Zeit und Wandel

Einblicke Mit dem enormen Wachstum der brasilianischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren wird auch die Kluft zwischen Arm und Reich immer deutlicher. Zugleich verändern sich alte Hierarchien
Zeit und Wandel
Foto: Gullane Filmes/Aline Arruda

Prozesse der Veränderung

"Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich viel getan im fünftgrößten Land der Welt mit seinen knapp 200 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. 2002 war mit Luiz Inácio Lula da Silva ein Gewerkschafter und Mitbegründer der Arbeiterpartei PT zum Präsidenten gewählt worden. Seine Regierung übernahm ein makroökonomisch leidlich stabilisiertes Land mit verheerenden Sozialindikatoren. Hofften die einen auf eine grundlegende und radikale Veränderung der Machtverhältnisse, setzten die anderen auf ein Intermezzo, das sich aufgrund des abzusehenden sozialistischen Chaos von selbst erledigen würde. Wider Erwarten setzte sich aber ein politischer Prozess durch, der Brasilien gesellschaftlich, ökonomisch und hinsichtlich seiner internationalen Bedeutung stark veränderte, ohne aber, wie im Fall von Bolivien, Ecuador oder Venezuela, den machtpolitischen Status quo infrage zu stellen." Bundeszentrale für politische Bildung

Schieflage

"Es scheint das Land des neuen Wirtschaftswunders zu sein: Brasilien stürmt in die Spitzengruppe der weltweit stärksten Wirtschaftsmächte. Doch im Land selbst kommt der Reichtum kaum an. Brasiliens Gesellschaft spaltet sich immer dramatischer in Arm und Reich. Jetzt tritt Ernüchterung ein." Manager Magazin

Mythos Schmelztiegel

"Der Mythos vom 'Schmelztiegel Brasilien' ist im Ausland immer noch groß. Doch seit die Debatte über die Einführung von Zulassungsquoten in den staatlichen Universitäten für Afrobrasilianer, Indianer und Armen hat das ethnische Problem wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht." Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit

Zerrissen und korrupt?

"Brasilien wollte sich zur Fußballweltmeisterschaft modern, selbstbewusst und erfolgreich präsentieren. Doch stattdessen stagniert die Wirtschaft. Brasiliens Gesellschaft ist zerrissen, gewalttätig und korrupt." Handelsblatt.com

Viele Fronten

"Wie alle Klischees war auch das von der friedlichen 'Regenbogennation' Brasilien, die keinen Rassismus und nur wenig Sexismus kennt, schon immer falsch. Dennoch dürfte Präsidentin Dilma Rousseff, die erste Frau an der Staatsspitze Brasiliens, davon überrascht sein, wie sehr sie sich im Wahljahr 2014 dem Kampf gegen die Verachtung von Schwarzen und Frauen widmen muss – statt jenem gegen Inflation und Rezession." FAZ.net

Eigene Gesetze

"Rente mit 60 und Sonderregelungen an der Kasse: In Brasilien werden Ältere liebevoll umsorgt. Das Land kann es sich noch leisten." Zeit Online

20:46 18.08.2015

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