„Angst vor dem Leben“

Im Gespräch Warum Amsterdam ein perfekter Drehort ist, weshalb Josef Hader Josef Hader bleibt und wie die Arbeit am Set verlief. Ein Gespräch mit dem Produzenten von "Arthur & Claire" Gerald Podgorning
„Angst vor dem Leben“

Foto: Universum Film Presse

Nach einer langen Reihe erfolgreicher Fernsehfilme produzierten Sie mit ARTHUR & CLAIRE wieder für das Kino. Was motivierte Sie zu diesem Projekt?

Unser Unternehmen feiert 2017 das zehnjährige Jubiläum. Zu diesem Anlass haben wir uns mit der ersten eigenen Kinoproduktion beschenkt. Es war immer unser erklärtes Ziel, neben dem Fernseh- auch den Kinomarkt für uns zu erschließen. Die Motivation besteht für uns in der Entwicklung von Kinoprojekten mit besonderen Themen für ein breites Publikum, die man so für den Fernsehmarkt alleine nicht entwickeln könnte. Wie kam das Drehbuch von Miguel Alexandre und Josef Hader zu Ihnen? Wir wurden auf das gleichnamige Theaterstück von Stefan Vögel aufmerksam und haben die Verfilmungsrechte erworben. Miguel Alexandre und Josef Hader haben wir persönlich angesprochen, und der Funke für diese Geschichte ist sofort übergesprungen.

Was hat Sie inhaltlich und künstlerisch an der Umsetzung der Geschichte fasziniert?

Selbstbestimmt aus dem Leben scheiden zu wollen, beschäftigt sehr viele Menschen
irgendwann einmal im Leben. Für uns lautet die Thematik von ARTHUR & CLAIRE: „Angst
vor dem Leben trifft Angst vor dem Tod“. Uns reizte die Aufgabe, aus einem Kammerspiel
zweier Personen heraus über 90 Minuten hinweg die Bindung der Zuschauer zu schaffen.
Bereits die ersten Vorführungen haben uns gezeigt, dass es uns gelungen ist.


Wie hat sich das internationale Produktionsteam gebildet?

Es gibt wenige Länder in Europa, in denen aktive Sterbehilfe erlaubt ist. Das als
Grundlage dienende Bühnenstück verhandelt die Geschichte in den Niederlanden. Daher
war es naheliegend, uns nicht zuletzt auch auf Grund der Motivsituation für Amsterdam zu
entscheiden. Mit der dort ansässigen Produktionsfirma Topkapi Films konnten wir einen
Partner finden, der sofort an das Projekt glaubte und uns perfekt unterstützte.
War von Anfang an klar, dass Josef Hader die Hauptrolle übernehmen wird?
Wir haben von Beginn an Josef Hader als Arthur gesehen. Als er in weiterer Folge auch
tatsächlich zusagte, wussten wir, dass wir das Projekt realisieren werden.


Was machte den Drehort Amsterdam für Sie und das Team besonders?

Amsterdam ist eine der pulsierendsten Städte Europas, filmisch sehr attraktiv, aber auch
eine Herausforderung. Absperrungen sind in der Touristenmetropole nur schwer zu
bekommen, und eine internationale Produktion bringt Sprachbarrieren mit sich. Auf der
anderen Seite war all das jedoch eine unglaublich tolle Erfahrung für das gesamte Team.


Was war ausschlaggebend für Hannah Hoekstras Casting als Claire?

Hannah Hoekstra ist ein Naturtalent, und das Casting mit Josef Hader hat mehr als
überzeugt. Sie ist trotz ihres jungen Alters eine mehrfach ausgezeichnete niederländische
Schauspielerin. 2017 hat sie die Niederlande als Shootingstar auf der Berlinale vertreten.


Sehen Sie „Arthur & Claire“ als „typischen“ Josef Hader-Film?

Josef Hader bleibt Josef Hader. Das wird auch dieser Film zeigen. Neu ist die Rolle, in die
er geschlüpft ist. Nach „Vor der Morgenröte“ und der „Wilden Maus“ zeigt er nun in
ARTHUR & CLAIRE eindrucksvoll, dass er auch das emotionale Fach beherrscht.

Kammerspiel, Drama, leise Komödie und Plädoyer für das Leben an und für sich: Was ist ARTHUR & CLAIRE für Sie am meisten?

Wenn man diese Aufzählung noch um den Bereich der „schwarzhumorigen Komödie“
erweitert, können wir alles bestätigen.

11:36 08.03.2018

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