Ein enorm eindrucksvolles Familienportrait

Kommentar Trotz eher deprimierenden Faktenlage, die Geschichten wie der von "Ben Is Back" meist zugrunde liegt, schafft Regisseur Peter Hedges es immer wieder, dem Publikum den Überlebenskampf der Familien auf bewegende und erheiternde Weise nahezubringen
Ein enorm eindrucksvolles Familienportrait
Lucas Hedges (Ben), Julia Roberts (Holly)

TOBIS Film GmbH

Nur nicht aufgeben

Lucas Hedges versteht "Ben Is Back" als Porträt einer Familie, in der jeder unter dem Druck leidet, womöglich moralisch zu versagen: „Drogensüchtige sind mit einem Stigma behaftet. Hoffentlich können wir mit diesem Film den Leuten näherbringen, wie schwer es ist, die Sucht zu überwinden, sodass sie diesen Menschen in Zukunft mit mehr Mitgefühl begegnen.“

"Ben Is Back" bietet einen nuancierten Blick darauf, wie hilflos gutmütige Menschen auf Situationen reagieren, über die sie keine Kontrolle haben.

„Ich bin ein Pfarrerssohn und kenne mich mit Predigten aus“, sagt Peter Hedges. „Doch als Filmemacher verstehe ich meine Aufgabe anders. Ich will den Leuten nicht sagen, wie sie leben sollen. Ich möchte, dass sie sich mit meinem Film auf eine spannende Reise begeben und sich emotional mitreißen lassen – und zwar nicht, weil sie manipuliert werden, sondern weil die Geschichte sich packend echt anfühlt. Für mich persönlich sind das immer die schönsten Kinobesuche, wenn ich anschließend auf die Straße trete und mich lebendiger und offener gegenüber anderen fühle als vorher. Genau diese Art von Geschichte wollten wir mit 'Ben Is Back' erzählen.“

Eine intensive Mutter-Sohn-Beziehung

Trotz der klirrenden Kälte entwickelte sich zwischen Lucas Hedges und seiner Filmmutter ein herzliches Verhältnis. „Ich war geradezu geschockt, dass jemand, der schon so viele Jahrzehnte ein Superstar ist, so fürsorglich und bescheiden sein kann. Sie ist sowohl vor als auch hinter der Kamera immer sehr auf mich eingegangen“, schwärmt Lucas. Für Roberts beschränkte sich das gute Verhältnis zu Lucas nicht auf die professionelle Ebene: „Lucas ist ein besonders talentierter Schauspieler und ein wunderbar offener Mensch. Wir hatten einige heikle Szenen zu absolvieren, in denen es uns entgegenkam, dass wir uns auch privat sehr gut verstehen.“

Die meisten Tagszenen von "Ben Is Back" wurden vor den Weihnachtsferien gedreht. Im Januar folgten dann die Nachtaufnahmen mit den Szenen, in denen auch der Handlungsverlauf zunehmend düstere Züge annimmt. Peter Hedges war froh, dass Lucas und Roberts auch in dieser Phase die Leichtigkeit nie aus ihrem Spiel verbannten: „Sie konnten ja nicht in jeder Szene in Tränen ausbrechen oder sich anschreien. Julia und Lucas haben es instinktiv verstanden, die Gefühlsausbrüche wohl dosiert einzusetzen.“

Und wie hat es Lucas gefallen, unter der Regie seines Vaters zu arbeiten? „Manchmal war er mir eine große Hilfe und manchmal ging er mir auf die Nerven“, gibt der mittlerweile 21-jährige Lucas zu. „Aber selbst wenn er mir auf die Nerven ging, war es eine willkommene Reaktion, die ich für die Frustrationsschübe, die meine Figur durchmacht, kreativ einsetzen konnte. Als mein Vater weiß er, welche Knöpfe er drücken muss, um mich gegen ihn aufzubringen. Aber das ist ja nur natürlich.“

Heftige Zyklone und Temperaturen unter Null

Julia Roberts, die 18 Jahre in New York gelebt hatte, konnte sich nicht daran erinnern, je einen so heftigen Wintereinbruch an der Ostküste erlebt zu haben: „Es herrschten minus 30 Grad im Januar. Es war manchmal so kalt, dass ich dachte, ich halte das keine Sekunde länger aus. Doch es ging dann doch irgendwie. Immerhin waren die Orte, an denen wir drehten, malerisch schön.“

Die Idee, "Ben Is Back" an Heiligabend spielen zu lassen, war dramaturgisch ein genialer Schachzug, um die herrschenden Spannungen zu verdichten, bescherte den Schauspielern und dem Team allerdings bitterkalte Arbeitsbedingungen. „Außendreh, Nacht, Winter. Diese drei Worte werde ich nie wieder hintereinander in einem Drehbuch verwenden“, schwört Hedges lachend. „Nachts wurde es so kalt, dass alle auch psyisch an ihre Grenzen kamen. Und es war ja nicht so, dass wir leichtes Komödienprogramm zu absolvieren hatten.“

23:44 02.01.2019

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