Enthüllungen

Zum Film Piotr J. Lewandowskis "Jonathan" erzählt mit erstaunlicher Leichtigkeit die dramatische Geschichte einer Familie, deren streng gehütetes Geheimnis nach und nach an die Oberfläche tritt
Enthüllungen
Foto: Jeremy Rouse

Jonathan (Jannis Niewöhner) ist 23 und lebt auf dem Bauernhof seiner Familie. Sein Vater Burghardt (André M. Hennicke) hat Krebs und weiß, dass er sterben wird. Jonathan kümmert sich selbstlos um Burghardt, doch er spürt, dass etwas zwischen ihnen steht. Die unsichtbare Mauer zu seinem Vater kann Jonathan nicht durchdringen, Burghardt lässt keine Nähe zu. Dass Burghardt alle Fragen Jonathans zu seiner Mutter unbeantwortet lässt, macht die Situation nicht einfacher.

Gemeinsam mit seiner Tante Martha (Barbara Auer) bewirtschaftet Jonathan den Hof der Familie. Auch das Verhältnis zwischen Burghardt und seiner Schwester Martha ist zerrüttet, seit Jahren haben sie kein Wort miteinander gewechselt und Martha besucht ihren todkranken Bruder nie. Um ihren Neffen bei der Pflege zu unterstützen, engagiert sie die Pflegerin Anka (Julia Koschitz). Anka findet nicht nur einen Weg, dass Burghardt die benötigten Medikamente einnimmt, sondern auch sofort einen Zugang zu ihm: Burghardt erzählt Anka bereitwillig von sich und seiner Vergangenheit. Jonathan ist erleichtert, Unterstützung zu bekommen und die Leichtigkeit, mit der Anka den essenziellen Fragen des Lebens begegnet, fasziniert ihn. Er verliebt sich Hals über Kopf. Als Anka die von Jonathan selbst gebauten Lampen entdeckt, ermutigt sie ihn, etwas aus seinem Talent zu machen. Durch Anka beginnt Jonathan, sein bisheriges Leben mehr und mehr in Frage zu stellen.

Burghardts Schwester Martha ist eine Einzelgängerin, ihr Alltag wird bestimmt von der Arbeit auf dem Hof. Ihre Einsamkeit und ihren Kummer ertränkt sie im Alkohol. Als Martha einen fremden Mann mit einem Warnschuss vom Hof vertreibt und anschließend Jonathans Fragen zu diesem Vorfall ausweicht, wird immer deutlicher, dass vor Jonathan ein tief greifendes Familiengeheimnis verborgen wird.

Burghardts Zustand verschlechtert sich zunehmend. Als er zusammenbricht, muss er ins Krankenhaus. Jonathan begleitet ihn dorthin. Er leidet sehr darunter, nichts für seinen Vater tun zu können. Martha findet bei ihrem schlafenden Bruder ein altes Foto, aufgebracht verlässt sie daraufhin die Klinik. Sie sucht den Mann auf, den sie zuvor mithilfe des Gewehrs vom Hof vertrieben hat und fährt ihn ins Krankenhaus. Burghardt reagiert überrascht, als er den Besucher erkennt: Es ist Ron, sein Jugendfreund. Die Freude der beiden Männer ist unübersehbar. Als Burghardt wieder nach Hause darf, begleitet Ron Jonathan und ihn auf den Hof. Ron will sich nützlich machen und die Pflege Burghardts übernehmen, doch Jonathan blockt ab. Burghardt dagegen blüht regelrecht auf.

Mehr und mehr sieht Jonathan in Ron einen Eindringling, er gerät mit Burghardt und Ron aneinander. Im Versuch zwischen Vater und Sohn zu vermitteln, gerät Anka zwischen die Fronten. Sie packt ihre Sachen und verlässt den Hof. Wütend und überfordert bleibt Jonathan zurück. Er erhofft sich Antworten von seiner Tante, doch es kommt zu einer erneuten Auseinandersetzung. Im Streit wirft Martha ihrem Neffen vor, dass er und sein Vater nicht für die Wahrheit gemacht seien. Jonathan versteht Marthas Worte nicht, spürt jedoch, dass etwas Entscheidendes unausgesprochen ist.

Jonathan will nun endlich von seinem Vater die Wahrheit erfahren, findet aber nur eine Notiz, die ihm mitteilt, dass Burghardt mit Ron ans Meer gefahren ist. Jonathan reist den beiden hinterher, um Burghardt mit seinen Fragen zu konfrontieren. Dabei kommt eine Wahrheit ans Licht, die das Vater- Sohn-Verhältnis vor eine Zerreißprobe stellt.

Jonathan versteht langsam, dass Lieben auch bedeutet, loszulassen.

16:55 05.10.2016

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