rechter Gewalt wurden.
Auf der Basis der Interviews und Gespräche mit diesen Expertinnen und Experten wird sie gemeinsam mit dem Ensemble einen Text entwickeln und auf die Bühne bringen. Ein sehr persönliches und zutiefst politisches Statement zu Deutschland im Herbst 2019.

Karen Breeze

Karen Breece schreibt und inszeniert Stücke, die sie auf der Basis intensiver Recherchearbeit und persönlicher Gespräche entwickelt. Neben diversen Projekten, die sich mit der Auseinandersetzung und Aufarbeitung der deutschen NS-Geschichte beschäftigen, liegt ein zweiter thematischer Fokus der US-Amerikanerin auf der politischen Gegenwart und Projekten, die sich auf Diskurse und Fragestellungen der Interkulturalität und Identität vor dem Hintergrund eines sich im Wandel befindlichen Deutschland und Europa konzentrieren.

In ihrer jüngsten Arbeit "Oradour" (UA 2018), eine Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen, beschäftigte sich die Regisseurin vor dem Hintergrund des SS-Massakers von Oradour mit den Schwierigkeiten des Erinnerns und der Unmöglichkeit des Vergessens. In ihrer vorhergehenden Produktion "Don't Forget To Die" (UA 2017), einem Theaterprojekt über das Sterben, setzten sich fünf Menschen im Alter von 74 bis 94 Jahren auf der Bühne mit ihrem eigenen Tod auseinander. Die Inszenierung war im Februar 2018 nochmals als Gastspiel an den Münchner Kammerspielen zu sehen und zudem zum Festival Internationale Neue Dramatik FIND 2018 der Schaubühne am Lehniner Platz nach Berlin eingeladen.

Nach „Auf Der Straße“ ist „Mütter & Söhne“ die zweite Arbeit von Karen Breece am Berliner Ensemble.

15:55 19.09.2019

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