Ethisch und nachhaltig

Kommentar Der Regisseurs Nino Jacusso über die Entstehung seiner Idee zu dem Dokumentarfilm "Fair Traders", die "Konkrete Utopie" von Ernst Bloch und die dringende Notwendigkeit unsere Gleichgültigkeit gegenüber unserer Umwelt abzustreifen
Ethisch und nachhaltig
Patrick Hohmann Gründer und Geschäftsführer der Remei AG seit 1983

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Von den vielen Themen, die mich wie uns alle beschäftigen, gibt es eines, dem wir nicht ausweichen können: unsere Zukunft. Immer wieder wurde ich im Laufe der Promotionsarbeit für meinen Film "Shana - The Wolf's Music" vor allem von Jugendlichen darauf angesprochen, ob Völker, die der Natur nahestehen, mehr Überlebensmöglichkeiten hätten als wir. Beim Nachhaken hörte ich Stichworte wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, Atommüll – um nur einige zu nennen. Die meisten sorgten sich, dass wir aus der Spirale der gegenwärtigen wirtschaftlichen Realität nicht ausbrechen könnten.

Aber wie sieht die Zukunft aus, wenn der letzte Rest Natur zerstört und die soziale Ungleichheit maximiert ist? Gibt es ein Leben in der Zukunft, das so etwas wie "ein gutes Leben" sein könnte? Und wenn ja, was wäre das? Ich begann zu recherchieren und begegnete Persönlichkeiten, die heute schon umgesetzt haben, was der deutsche Philosoph Ernst Bloch die "Konkrete Utopie" nannte: Eine Postwachstumsökonomie, die Ethik und Nachhaltigkeit ins Erfolgszentrum rückt.

Dabei entstand die Idee zu meinem Dokumentarfilm "Fair Traders". Er begleitet drei Persönlichkeiten aus drei Generationen in ihrem täglichen Tun, um aus einer hoffnungslos erscheinenden globalen Situation einen motivierenden Ausweg zu zeigen, der lokal, national und international möglich ist. Jenseits von ausbeuterischen Wirtschaftsformen zeige ich drei Persönlichkeiten der freien Marktwirtschaft, die Verantwortung für die Gesellschaft und für die nachfolgende Generation übernehmen. Sie handeln fair, sie wirtschaften nachhaltig, sie sind zufrieden mit der Grösse ihres Betriebes, sie stellen das Wohl aller Beteiligten in den Mittelpunkt ihres Handelns. Der Film zeigt, dass eine Postwachstumsökonomie heute bereits möglich und realistisch ist, wenn der Wille dafür vorhanden ist.

Für mich sind die Freude und Zuversicht, die der Film auslöst, die notwendige Kraft, um aus der lähmenden Lethargie aufzuwachen, in der wir gefangen sind. Durch die neue Sichtweise auf unsere Welt regt der Film zum Nachdenken an, fordert zur Stellungnahme auf und animiert zum Handeln. Ich wollte mit "Fair Traders" einen Film realisieren, der emotional berührt und uns bestärkt, für eigene Utopien einzustehen und die Welt zu verändern – egal, woher du kommst und was du bist.

Nino Jacusso

08:34 28.03.2019

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