Horror der Zeit

Netzschau "Sehenswert ist vor allem Simon Morzé, der den Lehrling gibt, charmant, neugierig und mit einer großen Hingabe zu anderen Menschen. Einer, der gerade dann lernt, was es heißt, ein Mensch zu sein, wenn die Welt ihre Menschlichkeit verloren hat"
Horror der Zeit
Als die Nationalsozialisten in Wien einmarschieren, ändert sich die Stimmung

Foto: Tobis Presseservice

"Zwischen Simon Morzé und Bruno Ganz, die Franz und Freud spielen, spürt man eine wunderbare Chemie, die diese Coming-Out-of-Age-Geschichte aus dunklen Zeiten sehr schön trägt: „Können Sie mir nicht einen Rat geben, Herr Professor. – Weißt du, mit den Frauen ist es wie mit den Zigarren. Wenn man zu fest an ihnen zieht, verweigern sie den Genuss.“ Allmählich, je mehr die Nazis im Alltag der Wiener Raum einnehmen, tritt an die Stelle des Liebeskummers und der Lust bei Franz etwas Anderes. „Der Trafikant“ erzählt von seinem Aufwachen, dem Verlust seiner naiven Sicht auf die Welt." Deutschlandfunk

Wunderbares Zusammenspiel

"Am interessantesten an diesem Film sind die Traumsequenzen. Denn in ihrer offenkundigen Künstlichkeit und ihrem direkten Bezug zu Freuds Traumdeutung erlauben sie noch ein anderes Verständnis des Films: Auch in die zunächst süßen Träume des liebesverwirrten Franz schreibt sich der Horror der allmählich nazifizierten Wirklichkeit ein. Wie, wenn dieser ganze Film ein „anderer Schauplatz“ wäre – wie Freud das Unbewusste nannte – und wir auf der Leinwand eigentlichen einen Traum von Franz sehen würden?" Schwäbische Zeitung

Ein Kiosk und seine Kunden

"Doch selbst der »andere Schauplatz«, Freuds Bezeichnung für das Unbewusste, wird bald überschattet von dem sukzessiven Einbruch des braunen Terrors, gegen den Franz sich passiv zur Wehr setzt. So hisst er am Ende die einbeinige Hose des verschleppten und ermordeten Otto Trsnjek vor dem Nazi-Hauptquartier als Flagge. Ein kraftvolles Bild, das sich motivisch subtil durch den gesamten Film zieht und aus Freuds »Traumdeutung« stammen könnte." EPD-Filmkritik

Ein starker Film

"Und doch bricht das Leben hinein, bricht der Tod hinein: Der Beitrag vom Filmfest Hamburg 2018 erzielt auch deshalb eine so bittere Wirkung, weil es den Widerspruch zwischen den Träumen und der Realität gibt. Das ist gewöhnungsbedürftig. Mindestens. Aber eben auch sehenswert, unter anderem dank eines unbekümmert auftretenden Simon Morzé (Einer von uns), der den zwischen Kindheit und Erwachsenenalter gefangenen Lehrling gibt, charmant, neugierig, unsterblich verliebt und von einer geradezu fahrlässigen Hingabe zu anderen Menschen. Einer, der gerade dann lernt, was es heißt, ein Mensch zu sein, wenn die Welt ihre Menschlichkeit verloren hat." FIlm-Rezensionen

18:43 31.10.2018

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