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Einblicke Larraín verleiht dem Genre des Biopics eine unkonventionelle Note, indem er sich auf einen einzigen kritischen Punkt in Jackies Leben konzentriert und ihn auf allen Ebenen offenlegt
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Foto: Tobis Film

ÜBER DIE PRODUKTION

„Jeder kennt die Geschichte von John F. Kennedys Ermordung. Aber nicht aus der Perspektive seiner Frau. Was hat sie in den drei darauf folgenden Tagen durchgemacht? Als sie in Trauer versank, ihr Leben und das ihrer Kinder sich für immer änderte und die Augen der Welt auf sie gerichtet waren? Jackie war eine Königin ohne Krone, die nun ihren Thron und ihren Mann verloren hatte.“

Pablo Larraín, September 2016 

JACKIE nimmt den Zuschauer mit auf eine Zeitreise, lässt ihn an einem der erschütterndsten Momente der US-Geschichte teilhaben. Das anrührende Drama präsentiert auf faszinierende Weise eine neue Sicht auf diese Frau und ihre Zeit und illustriert die moderne Legendenbildung durch die mediale Berichterstattung, die mit Tragödien von so großer Tragweite einhergeht.

Am 22. November 1963 genoß Jacqueline Kennedy weltweit den Status einer der berühmtesten Persönlichkeiten überhaupt, bewundert und beneidet zugleich. Als elegante, modebewusste und attraktive Ehefrau des bisher jüngsten Präsidenten der USA war sie auch die First Lady der Fernsehberichterstattung – fotogen, einnehmend und unergründlich hinter ihrem fast mythisch anmutenden Image aus Anmut, Jugend und Idealismus.

Binnen Stunden sollte sich dies alles schlagartig ändern. Als John F. Kennedy in Dallas neben seiner Frau in einer Autokolonne von den Kugeln eines Schützen tödlich getroffen wurde, brach Jackies Welt zusammen – und mit ihr die Hoffnung einer ganzen Nation. In diesem Moment voller Schock und Verwirrung sah die Welt die Bilder der zurückgenommenen Trauer einer First Lady, die bis heute ihre ergreifende und faszinierende Wirkung nicht verloren haben. Doch niemand bekam zu sehen, wie es hinter den geschlossenen Türen in Jackies Welt aussah. Plötzlich war sie allein, nur die Familie, ein Vertrauter und ein Priester standen ihr bei. Die First Lady hatte als Witwe, Mutter und zögerlich agierendes Rad in der politischen Maschinerie plötzlich jede Menge Herausforderungen zu bestehen. Sie tröstete ihre kleinen Kinder, plante die Beerdigung ihres Mannes sowie die zügige Übergabe des Weißen Hauses an den Nachfolger und sorgte vor allem dafür, dass das politische Vermächtnis ihres Mannes bewahrt wurde.

JACKIE vereint den preisgekrönten Regisseur Pablo Larraín (NERUDA, NO) mit der Schauspielerin und Oscar-Gewinnerin Natalie Portman. Larraín verleiht dem Genre des Biopics eine kühne, unkonventionelle Note, indem er historisches Archivmaterial mit fiktionalen Spielszenen mischt, sich auf einen einzigen kritischen Punkt in Jackies Leben konzentriert und ihn auf allen Ebenen offenlegt. Portman lotet hierbei gekonnt die emotionalen Untiefen einer Frau aus, die ihre nur in kontrollierter Form zur Schau gestellte Trauer vor den Augen der Weltöffentlichkeit in eine Serie von bedeutungsschweren Gesten und Handlungen umsetzt. Das Resultat ist ein intimes Porträt von Jacqueline Kennedy, wie es es bisher noch nie gab – einer verletzlichen Frau, hin- und her gerissen zwischen Verlust, Liebe, Selbsterhaltungstrieb, öffentlichem Interesse und dem Platz ihres Mannes in der Weltgeschichte.

Jackie Kennedy führte ein vielschichtiges Leben, doch als es darum ging, darüber zu schreiben, kam der Drehbuchautor und Journalist Noah Oppenheim zu dem Ergebnis, dass eine Geschichte ihre Persönlichkeit besonders deutlich zum Vorschein brachte: die Tage nach der Ermordung ihres Mannes, als sie nahezu allein im Weißen Haus über das Vermächtnis seiner Präsidentschaft wachte.

Innerhalb einer Woche musste diese von Natur aus eher zurückhaltende Frau unter den Augen der Weltöffentlichkeit ihren tragischen Verlust verarbeiten und auf die harten politischen Realitäten einer Nation, die in ein kollektives Trauma taumelte, reagieren. Obwohl John F. Kennedys Präsidentschaft heute von der US-Bevölkerung sehr geschätzt wird, wurde sein politisches Erbe zum Zeitpunkt seines Todes nicht sehr hoch angesetzt. Nach nur zwei Jahren und neun Monaten im Amt fürchteten seine Vertrauten, dass sein Potenzial und seine Entscheidungen bald vergessen sein würden. Jackie machte es sich zur Aufgabe, die Präsidentschaft ihres Mannes als eine Phase voller Hoffnung und Zuversicht in der amerikanischen Geschichte zu verankern.

„Wie bei so vielen Frauen der Weltgeschichte ist auch Jackie nie ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigt worden. Das Erste, womit sie in Verbindung gebracht wird, sind ihr Stil und ihre Eleganz. Doch sie hat es mit ihrer hervorragenden Öffentlichkeitsarbeit verstanden, nach dem Tod von JFK ein Bild von sich und ihrem Mann zu kreieren, das dem Hofe des König Arthus ähnlich war. Für mich ist das die Phase in ihrem Leben, in der ihre eigentliche Stärke besonders deutlich zutage tritt“, begründet Oppenheim, warum die Wahl ausgerechnet auf diese Woche im Jahr 1963 fiel.

Oppenheim kennt sich in der Welt der Nachrichten und Politik bestens aus. Er leitete das Nachrichtenressort der NBC und war Senior Producer der „Today Show“. Insofern liegt seinem Drehbuch eine solide Rechercheleistung zugrunde. Das Schwierige war allerdings, aus all dem auch die tatsächliche emotionale Befindlichkeit von Jackie herauszuarbeiten. „Natürlich gibt es eine Unmenge an Material über Jackies Leben, die mich gleichzeitig mit der kreativen Freiheit ausstattete, ihre Persönlichkeit tiefer auszuloten und jenseits der Fakten Rückschlüsse auf sie zu ziehen.“ 

Oppenheim sieht ihre Geschichte keineswegs nur als ein Kapitel der Vergangenheit, sie wirkt bis in unsere Zeit nach. „Sie erinnert an eine Zeit, in der Politik noch mit einer gewissen Würde betrieben wurde. Die Präsidentenfamilie im Weißen Haus wurde damals noch von allen bewundert. Jackie war so etwas wie die erste amerikanische Königin; sie zeigte, was es hieß, selbst unter größtem Druck Würde zu bewahren. Und ihr Fall illustriert, wie Personen des öffentlichen Lebens aktiv an ihrer Imagebildung arbeiten und moderne Mythenbildung betreiben.“

Oppenheims Drehbuch landete auf der berühmten „Schwarzen Liste“ von nicht verfilmten Drehbüchern und wurde zum Sprungbrett für seine Karriere als Drehbuchautor. Neben Spielberg zeigte auch Darren Aronofsky reges Interesse, der sich mit BLACK SWAN, THE WRESTLER und REQUIEM FOR A DREAM bereits einen Namen als filmischer Bilderstürmer gemacht hatte. Er stellte er den Kontakt zu Pablo Larraín und Natalie Portman her und beschränkte sich darauf, den Film mit seiner Firma Protoza Pictures zu produzieren.

Aronofsky schildert seine Einschätzung des Projekts folgendermaßen: „Ich fand es interessant, weil es deutlich macht, wie wichtig es ist, auch den Menschen hinter solchen Ikonen zu sehen. Es schwächt unsere Bewunderung für sie nicht, wenn wir nicht nur von ihren Stärken und Mut erfahren, sondern auch von ihren Ängsten und Zweifeln. Dadurch wirken sie doch nur umso realer.“

Als Aronofsky darüber brütete, welche Richtung er mit dem Projekt einschlagen sollte, sah er Pablo Larraíns Film EL CLUB – ein fesselndes Drama, das in einem geheim gehaltenen Altersheim für katholische Priester spielt, die dorthin nach ihren diversen Verfehlungen abgeschoben werden. Larraíns Fähigkeit, seine filmische Erzählung mit einem unverwechselbaren Stil zu versehen, ohne dass emotionaler Tiefgang und politisches Ausmaß der Geschichte in den Hintergrund treten, überzeugte Aronofsky auf Anhieb davon, dass Larraín genau der richtige Regisseur für JACKIE sein würde. 

Der chilenische Regisseur stellte nur eine Bedingung: Natalie Portman müsse Jackie spielen. Aronofsky war ganz seiner Meinung. „Wer kann so eine Ikone überzeugend verkörpern? Natalie ist eine Schauspielerin, die es auf magische Weise schafft, in ihren Rollen als Person zu verschwinden. Sie geht ganz in ihnen auf.“

Larraíns wahrscheinlich bekanntester Film ist der chilenische Film NO, der für einen Oscar nominiert war. Dieses Jahr erregte er mit NERUDA Aufsehen, einem eigenwilligen Biopic über den gleichnamigen chilenischen Dichter und Nobelpreisträger. Aronofsky sieht Larraíns Stärke darin, dem Zuschauer Menschen nahezubringen, die eigentlich unnahbar scheinen. „Als Chilene begegnete Pablo den Kennedys mit weniger Ehrfurcht als ein US Regisseur. Er konnte sich dem Thema auf unorthodoxe Weise nähern und das Projekt so in eine völlig unerwartete Richtung führen.“

Noah Oppenheim war begeistert von der Zusammenarbeit mit Larraín. „Pablo hat das Projekt bereichert, indem er mit einem einzigartigen neuen Ansatz darangegangen ist. Er hat mich dazu animiert, Jackies menschliche Seite und ihre Widersprüche stärker zu ergründen. Das hat das Drehbuch um Längen besser gemacht.“

Larraín konzipierte JACKIE als ein Kaleidoskop, in dem die einzelnen Fragmente aus den zahlreichen Erinnerungen und Eindrücken bestehen, die ihr durch den Kopf gehen und am Ende ein komplexes, facettenreiches Gesamtbild ergeben. Die Kamerabilder sollten geradezu schmerzhaft intim sein, was in einem Film über das Weiße Haus einmalig ist, weil es die First Lady in ihrer Verletzlichkeit quasi ungeschminkt preisgibt. Dieser Ansatz wird von Portmans sensibler Darstellung komplettiert.

Für diesen intimen Stil musste Larraín die Privatperson Jackie gründlich kennenlernen. Er realisierte schnell, dass er eigentlich gar nicht wusste, wie sie wirklich war. Er wollte aufspüren, was sich hinter der stoischen Witwe und charmanten First Lady tatsächlich verbarg. Besonders berührt war er von der Leidenschaft, mit der Jackie sich um ihre Kinder kümmerte und das politische Erbe ihres Mannes zu verteidigen suchte. Dabei verlor sie auch nie die angeschlagene Psyche der amerikanischen Nation aus den Augen. „Hinter den bekannten Fotos von der Stilikone an der Seite JFKs verbarg sich in Wahrheit eine gebildete Frau, die ein ungewöhnliches politisches Gespür hatte. Und sie verstand es, die öffentliche Kommunikation in einer Weise für ihre Zwecke zu nutzen, wie kaum ein anderer ihrer Zeitgenossen.“

Larraín fand es faszinierend, wie Jackie sich im Anschluss an diese einmalige Tragödie der Ermordung eines US-Präsidenten quasi zum Gefäß der kollektiven Trauer einer ganzen Nation machte, die von Zukunftsängsten und Zweifeln geprägt war. „In diesem Moment zeigte sie die Größe einer Königin, sie wurde zur Mutter einer trauernden Nation. Sie schulterte die Sorgen der Nation zusätzlich zu ihrer persönlichen Trauer und trug es mit Würde und ungeheurem Mitgefühl.“

Während dieser turbulenten Woche schloss die Öffentlichkeit Jackie genauso ins Herz wie ihren verstorbenen Mann. „Es war nicht ihre Absicht, zur Ikone zu werden“, betont Larraín. „Doch indem sie sich für das politische Vermächtnis ihres Mannes einsetzte, wurde sie dazu. Diese Lücke zwischen dem, was sie eigentlich wollte, und dem, was dabei am Ende herauskam, fand ich besonders interessant.“

Stilistisch war Larraín fasziniert von der Idee, historisches Archivmaterial (Autokolonne in Dallas, Lyndon B. Johnsons Vereidigung als Präsident in der Air Force One, JFKs Staatsbegräbniszeremonie und das Begräbnis auf dem Arlington Friedhof) mit den gespielten Szenen zu mischen, die nicht dokumentiert werden konnten und Ergebnis gewagter Imagination sind. Der Fernsehbeitrag „A Tour of the White House with Mrs. John F. Kennedy” von 1962 zeigt jene Jackie, wie die Öffentlichkeit sie aus der Zeit vor dem Tod ihres Mannes kannte. Ihre Führung durch das frisch renovierte Weiße Haus zeigt, wie sich ihre öffentliche und private Sphäre in dem gezielten Einsatz dieses brandneuen Mediums mischten. „Ich schaute mir das mehrmals an. Es war ihr erster Fernsehauftritt und sie fühlte sich unwohl dabei, doch Jack hatte sie dazu ermuntert. Sie war fälschlich beschuldigt worden, Steuergelder für die Renovierung verschwendet zu haben, obwohl sie ausschließlich mit privaten Geldern finanziert wurde. Sie verstand es, den Zuschauer zu fesseln. 

Darin betont Jackie, das Weiße Haus sei mehr als nur Heim und Arbeitsplatz des Präsidenten. Vielmehr sei es ein Schaukasten, in dem amerikanische Geschichte, Kunst und Nationalstolz dokumentiert würden. Ein Moment hat Larraín besonders berührt: „Als sie in Lincolns Schlafzimmer steht, erzählt sie, was mit seiner Witwe nach seiner Ermordung geschah. Es wirkte wie eine Vorahnung auf mich. Ich musste diese Führung im Film zeigen, weil an der Stelle zu erahnen ist, dass sie eine innere Last mit sich trägt.“

Larraín wollte auch deutlich machen, dass Jackie die Erste war, die die Kennedy-Regierung mit Camelot gleichsetzte – dem Mythos um König Arthus und die Ritter der Tafelrunde, die sich von edlen Prinzipien leiten ließen. Heute wird die gesamte Amtszeit Kennedys als Camelot bezeichnet, doch es war Jackie, die dieses Bild nach seiner Ermordung in die Welt setzte – in ihrem Interview mit dem „Life Magazine“, das im Film nachgestellt wird. Darin erwähnt Jackie, wie sehr ihr Mann das Musical „Camelot“ von Lerner und Loewe liebte, besonders die Texte: „Lasst uns nicht vergessen, dass dereinst war ein Ort, nur für einen kurzen lichten Moment, den jeder als Camelot kennt.“ Dieser kurze lichte Moment wurde durch das von Jackie bemühte Bild zum Inbegriff des plötzlichen Verlusts der Lichtgestalt des Präsidenten.

Aronofsky holte den Produzenten Scott Franklin mit an Bord, der ihn bei BLACK SWAN, THE WRESTLER und REQUIEM FOR A DREAM zur Seite gestanden hatte. Ari Handel, ebenfalls Produzent bei BLACK SWAN und THE WRESTLER sowie bei NOAH, komplettierte den Stab der Ausführenden Produzenten. Beide waren von dem Stoff fasziniert. „Ich hoffe, dass der Film die Leute dazu bringt, ihre Erwartungshaltung gegenüber dem Genre Biopic zu überdenken, denn Pablo nimmt uns hier auf eine gänzlich andere Reise mit, er lotet emotionale Untiefen aus“, schwärmt Handel.

Produzent Mickey Liddell (THE GREY – UNTER WÖLFEN) von LD Entertainment sorgte dafür, dass die Produktion reibungslos ablief. „Als ich mit Pablo das Projekt am Telefon besprach, wurde mir schnell klar, dass wir ganz auf einer Linie sind. Wir vervollständigten die Sätze des anderen und waren gleichermaßen von dem Drehbuch begeistert. Mich reizte es, ein historisches Drama aus einer neuen Perspektive zu erzählen.“

Larraín baute auch auf die Unterstützung seines Bruders Juan de Dios Larraín, mit dem er bereits andere seiner Filme produziert hatte. „Wir sind Brüder, Partner und Freunde“, fasst Juan de Dios Larraín ihr spezielles Verhältnis zusammen. „Pablos Vision entwickelt sich in vielen Teilen erst im Laufe des Drehs. Ich arbeite schon so lange mit ihm zusammen, dass ich für die nötige Arbeitsumgebung sorgen kann, damit sich seine Kreativität frei entfaltet.“

Natalie Portmans eindringliche, emotional ungeschminkte Darstellung ist das Herzstück von JACKIE. Sie lässt den Zuschauer teilhaben an Jackie Kennedys Seelenzustand während einer ihrer verletzlichsten, nachdenklichsten und klarsten Momente. So eine Rolle zu meistern, fällt einer Schauspielerin sicherlich nicht leicht. Immerhin steht Jackie Kennedy weit oben auf der Liste der am meisten bewunderten Frauen Amerikas. Wie Abigail Adams und Eleanor Roosevelt war auch sie eine First Lady, die den Zeitgeist repräsentierte. Doch sie war auch eine Frau funkelnder Widersprüche. Ihr Abschluss in Romanistik machte sie zur Akademikerin, doch ihr sicheres Gespür für zukunftsweisenden Stil brachte ihr besonders große Popularität ein. Sie war eine zurückhaltende Traditionalistin, doch ihre Selbstbeherrschung entsprach dem Stil der neuen TV-Kultur. Sie war gerade mal 31, als John F. Kennedy Präsident wurde, und wurde zum Inbegriff der im Wandel befindlichen, hoffnungsvollen neuen Welt.

Als ihr Mann starb, verfolgte sie mit eisernen Willen das Ziel, sein Vermächtnis in den Annalen der amerikanischen Geschichte unangreifbar zu verankern: Die Prozession bei seiner Beerdigungszeremonie entsprach der Abraham Lincolns. Sie insistierte darauf, dass er auf dem Nationalfriedhof in Arlington beerdigt wurde und an seinem Grab eine ewige Flamme wie beim Grab des unbekannten Soldaten in Paris errichtet wurde. Damit legte sie gleichzeitig auch das Fundament für ihr Vermächtnis – der Inbegriff einer Frau, die im Angesicht eines schweren Schicksalsschlags Würde und Fassung bewahrt.

Für Pablo Larraín war klar, dass keine andere als Natalie Portman das eindringliche Porträt von Jackie Kennedy gelingen könnte. „Sie hat mit Jackie Kennedy gemeinsam, dass sie die Aura des Geheimnisvollen umgibt. In ihrem Gesicht spielt sich ganz viel ab. Das macht für mich Kino aus. Natalie zeigt uns eine Frau, die innerlich blutet, doch nichts davon nach außen preisgibt.“ 

Portman sah diese Rolle als ihre bisher größte Herausforderung, gepaart mit einer immensen Verantwortung. Doch das Drehbuch überzeugte sie auf Anhieb. Es reizte sie, das zu zeigen, was bisher der Öffentlichkeit vorenthalten worden war – eine Frau, die bestens verstand, welche Bilder im kollektiven Gedächtnis haften bleiben und worauf es ankam. Dieser eiserne Wille trieb sie an in einer Zeit, in der jeder vollstes Verständnis dafür gehabt hätte, wenn sie unter der Trauer zusammengebrochen wäre. „Jackie ist den meisten bekannt als unnahbare Ikone, die immer eine Fassade aufrechterhielt. Wir zeigen den Menschen Jackie, und diesen Ansatz liebe ich an unserem Film.“

In ihrer Verzweiflung hielt Jackie der Gedanke aufrecht, JFK als unsterbliches Symbol für die moralischen Prinzipien Amerikas zu etablieren. „Sie war Akademikerin und begeisterte sich für Geschichte. Jackie wusste, dass es darauf ankam, das Leben ihres Mannes in eine Geschichte zu kleiden, denn das ist es, was von Generation zu Generation weitergegeben wird. Was mich dabei faszinierte, ist, wie sie die Geschichte ihres Mannes kontrollierte und sich dabei gleichzeitig in ihr verlor, um ihrem Kummer ein Ziel zu geben.“

Trotz intensiver Recherche wusste Portman, dass sie sich Jackie auf ihre Art zu eigen machen musste. „Es ist schon beängstigend, so eine bekannte Persönlichkeit zu spielen, von der jeder weiß, wie sie aussah, redete und sich bewegte. Andererseits hatte es den Vorteil, dass all dies in Unmengen von Film- und Radio-Aufnahmen dokumentiert war. Jackie gab nach dem Tod ihres Mannes zwei Interviews – eins im Life Magazine, das andere führte der Historiker Arthur M. Schlesinger Jr. über acht Stunden. Danach sprach sie nie wieder öffentlich über diese Phase ihres Lebens.“ Portman fand es auffällig, wie stark Jackie die Interviews redigierte. Sie fragte sich, was Jackie verbergen wollte. Diese Frage wurde zum wichtigen Schlüssel, als sie sich in die Rolle hineindachte.

Eine Szene, die der Feder des Autors entstammt, empfand Portman als besonders vielsagend: Jackie hört sich eine Aufzeichnung des Musicals „Camelot“ an, als sie verzweifelt eine Reihe von Kleidern anprobiert und keins ihrer gegenwärtigen Stimmung entspricht. Ihre Instinkte haben sie verlassen, doch sie muss die äußere Fassade aufrechterhalten. Für Larraín ist das eine der Schlüsselszenen des Films: „Die eleganteste Frau der Welt ist plötzlich verunsichert, was sie anziehen soll, weil sie nicht mehr weiß, wer sie ist. Natalie zeigt sie, wie sie nicht aufhören kann, Kleider anzuprobieren. Ein wunderschön trauriges Bild für ihre Identitätskrise.“

Der Film besteht fast nur aus extremen Großaufnahmen. Kameramann Stéphane Fontaine wurde quasi zu Portmans Schatten. Die beiden glichen zwei Balletttänzern beim Pas de Deux. „Stéphanes Kameraeinstellungen und -bewegungen haben die emotionale Ebene der Szenen verstärkt. Vieles von dem war das Resultat unserer gemeinsamen Improvisation. Wenn ich mich bewegte, musste er sich mir spontan anschließen. Seine Kamera war mir so nah, dass sie sich wie ein Teil von mir anfühlte.“

Portman hofft, dass sie mit ihrer Darstellung dazu beiträgt, dass wir in Jackie Kennedy nicht nur eine Ikone sehen, sondern auch ihre zutiefst menschliche Seite.

Neben dem Hochseilakt von Natalie Portman zeichnen ihre ebenso talentierten Kollegen historisch verbriefte Konflikte, Konstellationen und Persönlichkeiten nach, die in den Tagen nach dem Mordanschlag eine wichtige Rolle in Jackies Leben spielten: Ihr Schwager, ihre beste Freundin, ihr Priester und der Journalist, der ihre Geschichte für die Öffentlichkeit aufbereitete.

Greta Gerwig (FRANCIS HA, MAGGIES PLAN) spielt Jackies Assistentin und engste Vertraute seit Kindertagen – Nancy Tuckerman. Beide spielten bereits Seite an Seite in FREUNDSCHAFT PLUS, insofern wirkte ihre Vertrautheit im Film echt. „Natalie und Greta verstehen sich blendend, die Freundschaft zwischen diesen beiden Frauen fühlt sich daher echt an. Greta verkörpert die Frau, an deren Schulter sich Jackie ausweinen konnte, auf sehr anrührende Weise“, schwärmt Pablo Larraín.

Gegenüber ihrem genauso erschütterten Schwager, dem Justizminister Robert F. Kennedy zeigt Jackie ebenfalls eine recht unbekannte Seite. Peter Sarsgaard (BLUE JASMINE, AN EDUCATION, KINSEY) spielt den späteren Präsidentschaftskandidaten, der 1968 selbst Opfer eines Mordanschlags wurde und ebenfalls zur amerikanischen Ikone wurde. „Ich zögerte zunächst, RFK zu spielen. Ich musste sehr mit mir ringen. Doch der Mann hat mich immer fasziniert. Obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich die Aufgabe stemmen würde, hat Pablo mir voll und ganz vertraut.“ Für Natalie Portman war es bereits die zweite Zusammenarbeit mit ihm, sie kannten sich von GARDEN STATE: „Wir hatten sehr emotionale Szenen, eine davon hat mich besonders berührt. Wir stehen in Lincolns Schlafzimmer und Bobby spricht darüber, dass es niemals möglich sein wird, der Welt zu zeigen, wie großartig Jack war.“ Sarsgaard glaubt, dass der Tod JFKs bei beiden eine immense Lücke hinterlassen hat. „Ihre Trauer war so heftig, dass der Film nicht Gefahr lief, ins Sentimentale zu kippen.“ Sarsgaard haderte etwas mit der Tatsache, dass er Bobby Kennedy nicht sonderlich ähnelt. „Pablo schlug mir vor, ich sollte eine entsprechende Zahnprothese tragen. Ich habe sie nicht in jeder Szene getragen, doch sie hat mir dabei geholfen, neben der inneren auch die äußere Nähe zu intensivieren.“

Eine weitere wichtige Figur ist der Mann, der schlicht „Der Journalist“ genannt wird. Als Vorbild diente Theodore H. White vom Life Magazine. Billy Crudup spielt den Mann, der herausfindet, welche Pläne Jackie nach dem Mord ihres Mannes verfolgt. Neben SPOTLIGHT und Cameron Crowes ALMOST FAMOUS ist Crudup aktuell an der Seite von Greta Gerwig in 20TH CENTURY WOMEN zu sehen. „Ich spiele den Journalisten, den Jackie kontaktiert, um ihre Version der Präsidentschaft ihres Mannes an die Öffentlichkeit zu bringen. Pablo wollte, dass der Journalist Jackie für oberflächlich hält. Sie wurde von vielen als unwichtige Figur einer nur kurzen Präsidentschaft abgetan. Doch allmählich entdeckt meine Figur, was für ein Mensch Jackie wirklich ist, und kann nicht umhin, ihren eisernen Willen zu bewundern.“

Der Priester, den Jackie ins Vertrauen zieht, wird von keinem Geringeren als John Hurt gespielt. Portman und er arbeiteten bereits in V WIE VENDETTA zusammen. Larraín ist schon seit langem ein Bewunderer von Hurts Genie. „Er erweckt den Eindruck, für die absolute Wahrheit zu stehen. Ich selbst habe einen katholischen Hintergrund und Jackie war bekannt dafür, sich bei Priestern Rat zu suchen, deshalb wollte ich das in unsere Geschichte einbauen. Zwischen den beiden gibt es eine Schlüsselszene, die entscheidend dafür ist, dass Jackie die Kraft findet, weiterzumachen.“

Pablo Larraín brauchte für seine spezielle Mischung aus Archivmaterial und nachgestellten Szenen ein Team, das sein Konzept entsprechend umsetzen konnte. Er fand es in dem Kameramann Stéphane Fontaine (CAPTAIN FANTASTIC, DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN, EIN PROPHET), Cutter Sebastian Sepúlveda (EL CLUB), Produktionsdesigner Jean Rabasse (VATEL, DIE TRÄUMER), Kostümbildnerin Madeline Fontaine (AMÉLIE) und der Komponistin Mica Levi (UNDER THE SKIN).

Larraín wollte, dass die nuancierten Veränderungen von Jackies Gemütsverfassung mittels Kamera und Filmdesign visuell in Szene gesetzt werden. „Zu diesem Zweck haben wir viele Einstellung mit Handkamera gedreht und Sets gebaut, in denen wir den vollen 360 Grad-Radius ausschöpfen konnten. Die meisten Scheinwerfer haben wir an der Decke befestigt, das hat die Bewegungsfreiheit noch zusätzlich erhöht. Es sollte so wirken, als würden wir mit versteckter Kamera hinter verschlossenen Türen die intime Gefühlslage von Jackie filmen.“

Kameramann Fontaine verrät, dass sie für die raffinierte Kombination von Archivmaterial mit nachgestellten Szenen zum Teil auf 16mm-Material gedreht haben. „Pablo und ich haben uns eine Menge Archivmaterial aus den 60ern angeschaut. Dem visuellen Look wollten wir uns anpassen, doch es sollte nicht zu grobkörnig ausfallen. Isabelle Julien, eine Koloriererin, mit der ich schon lange zusammenarbeite, hat es wunderbar hingekriegt, das farblich aufeinander abzustimmen.“

Um die Fernsehsendung mit Jackies Führung durch das Weiße Haus nachzustellen, benötigten sie Kameras aus den 60ern, um visuell möglichst nahe am Original zu bleiben. „Die Technologie des Farbfernsehens damals separierte Rot-, Blau- und Grüntöne voneinander und wandelte sie in Fernsehsignale um. Das erzeugte einen unverwechselbaren Look. Ich hatte für meinen Film NO dieselbe Technik eingesetzt. Die Kamera lag noch bei mir Zuhause. Ich habe sie Stéphane mitgebracht, er hat damit die Führung gedreht und das Material anschließend digital nachbearbeitet“, erläutert Larraín.

Jean Rabasse baute die Sets haargenau so auf, wie es auf dem Archivmaterial, das er für die Recherche heranzog, abgebildet war. „Jean baute uns diese riesigen Räume, in denen Stéphane Natalie in einer Totalen filmte, die ihre Einsamkeit und Verzweiflung deutlich macht“, erläutert Produzent Mickey Liddell. Larraín schwärmt von Rabasses Nachbau des Interieurs vom Weißen Haus: „Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das erste Mal den fertigen Set betrat. Es hat mich umgehauen. Es sah dort genauso aus, wie man es von den Fotos her kennt. Jackie hat damals bei der Umgestaltung einen französischen Stoffdesigner hinzugezogen. Jean und die Kostümbildnerin Madeline Fontaine kontaktierten die Firmen, die damals die Stoffe für Jackie Kennedy in den 60ern herstellten. Die Stoffe, die nicht mehr produziert wurden, haben sie extra für den Film anfertigen lassen.“

Rabasse war sich bewusst, wie groß die Erwartungen waren, die er zu erfüllen hatte. „Jeder ist mit dem Weißen Haus aus Film und Fernsehen vertraut. Das war schon etwas beängstigend. Zumal ich Franzose bin und vorher noch nie in Washington war! Wir wollten die Nachbildung natürlich so authentisch wie möglich gestalten. Zum Glück haben wir bei unseren detaillierten Recherchen sogar den Originalentwurf von Jackies Umgestaltungsmaßnahmen von 1962 aufgetrieben.“ Auch den Fernsehbeitrag „A Tour of the White House with Mrs. John F. Kennedy” studierten er und sein Team gründlich, um die Sets exakt nachbilden zu können. „Einer meiner Assistenten verbrachte zwei Monate damit, alle Gemälde zu identifizieren und die exakte Höhe, in der sie gehängt wurden.“

Trotz Rabasses Detailtreue gab es Raum für expressionistische Nuancen. „Pablo meinte, wir sollten bei der Gestaltung Mut im Einsatz von Farben zeigen, das würde dem Geist Jackies entsprechen. Also nutzten wir Farben, um ihre Gemütslage zusätzlich zu unterstreichen. Als sie nach der Ermordung ihres Mannes allein im Esszimmer des Weißen Hauses steht, haben wir alles in braun, orange oder grün gehalten. Damit betonen wir ihre Trauer und die Ungewissheit, die sie in dem Moment umgeben.“

Eine besondere Herausforderung war das Nachstellen der Autokolonne in Dallas, als JFK Opfer des Anschlags wurde. Die Filmaufnahmen dieser Tat gingen um die ganze Welt. Es war zu sehen, wie der Präsident getroffen in sich zusammensackt und Jackie panisch reagiert. Sie wurden wieder und wieder gesendet, in Filmen verwertet und haben Eingang ins Internet gefunden. Im Film ist diese Szene mehrfach zu sehen. Leider stand der Originalschauplatz auf der Elm Street nahe dem Dealey Plaza für das Filmteam nicht mehr zur Verfügung – die Durchgangsstraße ist zu stark befahren und eine Touristenattraktion. Stattdessen wurde auf einer Straße nahe der Hauptstadt Washington gedreht. „Wir drehten an einem Highway in Maryland mit ähnlichen Überführungen. Wir konnten die Kamera auf einen Kran setzen, den wir am Wagen befestigten. Natalie saß die ganze Zeit über im Wagen, sie hat alles selbst gespielt, ohne den Einsatz eines Stuntdoubles. Das war ein sehr emotionaler Drehtag. Wir wollten die Ereignisse authentisch nachbilden, aber mit angemessener Sensibilität und angemessenem Respekt. Kennedy wurde brutal aus dem Leben gerissen, doch Pablo hat es sehr gut verstanden, den richtigen Ton zu treffen“, erläutert Produzent Scott Franklin.

Cutter Sebastian Sepúlveda verstand es, die nicht chronologisch erzählte Geschichte, die geradezu hypnotisch in der Zeit hin- und herspringt, meisterlich zu einem verständlichen Ganzen zu fügen. Außerdem musste er viele verschiedene Elemente miteinander mischen: emotional intensive Sequenzen, Zeitsprünge, die Kombination von Doku-Material und nachgestellten Szenen, Schwarzweiß- und Farbaufnahmen. „Es war wirklich knifflig, die vier Ebenen des Films zusammenzubringen“, kommentiert Larraín. „Ich habe öfter Sebastian ganz nervös angerufen und ihn gefragt, ‚Wie kriegen wir das bloß alles zusammen?‘ Er riet mir dann, nach emotionale Brücken zu suchen.“ Sepúlveda sah darin den roten Faden. „Natalies emotionale Reise war das Rückgrat der Geschichte. Der Zuschauer sollte emotional nah an ihr dran sein. Sie trauert, das hat zur Folge, dass die Chronologie in Fragmente zerbricht.“

Eine besonders spannende Herausforderung war für Sepúlveda das Zusammenfügen von Teilen des Originalfernsehbeitrags von Jackies Führung durchs Weiße Haus mit den Aufnahmen, in denen Natalie Portman zu sehen ist. „Wir wollten den Zuschauer spielerisch verwirren, sodass er nicht mehr unterscheiden kann, was aus dem Originalmaterial stammt und was von uns nachgestellt wurde. Natalie schlüpft dabei in die Rolle von Jackie wie sie sich fürs Fernsehpublikum in Szene setzt.“  

Jackie Kennedy hat in ihrer Funktion als First Lady Millionen von Frauen weltweit mit ihrem zwanglosen Chic inspiriert. Ihr modisches Markenzeichen hatte Klasse und war modern, klar und feminin, Kleider mit ausgestelltem Rock, farbige Pillbox-Hüte und strenge, kastenförmige Chanel-Kostüme. Dieser Stil prägte Jackies Image in der Öffentlichkeit. Die französische Kostümdesignerin Madeline Fontaine hatte die schwierige Aufgabe, Natalie Portman mit Jackies legendärer Garderobe auszustatten. Fontaine stellte ihr Können bereits in Filmen wie AMÉLIE, MATHILDE – EINE GROSSE LIEBE und YVES SAINT LAURENT unter Beweis. Eine der größten Herausforderungen bestand für sie darin, das einmalige Pink des Chanel-Kostüms sowie des Hutes nachzuahmen, die Jackie beim Mordanschlag in Dallas trug. Fontaine musste insgesamt fünf Exemplare anfertigen, die mit den verschiedenen Kameras, die im Einsatz waren, farblich abgestimmt wurden. Auch für den Fernsehbeitrag zur Tour durchs Weiße Haus mussten zwei Exemplare des dunkelroten Wollkleids angefertigt werden, von dem eins eher pink war. „So konnten wir für die Schwarzweiß-Bilder des Fernsehbeitrags die entsprechende Grauschattierung des Originalbeitrags erzeugen.“

Auch bei der Musik war Larraín daran gelegen, nicht den gängigen Vorlagen des Biopic-Genres zu entsprechen. Konsequenterweise wandte er sich also an die experimentelle Komponistin Mica Levi, die durch ihre enervierend verführerische Filmmusik in UNDER THE SKIN bekannt wurde. Sie sollte ihm einen unkonventionellen, originellen Soundtrack liefern. Larraín griff bei der Montage dann auch gleich auf Levis fertige Komposition zurück, anstatt wie sonst oft üblich mit einer vorläufigen Musikspur zu arbeiten.

Levi ließ sich ebenso wie Larraín von Jackies vielschichtigen Persönlichkeit inspirieren. „Sie war keine protzige Person, sondern eher zurückhaltend. Sie konnte sehr freundlich, aber auch recht hart sein. Sie war ein widersprüchlicher Mensch. Und selbst im Moment dieser persönlichen Tragödie bewahrt sie sich ein gewisses Maß an Vornehmheit.“ Levi ließ sich musikalisch von den Instrumenten und Musikströmungen der 60er leiten. Jazzvirtuosen John Coltrane und Morton Feldman waren für sie ebenso wichtig wie die beiden Musicalkomponisten Lerner und Lowe, aus deren Feder JFKs Lieblingsmusical „Camelot“ stammt. „Im Computer kombinierte ich einige Instrumente aus der Zeit – Vibraphon, Flöten, Streicher, Klarinette, Piano und Schlagzeug. Mit den Schnarrtrommeln wollte ich eine militärische Note reinbringen. In Jackies Leitmotiv spielen die Streicher ein Glissando, also eine gleitende Variation der Tonhöhe. Es erzeugt eine leichte Disharmonie und entspricht somit Jackies damaliger Situation.“

Cutter Sebastian Sepúlveda fühlte sich durch Levis musikalische Untermalung verstört und inspiriert zugleich. „Das entspricht nicht der Musik, mit der wir üblicherweise arbeiten. Wir fühlten uns wie Kinder im Süßwarenladen und spielten mit der Musik herum. Sie ist tragisch und schön zugleich. Wir konnten damit ganz neue Wege gehen.“ 

Für Larraín passt Levis Soundtrack perfekt in sein filmisches Konzept. „Ich wollte mit diesem Film die verschiedenen Ebenen von Jackie ausloten. Doch die setzen sich aus einzelnen Erinnerungsfragmenten zusammen, die erst zusammengesetzt ein Ganzes bilden – die Ideen und Emotionen, die eine Person ausmachen. Und Natalie ist diejenige, die all diese einzelnen Elemente zu einem Ganzen fügt – zu Jackie.“

16:01 26.01.2017

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