Traurig und wahr

Synopsis Basierend auf der Autobiographie Solomon Northups erzählt "12 Years A Slave" zugleich ein dramatisches Einzelschicksal wie auch von der Ungerechtigkeit der Sklaverei als solcher
Traurig und wahr
Foto: Tobis

Saratoga, New York, im Jahr 1841. Der Afro-Amerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), von Beruf Tischler, ist ein freier Mann und führt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ein zufriedenes Leben. Als ihm eines Tages von zwei Männern eines Wanderzirkus ̓ ein kurzfristiger, gut bezahlter Musikerjob angeboten wird – Solomon ist ein guter Geigenspieler – willigt er kurzerhand ein. Ohne seine Familie zu verständigen, begibt er sich mit den Fremden direkt auf den Weg nach Washington, DC. Nach dem Engagement, Solomon hält sein Geld schon in den Händen, wird er von den beiden Männern noch zum Essen in ein Restaurant eingeladen. Eine überaus freundliche Geste denkt der gutgläubige Northup, umso größer ist sein Entsetzen, als er sich am nächsten Morgen in Ketten gelegt auf einem Sklavenschiff  nach Louisiana wiederfindet.

Er ist unter Drogen gesetzt und entführt worden. Alle Proteste und Hinweise auf seine verbrieften Freiheitsrechte verhallen ungehört. Unter Schlägen wird ihm angedroht, sein Leben in Freiheit nie wieder zu erwähnen. Ein Mitgefangener rät ihm, wenn er überleben will, so wenig wie möglich von sich preiszugeben. Er solle auch verschweigen, dass er Lesen und Schreiben kann. Solomon ist empört: „Ich will nicht überleben, ich will leben!“

Kurze Zeit später findet er sich in New Orleans im Haus des Sklavenhändlers Theophilus Freeman (Paul Giamatti) wieder. Hier geht es wie auf einem orientalischen Basar zu. In den verschiedenen Zimmern werden Sklaven zum Verkauf angeboten. Die „Ware“ wird von den interessierten Plantagebesitzern gemustert und auf ihren Gesundheitszustand überprüft. Es wird gefeilscht und gescherzt. Solomon Northup wird an den Plantagenbesitzer William Ford (Benedict Cumberbatch) verkauft.

Ford zeigt sich beeindruckt und profitiert von Solomons handwerklichem Geschick. Er behandelt ihn anständig. Eines Tages schenkt er ihm sogar eine Geige. Durch diese bevorzugte Behandlung wird Vorarbeiter John Tibeats (Paul Dano) auf Solomon aufmerksam. In regelmäßigen Abständen tyrannisiert und erniedrigt er Solomon bis dieser sich wehrt. Zur Strafe hängt ihn der vor Wut rasende Tibeats mit einem Strick an einen Baum auf. Die anderen Sklaven müssen zusehen, wie Solomon über Stunden versucht, auf Zehenspitzen tippelnd, einem qualvollen Erstickungstod zu entgehen. Endlich wird er von Fords Aufseher losgemacht und Tibeats zum Teufel gejagt. Da Ford Solomon nun nicht mehr vor Tibeats Rache schützen kann, muss er ihn verkaufen.

Und so landet Solomon beim Plantagenbesitzer Edwin Epps (Michael Fassbender), einem Despoten, der seine Sklaven ausbeutet, quält und züchtigt, wann immer es ihm beliebt. Bald freundet sich Solomon mit Patsey (Lupita Nyong’o) an. Patsey ist nicht nur Epps tüchtigste Baumwollpflückerin, sie ist auch das Objekt seiner Begierde. Sie erduldet die sexuellen Übergriffe Epps schweigend und muss auch noch die Wutausbrüche seiner eifersüchtigen Gattin Mary Epps (Sarah Paulson) hinnehmen. Irgendwann steht Solomon zwischen diesen Fronten. Er schweigt, duldet, leidet: Unter der harten körperlichen Arbeit auf dem Feld, der schwülen Hitze, den Insekten, dem schlechten Essen, der erbärmlichen Unterkunft – vor allem aber unter der Willkür seines Masters.

Aber Solomon kann und will sich nicht in sein Sklavendasein fügen. Er träumt davon, seine Freiheit wiederzuerlangen und seine Familie wiederzusehen. Verzweifelt sucht er immer wieder nach einem Weg aus der Sklaverei. Der erste Versuch einen rettenden Brief nach New York zu schicken, ist kläglich gescheitert. Der Mann, den er gebeten hatte, das Schreiben für ihn auf den Weg zu bringen, hat ihn bei Epps verraten. Solomon entkommt nur knapp einer Bestrafung, steht nun aber mehr als schon zuvor unter der Beobachtung Epps.

Eines Tages kommt der kanadische Zimmermann Samuel Bass (Brad Pitt) auf die Plantage. Er hat den Auftrag bekommen, einen Gartenpavillon zu bauen. Solomon soll ihm dabei zur Hand gehen. Die Männer lernen sich während der Arbeit besser kennen und Solomon erfährt, dass Bass ein überzeugter Gegner der Sklaverei ist. Vielleicht ist er derjenige, der ihn aus seiner misslichen Lage befreien kann? Aber kann er ihm auch wirklich vertrauen? Er setzt alles auf eine Karte und entschließt sich dazu, dem Zimmermann seine tragische Geschichte zu erzählen. Bass verspricht zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt ist Solomon Northup schon 12 Jahre ein Sklave.

11:06 16.01.2014

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