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Hintergrund "Freiheit" feierte seine Premiere auf den Filmfestspielen in Locarno. Hier wurde er vor allem für seine mitreißenden Hauptdarsteller, Johanna Wokalek sowie Hans-Jochen Wagner, und die fantastischen Kinobilder von Tilo Hauke gefeiert
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Presse

Über die Personen 

Johanna Wokalek / Hauptdarstellerin


Johanna Wokalek ist eine deutsche Bühnen und Filmschauspielerin. Sie studierte unter Klaus Maria Brandauer am Max Reinhard Seminar in Wien. 1998 hatte sie ihre erste Film Rolle in Max Färberböcks AIMÉE & JAGUAR. Seit dem war Johanna Wokalek in zahlreichen Filmen und Theater Inszenierungen zu sehen. Von 2010 bis 2015 war sie Ensemble Mitglied am Wiener Burgtheater. 2008 erhielt sie den Medienpreis Bambi für ihre Darstellung des Rote Armee Fraktion Mitgliedes Gudrun Ensslin in Uli Edel’s DER BAADER MEINHOF KOMPLEX. Weitere Filme mit denen sie viel Aufmerksamkeit erreicht hat sind Hans Steinbichler’s HIERANKL und Til Schweiger’s BARFUSS. Darüber hinaus spielte sie 2009 die Hauptrolle in Sönke Wortmann’s Film DIE PÄPSTIN. Seit 2014 spielt Johanna Wokalek auch Rollen in Opern, zuletzt im Frühjahr 2017 spielte sie die französisch sprachige Hauptrolle in der vielgelobten Inszenierung von Jeanne d’Arc an der Frankfurter Oper.

 

Hans-Jochen Wagner / Hauptdarsteller


Hans-Jochen Wagner ist ein deutscher Bühnen und Filmschauspieler. NachAbschluss der Ernst Busch Akademie in Berlin, begann er seine Karriere 1997 am Burgtheater in Wien. Er spielte in zahlreichen anderen Theatern, bevor er ans Schauspielhaus Düsseldorf kam, an dem er seit 2006 zum Ensemble gehört. Seine erste Filmhauptrolle erhielt er 2003 in Stefan Krohmer’s SIE HABEN KNUT. 2012 erhält er den Preis des Festival des deutschen Films als Teil des Ensembles von Sören Voigt’s Film IMPLUSION und 2014 noch einmal für seine herausragende Leistung in POLIZEIRUF 110 – DER TOD MACHT ENGEL AUS UNS ALLEN. Hans-Jochen Wagner ist darüber hinaus bekannt für seine Rollen in Cate Shortland’s LORE, Maren Ade’s ALLE ANDEREN und Franziska Schlotterer’s ENDE DER SCHONZEIT.

 

Jan Speckenbach / Regie


Geboren 1970 in Münster. Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Medienkunst in München, Karlsruhe und Paris. 2000 Umzug nach Berlin, wo Speckenbach seitdem lebt. Seit 1999 Arbeit als freier Videokünstler vor allem am Theater. Zusammenarbeit mit Castorf, Peymann, Wuttke, Petras, Dröse, Øglænd, Baumgarten u.a. (Nestroy-Preis 2003 für das Video in der Castorf-Inszenierung Forever Young). 2008 ist er für das Videodesign der Birthday-Bash-Tour von Marius Müller-Westernhagen verantwortlich. 2005 nimmt er ein postgraduiertes Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin auf. Sein Kurzfilm Gestern in Eden läuft 2008 in Cannes, Spatzen wird für den Kurzfilm-Oscar qualifiziert. 2011 schließt er das Studium mit dem Spielfilm Die Vermissten ab, der
auf der Berlinale 2012 Weltpremiere feiert und im gleichen Jahr ins Kino kommt. Der Film wird in der Kategorie »Discovery« für den besten Erstlingsfilm beimEuropäischen Filmpreis 2012 nominiert. 2013 zeichnet er für Regie, Bühne und Video der Kurzoper The Raven von Toshio Hosokawa verantwortlich, die in Luxemburg und im Frühjahr 2014 in Paris (Théâtre des Bouffes du Nord) aufgeführt
wird. Auf der Berlinale 2013 gewinnt Speckenbach mit dem Filmvorhaben Das Klopfen der Steine den Made in Germany-Drehbuchförderpreis. Von 2015 bis 2017 realisiert er seinen zweiten Langfilm Freiheit (Regie, Drehbuch, Schnitt) der seine Weltpremiere im Wettbewerb von Locarno und seine Deutschland Premiere bei den Hofer Filmtagen feiert.

 

Eingebetteter Medieninhalt

 

Jeder kann das Gefühl von Nora, der Hauptfigur im Film, verstehen, vor dem Alltag und dem Funktionierenmüssen verschwinden zu wollen. Und jeder kennt den Wunschtraum, einfach zu gehen. Aber auch jeder kennt den Konflikt zwischen Freiheitsdrang und Verantwortungsgefühl.

Dass Nora tatsächlich geht und der Film diesen Wunschtraum des Zuschauers durchspielt, zeigt die Stärke und die Möglichkeiten von Kino. An unzähligen Stellen unseres Lebens kann man analytisch mit Hilfe des Films den Hebel ansetzen. Den genauen Blick den Jan Speckenbach in seinem zweiten Film offenbart, zeugt für großes deutsches Autoren-Kino.

Auch die kulturgeschichtliche Ebene des Films unterstreicht das bemerkenswert. Diese beginnt bei der Lesbarkeit der Hauptfigur als Gedankenspiel über eine heutige Fortsetzung von Henrik Ibsens Drama „Nora – Ein Puppenheim“. Das Drama wurde 1880 zum ersten Mal in Deutschland aufgeführt. Doch die Idee, dass eine Frau ihre Familie verlässt provoziert fast 140 Jahre nach Entstehung noch und markiert einen Tabubruch.

Im Bild „Turmbau zu Babel“ von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahre 1563 kündigt sich das Scheitern eines großen menschlichen Entwurfs bereits unübersehbar an. Auf dieses Bild stößt Nora in Wien und es wird am Ende zum perspektivischen Fluchtpunkt ihrer Reise.

An diesem viel diskutierten Zwischenstopp des Films, schwimmt Nora mit gepacktem Bündel als ganz weiß gewordene Projektionsfläche, oder als erinnerungsloses weißes Blatt über den Fluss.

Jan Speckenbachs Film ist kein feelgood movie, aber ein einmalig konsequentes Filmkunstwerk, eine Spiegelung der Gesellschaft die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Wie soll man Leben, wenn unsere Gesellschaft bereits gravierende Baufehler enthält? Wie kann es sein, dass man sich als vermeintlich erfolgreicher Mensch verloren geht?



17:08 05.02.2018

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