Spezieller Blick

Biographien Der Autorenfilmer François Ozon hat sich schon mit vielen großen (europäischen) Themen beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg allerdings ist neu
Spezieller Blick
Foto: X Verleih

Hinter der Kamera

François Ozon (Buch und Regie)

Geboren 1967 in Paris, absolvierte François Ozon die dortige Filmhochschule FEMIS. Bereits in seinen frühen Kurzfilmen zeigte Ozon einen konsequenten, eigenen Stilwillen, etwa in „Une robe d’été“, „Le petit mort“ oder „Regarde la mer“. Für Furore sorgte er erstmals bei der Berlinale 2000, wo seine Adaption eines nie aufgeführten Fassbinder-Stücks lief: TROPFEN AUF HEISSE STEINE (Gouttes d’eau sur pierres brûlantes).

Mit jedem neuen Film überrascht Ozon seine Zuschauer – nie darf man sicher sein, was einen erwartet. Jeder seiner Filme trägt eine eigene Handschrift, meist sind es ungewöhnlich stilisierte Liebes- und Familiengeschichten. Einige Topoi allerdings kommen fast immer vor, so die perfekt inszenierten Landschaftsaufnahmen wie im meisterhaften UNTER DEM SAND (Sous le sable) mit Charlotte Rampling oder die, teils humorvolle, Auseinandersetzung über den Umgang mit dem Tod, wie in dem intimen Porträt DIE ZEIT DIE BLEIBT (Le temps qui rest). Er wagte sich ebenso an den Kostümfilm (ANGEL – EIN LEBEN WIE IM TRAUM) wie an den Gangsterfilm (LES AMANTS CRIMINELS) oder die schwarze Komödie (SITCOM). Vor allem aber begeistert Ozon mit seinen intelligenten, feinfühligen Porträts der starken Weiblichkeit: Erfolg feierte er mit 8 FRAUEN (8 femmes), dessen Darstellerinnenensemble (Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier, Firmine Richard) mit dem Europäischen Filmpreis und dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet wurde. Auch in dem Thriller SWIMMING POOL setzt er seine Aktricen Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier grandios in Szene. In 5X2-FÜNF MAL ZWEI erzählt Ozon fünf Episoden aus dem Beziehungsleben eines jungen Paares rückwärts. Weitere erfolgreiche Filme sind DAS SCHMUCKSTÜCK (2010), der unter anderem vier Mal für den César und für den Europäischen Filmpreis nominiert wurde, IN IHREM HAUS (2012), der sechs Mal für den César nominiert wurde und den Europäischen Filmpreis für das Beste Drehbuch erhielt sowie JUNG & SCHÖN (2013), der in Cannes für die Goldene Palme nominiert wurde. Der Autorenfilmer par excellence verfasst zu fast allen seinen Filmen auch die Drehbücher.

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Vor der Kamera

Paula Beer (Anna)

Paula Beer, 1995 geboren, wird nach ihrer Darstellung der jungen Oda in Chris Kraus' hochgelobtem Drama POLL von Filmkritikern und Zuschauern als „Schauspielentdeckung des Jahres“ gefeiert. Anfang 2011 erhält sie für ihre herausragende schauspielerische Leistung in POLL den Bayerischen Filmpreis als Beste Nachwuchsschauspielerin. Bevor die Berlinerin in ihrer Schule von der Casterin Britt Beyer für Chris Kraus ́ Drama entdeckt wird, sammelt sie erste Erfahrungen mit Schauspiel und Tanz im jungen Ensemble des Berliner Friedrichstadt Palastes. Es folgen weitere Rollen u.a. in dem Historienfilm LUDWIG DER II. von Peter Sehr und Marie Noëlle (2012) sowie in der Literaturverfilmung DER GESCHMACK VON APFELKERNEN von Vivian Naefe (2013). Seither arbeitet Paula Beer mit Branchennamen wie Volker Schlöndorff oder Andreas Prochaska zusammen, dessen Film DAS FINSTERE TAL mit ihr in einer der prägnantesten Rollen mit acht Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet wird. Im TV sieht man Paula Beer in der Bestsellerverfilmung „Pampa Blues“ (2015), im selben Jahr spielt Paula Beer auch in dem hochgelobten Kinodrama 4 KÖNIGE neben Jella Haase, Jannis Niewöhner und Moritz Leu mit. Aktuelle Projekte sind der Fernsehzweiteiler „Geraubte Wahrheit“ von Sherry Hormann und Florian Henckel von Donnersmarcks Kinoproduktion WERK OHNE AUTOR. Für ihre Rolle in FRANTZ erhält Paula Beer auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig den Marcello Mastroianni Preis als Beste Nachwuchsdarstellerin.

Pierre Niney (Adrien)

Der französische Schauspieler Pierre Niney wurde 1989 in Paris geboren und stand bereits mit elf Jahren zum ersten Mal auf der Theaterbühne. Niney studierte an der renommierten Schauspielschule Cours Florent und später am Conservatoire national supérieur d’art dramatique in Paris. 2007 spielte er in seinem ersten Spielfilm, der Teenie-Komödie SCHOOL’S OUT – SCHULE WAR GESTERN von Frédéric Berthe mit. Es folgten weitere Rollen in Autorenfilmen, aber auch in Publikumserfolgen wie LOL (2008) mit Sophie Marceau, DIE ANONYMEN ROMANTIKER (2011) mit Isabelle Carré und Robert Guédiguians DER SCHNEE AM KILIMANDSCHARO (2011). Seine erste Hauptrolle spielte Niney in J’AIME REGARDER LES FILLES (2011), einer romantischen Komödie, die ihm eine César- Nominierung als bester Nachwuchsdarsteller und einen Nachwuchs-Preis beim Festival von Cabourg einbrachte. Mit der Liebeskomödie IT BOY – LIEBE AUF FRANZÖSISCH (2013) erhielt er beim Festival von Cabourg eine Auszeichnung als bester Hauptdarsteller. Mit dem Film YVES SAINT LAURENT (2014) schaffte er den internationalen Durchbruch und wurde 2015 mit dem César als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Aktuelle Projekte sind ALTAMIRA von Hugh Hudson, FIVE von Igor Gotesman und L’ODYSSÉE von Jérôme Salle.

Neben seiner Kino- und Fernseharbeit macht sich Niney auch auf der Theaterbühne einen Namen: Mit 21 Jahren wurde er als jüngstes festes Ensemblemitglied aller Zeiten am renommierten französischen Staatstheater Comédie-Française engagiert.

Ernst Stötzner (Hoffmeister)

Ernst Stötzner wurde 1952 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte von 1974 bis 1976 an der Staatlichen Schauspielschule in Frankfurt am Main und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. 1979 wurde er am Ensemble der Berliner Schaubühne engagiert, es folgten weitere Engagements unter anderem am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, dem Berliner Ensemble, am Burgtheater Wien und am Deutschen Theater Berlin.

Seit Mitte der achtziger Jahre ist Stötzner auch auf der großen Leinwand präsent. So spielte er beispielsweise in Bernhard Wickis preisgekrönter Joseph-Roth-Verfilmung DAS SPINNENNETZ (1989), in Emir Kusturicas UNDERGROUND (1995), das unter anderem die Goldene Palme in Cannes erhielt, in KLIMT (2006) von Raúl Ruiz und in WAS BLEIBT (2012) von Hans-Christian Schmid, für den er 2013 für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde. Im Fernsehen ist er in Krimiserien wie „Tatort“, „Bella Block“ und „Schimanski“ zu sehen.

Marie Gruber (Magda)

Marie Gruber wurde 1955 in Wuppertal geboren und studierte Schauspiel an der Berliner Hochschule „Ernst Busch“. Sie spielte zahlreiche Theaterrollen, darunter am Theater Anklam, dem Staatsschauspiel Dresden und der Berliner Volksbühne. Neben ihrer Theaterarbeit ist Gruber seit den neunziger Jahren regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Besonders durch ihre Rollen in populären TV-Serien wie „Stubbe – Von Fall zu Fall“ (1995-1997), „Bei Krömers“ (2005-2006) oder „Polizeiruf 100“ (seit 2000) ist sie einem größeren Publikum bekannt geworden. Zu Grubers bekanntesten Kinoarbeiten gehören die beiden GR TRABI GO-Filme (1991 und 1992), die schwarze Komödie EIERDIEBE (2003) und das vielfach preisgekrönte Drama DAS LEBEN DER ANDEREN (2006). 2007 spielte Marie Gruber eine Hauptrolle in der Beziehungsgeschichte ALLEALLE an der Seite von Milan Peschel und Eberhard Kirchberg, 2013 war sie in SPUTNIK von Markus Dietrich und 2014 in DIE SCHÖNE UND DAS BIEST von Christophe Gans zu sehen.

Johann von Bülow (Kreutz)

Johann von Bülow wurde 1972 in München geboren. Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der renommierten Otto-Falkenberg-Schule in München und spielte danach am Staatstheater Mainz sowie am Schauspielhaus Leipzig. Mehrere Jahre stand er als festes Ensemblemitglied im Schauspielhaus Bochum auf der Bühne. In der Komödie NACH FÜNF IM URWALD gab Johann von Bülow 1995 sein Kinodebüt. Seitdem war der vielseitige Schauspieler in vielen hochkarätigen Fernsehfilmen wie „Vom Küssen und Fliegen" (2000), „Das Wunder von Lengede" (2003), „In aller Stille“ (2010), „Die Schuld der Erben“ (2011), der dreiteiligen Mini-Serie des ZDF „Das Adlon – Eine Familiensaga“ (2012), der Politsatire „Der Minister“ (2013), dem Politthriller „Die Spiegel-Affäre“ (2014) von Roland Suso Richter sowie in der ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ zu sehen. Außerdem spielte er in zahlreichen „Tatort“ Produktionen. 2008 zeigte er im ARD-Fernsehfilm „Willkommen im Westerwald", der 2009 mit dem CIVIS Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, als Dorfpolizist Ulli sein komödiantisches Talent. Im Kino war von Bülow unter anderem in Florian Hoffmeisters 3° KÄLTER aus dem Jahr 2006, in Hans Steinbichlers Drama WINTERREISE (2006), in Emily Atefs in Cannes uraufgeführtem Film DAS FREMDE IN MIR (2008), Til Schweigers KOKOWÄÄH (2011) oder in CARLOS – DER SCHAKAL (2010) von Olivier Assayas zu sehen. 2013 präsentierte er sich an der Seite von Hannah Herzsprung im Kinofilm DER GESCHMACK VON APFELKERNEN, außerdem war von Bülow in den preisgekrönten Filmen IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS (2014) und ELSER – ER HÄTTE DIE WELT VERÄNDERT (2015) zu sehen. 2016 spielte er im ARD-Drama „Aus der Haut“.

14:33 29.09.2016

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