Big Data

Zur Ausstellung Im Rahmen ihrer häuserübergreifenden Kooperation präsentieren C/O Berlin und das Museum für Fotografie ab Februar 2017 drei inhaltlich aufeinander abgestimmte Ausstellungen
Big Data
Hito Steyerl, Still from How Not to Be Seen: A Fucking Didactic Educational. Mov File, 2013, HD Video
Foto: Hito Steyerl, Courtesy the artist and Andrew Kreps Gallery, New York

“First of all, I know it’s all people like you. And that’s what’s so scary. Individually you don’t know what you’re doing collectively.” Dave Eggers, The Circle

Überwachung total? Videokameras in Banken, Kaufhäusern und an öffentlichen Plätzen, von Algorithmen gesteuerte Werbung und persistente Cookies im Internet, staatliche Vorratsdatenspeicherung und private Cloud-Speicherdienste – im Alltag sind permanente Beobachtung und Data Sharing heute selbstverständlich. Tagtäglich nutzen wir Dienste wie Google Maps, schauen uns Live-Streams an und begeistern uns über Health-Apps und ungeahnte Möglichkeiten der Selbstkontrolle. Wir verfolgen unsere Freunde und wildfremde Menschen auf Facebook, Twitter und Instagram und werden selbst kontinuierlich getrackt. Wir profitieren von den neuen digitalen Techniken und Angeboten und sind dafür bereit, unser Privatleben immer öffentlicher werden zu lassen. Überwachung und Big Data sind längst zu einem großen gesellschaftlichen Thema geworden.

Überwachung beschränkt sich heute nicht auf visuelle Kontrolle, dennoch muss das fotografische Moment thematisiert werden, um zu verstehen, wie Überwachung funktioniert. Unsere gesamte Existenz wird aktuell in nie dagewesenem Maße fotografiert und visualisiert. Das wirft neue Fragen nach freiwilliger und unfreiwilliger Sichtbarkeit auf, aber auch fotohistorische Fragen nach dem Beobachten und beobachtet werden. In der Ausstellung Watched! Surveillance, Art & Photography werden die komplexen Zusammenhänge moderner Überwachung daher mit einem besonderen Augenmerk auf die Fotografie und visuelle Medien beleuchtet. Von staatlich und behördlich genutzten Technologien bis hin zu alltäglichen Überwachungspraktiken, die vor allem in den sozialen Medien zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden sind. Die Frage ist: Wie können zeitgenössische Kunst und Medientheorie zu einem besseren Verständnis unserer modernen Überwachungsgesellschaft beitragen?

Die Arbeiten von rund 20 internationalen Künstlern in der Berliner Ausstellung zeigen unterschiedliche Kommentare und Reaktionen auf eben diese Frage. Dabei werden sowohl junge aufstrebende künstlerische Positionen wie zum Beispiel von Julian Röder, Viktoria Binschtok oder Esther Hovers mit international anerkannten Positionen von Hito Steyerl, Trevor Paglen, Jill Magid, Hasan Elahi, Paolo Cirio, Adam Broomberg & Oliver Chanarin, James Bridle oder Ai Wei Wei kombiniert, um ein möglichst großes Spektrum der Herangehensweisen aufzuzeigen. Die Künstler bedienen sich Techniken wie Videoüberwachung, Gesichtserkennung, Google Street View, digitaler Selbstvermessung und virtueller Animation. Sie hinterfragen das Bedürfnis nach Sicherheit, das als Argument für eine zunehmende Überwachung dient und dabei oftmals Aspekte wie diskriminierende Kontrolle oder Kriminalisierung außen vor lässt. Der Betrachter ist eingeladen, darüber nachzudenken, wie wir in einer Gesellschaft mit vielfältigen Überwachungsnetzwerken leben können, ohne zu jenen Ungleichheiten beizutragen, die Überwachung schafft.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt der Hasselblad Foundation, der Valand Academy, der Kunsthal Aarhus und C/O Berlin. Sie wurde kuratiert von Louise Wolthers und Dragana Vujanovic (Hasselblad Foundation), Niclas Östlind (Valand Academy) sowie Ann-Christin Bertrand (C/O Berlin). Sie ist Teil eines von der Hasselblad Foundation initiierten Projekts zu Überwachung, Kunst und Fotografie in Europa nach der Jahrhundertwende. Die begleitende Publikation, erschienen in der Verlagsbuchhandlung Walther König, enthält Kunstwerke von vierzig Künstlern, daneben Aufsätze von zahlreichen Wissenschaftlern und wurde erst im November vom Time Magazine in der Kategorie „Best Photobooks of 2016“ ausgezeichnet. Watched! Surveillance, Art & Photography, 2016, 296 Seiten, 38 Euro.

Die Realisierung der Ausstellung in Berlin wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds ermöglicht.

Im Rahmen ihrer häuserübergreifenden Kooperation präsentieren C/O Berlin und das Museum für Fotografie ab Februar 2017 drei inhaltlich aufeinander abgestimmte Ausstellungen zum Thema Überwachung und Fotografie mit aktuellen und historischen künstlerischen Positionen.

Bereits seit Juni 2016 widmet sich C/O Berlin zusammen mit der Deutsche Börse Photography Foundation in einer Veranstaltungsreihe mit Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen dem Thema Überwachung.

Nächste Termine:

Do 30.03.2017 - 20:30 Uhr: Sicher Unsicher mit Dominik Haubrich
Do 20.04.2017 - 20:30 Uhr: Seeing Machines mit James Bridle

Kuratorenführungen

Mi 22.02., 01.03., 08.03., 29.03., 19.04., jeweils 18:00 Uhr

Access for Data

Zugang gegen Daten – Wer bereit ist, sich während seines Ausstellungsbesuchs mit der mobilen Installation „Access for Data“ filmen zu lassen und das Video live ins Netz streamt, erhält einmalig kostenlosen Zugang. Die interaktive Installation wurde von der Berliner Künstlergruppe ÜB3R für die Ausstellung entwickelt und kann am Infotresen bei C/O Berlin angefragt werden.

10:46 24.02.2017

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Positionen Die Arbeiten von rund 20 jungen wie auch etablierten internationalen Künstlern zeigen unterschiedliche Kommentare und Reaktionen zum Thema Überwachung und Medien
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Filmprogramm In Zusammenarbeit mit dem Verzio International Documentary Human Rights Film Festival in Ungarn wird begleitend zur Ausstellung eine internationale Filmreihe gezeigt
Spiegelungen

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Netzschau Stimmen zur Ausstellung: "In einer gemeinsamen Ausstellung von c/o Berlin und dem Fotomuseum reflektieren Künstler wie Ai Weiwei über das Beobachten und das Beobachtetsein."