Neue Ordnung

Programm Das Symposium 2018 beschäftigt sich mit der Arbeitswelt, die durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, Big Data, Robotik und digitaler Arbeitsorganisation vollkommen neu geordnet werden wird
Neue Ordnung
Foto: Alex Knight/Unsplash

Das Programm umfasst zwei volle Tage mit Vorträgen, Diskussionsrunden, Streitgesprächen, Filmen, Lesungen, einem Barcamp, einer VR-Ausstellung sowie einem Pubquiz für Menschen und Maschinen. Einige Programmpunkte liegen parallel, hier können vor Ort spontan gewählt werden, an welchem man teilnehmen möchte. Aufgrund der Raumkapazität ist die Teilnahme an manchen Veranstaltungen limitiert.

Ein Highlight am Freitag sind Keynote und Gespräch auf Bühne 1 (14:30 – 15:30 Uhr) zum Thema 

"Die digitale Transformation – Wie kann sie uns gelingen?"

Der Digitalmanager Christoph Keese spricht in einer Keynote über besagte Transformation in Europa und diskutiert anschließend mit Thomas Voigt von der Otto Group darüber, was Unternehmen verändern müssen, um mit der Konkurrenz aus dem Silicon Valley mithalten zu können – schließlich wird Deutschland oft als "digitales Entwicklungsland" bezeichnet, das die Zeichen der Zeit verschläft und sich auf alten Erfolgen des Wirtschaftswunders ausruht. Es scheint, als würde die Zukunft heute anderswo erfunden. Was können Google, Amazon und Tesla, was Volkswagen, Rewe und Bosch nicht können? Wie können wir den "Disruptionen" der Digitalisierung erfolgreich begegnen – als Volkswirtschaft, als Unternehmer und als Individuen? Welche Haltung und Kultur ist nötig, damit uns der Wandel gelingt? Und warum tun wir uns so schwer damit?

Ebenso empfehlenswert ist das anschließende Gespräch (ebenfalls Bühne 1, 16:00 – 16:45 Uhr) mit dem Titel

"Was von der Arbeit übrig bleibt oder: Digitalisierung ist unsere größte Kulturleistung" 

Die Juristin und Big-Data-Expertin Yvonne Hofstetter und der Robotik-Professor Jochen Steil sprechen über die Ambivalenz der Digitalisierung: einerseits wichtige Kulturleistung, andererseits ein Risiko für unsere Zivilisation. So warnt Elon Musk, einer der größten Technikenthusiasten des Silicon Valleys, dass künstliche Intelligenz "das größte Risiko für unsere Zivilisation" sei. Denn die Entwicklung, die wir gerade erst erkunden, ist ambivalent: Einerseits schlummern darin große Risiken für unsere Zivilisation – Überwachung, Ersetzung, Vertrauensverlust, Fremdsteuerung. Und auf der anderen Seite stellen Digitalisierung, Robotisierung und künstliche Intelligenz wahrscheinlich unsere bisher größte Kulturleistung dar. Wie nutzen wir diese also im Sinne der Menschheit? Und was müssen wir dafür in Europa tun: politisch, technisch und gesellschaftlich? Womöglich wird es eine ebenso große Kulturleistung sein, mit dieser Technik verantwortungsvoll und mündig umzugehen.

Am Samstag wiederum geht beispielsweise der Soziologe Harald Welzer in einem Impulsvortrag (12:00 – 13:15 Uhr, Bühne 1) der Frage nach, wie sich Leben und Gesellschaft verändern, wenn selbstlernende Maschinen unsere Arbeit übernehmen:

"Verschwinden die Arbeiter, wenn die Arbeit verschwindet?"

Der polnische Philosoph Stanislaw Lem prägte einst den Satz: "Jede Arbeit, die auch von einer Maschine erledigt werden könnte, ist des Menschen unwürdig." Selbstlernende Maschinen bringen nun die Verheißung mit sich, dass wir künftig gar nicht mehr arbeiten müssen. Wird die immer wieder enttäuschte Hoffnung auf ein Ende der entfremdeten Arbeit durch die Digitalisierung nun eingelöst? Oder wird die Fremdsteuerung durch Maschinen vielmehr eine neue Stufe erreichen? Kurz: Was ist die Dialektik der neuen Arbeitsverhältnisse? Und wie gehen wir mit der subjektiven, unsichtbaren Seite der Arbeit um, die für die meisten Menschen immer noch den Mittelpunkt ihres Lebens ausmacht? An die Keynote von Harald Welzer schließt das Panel zu diesen Fragen an.

Und in einer "Brandrede" plädiert der Publizist und Mitgründer von brand eins Wolf Lotter (13:45 – 15:15 Uhr, Bühne 1) für einen nüchternen Umgang mit der Digitalisierung:

"Wieder normal statt total digital! – Eine Brandrede"

Wolf Lotter fordert eine Erdung der Debatte: Weder sollten wir den digitalen Evangelisten noch den Alarmisten folgen! Digitalisierung als neuester Schritt in der Kette der Automatisierung ist wichtig und nicht zu unterschätzen, allerdings darf daraus auch nicht jener allumfassende "Digitalismus" werden, der blinde Glaube an den Fortschritt. Jeder Innovationsschritt braucht mehr Nüchternheit, eine Balance zwischen Möglichem und Erwartbarem. Eine humane digitale Transformation ist vor allen Dingen eine kulturelle und soziale Innovation. Wenn Routinearbeit durch die digitale Automation verlorengeht, was bleibt den Menschen? Wird Arbeit nur als Erwerbsarbeit definierbar sein? Und wie sehr muss sich unsere (ganz spezifisch deutsche) Fleißkultur ändern, damit wir das alles hinkriegen? Mit dem Soziologen Armin Nassehi spricht Lotter anschließend über unsere Fleißkultur und den gesellschaftlichen Umgang mit neuen Arbeitsformen.

Das komplette Programm nebst weiterführenden Informationen findet sich auf der Website des Bucerius Lab.

15:16 23.03.2018

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