Wo es weh tut

Biographien Der britische Regisseur Steve McQueen, der auch als bildender Künstler tätig ist, wagt sich auch mit seinem dritten Spielfilm, wie in all seinen Arbeiten, an ein schwieriges Thema
Wo es weh tut
Foto: Tobis

Regie und Produktion

Steve McQueen

Mit 12 YEARS A SLAVE, seinem dritten Spielfilm, ist der britische Konzept- und Installationskünstler Steve McQueen, nun endgültig auch zum Ausnahmeregisseur aufgestiegen. Steve McQueen, 1969 in London geboren, besuchte die Chelsea School of Art, wechselte dann auf das Goldsmith‘s College und schloss sein Studium an der Tisch School of the Arts, New York ab. 1999 wurde er für seine Videoinstallationen am Institute of Contemporary Arts in London mit dem renommierten Turner Preis ausgezeichnet. 2002 erfolgte die Ernennung zum Officer of the Order of the British Empire und 2011 wurde ihm die Ehre des Commander of the Order of the British Empire zuteil. Außerdem gehört der Künstler zu den Young British Artists und vertrat 2009 Großbritannien bei der Biennale in Venedig. Sein Filmdebüt HUNGER (2008) gewann zahlreiche Preise, darunter die Caméra d’Or bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, den Douglas Hickox Award des British Independent Film Awards und den Discovery Award des Internationalen Filmfestival von Toronto. 2011 folgte SHAME. Erneut vertraute McQueen auf Fassbender als Hauptdarsteller, der einen von Sexsucht getriebenen Mann in New York spielt. Neben unzähligen Nominierungen und Auszeichnungen wurde der Film auf den Filmfestspielen von Venedig mit dem FIPRESCI Award ausgezeichnet.

Die Schauspieler

Chiwetel Ejiofor (Solomon Northup)

Geradezu hymnische Kritiken hat Chiwetel Ejiofor jüngst für seinen Bühnenpart in dem Drama „A Season in the Congo“ erhalten. Brillante Rezensionen sind dem Schauspieler, der 1976 als Sohn nigerianischer Eltern in London geboren wurde, nun auch als Solomon Northup in 12 YEARS A SLAVE gewiss. Dreimal wurde Chiwetel Ejiofor bereits für einen Golden Globe nominiert. Zu den acht Preisen, die er bislang gewann, zählt auch die Auszeichnung als Bester Schauspieler des American Black Film Festival für seine Rolle in Stephen Frears’ KLEINE SCHMUTZIGE TRICKS (2002).

Ejiofor studierte Schauspiel an der London Academy of Music and Dramatic Art. 1997 gab er in Steven Spielbergs Sklavendrama AMISTAD sein Leinwanddebüt. Es folgten kleinere Rollen in Richard Curtis‘ TATSÄCHLICH LIEBE, Woody Allens MELINDA UND MELINDA, Joss Whedons SERENITY sowie den beiden Spike-Lee-Filmen SHE HATE ME und INSIDE MAN. Der endgültige Durchbruch gelang Ejiofor 2006 an der Seite von Clive Owen und Julianne Moore in Alfonso Cuarons Verfilmung CHILDREN OF MEN.

Außerdem war Chiwetel Ejiofor in der hochgelobten HBO-Produktion „Tsunami“, an der Seite von Denzel Washington in AMERICAN GANGSTER, David Mamets Martial-Arts-Drama REDBELT und neben Angelina Jolie in dem Agententhriller SALT von Phillip Noyce zu sehen.

Michael Fassbender (Edwin Epps)

Seit 2011 ist Michael Fassbender der neue Star am Schauspielerhimmel. Neben seiner in Venedig mit dem „Coppa Volpi“ prämierten Leistung in SHAME – er wurde hierfür auch für einen Golden Globe nominiert und mit dem British Independent Film Award als Bester Schauspieler ausgezeichnet – glänzte er jüngst in Steven Soderberghs Actioner HAYWIRE, David Cronenbergs Sigmund-Freud-Drama EINE DUNKLE BEGIERDE, Ridley Scotts „Alien“-Prequel PROMETHEUS sowie in Cary Fukunagas aufregender Neuverfilmung von Charlotte Brontës Romanklassiker JANE EYRE.

Aufmerksamkeit erregte Michael Fassbender erstmals 2008 mit seiner beeindruckenden Performance in Steve McQueens Regiedebüt HUNGER. Er ge-wann dafür als Bester Schauspieler nicht nur den British Independent Film Award (BIFA), sondern auch den Irish Film and Television Award (IFTA). Das Chicago International Film Festival zeichnete Fassbender 2009 als Besten Nebendarsteller für seine Leistung in Andrea Arnolds FISH TANK aus, zudem gewann er seinen zweiten London Film Critics Circle Award. Das Publikum begeisterte er im selben Jahr in Quentin Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS. Nach SHAME (2011) folgt nun mit 12 YEARS A SLAVE seine dritte Zusammenarbeit mit Steve McQueen.

Michael Fassbender wurde 1977 in Heidelberg geboren und wuchs in Irland auf. Das Schauspielhandwerk studierte er am renommierten Drama Centre in London. Seinen ersten Part übernahm er als Sgt. Burton „Pat“ Christenson 2001 in der von Tom Hanks und Steven Spielberg produzierten, preisgekrönten Miniserie „Band of Brothers“. Sein Kinodebüt gab er 2006 in Zack Snyders Blockbuster 300. Im Anschluss daran war er regelmäßig auf der großen Leinwand zu bewundern, so etwa in François Ozons ANGEL – EIN LEBEN WIE IM TRAUM oder James Watkins’ EDEN LAKE.

Sarah Paulson (Mary Epps)

Sarah Paulson ist in allen Genres Zuhause, vom Drama über Western und Science Fiction bis hin zur Komödie. Man kennt sie vor allem aus dem Fernsehen. Nachhaltig in Erinnerung bleiben ihre Auftritte in den Erfolgsserien „American Gothic“ und „Deadwood“. Im Kino bestach sie etwa als Mel Gibsons Sekretärin in WAS FRAUEN WOLLEN oder als Tochter des Polizeichefs Dolan in Frank Millers THE SPIRIT.

Die 1974 in Tampa, Florida geborenen Sarah Catharine Paulson wurde bereits zweimal für einen Golden Globe nominiert und zwar als Beste Nebendarstellerin im TV-Movie „Game Change“ und der Serie „Studio 60 on the Sunset Strip“. Paulson wuchs in Maine und New York City auf, wo sie die American Academy of Dramatic Arts besuchte. 1994 debütierte sie am Theater, kurze Zeit später schaffte sie den Sprung ins Fernsehen und bekam einen Part in einer Folge der populären TV-Serie „Law & Order“. Auftritte in erfolgreichen Serien wie „Grey’s Anatomy“, „Nip/Tuck“, „Desperate Housewives“, „Cupid“ und „American Horror Story“ folgten. Am Broadway spielte Sarah Paulson die weibliche Hauptrolle im Tennessee-Williams-Stück „Die Glasmenagerie“.

Zu ihren Kinorollen zählen die der lesbischen Tochter von Diane Keaton in der Komödie GANZ NORMAL VERLIEBT, die der Lektorin von Renée Zellweger in DOWN WITH LOVE – ZUM TEUFEL MIT DER LIEBE oder als Fotografin neben Gretchen Mol in THE BETTIE PAGE STORY (2005, Regie: Mary Harron). Außerdem war sie neben Sarah Jessica Parker, Jessica Biel und Ashton Kutcher in HAPPY NEW YEAR (2011), in THE TIME BEING neben Frank Langella und Wes Bentley und zuletzt neben Matthew McConaughey und Reese Witherspoon in MUD zu sehen.

Brad Pitt (Samuel Bass)

Neben George Clooney und Johnny Depp ist Brad Pitt wohl das Aushängeschild Hollywoods. Spielend wechselt er zwischen Blockbustern, Arthouse- und Independent-Produktionen, die er häufig auch mitfinanziert. Zuletzt hat er in Marc Forster WORLD WAR Z die Welt vor dem Untergang gerettet, davor war er in Andrew Dominiks KILLING THEM SOFTLY zu sehen und brillierte in Terrence Malicks THE TREE OF LIFE. Unter anderem ausgezeichnet mit dem Golden Globe für 12 MONKEYS und dem „Coppa Volpi“- Schauspielerpreis der Filmfestspiele Venedig für DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD sowie mehreren Oscar-Nominierungen, darunter für seine Rollen in MONEYBALL oder DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON, zieht er inzwischen auch hinter den Kulissen die Fäden. Seit 2003 ist der mehrfach als „Sexiest Man Alive“ geehrte Pitt mit seiner Produktionsfirma Plan B etwa für KICK-ASS 1 & 2, EIN MUTIGER WEG oder nun 12 YEARS A SLAVE auch als Produzent tätig.

Brad Pitt, 1963 in Oklahoma als Sohn einer Bap- tistenfamilie geboren, studierte an der University of Columbia Journalismus, schlug sich als Kellner durch und arbeitete sogar als Hähnchen verkleidet für die Restaurant-Kette „El Pollo Loco“. Ein Levis-Jeans-Spot brachte die Karriere in Gang, berühmt wurde er 1991 als Tramper, der Geena Davis in Ridley Scotts THELMA & LOUISE verführt. Seit- dem war er in Hits wie INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR, FIGHT CLUB, MR. & MRS. SMITH, Stephen Soderberghs OCEAN’S-Krimitrilogie, TROJA, BURN AFTER READING oder dem Kultfilm INGLOURIOUS BASTERDS zu sehen.

Benedict Cumberbatch (William Ford)

„Normalerweise werde ich als problembehafteter elegischer Intellektueller oder schlechter Liebhaber besetzt“, berichtet Benedict Cumberbatch mit typisch britischem Understatement in einem Interview über seine Rolle als neuzeitlicher Sherlock Holmes in der BBC-Hitserie „Sherlock“. Nun hat er sein Rollenspektrum, zu dem auch sein Khan in STAR TREK INTO DARKNESS und sein Julian Assange in INSIDE WIKILEAKS gehören, um einen weiteren nuancierten Part erweitert: den eines Plantagenbesitzers in 12 YEARS A SLAVE.

Cumberbatch wurde 1976 als Sohn des Schauspielerpaares Wanda Ventham und Timothy Carlton in London geboren. Er studierte an der University of Manchester und besuchte anschließend die renommierte London Academy of Music and Dramatic Art. Es folgten erste Theater, Fernseh- und Kinoengagements, etwa in der TV-Serie „Dr. Slippery“, Joe Wrights vielfach ausgezeichneter Ian-McEwan-Verfilmung ABBITTE oder dem Historiendrama DIE SCHWESTERN DER KÖNIGIN.

Der internationale Erfolg aber kam mit „Sherlock“. Die mehrteilige TV-Neuverfilmung des klassischen Stoffes von Arthur Conan Doyle lockte weltweit Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme. Die kluge Neuinterpretation und das differenzierte Spiel von Cumberbatch begeisterte Kritiker wie Zuschauer – und auch Steven Spielberg, der ihm daraufhin 2011 eine Rolle in seinem Pferdeabenteuer GEFÄHRTEN übertrug. Im selben Jahr glänzte Cumberbatch als MI6-Agent in der Leinwandversion des John-le-Carré-Thrillers DAME KÖNIG AS SPION, während Peter Jackson ihn für seine drei HOBBIT-Abenteuer verpflichtete. Im Frühjahr 2014 wird Cumberbatch neben Julia Roberts und Meryl Streep auf deutschen Leinwänden in dem Familiendrama IM AUGUST IN OSAGE COUNTY zu sehen sein.

Paul Dano (John Tibeats)

Paul Dano gehört zu den derzeit aufregendsten US-Schauspielern seiner Generation. Schräge Nerds, schüchterne Eigenbrötler, labile Choleriker und verschrobene Außenseiter spielt er so überzeugend wie kaum ein anderer. Im Independent-Hit LITTLE MISS SUNSHINE (2006) gefiel er als verstockter Sohn von Greg Kinnear, der das Sprechen verweigert, im Science-Fiction-Western COWBOYS & ALIENS jagt er außerirdische Invasoren und in 12 YEARS A SLAVE glänzt er nun als sadistischer Plantagenaufseher. Für sein authentisches Porträt eines emotional wie sexuell verunsicherten Teenagers in L.I.E wurde Dano unter anderem mit Darstellerpreisen in Stockholm, Los Angeles und mit dem Independent Spirit Award ausgezeichnet. Für LITTLE MISS SUNSHINE erhielt er den BFCA Award sowie den Ensemblepreis der Screen Actor‘s Guild. Seinen Durchbruch schaffte Dano, der nie eine Theater- oder Schauspielschule besuchte, 2007 mit der Darstellung des Laienpredigers Sunday in Paul Thomas Andersons Epos THERE WILL BE BLOOD – eine BAFTA-Award-Nominierung war die logische Konsequenz.

Paul Franklin Dano wurde 1984 in New York City geboren und wuchs in Manhattan und Wilton, Connecticut, auf. Hier schloss er 2002 die High School ab und studierte anschließend englischsprachige Literatur an der New School in Manhattan. 2000 gab Dano im Familiendrama NEWCOMERS sein Leinwanddebüt. Es folgten unter anderem Rollen in CLUB DER CÄSAREN, TAKING LIVES, THE GIRL NEXT DOOR, LOOPER, TAKING WOOD- STOCK, KNIGHT AND DAY und PRISONERS.

Paul Giamatti (Theophilus Freeman)

Wenn Männer jenseits der Norm gefragt sind, ist er die ideale Besetzung: Paul Giamatti. Muffelig kann er sein, weinerlich, witzig, boshaft und heimtückisch. Selbstironisch bezeichnet er sich als idealen Nebendarsteller – hier ist sicher auch etwas Koketterie im Spiel, vermag er doch durchaus auch einen Film als Hauptdarsteller zu tragen, was seine Rollen in AMERICAN SPLENDOR, SIDEWAYS oder DAS MÄDCHEN AUS DEM WASSER nachhaltig belegen. Für einen Oscar als Bester Nebendarsteller war er für seine Rolle als Russell Crowes Boxtrainers in DAS COMEBACK nominiert, Golden Globes gewann er als 65-jähriger Griesgram in BARNEY’S VERSION und als US-Präsident in Tom Hoopers Mini-Serie „John Adams“. Zu den zahlreichen weiteren Preisen, die Giamatti gewann, gehört auch der Independent Spirit Award für seine Leistung in Alexander Paynes SIDEWAYS – eine Auszeichnung, die die Kritikervereinigungen von Boston, Chicago, Dallas, Florida und Toronto bestätigten.

Paul Giamatti wurde 1967 in New Haven, Connecticut, geboren. Er besuchte ein Eliteinternat, studierte Anglistik und später Schauspiel in der Yale School of Drama. Er stand auf zahlreichen Bühnen, bevor er sich am Broadway einen Namen machte. Der Durchbruch aber gelang ihm 2002 als Comic-Autor Harvey Pekar in AMERICAN SPLENDOR. Seitdem ist Giamatti im Filmgeschäft eine feste Größe und war unter anderem in EIN RUSSISCHER SOMMER, DUPLICITY, SHOOT ’EM UP, THE ILLUSIONIST, DER MONDMANN oder VERHANDLUNGSSACHE zu sehen.

11:06 16.01.2014

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