Früh übt sich

Biographien Bereits im Alter von 17 Jahren wurde Mia Hansen-Løve von Olivier Assayas im Filmdrama "Ende August, Anfang September" besetzt. Dies war der Beginn einer recht interessanten Karriere
Früh übt sich
Foto: Ludovic Bergery/CG Cinéma

Mia Hansen-Løve (Drehbuch & Regie)

Mia Hansen-Løve wurde am 5. Februar 1981 als Tochter einer Philosophielehrerin und eines Übersetzers in Paris geboren. Der untypische französische Nachname Hansen-Løve geht auf ihren Großvater väterlicherseits zurück, der Däne war. Bereits im Alter von 17 Jahren – sie besuchte zu dieser Zeit einen Theaterkurs an ihrem Gymnasium – wurde sie von Olivier Assayas im Filmdrama Ende August, Anfang September besetzt, das 1998 erschien. Darin spielte sie die junge Véra, die heimliche Geliebte des todkranken Gabriel, dargestellt von Mathieu Amalric. Assayas besetzte sie 2000 erneut, diesmal in einer kleinen Rolle in seinem Spielfilm Les destinées sentimentales nach Jacques Chardonnes gleichnamigem Roman. Hansen-Løve studierte ab 2001 am Conservatoire d’art dramatique in Paris und war nach Abbruch des Studiums 2003 zwei Jahre als Filmkritikerin bei den Cahiers du cinéma tätig.

Ihr Filmdebüt als Regisseurin wurde 2003 der Kurzfilm Après mûre réflexion, der 2004 erschien. Es folgte der Langfilm Tout est pardonné, der auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes seine Premiere hatte und zahlreiche Preise und Nominierungen erhielt, darunter eine Nominierung für die Caméra d’Or und den César als Bestes Erstlingswerk; Hansen-Løve gewann zudem den Louis-Delluc-Preis für das beste Filmdebüt. Tout est pardonné sollte ursprünglich von Humbert Balsan produziert werden, der sich jedoch 2005 das Leben nahm. Diese Erfahrung verarbeitete Hansen-Løve in ihrem nächsten Langfilm Der Vater meiner Kinder aus dem Jahr 2009, der sich um die letzten Tage im Leben des Filmproduzenten Grégoire Canvel dreht. Auch Eine Jugendliebe, ihr nächster Film, war autobiografisch geprägt, während ihr Musikfilm Eden, der die House-Szene in Paris ab Anfang der 1990er-Jahre thematisiert, auf Erfahrungen ihres Bruders Sven Hansen-Løve beruhte; er verfasste gemeinsam mit ihr das Drehbuch. „Das Erlebte ist […] der Ausgangspunkt, um in der Freiheit der Fiktion anzukommen“, konstatierte Hansen-Løve hinsichtlicher biografischer Tendenzen in ihren Filmen.

Im Jahr 2016 erhielt Hansen-Løve für ihren Spielfilm Alles was kommt (L’avenir) mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle eine Einladung in den Wettbewerb der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin und wurde schließlich mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet.

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Isabelle Huppert (Nathalie)

Isabelle Huppert wurde am 16. März 1953 in Paris geboren. Bereits im Alter von vierzehn Jahren nahm sie am Conservatoire de Versailles Schauspielunterricht, dem Kurse bei Jean-Laurent Cochet folgten. Es war der Beginn einer Theaterkarriere.

Im Jahr 1971 gab sie ihr Filmdebüt in Faustine et le bel été. Zu den frühen Höhepunkten ihrer Filmkarriere zählen Die Ausgebufften, Der Richter und der Mörder und Die Spitzenklöpplerin. Spätere Filme festigten ihren Ruf als Darstellerin tiefgründiger Charaktere, deren zerbrechliche Erscheinung mit ihrer Willensstärke kontrastiert, so z. B. Die Kameliendame. Sie drehte häufig mit Regisseur Claude Chabrol, mit dem sie ein tiefgehendes künstlerisches Verständnis verband. Mehrfach arbeitete sie auch mit dem österreichischen Regisseur Michael Haneke. In dessen Film Die Klavierspielerin spielte sie die Rolle der Erika Kohut, für die sie bei den Filmfestspielen in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde.

1980 versuchte sie den Sprung nach Hollywood; Michael Ciminos Spätwestern Heaven’s Gate geriet jedoch zu einem der größten Flops der Filmgeschichte; amerikanische Filme blieben die Ausnahme. So drehte sie 1987 Das Schlafzimmerfenster, im Jahr 1994 Amateur von Regisseur Hal Hartley und im Jahr 2004 I Heart Huckabees.

Im Mai 2009 übernahm Huppert bei den 62. Internationalen Filmfestspielen von Cannes das Amt der Jurypräsidentin. Mit dem Hauptpreis der Goldenen Palme wurde der Beitrag Das weiße Band von Michael Haneke ausgezeichnet. Bereits 1984 war sie unter der Leitung des britischen Schauspielers Dirk Bogarde neben Michel Deville und Stanley Donen Mitglied der Wettbewerbsjury in Cannes gewesen.

André Marcon (Heinz)

André Marcon wurde am 6. Juli 1948 geboren. Sein Debüt als Schauspieler gab er 1980 in dem Spielfilm Le Voyage en douce von Michel Deville.

Édith Scob (Yvette)

Édith Scob wurde am 21. Oktober 1937 in Paris geboren. Sie wurde 1959 durch den Regisseur Georges Franju bekannt, der ihre eine Rolle in dem Film Mit dem Kopf gegen die Wände (La Tête contre les murs) gab und im selben Jahr im Film Augen ohne Gesicht (Les Yeux sans visage) die Hauptrolle der Christine Gessenier mit ihr besetzte. Später arbeitete sie auch mit Filmregisseuren wie Julien Duvivier und Luis Buñuel (Die Milchstraße) zusammen.

Große Rollen spielte sie später auch beim Fernsehen und auf der Bühne. Sie war aktiv im Atelier Théâtre Et Musique, das ihr Ehemann Georges Aperghis 1976 gegründet hatte und spielte in Filmen wie Jedem seine Hölle (1977), Ein mörderischer Sommer (1983) und La Cavale des fous (1993).

In den 1990er Jahren spielte sie Charakterrollen wie die Oriane de Guermantes in Raúl Ruiz’ Die wiedergefundene Zeit (Le Temps retrouvé) oder Laurence in dessen Comédie de l’innocence (2000). Mit Jacques Rivette drehte sie den Film Jeanne la Pucelle. Zwischen 2002 und 2006 spielte sie die Mutter Oberin in der Fernsehserie SoeurThérèse.com.

19:48 17.08.2016

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